022: Sprechwege mit Katja Klee – Mit einer persönlichen Geschichte sichtbar werden

022: Sprechwege mit Katja Klee – Mit einer persönlichen Geschichte sichtbar werden

Katja Klee beschreibt in ihrer Autobiografie „Lebenswert“ ihren persönlichen Lebens- und Leidensweg. Mit der Erscheinung des Buches kamen auch Lesungen auf sie zu. Wie geht man mit dem Auftritt und dem Vortrag solch persönlicher Geschichten um? Wie geht Katja mit Aufregungen und Lampenfieber um?

Erfahre all dies in diesem Interview über einen ganz persönlichen Lebensweg.

ÜBERBLICK: In dieser Folge erfährst du …

  • Wer Katja Klee ist und warum sie sich selbst als Überlebenskünstlerin bezeichnet
  • Dass ein selbstbestimmter Weg nicht der leichte aber der authentischere ist
  • Wie Katja mit den Herausforderungen des öffentlichen Sprechens und dem Sichtbar werden mit einem so privaten Thema umgeht
  • Dass Reisen, auf einer Bühne reden und vieles mehr nichts mit „Fertig“ sein oder Perfektion zu tun hat, sondern einfach mit machen!

SHOWNOTES: Die Links zur Folge …

  • Katja Klees Buch und den Kontakt zu ihr bekommst du über ihr Facebook-Profil. Ihr Buch ist im Self-Publishing erschienen und du kannst sie mit dem Kauf des Buches persönlich unterstützen.

 

BLOGARTIKEL: Für Leseliebhaber …

Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen zu dieser Folge von „Zeig dich und sprich“. Ich freue mich sehr, dass ich hier meinen heutigen Interviewgast begrüßen darf und zwar habe ich heute die Katja Klee im Interview. Hallo Katja.

Katja Klee: Hallo Steffi.

Steffi Schwarzack: Bevor Katja sich ein bisschen vorstellt und wir zu den Fragen kommen, würde ich gerne erzählen, wie ich sie kennengelernt habe. Das Erste, was ich von Katja nämlich erfahren habe oder wahrgenommen habe war, dass sie Autorin ist und zwar wurde zu einer Lesung von ihr eingeladen über ein Netzwerk hier in München für Unternehmer und es hat mich interessiert und da bin ich hin. Dann ist sie mir da begegnet und hat jeden persönlich begrüßt mit einem sehr kräftigen Händeschlag und auch mit einem sehr intensiven langen Blick. Das weiß ich noch, das ist mir so im Blick im Kopf geblieben, das war so mein erster Eindruck von ihr und so bin ich ihr begegnet, als die lesende Autorin. Jetzt Katja, jetzt kannst du dich vielleicht selber noch ein bisschen vorstellen, wer bist du was machst und was ist dein Buch?

Katja Klee: Autorin würde ich ganz am zum Schluss setzen, primär sehe ich mich beruflich gesehen als Hotelfachfrau im Tourismus behaftet, wo ich auch jahrelang gearbeitet habe und ansonsten eigentlich als Lebenskünstler oder Überlebenskünstler. Geboren in Lateinamerika in Mexiko, mit 13 Jahren nach Deutschland gebracht worden mit meinen Eltern. Dann war mein einziges Ziel deshalb auch der Tourismus, wieder ins Ausland zurückzugehen, habe Hotelfachlehre angefangen und 1992 statt ins Ausland ging es leider erst mal ins Krankenhaus, wo ich meine Erstdiagnose bekam. Dann folgten zehn Jahre eigentlich im Vakuum im Nichts und durch und Glück oder wie auch immer war ich dann auch eine Bürokauffrau und haben dann bei einem Reiseveranstalter lange, lange arbeitet und mich aber 2010 gegen Medikamente entschlossen und das hat mein ganzes Leben leider oder gottseidank verändert je nachdem verändert. Somit bin ich 2011 in Krankenstand gegangen und da leider drin, in Anführungsstrichen. Ja.

