Erfahre mehr über die Wahl der Stimme zum Instrument des Jahres 2025 und die geplanten Veranstaltungen:
Ein Überblick über die neuesten Entwicklungen in der Text-zu-Sprache KI und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten:
Eine Untersuchung darüber, wie Stimmeigenschaften von Sprachassistenten die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit beeinflussen können:
Entdecke, wie du durch Chakra-Vokal-Training deine Energiezentren stärken und die magische Kraft deiner Stimme nutzen kannst: (Empfehlung meinerseits. Ich bekomme nichts für diesen Tipp. Außerdem besser beim Buchhändler um die Ecke bestellen. )
Eine vertiefende Episode über die Einflüsse auf unsere Stimme und ihre Bedeutung für unsere Persönlichkeit.
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Unsere Stimme wurde zum Instrument des Jahres 2025 gekürt.
Das ist mehr als eine hübsche Geste. Es ist ein gesellschaftlicher Fingerzeig, gerade jetzt, wo künstliche Intelligenz immer häufiger für uns spricht:
Wer spricht da eigentlich noch und was bedeutet das für uns als Mensch?
Diese Fragen stehen im Zentrum dieses Artikels. Er ist Einladung und Erinnerung zugleich: an die Kraft, die in deiner Stimme liegt und an die Verantwortung, sie nicht leichtfertig aus der Hand zu geben.
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KI kann sprechen. Und das immer besser.
KI generierte Stimmen können inzwischen Atemgeräusche nachmachen (wer oder was atmet da eigentlich?), mit Pausen spielen und emotional klingen.
Sie können lachen, flüstern, traurig sein und klingen dabei oft "menschlicher" als wir selbst. Warum? Weil sie perfektioniert sind. Und inzwischen sogar bewusst Fehler einbauen.
Das ist das Paradoxe: KI-Stimmen wirken menschlich, weil sie menschengemachte Unperfektion imitieren. Denkpausen, Seufzer, kleine Brüche. All das, wofür wir Menschen uns oft schämen, wird algorithmisch nachgebaut. Und es wirkt. Auf uns als Hörende.
Vermutlich können wir in wenigen Monaten KI-Stimmen gar nicht mehr von menschlichen unterscheiden.
Aber: KI fühlt nicht. Sie kann uns berühren, ja, aber sie kann nicht zurückfühlen. Das erzeugt eine Scheinbeziehung. Eine einseitige. Und eine, deren gesellschaftliche Wirkung wir noch gar nicht abschätzen können.
KI wird günstiger, schneller, verfügbarer. Und damit attraktiver. Für Marketing, für Content, für Business. Das ist Realität.
Und sie macht es umso wichtiger, dass wir über den menschlichen Wert des Sprechens nachdenken.
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Unsere Stimme ist kein Interface. Sie ist keine Funktion. Sie ist Teil unserer Identität und damit vielschichtig.
Wenn du sprichst, klingen mehr mit als nur Worte: dein Körper, dein Nervensystem, deine Geschichte, deine Gedanken, deine Sozialisation, deine Stimmung. Stimme entsteht im Zusammenspiel dieser Ebenen – und wirkt auf sich selbst und auf dich als Mensch zurück.
Sie reguliert dich. Sie bringt dich in Beziehung. Zu anderen und natürlich zu dir selbst.
Genau das kann KI nicht. KI hat keine eigene Haltung (sondern nur die jeweils vom Menschen gegebene).
Keine Emotionen.
Keine Geschichte.
Keine Nerven.
Und ja: Wir Menschen sind in unserem Ausdruck oft begrenzt. Durch Kultur, durch Rollenbilder, durch Erfahrungen. Aber genau darin liegt auch das Potenzial: Wir können freier werden. Wir können Vielfalt zurückerobern. Wir können uns und unsere Stimme befreien.
Vielleicht ist das die eigentliche Arbeit an der Stimme: nicht schöner zu klingen sondern echter. Und freier. Und stimmiger. Nicht für andere sondern für uns selbst.
Unsere Stimme ist kein Produkt, sondern ein immerwährender Prozess mit uns selbst und unserer Umwelt.
Das ist das Schöne daran.
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Es gibt viele Gründe, warum wir nicht aufhören sollten, selbst zu sprechen. Aber der wohl bedeutsamste ist dieser:
Unsere Stimme erschafft. Sie manifestiert. Sie verändert uns selbst.
