025: Warum du ein Auftrittsritual brauchst (v.a. als Introvertierter)

025: Warum du ein Auftrittsritual brauchst (v.a. als Introvertierter)

Wie wäre es, wenn es eine On-Off-Taste gibt, mit der du dich in genau das richtige Energielevel für deine Auftritt bringen kannst?

Die schlechte Nachricht ist: Eine solche TASTE gibt es natürlich nicht.

Aber es gibt eine gute Nachricht: es gibt einen anderen WEG, dich in Stimmung zu bringen. Kein Kaffee, keine Drogen, kein Hokuspokus.

Nur du, dein Geist, dein Körper, deine Stimme.

Wie genau (und warum dies v.a. für Ruhige, Introvertierte und Sensible wichtig ist), erfährst du in dieser Folge:


In dieser Folge erfährst du …

… was ein Auftrittsritual ist und wofür es gut ist

… warum so ein Auftrittsritual gerade Introvertierten zugute kommt

… was Bühnenpräsenz meint

… mittels welcher Übungen du die 3 Bereiche der Bühnenpräsenz aktivieren kannst

… ob du wirklich immer dieses Ritual durchführen solltest

 

Die Shownotes zur Folge:

 

Eine Energieübung für deine Auftritte

Ursprünglich habe ich diese Übung als Facebook Live Video aufgenommen. Hier für dich als eine Anregung für dein persönliches Auftrittsritual.

Für Leseliebhaber: Die ganze Folge zum Lesen

„Hallo und willkommen zur aktuellen Folge von zeig dich und sprich!“ (enthusiastisch gesprochen)

Ich hätte auch sagen können: „Hallo und willkommen zur aktuellen Folge von zeig dich und sprich.“ (sehr langweilig monoton gesprochen)

Und erst in meinem 2. oder 3. oder 4. Satz wäre ich so richtig in Stimmung gekommen.

Die meisten meiner Kunden, die sich mit diesem Problem rumschlagen, kommen aber oft erst nach 10 Minuten und nicht schon nach 4 Sätzen in Stimmung.

Schade für sie. Denn wie oft verlieren wir die Aufmerksamkeit von Hörern in den ersten Minuten (und das ist großzügig formuliert, manchmal reichen Sekunden).

Und wenn dein Video gar kürzer als 10 Minuten ist, dann bist du schon fertig, bevor du dein Potenzial überhaupt zeigen konntest.

Was passiert? Videos werden weggeklickt, Podcastfolgen auch und in Vorträgen kommt die Botschaft nicht rüber. Schade. Dein wahres Wesen, dein Schatz kommt gar nicht rüber.

Es muss doch aber einen Trick geben, wie man schneller in Fahrt kommt? Oder?

Den gibt es tatsächlich und darüber handelt diese Folge.

 

Warum dir ein Auftrittsritual hilft (besonders als Introvertierter)

Das ganze heißt übertitelt: warum du ein Auftrittsritual brauchst. Ich hab es dir bisher schon angedeutet wieso.

Lass uns vorher – bevor wir tiefer einsteigen in das Warum –  kurz klären, was meine ich mit „Ritual“.

Ein Ritual bezeichnet ja eine gewisse, wiederkehrende Handlung, die nach feststehenden Regeln abläuft und bestimmte Gesten, Verhaltensweisen o.ä. mit sich bringt. Das Ganze läuft automatisch ab. Ohne inneren Widerstand, ohne bewusstes Überlegen.

Ein Beispiel: Wenn du es gewohnt bist, jeden Tag 10 Km zu joggen, hast du diesen inneren Schweinehund nicht mehr. Du stehst auf, ziehst die Schuhe und los geht es. Wenn du es nicht gewohnt bist, überlegst du, und drehst dich möglicherweise wieder um. Selbst, wenn du losgehst, kostet es dich mehr bewusste Willenskraft.

An diese Abläufe binden wir zudem Emotionen. Meist unbewusst. Und du kommst durch diesen festen Ablauf in eine bestimmte Stimmung.

Genauso wie du Rituale in anderen Kontexten haben kannst, kannst du es vor und für deine Auftritte gezielt nutzen.

Vermutlich hast du sogar irgendeine Art von Ritual:

  • Du schaust noch mal in die Unterlagen.
  • Du schminkst dich.
  • Du schaust in dein Handy.