Steffi Schwarzack: Was du noch gar nicht so gesagt hast, worum dein Buch geht, dein Buch heißt „lebenswert“ und da erzählst du sozusagen von dem Leben, was du jetzt kurz skizziert hast und vielleicht damit die Hörer das wissen so ein bisschen, worum es drum geht?

Katja Klee: Wichtig vorab zu sagen, klar, es ist ein Leben dominiert von einer Krankheit, aber es ist kein Krankheitsbuch, das ist mir immer sehr wichtig. Es ist für mich ein Lebensbuch. Es ist eine sehr extreme außergewöhnliche Geschichte für die Ärzte, die, dir mir glaubten oder die meinen Weg mitgingen war es auch wie gesagt das ist einzigartig diese Störung, wie ich sie habe, wie ich auch damit umgehe und immer gearbeitet habe. Somit ist es für mich ein Buch Leuten Mut zu machen ihren Weg zu gehen, anders mal Sachen zu betrachten oder nicht immer direkt zu verurteilen, was leider in der Gesellschaft nicht und nur in Deutschland, sondern überall in der Welt der gleiche Mechanismus ist. Dieses Vorurteil, man sieht etwas, man ist befremdet davon, aber dann kommt sofort die Interpretation, man fragt nicht erstmal, was ist mit Menschen. Das war so ein bisschen auch die Aussage von dem Buch, anders mal denken, anders zu betrachten und anders ist für mich auch ein sehr wichtiger Begriff geworden, nicht zu bewerten in besser oder schlechter, sondern anders.

Steffi Schwarzack: Das war auch der Grund während ich in dieser Lesung saß, wo ich so dachte, ich würde die Katja gerne mal zum Interview einladen, weil ich das sehr ermutigend fand, dass du einfach mit dieser Geschichte rausgehst und mit dieser Botschaft rausgehst in die Welt und dich da traust vor andere Leute zu treten und dich zu zeigen mit dem, was jetzt gesellschaftlich gesehen jetzt nicht mehr positiv besetzt ist. Weil das gerade so zu diesem Motto, was ich in die Welt bringen will, so gut passt, zeig dich und sprich, mit dem was ist, das war so mein Bestreben zu sagen, ich lade dich deswegen hier ein.

Katja Klee: Jetzt sollte man erstmal sagen, was ich überhaupt habe, dass man das überhaupt …

Steffi Schwarzack: Das sage ich dann, ja genau, das können wir hier auch noch sagen.

Katja Klee: Also noch im Anschluss, es geht hier um eine Zwangsstörung und im Hintergrund einhergehend eine Tourette- oder Tic-Symptomatik, aber die Zwänge sind im Vordergrund und somit Zwangsstörungen selber laufen im Verborgenen ab. In der Regel brauchen Menschen 10 Jahre bis sie mit der Geschichte rauskommen, bei mir waren es leider 30 Jahre, aber gut, weil ich einfach mein eigenes System aufgebaut habe.

Steffi Schwarzack: Aber genau dieser Aspekt, dass du jetzt sagst, ich gehe nicht diese klassischen Wege, auch wenn ich vielleicht 30 Jahre bis dahin gebraucht habe, sondern ich gehe selbstbestimmend damit um, das finde ich das Spannende.

Katja Klee: Ich glaube, den klassischen Weg bin ich nie gegangen.

Steffi Schwarzack: Ja. Wann war denn der der Punkt, wo du gemerkt hast, du willst deine Geschichte jetzt nach draußen hin zeigen?

