043: Wie dir Improtheater für deine Auftritte hilft

043: Wie dir Improtheater für deine Auftritte hilft

Improvisationstheater ist mehr als ein paar schlagfertige Antworten hin und her spielen. Es hat Haltung und diese können uns bei Auftritten und generell im Leben helfen. In dieser Folge stell ich dir 6 mentale Fallen vor, in die man beim Präsentieren so tappen kann, und wie dich das Improtheater da raus holen kann. Viel Spaß! Und Toi Toi Toi!

In dieser Folge erfährst du: 

  • in welche 6 mentalen Fallen man vor einem Auftritt reintappen kann
  • welche Weisheiten das Improtheater dagegen bereit hält
  • wieso ich meinen KundInnen den Tipp gebe, langweilig zu sein
  • wieso ich in Spanien Schnürsenkel bestellte und Kondome bekam
  • warum ich dir auf der Bühne nur eines Wünsche: Spaß und Freude erleben!

Die Shownotes zur Folge: 

Buchtipp: Improv Wisdom von Patricia Ryan Madson

Buchtipp: Steal like an artist von Austin Kleon

(Gerne bei den Buchhändlern um die Ecke bestellen! Die freuen sich!)

Für Leseliebhaber - alle Inhalte zum Nachlesen: Wie dir Improtheater bei deinen Auftritten hilft

Hallo, willkommen, schön, dass du da bist zur 43. Folge von Zeig dich & sprich!

Neulich im Präsentationstraining: Eine Teilnehmerin steht wie ihre KollegInnen zuvor vor der Gruppe und soll eine relativ spontane Kurzrede vortragen. Es gibt zwei Themen zu Auswahl. Wir üben frei sprechen, das Aushalten im Mittelpunkt zu stehen und gleichzeitig gut Zugriff auf seine Gedanken zu haben. Bisher hat sie geredet und wir sind gespannt, wie es weitergeht. Doch dann. Sie stockt. Sie zögert. Sie denkt nach. Stille im Raum. Man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören.

Ich schau mich um, in die Gesichter der Anderen. Alle sind ganz still und gespannt. "Wenn sie jetzt was sagt, dann hat es Wirkung.", denke ich. "Egal was." Ich fiebere mit ihr, dass sie einfach weitermacht. "Bitte bitte sag was. Irgendetwas.", denke ich.

Macht sie aber nicht. Sie bricht ab: „Kann ich nochmal von vorne beginnen?“

„Mach doch einfach weiter“ sage ich. "Irgendwas, wir wissen doch gar nicht, was du sagen wolltest."

„Ich will aber was Originelles sagen!“

Aha, das ist der springende Punkt! Die entscheidende gedankliche Falle, die einen so unter Stress setzen kann, das gar nichts mehr geht.

Weiß ich aus eigener Erfahrung und weiß ich von zahlreichen Kunden.

Ganz ehrlich. Wer will es nicht, was Kluges im Meeting beisteuern? Den witzigen, schlagfertigen Spruch in ner lockeren Gesprächsrunde. Die originelle Story im Vortrag?

Was habe ich der Kundin geraten?

Ich musste sofort an einen meiner Stimmworkshops denken, den ich ganz am Anfang meiner Trainertätigkeit besucht hatte. Ich weiß noch nicht einmal mehr, wie der Trainer hieß. Es war auf einer Tagung und ich war da in nem Workshopslot als Teilnehmerin. Wir waren vielleicht so 15-20 Teilnehmende, standen im Kreis und tönten und sollten Laute von uns geben, um uns und unsere Stimmen zu aktivieren. 

Da das eine große Konferenz rund um das Thema Stimme war und viele Fachleute da waren, gab es aber nicht nur aktive TeilnehmerInnen sondern auch passive, die einfach von außen den Prozess anschauten. Wir waren also im Fokus der Aufmerksamkeit. Und wir wollten es natürlich schön machen, vor den Anderen nicht unser Gesicht verlieren und als Einziger nen doofen Laut machen. 

Das musst du dir vorstellen. Eigentlich ist es grotesk. 

Da stehen 20 Leute im Raum zusammen, machen komische Laute wie uh, ahh, bumf, püpüpü usw. und der eigene Anspruch ist einen tollen, schönen und originellen Laut zu machen!!!

Da wird schon mal klar: es ist nur im Kopf. Eine mentale Begrenztheit. Hier geht es ja wohl nicht um originelles und spannendes Sprechen!