Oder was auch immer.

Du brauchst aber eben nicht IRGENDEINE Handlung, sondern du brauchst eine Handlung, DIE DICH STÄRKT.

Du brauchst eine Handlung, die dich in deine Kraft führt.

Du kennst das vielleicht aus einem anderen Kontext und da benutzt du es: Vor Wettkämpfen im Sport, vor Theateraufführungen oder bei den sogenannten Morgenritualen.

Bei diesen Morgenritualen fragst du dich: Wie beginnst du deinen Tag? Mit Meditation, mit Joggen, mit Schreiben, mit einem gesunden Frühstück?

Was du da machst, ist dich zu konditionieren: immer wenn du früh aufstehst, ist schon klar, was du tust: Öl kauen, Yoga, Kaffee trinken etc.

Dieses nicht mehr Nachdenken, sondern einfach tun und dich in die richtige Stimmung bringen, das brauchen wir auch für unsre Auftritte.

Warum?

 

Die 2 wichtigsten Gründe, warum du Bühnenpräsenz brauchst

1. Du fühlst anders.

Ich habe das für mich in letzter Zeit ganz stark bemerkt.  Gerade war ich fast 4 Wochen offline. Und wieder in die Online-Stimmung zu kommen, hat mich gerade einiges an Energie gekostet. Aber in der richtigen Stimmung zu sein ist eben wichtig, denn dann geht es leichter.

Dafür verantwortlich sind u.a. unsere Hormone und Botenstoffe. Die sind allerdings nicht fest vorgegeben. Die Tätigkeiten, die wir tun, die Dinge, die wir essen, die Gedanken, die wir in uns bewegen: sie alle haben Einfluss auf unser Hormonsystem. Sie alle bestimmen unsere Stimmung (unsre Stimme übrigens auch).

Für einen Auftritt wissen wir inzwischen brauchen wir z.B. mehr Testosteron, eine Dosis Dopamin ist auch gut. usw. Das alles fördert, dass unser agieren proaktiver ist. Gerade für eher Introvertierte und Ruhige Menschen ein wahrer Gewinn.

Ich jedenfalls brauche meine Dosis Neurotransmitter, um in die richtige Stimmung zu kommen – für online-präsenz oder auch für Auftritte.

In dem wirklich guten Buch „Körpereigene Drogen“ ist der Zusammenhang von unserem Handeln und dem Freisetzen dieser Botenstoffe wahrhaft gut erklärt.

 

2. Du wirkst anders.

Deine Energie ist von Anfang an da. Du bist präsent. Die Leidenschaft für dein Thema kann anstecken.

Die US-amerikanische Forscherin Melissa Cardon konnte in Experimenten tatsächlich zeigen, dass die eigene Leidenschaft auf die Hörer übertragen wird. (Nachzulesen in diesem Buch.)

Unsere Leidenschaft wirkt.

Aber eben nur, wenn sie auch von Anfang an spürbar ist.

Das sollten wir uns zunutze machen, indem wir von Anfang an präsent sind. Von Anfang an muss das Feuer in uns spürbar sein.

 

Wie du in deine Bühnenpräsenz findest

Was du brauchst ist ein Ritual, was dir deinen Geist stärkt. Dein Körper in Stimmung bringt. In die richtige Energie.

Starker Geist, starker Körper, starke Stimme, starkes Herz. So könnte die Formel lauten. 

Wie das geht? Ich zeige es dir hier Schritt für Schritt.

Zunächst lass mich dir noch etwas von mir erzählen: Als ich mich im Jahr 2007 selbstständig machte, hatte ich zwar bereits einige Erfahrung als Trainerin sammeln können. Doch routiniert in der Arbeit mit Gruppen war ich nicht. Zu der Zeit hatte ich das Glück mit einigen anderen Trainern in einem größeren Projekt mitzuwirken.

Was mich damals gerettet hat, war tatsächlich meine NLP-Ausbildung, die ich zu dieser Zeit absolvierte. Ich nutzte einfach eine Anker-Übung (wenn du nicht weiß, was das ist, hier ist es kurz erklärt.) In meinem Worten:

Ein Anker ist ein bestimmter Trigger, der mit einer bestimmten Emotion verbunden ist. Das gibt es im Alltag unbewusst, und das gibt es eben auch ganz bewusst. Ein Beispiel ist, du hörst ein Lied. Und sofort kommt in dir dieses bestimmte Gefühl wieder auf von damals. 😉

Diesen Effekt brauchst du für deinen Auftritt.