Katja Klee: Na ja, was heißt zeigen, es war ja nicht zu übersehen leider. 2005 war das erste Mal, dass ich anfing zu schreiben. Damals 2004 war das erste Jahr, wo ich versuchte ohne Medikamente zu überleben, das hat mich fast das Leben gekostet. Ende 2004 wurde ich wieder auf ein neuartiges Präparat eingestellt, es hätte auch was werden können, aber man wusste es nicht und somit wo ich anfing zu schreiben war Anfang 2005, wo ich noch geistig klar und dann mit der Zeit trübte ich ein und dann habe ich auch aufgehört zu schreiben. Somit damals habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, was da jemals draus wird und 2013, da war ich mittlerweile nach der zweiten Hirn-OP in Köln. Es ist in den ganzen Jahren so viel immer doppelt und dreifach und gleichzeitig passiert und so viele extreme Sachen, wo ich dachte, das will ich der Welt mitteilen, was alles passiert. Auch für mich war das eine Entwicklung zu erkennen, dass ich komplett anders mit meinem Krankheitsbild umgehe als das, was leider in Psychiatrien zu finden ist und auch wenn es schwierig für mich war, im Grunde genommen war es gut, dass ich erst 1992 überhaupt eine Erstdiagnose bekam, weil ich konnte dann einen Beruf erlernen und alles Mögliche. Hätte man mich mit 14 vielleicht schon ins Krankenhaus gesteckt, hätte ich nie eine Zukunft gehabt. Somit denke ich, bin ich von klein an immer andere Wege als gegangen, galt natürlich als Remittent.

Steffi Schwarzack: Was ist jetzt aber so dieses Hauptmotiv, dass du sagst, du bist willst, du sagst, du schreibst in dem Buch, du willst Spuren hinterlassen. Was ist so diese Botschaft da?

Katja Klee: Das ist die letzten 6 Jahre, ich konnte mich auf Grund meiner Zwangsstörungen nicht kleiden, weil ich die Kleidung zerriss, somit konnte ich mich entscheiden, bleibe ich zu Hause, isoliere ich mich oder gehe ich Decke barfuß Sommer wie Winter raus. Ich habe mich für das zweite entschlossen und diese Zeit, die Diskriminierung, die tagtägliche Diskriminierung der Gesellschaft und Justiz, das ist mir so an die Nieren gegangen und mittlerweile, auch wenn ich mich jetzt wieder kleiden kann, sobald mich jemand schräg anguckt, kriege ich sofort aggressiv. Also ich kann das überhaupt nicht mehr verkraften und das war dann eigentlich der Punkt, diese Vorurteile, die ich erlebt habe bei Menschen und dieses eingeschränkte Denken und es ist überall in der Welt das Gleiche, die Vorurteile, gerade auch in den sogenannten Fachkreisen, sind am schlimmsten. Das hat mich dazu bewogen zu sagen, nein, ich will einfach meine Geschichte erzählen, ich will Leute animieren und das ist egal in welchem Bereich, das ist egal, ob im gesundheitlichen Bereich oder im ganz anderen Lebensbereich, sich selber treu zu sein, seine Ideen umzusetzen und auch Risiken einzugehen. Ich sage immer, ich habe alles verloren, was mir je wichtig war und die letzten 6 Jahre waren die Hölle auf Erden, aber gleichzeitig meine bereicherndste Zeit.

Steffi Schwarzack: Irgendwo hast du geschrieben, dass du sagst, dass 5 Prozent der Leute weltweit nicht mit dir können oder du hast es …

Katja Klee: 95 Prozent.

Steffi Schwarzack: Nein, ach so, so war das.

Katja Klee: 95 Prozent können nicht und 5 sind okay.

Steffi Schwarzack: Ja, so war das. Das hat …

Katja Klee: Und das hat für mich auch keinen ideologischen Hintergrund, das ist auch für mich egal, in welchem Land ich mich bewege. Ich war auch in der Türkei noch 2015, ich meine es ist ein fundamentalistisches Land, da weiß ich, ich kann nur rausgehen, wenn ich angezogen bin, weil sonst werde ich halt umgebracht. Dann ist es so. Somit bin ich dann auch nur raus, wenn ich angezogen war. Aber auch in der Türkei habe ich Menschen kennengelernt, die mit meiner Art konnten. In Kenia nochmal ein ganz anderer kultureller Hintergrund, da geht halt kein Europäer in Decke barfuß herum, das ist da nicht der Fall. Da hatte ich die gleichen Probleme, in Nairobi wäre man auch nicht erfreut gewesen, wenn ich so rumlaufe. Somit war das auch sehr schwer, aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, ich war in der Masai Mara in der Serengeti und bin in ein Camp gelandet und ich habe die Krise bekommen, weil ich gedacht habe ich schlafe …

Steffi Schwarzack: In einem Massai Camp oder?

