046: Was du gegen hörbare Atemgeräusche in Aufnahmen tun kannst

046: Was du gegen hörbare Atemgeräusche in Aufnahmen tun kannst

Du bist Podcaster? Du sprichst häufig ins Mikrofon? Deine Atemgeräusche sind deutlich hörbar und das stört dich? 

In dieser Folge erfährst du, was du dagegen tun kannst, so dass deine Atmung ab sofort lautlos und unauffällig ist. Und du und deine Hörer sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können. 

In dieser Folge erfährst du:

  • was du beim Umgang mit einem Mikrofon beachten sollst
  • dass du entspannt mit deinen Atemgeräuschen umgehen solltest
  • wie dein Zwerchfell arbeitet
  • wo du ansetzen kannst, damit deine Atmung lautlos passieren kann

Die Shownotes:

Plugin um Atemgeräusche rauszufiltern: https://www.waves.com/plugins/debreath

Die Folge zum Nachlesen: Was du gegen hörbare Atemgeräusche in Aufnahmen tun kannst

Deine Aufnahmen strotzen nur so von hörbaren Atmungsgeräuschen?

Hier erfährst du heute drei Dinge, wie du das ändern kannst (wenn du das ändern möchtest)

1. Der richtige Umgang mit dem Mikrofon

2. Deine Haltung zu solch Phänomenen wie Einatemgeräusche

3. Praktische Sprechtechnik: Was kannst du konkret tun?

1. Der richtige Umgang mit dem Mikrofon

Du bekommst hier kein umfassendes Mikrofontraining.  Wohl aber ein paar Gedanken zum Umgang mit dem Mikrofon.

Zunächst: Je besser die Qualität des Mikrofons, desto genauer nimmt es alle anderen natürlich Geräusche auf. Du kannst bzw. solltest dementsprechend einen Popschutz verwenden und wenn du sehr viel Atmung hast auch ein Schaumstoffwindschutz. Das ist das Erste, was du tun kannst, um "zu viel Luft" etwas zu dämmen.

Bei jedem Mikrofon gilt es neu herauszufinden: Was ist ein guter Abstand? Spiel mal ein bisschen damit in Probeaufnahmen. Wenn viele Atemgeräusche da sind, bist du vermutlich auch noch zu nah dran. Es gibt so Faustregeln wie ein bis zwei Fäuste Abstand. Aber auch das kommt drauf an, ist meine Erfahrung. 

Wo platzierst du das Mikrofon? Probiere mal, es etwas seitlich vom Mund zu stellen und lausche, ob es dann besser wird mit den Atemgeräuschen. Und platziere es generell nicht direkt auf Höhe von Mund oder Nase. Teste mal, ob es besser ist, das Mikro eher unter dem Mund oder über der Nase zu platzieren (was mein Favorit ist, wenn du solche Atemgeräusche hast).

Dann gibt es natürlich auch technische Plugins, die den Atem filtern sollen. Manche schwören darauf. Ich benutze es nicht. Oben in den Shownotes verlinke ich dir einen Tipp, den ich bekam.

Soweit zu technischen Fragen. Kommen wir zum zweiten Punkt:

2. Deine innere Haltung zu Atemgeräuschen

Also erstmal: Es ist schön, dass du atmest. Es ist lebensnotwendig. Und Sprechen ohne Atem ist nicht denkbar. Daher gilt der Spruch: Ich spreche, also atme ich!

Nun ist so ein Atemgeräusch an sich neutral. Es ist einfach da. Ob es als positiv oder negativ erlebt wird, hängt von unserer Bewertung ab.

Ich lade dich ein, nicht jedes Atemgeräusch zu schneiden, sondern dazu zu stehen. Und noch viel mehr. Betrachte es doch mal als ein individuelles Stilmittel deines Sprechens.

Bei dem ein oder der anderen Sängerin ist es von Fans mehr als akzeptiert. Also z.B. singt z.B. auch Nena mit sehr viel Luftanteil und bei einigen Aufnahmen habe ich noch ihre wirklich deutlichen Einatmer im Ohr. Dennoch - oder vielleicht auch gerade deswegen? – hat sie damit Erfolg gehabt.

Möglicherweise fallen die Geräusche auch nur dir auf und deinen Hörern ist es gar nicht bewusst – oder sie lieben sie sogar?

Wenn du einige der Atemgeräusche schneiden magst, noch ein Gedanke: 

Oft übernehmen diese Atmer eine Gliederungsfunktion. Sie ordnen sich in einen Sprechrhythmus ein. Und wenn du dann wild herum schneidest, zerstört das auch den Rhythmus deines Sprechens und der Aufnahme. Da solltest du ein bisschen darauf achten. Denn ein zerstörter Rhythmus ist sehr viel unangenehmer im Ohr als ein paar Atmer.