Die Begrenztheit habe ich deutlich im Körper gespürt. 

Ich war angespannt. Von Spaß war nicht viel spürbar. Genießen war nicht. 

Aber dann sagte der Trainer so was wie: Hey, be boring! zu uns – und ganz ehrlich. 

Diese Erlaubnis langweilig sein zu dürfen, hat mich echt entspannt. 

Ich hab es körperlich richtig gemerkt, wie meine Muskeln sich lösen konnten. Und plötzlich kam auch der Spaß dazu und die Freude und der Genuss – und dann so als netter Nebeneffekt fand ich meine Laute ziemlich klasse und originell. 

Aber eigentlich war das nicht mehr so wichtig. Ich hatte ja Spaß. Und noch besser. Wir alle hatten Spaß. Denn das ist mir auch klar geworden. Es war nicht nur mein Stress gewesen. Es war der Stress vieler, wenn nicht gar von uns allen in jeder Situation.

Was ich damals noch nicht wusste. Dieser Spruch „be boring“ ist nicht aus der Situation entstanden. Das hatte Methode und kann als eine Regel bezeichnet werden. 

Die Erlaubnis, langweilig zu sein, nämlich, entspannt. Nimmt den inneren Druck und Stress, und macht damit Spannendes, Flow und originelle Geistenblitze überhaupt erst möglich. Die entstehen eben nicht unter dem Druck, jetzt bitte endlich was Tolles abzuliefern. Das ist das Geheimnis von kreativem Schreiben, von Inquiry als Prozess (was ich mal als kreatives Sprechen übersetze) und jeglicher kreativer Arbeit. Begib dich ins Tun. Irgendwie. Normal. Dann kann etwas besonderes entstehen. Kann. Muss nicht. 

Ein Bereich, der diese Methode stark nutzt, ist das Improvisationstheater.

Ich hab einige Workshops und Kurse dazu mitgemacht. Und die Ideen und Übungen haben meine Arbeit durchdrungen. Und ich habe mir kürzlich das Buch Improv wisdom besorgt und musste gleich reinlesen. All das hat zur heutigen Folge führt.

Ganz klar. Ich bin keine Expertin für Improtheater – muss ich auch nicht, ich handle nach der Weisheit: Steal like an artist. Ich nehme mir tatsächlich das Beste aus den Methoden raus. Und was ich bisher aus dem Improtheater für mich rausgezogen habe und wie meine Kunden und du jetzt auch dies für ihre Auftritte nutzen können, das erfährst du nun hier.

Für die Angestellten unter Euch Hörern mag vieles übrigens noch wichtiger sein in dieser Folge: Zumindest bekomme ich das immer wieder gesagt: Es ist oft wenig Zeit Pitches vorzubereiten, zumindest wenn man den Mehraufwand nach Feierabend vermeiden will. Bei uns Selbstständigen ist das eh nicht ganz so haarscharf zu trennen. Da ist es eher fließend.

Ok, hier nun also für dich die 6 mentalen Fallen und was das Improtheater für Lösungen bereit hält:

6 mentale Fallen beim Präsentieren und Improweisheiten

Mentale Falle 1: Originell sein wollen

Egal, ob du spontan was beitragen willst oder ob du dich in der Vorbereitung einer Rede befindest. Immer wenn wir originell sein WOLLEN, da kommen meist die am wenigsten originellen Ideen. Schade und doof. Klar. Aber versuch es mal mit der inneren Erlaubnis, normal oder langweilig zu sein.

Die passende Improweisheit dazu lautet: Be boring oder auch Be average

Es meint, dass du einfach den ersten Impuls am Schopfe packst, anstatt ihn vorbei ziehen zu lassen. Nur so kommst du in den Fluss, in den Redefluss und nur so entsteht letztlich Flow.

Regel Nummer 1 für dich ab sofort heißt also: Sei langweilig. Sei normal!

Mentale Falle 2: Am Plan festhalten

Vorbereitet sein ist super. Ich empfehle das wirklich. Schwierig ist es da, wo deine Vorbereitung, dich daran hindert, wirklich präsent und im Moment zu sein. 

Meist da, wo Menschen haargenau am Manuskript kleben, weil jedes Wort, jede Atempause geplant ist. Das kann funktionieren. Oft tut es das aber nicht. Vielleicht nämlich verlangt die Situation dein drauf eingehen. Dein Ding durchziehen, kann dir das Genick brechen. Zumindest, wenn du keinen großen Namen hast.

Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch in Sachsen wohnte, da gab es ein größeres Event, so eine Art sächsischer Wirtschaftstag o.ä.. Und die Organisatoren hatten es geschafft, einen namhaften Gründer und Chef einer deutschen Sporttextilienmarke einzuladen. Er war das Highlight des Tages und aller Redner. Er kam mit seinem Hubschrauber angeflogen, stürmte ebenso luftig in den vollgepackten Saal rein, packte sein Manuskript aus und las das handgeschriebene Werk Wort für Wort (gar nicht mehr luftig) ab, klebte an seinem Text und hätte das Ding überall durchziehen können. Von Begegnung und wirklich zu uns Menschen da im Raum sprechen und uns wahrnehmen, war nichts zu spüren. Ich fand es ehrlich gesagt enttäuschend. Und ohne seine Leistung in anderen Bereichen wäre er als Redner sicher nicht erfolgreich geworden. 

Ein Prinzip hatte er vergessen. Wirklich Ja sagen zur Situation und das Prinzip des Utilisierens.

Was heißt das? Das Improtheater geht erst einmal davon aus, dass wir alles, was ist, annehmen sollten. Kein Widerstand gegenüber einem Thema, einer Situation oder einem Vorschlag. „Yes and“ heißt die Haltung dazu.

In Auftrittssituationen heißt das ganz konkret, dass du die Stimmung und Gegebenheiten begrüßt und nutzt. Ich habe dieses Prinzip zuerst im NLP und da speziell im Bereich von hypnotischen Sprachmustern kennengelernt. Milton Erickson, der Begründer der Hypnotherapie, hat wohl diesen Begriff geprägt. Utilisieren – das heißt alles nutzen, was gerade da ist.

Ein Teilnehmer kommt zu spät – nutze dies für dich.

Ein Kritikpunkt wird geäußert – nutze es. 

Menschen stehen während des Vortrags auf/ du versprichst dich/ die Teilnehmer im Publikum haben Hustenanfälle/ was auch immer geschieht - nutze all diese Dinge.

Im Lexikon des systemischen Arbeitens findet sich folgende Definition:

„Utilisation ist die Haltung, jeder Eigenart des Klienten und seiner Lebenssituation mit Wertschätzung zu begegnen und das jeweils Einzigartige daran zu nutzen.“

So kannst du es auch bei Auftritten machen. Nutze die Eigenart der Situation für dich!

Improweisheit Nummer 2 heißt also: Sage Ja und akzeptiere das, was ist.

Mentale Falle 3: Gefallen wollen

Klar wollen wir, dass unsere Botschaft, unsere Rede und wir als Person gefallen. Das ist menschlich. Doch viel wichtiger, als dass du deinem Publikum gefällst, ist, dass du es erreichst. 

You don't have to please the audience, you have to reach the audience. Manuel Wolff

Beim Gefallen wollen, bist du in einer passiven Rolle und einer Erwartungsrolle. Du machst dich ein Stück abhängig. Die besseren Fragen sind also:

Wie kann ich mein Publikum erreichen?

Und auch:

Wie kann ich mir einen schönen Moment auf der Bühne machen?

Und zwar ganz unabhängig vom Ergebnis, ob die mich nun mögen oder nicht. 

Denn wenn du Spaß hast, dann bist du im Moment, präsent und wach. 

Improweisheit Nummer 3 lautet also: „Hab Spaß!“

Mentale Falle 4: Ergebnisorientiert sein

Spaß ist auch eine Lösung für diese mentale Falle. Wenn wir aufs Ziel fixiert sind, haben wir ein Problem. Wir verpassen im Moment zu sein. In der vorigen Podcastfolge ging es ganz detailliert nur darum. 

Improweisheit Nummer 4: Be in the moment! Be here now!

Mentale Falle 5: Auf der Bühne konkurrieren

Es gibt immer wieder Situationen, wo Menschen gemeinsam im Mittelpunkt stehen. Wenn wir Vorträge gemeinsam halten, gemeinsam Events moderieren oder Meetings gestalten. Das können wir als unterstützend erleben oder als sehr schwierige Konkurrenzsituation. Beide Beteiligte können richtig viel dafür tun, dass man doof dasteht – oder als Dreamteam rüber kommt.

Es gibt dafür diese wunderbare Regel, von der zu wenig Menschen Gebrauch machen:

Improweisheit Nummer 5: Make others look good! Sorge dafür, dass die Anderen gut aussehen und gut da stehen!