Katja Klee: Die Massais haben das Camp bewacht.

Steffi Schwarzack: Okay.

Katja Klee: Also ich dachte eigentlich, wir würden in einem kleinen Hotel übernachten, aber nein, wir hatten so Zelte. Für mich war klar, No-Go in einem Zelt zu schlafen, weil wenn es alles komplett dunkel ist, kriege ich die Krise, ich muss etwas sehen können. In dem Camp wurde nachts das Licht, da gab es nur Strom, wenn der, klar, wenn der

Steffi Schwarzack: Wenn der Generator an war.

Katja Klee: Generator an war und da habe ich gesagt, No-Go, ich werde auf keinen Fall in dieses stockdunkle Zelt, ich kriege da die Krise. Für mich war es ganz schlimm, aber ich fand es interessant, weil die Leute, die dort arbeiten, das waren Massais überwiegend, die haben überhaupt nicht verstanden, was ich denen da erzählte von meiner Krankheit, natürlich haben die mein Englisch verstanden, aber die konnten überhaupt nicht transportieren, was hat die Frau wirklich. Aber es war egal, weil die haben verstanden, da ist die Notwendigkeit zu handeln, und das fand ich irre. Die haben mir dann eine Alternative angeboten, dass ich nachts, ich brauche eh wenig Schlaf, mit den Massais am Feuer sitze, die das Camp bewachen. Ich fand das toll und dann habe ich eigentlich zwei, drei Nächte mit den Massais am Feuer gewacht und mit denen Gespräche geführt, sehr interessante Gespräche.

Steffi Schwarzack: Ich war auch vor einer Weile in Tansania und bin da auch einem Massai begegnete, ist schon wahrscheinlich jetzt knapp 20 Jahre her, aber es war auch beeindruckend.

Katja Klee: Auch so unterschiedlichen Welt und auch bei den Massai da erlebte ich zumindest eine Denkoffenheit. Ich habe denen auch meine Einstellung benannt und habe auch ganz bewusst ihnen dann Fragen gestellt, wo mir klar war, dass keine Massai-Frau mehrere Männer hat. Aber allein, um die mal auch zu reizen, da haben die aber auch gemerkt, der lässt es dann auch zu.

Steffi Schwarzack: Also ich finde es sehr spannend, dass du sagst, dir ist es schon begegnet, dass du diese 95 Prozent Ablehnung empfunden hast und trotzdem gehst du raus mit dieser Geschichte und hast diesen Mut dir auch wieder damit eine Ablehnung einzuholen.

Katja Klee: Aber das ist mir egal.

Steffi Schwarzack: Das ist dir egal? Das wollte ich wissen.

Katja Klee: Ich meine, ich bin mir meiner gewiss, eine gewisse Selbstsicherheit habe ich ganz gewiss. Ich versuche in meinem Rahmen gut zu handeln. Sicherlich mache ich bestimmt auch Fehler wie jeder andere Mensch, aber ich versuche mit meinem Umfeld und das, was noch besteht, gut umzugehen und mehr kann ich nicht machen. Ich kann die Weltprobleme nicht lösen.

Steffi Schwarzack: Jetzt kommen wir mal auf das Thema Lesung, du hast eine Lesung gehalten. Das ist jetzt wahrscheinlich auch nicht so dein Hauptspielfeld oder Lesungen zu halten?

Katja Klee: Doch.

Steffi Schwarzack: Doch?

Katja Klee: Mein Hauptspielfeld war beruflich Seminare zu geben.

Steffi Schwarzack: Oh okay.