Zu unserem 3. Punkt:

3. Wie kannst du richtig am Mikrofon atmen?

Kommen wir nun zur Atem- und Sprechtechnik. Zunächst gilt es zu unterscheiden: Hören wir die Ein- oder die Ausatmung bei dir?

Eher selten ist es die Ausatmung: Das ist dann eher so was wie ein Schnaufen. Und da gilt: Einfach weglassen. Pause machen. Du musst es ja nicht machen, denn du atmest durch das Sprechen schon aus. Wir sprechen auf die Ausatmung. Und durch das Sprechen sorgen wir dafür, dass die Luft rausgeht. 

Weitaus häufiger wird deine Einatmung betroffen sein. Und die sollte nun um Gegensatz zum Ausatmen in Form von Sprechen ja nicht hörbar sein.


Was sind die Ursachen, warum sie manchmal eben doch hörbar ist?

Fast immer hat es etwas mit Druck und Stress zu tun. So genügt auch eine gewisse kleine Anspannung durch die Mikrofonaufnahme schon, um mehr Spannung im Körper zu erzeugen.

Hinzu kommen können die Angewohnheit eines falschen Atemmusters oder eine ungünstige Körperhaltung beim Aufnehmen. 

Alles in allem: liegt eine mangelnde Bauch-bzw. Zwerchfellatmung vor. Die Atmung bleibt stattdessen nur oben im Brustkorb und im Schulterbereich "hängen". 

Da wollen wir sie nicht, zumindest nicht ausschließlich, haben. Denn da greifen Notfallatemprogramme, die in unserem Körper eingebaut sind. Der Körper holt sich dann aktiv Atem und es kommt dabei zu ziehenden Geräuschen. Wir ziehen den Atem ein.

Das Ideal in einem Nicht-Notfall-Zustand ist, dass der Körper ganz automatisch im Reflex Luft holt und den Atem erneuert.

Also nochmal - es gibt zwei Atemprinzipien. Einmal holt der Körper sich ganz aktiv den Atem. Das ist für Notfälle da. Und einmal passiert es unbewusst reflektorisch von selbst. Für den Alltag. Beides ist in uns angelegt.

Die Frage ist: Welches Körper- und damit Atemmuster greift gerade im Sprechmoment?

Deswegen kümmern wir uns jetzt mal hier um die reflektorische Atemergänzung.

Es gibt unterschiedliche Atemschulen und Sprechansätze, die unterschiedliche Begrifflichkeiten benutzen – nur dass du es mal gehört hast und beim Wunsch nach Vertiefung googlen kannst:

Neben dem Begriff reflektorische Atemergänzung heißt das Ganze auch Atemeinfall. Den Begriff benutze ich auch. Manche reden auch von Abspannen, in diesem Zusammenhang auch von Atemrhythmisch Angepasster Phonation. Es gibt Begriffe wie passive Einatmung... und bestimmt noch weitere, die mir gerade nicht einfallen.

So. Werden wir praktisch.


Was ist das Ziel?

Du willst einen lautlosen Einatem. Das heißt, du brauchst ein Atemprogramm, was reflektorisch passiert.

Das ist ein bisschen tricky, weil: wenn wir in unseren Atem eingreifen, dann ist es eben nicht mehr reflektorisch sondern verändert.

Wir können aber eine Sache sehr wohl machen: Wir können unseren Körper vorbereiten, damit er automatisch das entsprechende Atemprinzip wählt. Natürlich unbewusst.

Wir aber wählen dafür bewusst das Körpermuster aus.

Machen wir ein Experiment:

Und am besten machst du nur mit, wenn du gerade nicht im Auto sitzt und fährst. Nur zur Sicherheit.

Stell dir vor: Es ist ein grauer Tag, es regnet, du sitz daheim, auf dem Sofa, bist eher lasch und energielos drauf. Plötzlich kommt ein Anruf: "Hallo, Sie haben gerade eine Millionen Euro in unserem Gewinnspiel gewonnen."

Ganz abgesehen davon, dass sich vielleicht eine Stimme in dir meldet, die sagt: ich spiele sowas eh nicht. Was passiert im Körper bei Überraschung und bei Freude? (Es funktioniert auch bei Erschrecken.)

Uns bleibt der Mund offen stehen – so sagt der Volksmund – und er hat recht.

Wir haben da ein Körper-Atem-Muster:

Das Zwerchfell senkt sich federnd und automatisch schnell ab. Die Bauchorgane gehen raus. Der Mund geht auf. Die Luft strömt ein.

Nicht extrem viel. Aber genug. Und vor allem: Ganz automatisch - reflektorisch - hat sich der Körper Luft geholt. Luft zum Leben und Luft zum Sprechen.

Genau diese Muster wohlen wir nutzen:

  1. Bauch entspannen
  2. Zunge flach im Mund
  3. Mund auf

Wenn wir all dies parallel tun, ist der Atem sofort da - ohne bewusstes Einatmen.