Eine wunderbare Regel, wie ich finde, weil sie vom eigenen Ego weg führt.

Mentale Falle 6: Perfekt sein wollen

Einen kleinen Perfektionisten haben wir wohl alle an Bord. Mal schreit er lauter als andere Male. Wenn er zu laut ruft und wir vor lauter perfekt sein wollen, nicht ins Handeln, Machen oder den Flow kommen ist es allerdings wirklich doof.

Kennst du das Phänomen, du versprichst dich einmal? Danach bist du so fixiert darauf, dass es passiert ist und um Himmels willen bitte auf keinen Fall noch mal geschehen darf! Und schwups. Schon ist der nächste Versprecher da.

Das kann sich ganz schön hochschaukeln. Und so ist es mit Fehlern generell. Es werden da, wo sie verboten und tabuisiert sind, generell viel mehr gemacht. 

Das Schlimmste daran ist: weil ein offener Umgang mit ihnen verboten ist, lernt man noch nicht mal etwas daraus. (Und Versprecher sind ja dabei noch das geringste! Denken wir mal an Krankenhäuser, wo es keine offene Fehlerkultur gibt. Das ist nicht gut für uns Patienten...)

Fehler gehören dazu – und sind wunderbare Lernchancen und manchmal auch der Anfang von wunderbaren Stories, wie von der hier: 

Als kleiner Gag zwischendurch also eine meiner Erfahrungen. 

Als ich zu Studienzeiten auf Teneriffa in La Laguna studierte, stand ich noch am Beginn meiner "Spanischkarriere". Zu der Zeit war mein Schnürsenkel gerissen.

In La Cuesta, wo ich wohnte, gab es viele solcher Ramsch-Tante-Emma-Läden, wo es alles mögliche gab: Seifen, Papier, Klammern und was man sonst so für den Haushalt braucht. Da bin ich rein und habe brav meine Schnürsenkel bestellt. Ähm, das dachte ich zumindest. 

Anstatt der Schnürsenkel legte mit der Verkäufer eine Packung Kondome auf den Tresen. Ich schaute wohl etwas verstört. Und wiederholte meine Bitte. Er zeigt nur auf die Kondome. Ich hob also einen Fuß hoch und zeigte auf meine Schuhe. Und dann wurde klar, was ich wollte und gesagt hatte. Anstatt córdones hatte ich wohl cóndones bestellt. ;) C'est la vie! beim Sprachenlernen! Und mein Zungenspitzen-R ließ wohl damals zu wünschen übrig...

Fehler sind also wirklich eine wunderbare Quelle für dein Storytelling. Mach welche!

Dies sagt auch Improweisheit Nummer 6: Make mistakes! Dare to fail! Mache Fehler! Wage es zu scheitern!

Es gibt noch ne Menge mehr Improweisheiten.

Zum Beispiel so schöne wie : Don't be prepared!

Aber das ist eine eigene Folge wert und ich lass es heute bei den 6 Weisheiten.

Hier noch mal zusammen gefasst für dich:

  1. Sei normal!
  2. Sage Ja zu dem was ist!
  3. Hab Spaß!
  4. Sei präsent im Moment!
  5. Lass Andere gut ausschauen!
  6. Mache Fehler!

Das sind auch wunderbare Regeln fürs Leben generell!

Schreib mir deine Erfahrungen mit Improweisheiten auf der Bühne und im Leben!

Bis zum nächsten Mal, zeig dich und sprich, und hab Spaß dabei!

Deine Steffi

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Wer ist Steffi Schwarzack?

Ich bin Steffi und unterstütze UnternehmerInnen & Führungskräfte bei ihren Auftritten.

Meine KundInnen haben eine Mission und wollen mit einem innen wichtigen Thema mehr Menschen erreichen. Sie wollen wirklich berühren und bewegen, statt nur die Show einer Rampensau abzuziehen. Sprechen ist ihr Mittel zum Zweck nicht das Ziel.

Gemeinsam erarbeiten wir ihre  Auftrittsstrategie von der Idee bis hin zur wirkungsvollen Performance.

Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Menschen an deren Auftritt, Stimme und Wirkung. Mein Herz schlägt für die stillen Leidenschaftlichen, die viel zu geben haben, sich aber noch zurückhalten. Das Motto dabei: zeig dich und sprich! Denn die Welt braucht deine Stimme!

Dein Kontakt zu mir

Steffi Schwarzack

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