Katja Klee: Ich war viel im Ausland unterwegs, in Griechenland, Türkei, habe die Reiseleiter Seminare mit begleitet. Somit ist es für mich kein Problem vor Menschen zu sprechen. Da bin ich auch froh, weil ich glaube, da ist auch ganz viel die mexikanische Schule mitbeteiligt gewesen, weil in Mexiko, wenn du eingeschult wurdest, wurdest du schon so an die Themen herangebracht, dass du lernst frei zu reden. Wir haben immer so Gruppenarbeiten ausführen müssen und haben dann auch frei vortragen müssen, also wirklich schon ab der 1. Klasse. Das wurde mir viele, viele Jahre später 2002 erst bewusst, dass die Stimme oder Präsentation eine große Stärke von mir ist, wo ich nur so ein Projektmanagementkurs da begleitet habe. Dann bekam ich eben dieses Feedback und dann wurde mir das erst bewusst. Also somit ist das nicht so neu für mich.

Steffi Schwarzack: Ah ja wunderbar.

Katja Klee: Aber es war diesmal ganz anders, weil früher ich trage immer frei vor, ich habe nie ein Konzept in der Hand, ich kannte mich aus und habe mir auch den Text vorab nicht überlegt, sondern mich auf meine Intuition verlassen. Weil so fand ich immer, wurde das eine lebendige Präsentation und stand auch im Dialog mit den Reiseleitern. Aber jetzt die Lesung, das war nochmal ganz anders für mich, weil dieses Buch ist auch viel, es beschreibt auch die familiäre Situation, also die ganzen Kränkungen,

Steffi Schwarzack: Es ist sehr persönlich, intim.

Katja Klee: die ich erlitten habe und das ist eigentlich mein Sieg, die Meinung meiner Familie über die ganze Fachwelt und da steckten diese ganze 6 Jahre, die Diskriminierung, die ich erlebt habe, die negativen Sachen, dass mir Ärzte nicht glaubten, das, was ich alles erlebt habe, das ist verbuddelt in mir drin und darüber vorzutragen, das war für mich schwierig. Ich hatte Angst, deshalb habe ich auch die Dame, also Frau Wenzel gebeten, die Begrüßung zu halten, ich hatte Angst, dass mir die Stimme versagt. Ich wusste auch nicht, welche Stellen ich lesen soll und deshalb habe ich diesen Trick gemacht

Steffi Schwarzack: Der war super.

Katja Klee: mit der Lesung, dass jeder einfach eine Seite benennt.

Steffi Schwarzack: Ja genau, ich habe es mir aufgeschrieben gehabt damals, du hast es lockelige Lesung genannt.

Katja Klee: Lockelige Lesung. Genau.

Steffi Schwarzack: Das hieß, wir als Zuschauer durften eine Seitenzahl nennen und dann hat sie die vorgelesen. Das war also sehr improvisiert.

Katja Klee: Es war bewusst so, weil ich bin ein Typ, der das lockrig, also das als lebendig betrachtet und wenn ich nur lese, ehrlichgesagt, wer man mir 20 Minuten vorliest, schlafe ich ein, und das finde ich total langweilig. Da habe ich einen Weg gesucht, dass es nicht so langweilig wird und dann ich schon mal auf die Idee, ich lese und erzähle ein bisschen. Ja und nun, was lese ich? Das war das schwierige, da ich keine Passagen rausfinden konnte und dann dachte ich mir, wunderbar, es war eigentlich eine Notsituation, die Leute sollen einfach sagen, ich halte mich schon in der Lage dann zu erzählen. Ich dachte immer, die Leute sagen was, ich lese und dann erzähle ich, bis mir eigentlich bei der zweiten Seite, die benannt wurde, auf einmal klar wurde, Mist, das geht ja gar nicht. Der Zugang hängt aus dem Arm, der Zugang fiel mal aus meinem Arm raus, an welcher Stelle bin ich? Da wurde mir klar, ich muss sofort hier oben, ich muss vorab erzählen, was passiert ist. Das war, da war ich heilfroh, dass ich diese Gradwanderung gut geschafft habe, weil immer, wenn ich eine Seite aufschlug, die benannt wurde, musste ich sofort wissen, in welchem Jahr finde ich was, was war danach und dann einfach beim Talk ein bisschen zu erzählen. Der Schluss wurde ein bisschen lang ja, aber das war auch, weil ich den Schluss so gerne mag und ich den Zuhörern reindrücken wollte.