Wir bereiten den Körper einfach nur auf den Atem vor.

Lasst es uns nochmal zusammen machen.

Bauch entspannen, Zunge flach im Mund, Lippen leicht geöffnet. Luft strömt automatisch ein.

Ja, ich weiß, es ist nicht extrem viel Luft, aber es ist genug, genug für die nächste Sprecheinheit.

Wir sollten eh alle paar Sekunden (die Angaben schwanken zwischen 3 bis 8) eine Sprechpause einlegen.

Und damit es dir nicht langweilig wird, hast du ab jetzt in deinen Pausen was zu tun: Bauch locker, Zunge flach, Mund auf. Weiterreden.

Wichtig dabei: nimm dir Zeit. Mach keinen Stress. Das Ganze ist ja gerade nur mit einem entspanntem Körper möglich.

Wenn du das so machst, dann ist der Atemeinfall lautlos.

Wenn er doch noch hörbar ist, probiere es mal so: Mach die Zunge flacher oder den Mund mehr auf. 

GAAAAANZ WICHTIG: Du darfst nie so lange reden, bis du keine Luft mehr hast. Dann funktioniert geräuschloses Einatmen nicht mehr.

Das ist wie beim Tanken: Du musst rechtzeitig tanken, sonst geht nichts mehr.


Wie kannst du das jetzt üben?

Nimm dir ein Gummiband, was du gerade im Haushaltsfach findest.

  1. Dehne es und sprich dabei.
  2. Dann lasse locker und gibt dir den Impuls: Bauch locker, Zunge flach, Mund auf (gleichzeitig).

Das ist das Prinzip. Immer wieder. 

Was sprichst du in der Übung?

Fang an mit 

1. Geräuschen: wie /ch/ /sch/

2. Kurze Wörter: wie /nicht/ oder /ich/

3. Einzelne Sätze: wie /ich bin wichtig/


Das ist dein Handwerkszeug. Eine Art Trockenschwimmen. Nun musst du es auch im Alltag umsetzen. 

Wie am Besten? Übe 5 Tage lang mal die „Trocken“übungen. 2 x 3 Minuten im Bad früh und abends zum Beispiel.  

Dann aber finde eine Situation, wo du dir eine Erinnerung einbaust:

IMMER WENN … heißt dafür die Formel:

Immer, wenn ich ans Telefon gehe, mache ich 5 x den Atemeinfall.

Immer wenn ich ins Auto steige …

Immer wenn ich …

Finde dein eigenes „immer wenn“!


Das war’s! Das ist das Wissen, was du brauchst. Mehr nicht.

Jetzt geht es wie immer ums Umsetzen.

Wenn du allein nicht weiterkommst, das Vertiefen willst, ein Feedback brauchst, weitere Übungen dazu willst, komm gern auf mich zu/ buch ein Coaching mit mir und bezieh dich gern auf diese Folge.

Und wenn es dir geholfen hat, erzähl es gerne weiter.

Ich wünsche dir viel Freude bei deinen nächsten Aufnahmen.

Zeig dich und sprich – diesmal mit lautloses Atmern.

Deine Steffi

4 Kommentare

  • Hallo Steffi, ich habe noch keine neue Folge aufgenommen und noch nicht geübt. Schande über mich! Danke fürs Erinnern! :D
    Zauberhafte Grüße
    Birgit
  • sehr gerne Birgit! lass hören, wenn es so weit ist! :)
  • Hallo Steffi,
    das sind super Tipps, gut nachvollziehbar! Ich werde es üben und bei meiner nächsten Aufnahme für den Marketing-Zauber-Podcast so probieren! Herzlichen Dank dafür!
    Zauberhafte Grüße
    Birgit
  • Hallo Birgit,
    Wie haben deine nächsten Aufnahmen geklappt? War es schon möglich alles umzusetzen oder doch herausfordernd? Erzähl gern mal davon! Liebe Grüße Steffi

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Wer ist Steffi Schwarzack?

Ich bin Steffi und unterstütze UnternehmerInnen & Führungskräfte bei ihren Auftritten.

Meine KundInnen haben eine Mission und wollen mit einem innen wichtigen Thema mehr Menschen erreichen. Sie wollen wirklich berühren und bewegen, statt nur die Show einer Rampensau abzuziehen. Sprechen ist ihr Mittel zum Zweck nicht das Ziel.

Gemeinsam erarbeiten wir ihre  Auftrittsstrategie von der Idee bis hin zur wirkungsvollen Performance.

Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Menschen an deren Auftritt, Stimme und Wirkung. Mein Herz schlägt für die stillen Leidenschaftlichen, die viel zu geben haben, sich aber noch zurückhalten. Das Motto dabei: zeig dich und sprich! Denn die Welt braucht deine Stimme!

Dein Kontakt zu mir

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