Immer bevor ich damals also mit meinem Seminar begann, machte ich eine bestimmte Übung und ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit machte sich in mir breit. Damit starte ich in meinen Tag – und ich konnte so auch mit jungen Jahren überzeugen.

Was du brauchst ist also einen Anker, um immer in den richtige Gefühl für deinen Auftritt zu kommen.

Hier zeige ich dir, wie du dahin kommst im Detail:

 

Drei Bereiche, die deine Bühnenpräsenz unterstützen

1. Herz & Hirn: Bringe deinen Geist und dein Gefühlsleben in die richtige Stimmung.

Wie das gehen kann?

Meditiere. Sag , wofür du dankbar bist. Visualisiere dir die Situation. Stell dir einen Schutzraum um dich vor. usw.

Die US-amerikanische Komikerin Ellen DeGeneres sagt, sie nehme sich immer eine persönliche und ruhige Zeit am Morgen, die sie mit Meditation und WorkOut verbringt. Das gibt ihr die Energie für Auftritt und Comedy.

Wichtig ist, dass du eine Form findest, die zu dir passt. Dies kann sich auch im Verlaufe deines Lebens ändern.

Spätestens hier merkst du vielleicht, dass Auftritts- und Sprecharbeit  immer auch an Persönlichkeitsentwicklung gekoppelt ist.

Dieser erste Schritt zentriert dich und gibt dir den Fokus für dein Tun. 

 

2. Körper: Bringe deinen Körper in die richtige Stimmung.

Körperarbeit hat einen ganz direkten Einfluss auf dein Gefühlsleben, auf deine Stimmung. Jede Art von Bewegung und Körperarbeit ist daher willkommen.

Mach deinen Sport. Absolviere einen zügigen Spaziergang. Lade die Energie deiner Zellen mit Atemübungen auf. Tanze. Schüttle dich.

Auch hier gilt es deinen Stil und deine Übung zu finden.

Wichtig dabei: Mache diese Übung ausreichend lang. Meine Yogalehrerin meinte, es braucht 3 Minuten dass eine Übung im Gehirn ankommt.

Natürlich kann dein Ritual auch ganz anders aussehen. Hier ein Beispiel: Der CEO von Southway Airlines  Herb Kelleher hat seit vielen vielen Jahres dieses Ritual am Morgen: Käse cracker essen und eine Zigarette rauchen. Auch so kann es gehen, wenn es für dich der richtige Energiebringer ist.

Dieser zweite Schritt bringt dich in die richtige Energie und Power. 

 

3. Stimme: Bring deine Stimme in die richtige Stimmung!

Mein ganzes Freebie baut darauf auf: Mach sie warm, deine Stimme.

Sie dankt dir mit Präsenz und höherer Belastbarkeit, auch über Jahre.

Es ist nun mal leider nicht so, dass unsere Stimme einfach wach und fit ist. Ein bisschen Training tut diesen muskulären Abläufen ebenso gut, wie ein Jogging deiner allgemeinen Kondition.

Was also kannst du tun?

Die 6 Übungen aus meinen Gratis-Videos machen. Deine Lieblingslieder summen. Mantren singen. Andere Sprechübungen.

Dieser Schritt bringt dir Präsenz, Wohlklang und Belastbarkeit. 

 

 

Ich empfehle dir,  dass du alle drei Bereiche bespielst: Deinen Geist, deinen Körper, deine Stimme.

Was ich idealerweise selbst am liebsten vor Auftritten mache ist folgendes:

  1. 15 Minuten stille Meditation
  2. energetisierende Atemübungen
  3. ein paar Yogaübungen für den Körper
  4. Ich singe ein Mantra (mindestens 3 besser 11 Minuten).

Aber wie du dir vorstellen kannst, nehme auch ich mir nicht (mehr) immer 30-40 Minuten Zeit dafür.

Und wenn es schnell gehen soll dann mache ich immerhin noch ein paar Atem- und Stimmübungen.

Das ist das, was ich mache, aber wenn dir das nicht liegt, dann musst du das nicht machen, sondern du sollst das Prinzip verstehen. Wähle dir das aus, was dich stärkt und unterstützt.