Steffi Schwarzack: Da steckt ja, also gerade im Schluss steckt auch deine Hauptbotschaft dann nochmal drinnen, die du dann nochmal in die Welt raus sendest und schickst.

Katja Klee: Da mussten alle ein bisschen leiden von der Länge her.

Steffi Schwarzack: Ach so, so meinst du das. Aber es waren keine 20 Minuten, das Gehirn das wahrscheinlich schafft.

Katja Klee: Nein, aber ich war auch überrascht, weil du kamst dann zu mir wegen meiner Stimme und so weiter und ich wusste, dass du Sprachwissenschaftlerin, ich mir dein Curriculum vorab durchgelesen und war überrascht, dass auch du so ein positives Feedback. Ich war auch heilfroh, weil das muss man auch dazu sagen, dass nach 3 Hirn-OPs meine Gedächtnisleistung sich verändert hat. Ich habe Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und ich war auch wirklich heilfroh und sehr überrascht, wie gut die Intuitionen, die ich damals auch hatte, wieder funktioniert hat. Da war ich sehr überrascht.

Steffi Schwarzack: Die Lesung kam tatsächlich sehr leicht und sozusagen locker rüber. Das heißt eben, du hast es ja schon erzählt, deine Vorbereitung jetzt, wie du das gemacht hast.

Katja Klee: Für mich war einfach, ich habe die, am Anfang der Lesung habe ich doch das Vorwort vorgelesen, ich war froh, dass Frau Wenzel so gut die Einleitung und dann habe ich direkt das Vorwort gelesen. Das war für mich sozusagen das Warmup. Dann war ich im Erzählen drin und dann habe ich erst das vorgestellt, wie wir es machen werden. Und in dem Moment, wenn ich das Warm-up und den Rednern kann ich dann schon umschalten und die persönlichen Sachen, die mir vorgeben, rausnehmen, das meine Stimme fest blieb gottseidank.

Steffi Schwarzack: Gibt es durch dein Aufwachsen in Mexiko, gibt es da irgendwelche anderen Dinge, die dir da noch geholfen haben für deine Kommunikation, für dein Auftreten, irgendwelche interkulturellen Einflüsse sozusagen, wo du sagst, ja, das hat mich geprägt in meinem Charakter, mit dem es mir leichter fällt in die Welt rauszugehen?

Katja Klee: Ich bin in einem recht wohlhabenden Elternhaus großgeworden. Meine Mutter sagte immer, als wir noch Kinder waren, ihr müsst euch in jedem Kreis bewegen können, egal ob das jetzt mit den Indios auf Boden oder Botschaftsempfänge ist. Wir mussten die Etikette beherrscht, die wir auch beherrschten, und dann war ich immer sehr froh drum, dass das mir mitgegeben wurde. Heutzutage würde ich sagen, ich kann mich in jedem Kreis bewegen und das, was ich in Mexiko erlebt habe, ich war ja damals habe ich mich auch schon sehr aus der Familie herausgezogen, aber diese Warmherzigkeit der mexikanischen Menschen, das hat mich immer sehr geprägt und auch diese Gastfreundschaft, das lebe ich auch alles weiter. Für mich, ich habe mich nie als Deutsche gefühlt, ich wusste, meine Eltern sind Deutsche, ich war in dem Land geboren und mit Deutschland hatte ich nichts am Hut außer, dass wir alle zwei Jahre hier Urlaub gemacht haben und ich konnte von klein an, also ich bin zweisprachig, mit zwei Muttersprachen groß geworden. Das hat natürlich auch in Deutschland dann den Weg als Kind zumindest sprachlich geebnet. Aber ansonsten, in dem Moment, wo ich in Deutschland war, musste ich mich auch immer schon durchsetzen.

Steffi Schwarzack: Das heißt, du bist ja, so kommst du mir rüber in der Lesung, jetzt hier und was ich so merke, dass du auf jeden Fall die Power hast dich durchzusetzen und deine Sachen umzusetzen, die dir wichtig sind. Was gibst denn du jetzt vielleicht meinen Hörern mit, die dieses zarte Gemüt haben, deren Lebensgeschichte wahrscheinlich nicht so viele Pakete mit sich herumschleppt und die sich trotzdem noch nicht trauen jetzt öffentlich rauszugehen, ihre Botschaft in die Welt zu bringen, was ist denn so dein Tipp, dass man dieses leichte Mindset kriegt?

Katja Klee: Nicht so viel zerdenken oder sich nicht zu viele Gedanken machen, was meinen die anderen, sondern einfach machen und seinen Ideen, seinem Weg treu bleiben. Da habe ich Glück gehabt, dass ich von je her ein Sturkopf bin und meinen Weg einfach gegangen bin.

Steffi Schwarzack: Also nicht so viel auf die Meinung anderer geben (Katja: Nein), sondern wirklich tief auf die eigene Stimme hören?

Katja Klee: Ja, weil als Kind war mir auch klar, dass jeder Mensch mich komisch anguckt. Ich bin für mich, mir selber immer treu geblieben, meinen Gedanken, meinem Weg. Und viel Intuition auch.

Steffi Schwarzack: Wenn wir jetzt so ein bisschen zum Ende kommen, welche Abschlussbotschaft willst denn du jetzt hier noch mal mit meinen Hörern teilen? Irgendwas, du schreibst, du willst diese Spuren hinterlassen, was ist denn so das, du kannst gerne das Ende deines Buches nochmal nennen hier in dieser Sendung, aber …

Katja Klee: Tja, das Ende meines Buches ist ja eigentlich ein imaginäres Ende, da schließt sich der Rahmen. Das ist, was auch ich zwischendurch meinte, für mich, zwischen den Welten groß zu werden oder als Mexikanerin, da war klar, bin jetzt keine Mexikanerin, aber …

Steffi Schwarzack: Bist zu groß für Mexikanerin ne?

Katja Klee: Gibt mittlerweile auch große.

Steffi Schwarzack: Gibt auch große okay.

Katja Klee: Nein, aber diese innere Kraft und da denke ich mir ganz sicher, dass ich das aus Mexiko mitgenommen habe. Ich glaube, wenn ich in Deutschland geboren wäre, wäre das nicht so gewesen. Wir waren in Mexiko als Kinder gedrillt, es waren immer Gefahren da, es ist ein ganz anderes Land wie Deutschland. Somit sind wir von klein an mit ganz anderen Sachen umgegangen. Wir hatten sämtlichen Luxus, wir hatten Chauffeure, Gärtner, alles Mögliche, aber wir konnten nicht abends, wenn es dunkel ist, rausgehen, das war zu gefährlich. Ich glaube, das Land hat mich mehr geprägt als ich bisher auch vermutet habe und auch verinnerlicht. Dieser wache Geist oder auch keine Angst zu haben, sich in diesem Land so zu bewegen, dass man da keine Aufmerksamkeit mit Goldschmuck oder so, ich habe in dem Land nie was Negatives erfahren. Das ist glaube ich auch so ein bisschen das Ding, das die Selbstsicherheit auch geformt hat, weil ich in diesem Land groß wurde, was sehr problembehaftet ist.

Steffi Schwarzack: Wie geht es mit dir weiter, was machst du? Du hast ein paar Projekte, auch ein paar Unternehmensprojekte, wenn ich das so im Hinterkopf habe?