Ein wichtiger Einwand, der kommen kann ist der:

 

Brauch ich so ein langes Ritual für so ein 10 Minuten Video wirklich?

Das kommt auf zwei Dinge an.

1. Das kommt drauf an, in welcher Stimmung bzw. in welchen Energielevel du vorher bist.

Wenn mein Energielevel, was diese Bühnenpräsenz betrifft, sehr runter gefahren ist (z.B. nach den Ferien), brauche ich mehr, als wenn es eh schon angeleiert ist, weil ich am Tag zuvor schon auf einer Bühne stand. Es kommt drauf an, ob der Motor schon warm gefahren ist. Ganz einfach.

2. Rahmen: Es kommt darauf an, in welchem Rahmen du agieren wirst.

Wenn ich Tony Robbins wäre und einen Saal mit 1000 Menschen über mehrere Tage bespielen will, ja, dann verstehe ich, dass er seine Energie so hochfährt. Für meine Arbeit brauche ich nicht ein so hohes Level.

Wenn ich 1:1 Kunden betreue, dann brauche ich generell weniger, als wenn ich mit einer Gruppe agiere.

Wenn 1:1 Kunden live betreue, brauche ich mehr, als bei denen, die ich nur online betreue.

Das ist auch der Grund, warum einige Introvertierte von sich sagen, ich mache nur noch online Arbeit – meiner Erfahrung nach braucht man dafür tatsächlich weniger Energie.

Es kommt also ganz auf die (Arbeits-) Situation an.

Das tolle ist bei all dem:

Wenn ich mich gut einstimme, zieht es mir keine Energie, oder sehr viel weniger als es mich sonst kosten würde.

Daher empfehle ich so ein Ritual eben auch besonders denen, die introvertiert und empfindsam unterwegs sind.

Hier noch eine Übung für dich:

Übung zum Energiemanagement: In welchem Energielevel befinde ich mich gerade?

Stell dir ein Thermometer vor. Du siehst den Bereich zwischen 0 und 50 Grad Celcius

Frage dich:

  • Bei vielen Grad ist meine Energie für diesen Auftritt gerade?
  • Auf welches Energielevel will ich für die Auftrittssituation kommen?
  • Welche Übungen unterstützen das?

Hier findest du diese Übung als PDF: AB_EnergiemanagementFuerAuftritt (einfach so zum Download).

 

Fazit:

Wenn wir unsere Bühne betreten, dann sollten wir schon mit der richtigen Stimmung und dem richtigen Energielevel starten, damit wir unsere Hörer von Anfang an bekommen.

Wir alle haben ein Ritual, ob es uns nun bewusst ist oder nicht. Die Frage ist also nicht, ob du eins hast, sondern ob du eins hast, was dich bestärkt oder schwächt.

Wenn das letztere der Fall ist, nimm die Botschaft mit:

Wähle dir ein Auftrittsritual, was dich stärkt! Und das mach dann jedes Mal!

Ich sage Danke, dass du dabei warst. Und bin gespannt, mit welchem Energielevel du demnächst in deine Auftritte gehst. Lass es mich und uns doch gerne wissen. Gerne hier als Kommentar.

Zeig dich und sprich, tschüß, deine Steffi

1 Kommentar

  • Ich denke, jeder Mensch hat vor einem Auftritt ein Ritual und wenn es drei Mal durchatmen ist. Es ist das bewusste Tun, dass nun etwas Neues im Laufe des Tages beginnt, dass eine Verbindung zu anderen Menschen hergestellt wird, um sie mit der eigenen Botschaft zu erreichen. Die eigene Botschaft mit anderen Menschen zu teilen, ist für mich persönlich eine der höchsten Errungenschaften, die man erreichen kann :-) Noch mehr, wenn man so Gutes und/oder Neues in die Welt bringen kann.

Was denkst du?

Steffi Schwarzack

Als Auftrittsmentorin unterstützt Steffi Schwarzack Experten* mit Botschaft dabei, dieser Botschaft eine Stimme zu geben, so dass sie gehört wird - ohne Struggle wie Zittern oder Lampenfieber. 
* Als Kompromiss zwischen gendergerechter Ansprache aller Geschlechter und der Einfachheit im Sprechen & Lesen sind hier entsprechende Begriffe mit * gekennzeichnet.

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