Katja Klee: Ich habe immer wieder, wie es weitergeht, keine Ahnung, wenn es so weit ist. Also ich habe jetzt daran gearbeitet den Facebook-Account für das Buch aufzubauen, über dem man jetzt auch das Buch bestellen kann und mit mir Kontakt aufnehmen kann. Ich habe verschiedene literarische, also Literaturhäuser angeschrieben, ich möchte meine Lesung machen oder angebotene Autorenlesungen zu halten. Ansonsten habe ich eine Dame letztes Jahr kennengelernt, die in Münster was aufbaut, eine Mischung zwischen kulinarischen und sozialen Aspekt, zu der werde ich mal hochfahren und ansonsten schaue ich einfach, was die Zukunft bringt. Dann kommt noch hinzu, keiner weiß genau, wie es mit mir persönlich gesundheitlich weitergeht, momentan geht es mir nach wie vor, es war schon sehr, sehr gut das Ergebnis der OP hat alle Ärzte, also keiner hat mehr dran gedacht, dass ich wieder einen Weg vor mir habe, ich übrigens auch nicht mehr. Aber so mit Nachsorge Marseille fliegen, Buch promoten und ich habe auch hier eine Freundin, die eine Marketingagentur im Tourismus aufgemacht hat, vielleicht werde ich bei der noch ein bisschen unterstützend einwirken können. Aber ich habe eigentlich jeden Tag zu tun sehr gut.

Steffi Schwarzack: Wenn ihr Hörer die Katja unterstützen wollt, dann geht doch mal auf ihre Facebook-Seite, die verlinke ich in den Shownotes und kauft gerne ihr Buch und wenn ihr Vorschläge habt, wo sie die Lesung halten kann, deutschlandweit oder europaweit.

Katja Klee: Oder wenn die einladen möchten, wollen.

Steffi Schwarzack: Genau. Dann wendet euch sehe, sehr gerne an sie.

Katja Klee: Über Facebook kann man das ganz einfach Katja Klee.

Steffi Schwarzack: Genau, also facebook.com/katjaklee

Katja Klee: Also wer in Facebook ist, kann unter Katja Klee mein Profil und dann ist da das …

Steffi Schwarzack: Die Seite verlinkt.

Katja Klee: Auch direkt auf „lebenswert“.

Steffi Schwarzack: Aber als Promotion ist das ja perfekt für dich.

Katja Klee: Genau und wir werden noch ein paar Funtrailers machen, das ist im August noch. Ich habe zwei kleine Hunde und die kleinste, das ist eine recht temperamentvolle Chihuahua, die kriegt eine Body-Cam drauf und dann wird der Funtrailer Coris Welt entstehen zum Beispiel. Und das werden wir dann auch alles auf die Facebook-Seite verlinken.

Steffi Schwarzack: Sehr spannend.

Katja Klee: Also sie ist nicht nur tragisch mit OP, sondern auch andere humoreske Elemente, dass man das alles sich anschauen kann.

Steffi Schwarzack: Und deine Hunde warten auch jetzt schon auf dich?

Katja Klee: Wahrscheinlich. Die werden sich schon melden.

Steffi Schwarzack: Dann habe herzlichen Dank, dass du hier dabei warst, dass du meine Fragen beantwortet hast und dich ich weiß mit zuem Fenster hier ausgehalten hast. Jetzt können wir es gleich aufmachen.

Katja Klee: Gottseidank und Kaffeetrinken.

Steffi Schwarzack: Ja. Dann vielen Dank!

Katja Klee: Dankeschön!

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Steffi Schwarzack

Als Auftrittsmentorin unterstützt Steffi Schwarzack Experten* mit Botschaft dabei, dieser Botschaft eine Stimme zu geben, so dass sie gehört wird - ohne Struggle wie Zittern oder Lampenfieber. 
* Als Kompromiss zwischen gendergerechter Ansprache aller Geschlechter und der Einfachheit im Sprechen & Lesen sind hier entsprechende Begriffe mit * gekennzeichnet.

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