Das ist kein esoterischer Satz. Das ist gelebte Realität. Wer spricht, wird wirksam. Wer spricht, erkennt (sich). Wer spricht, gestaltet.
Der alte Satz „Abrakadabra“ bedeutet in einer Interpretation: *Ich erschaffe, während ich spreche.* Und genau das tun wir jedes Mal, wenn wir unsere Gedanken hörbar machen. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist Menschsein.
Darum geht es nicht nur um Kommunikation. Es geht um Selbstwirksamkeit. Um Resonanz. Um Identität. Darum, hörbar zu bleiben in einer Welt, die zunehmend von generierten Stimmen geflutet wird.
Ich finde also: du sollst selber sprechen, da wo du was zu sagen hast!
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Die technischen Möglichkeiten heutzutage stellen uns vor viele persönliche, rechtliche und ethische Fragen:
Vielleicht. Vielleicht nicht.
Aber:
Eines wird nie egal sein: Ob wir selbst sprechen.
Denn deine Stimme ist nicht nur Klang. Sie ist Beziehung. Sie ist Wirkung. Sie ist du.
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Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass es nicht egal ist, ob du dein Sprechen outsourced oder selbst sprichst.
Sprechen ist wie Liebe machen: etwas, was wir selbst tun sollten. (finde ich)
Daher:
Sprich. Sprich laut oder leise. Aber sprich.
Denk laut. Summe. Seufze. Sing.
Zuallererst nicht, um gehört zu werden – sondern um dich selbst zu spüren.
Denn deine Stimme ist nicht irgendein Werkzeug. Sie ist ein Teil von dir. Und genau deshalb bleibt selber sprechen auch in Zeiten von KI nicht nur sinnvoll, sondern absolut notwendig.
Bleib hörbar. Für dich. Für andere. Für das, was dir wichtig ist.
und:
zeig dich und sprich – denn die Welt braucht deine Stimme.
Jetzt mehr denn je.
Deine Steffi (Schwarzack)
]]>Das ist Fluch und Segen zugleich.
Fluch, denn es gibt dir eine Verantwortung. Du kannst dich eben nicht hinter "ist halt so" verstecken.
Segen, denn du kannst was daraus machen.
Hör dir in dieser Folge zuallererst an, welche Reise ich mit meiner Stimme unternommen habe, ohne dass ich wusste, dass ich auf Reisen bin. Und erforsche für dich, welche Einflüsse auf deine Stimme und ihren Klang gewirkt haben.
Hier geht's zur Folge:
u.v.a.m.
Buch von Ralf Peters auf Thalia
Dissertation zum Einfluss der Hormone auf die weibliche Stimme von Susanne Baier (2009)
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Der folgt nach meinem Urlaub :)
Welche das sind, erfährst du hier im Blogpost oder dieser Podcastepisode. Außerdem zeige ich dir 3 Fragen, mit denen zu rasch herausfindest, auf welcher Ebene du ggfs. ansetzen kannst. So weißt du, wie du konkret die Basis für deinen Erfolg legen kannst.
Die Website von Dr. Timo Nolle
Der Podcast von Sebastian Weber
Das Buch von Mihaly Csikszentmihalyi über Flow
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Hallo,
heute habe ich dir drei Fragen mitgebracht. Nur wenn du alle drei mit JA beantworten kannst, erfüllst du alle Bedingungen für einen gelungenen Auftritt. Welche das sind erfährst du hier:
Vielleicht zur Erklärung noch mal, was ich mit Auftritt meine. Diesen Begriff fasse ich sehr weit. Wir haben oft das Bild von Bühne und Rampenlicht und roten Vorhängen im Kopf – aber ein Auftritt kann auch unspektakulärer und trotzdem besonders und herausfordernd sein.
Auftritt ist jede Situation, wo du im Aufmerksamkeitsfokus von mindestens einer anderen Person stehst, der du eine Wichtigkeit gibst. Dr. Michael Bohne
D.h. jedes Zweiergespräch, jeder Vortrag, jeder Redebeitrag in einem Meeting/ bei einer Vereinsversammlung oder im Elternabend, ein erstes Date, die Ansprache auf der Familienfeier aber auch eine Podcastfolge aufnehmen, ein Reel drehen … alles das können Auftrittssituationen sein.
Gut. So viel zum gemeinsamen Verständnis.
Damit ich dir die drei Bedingungen für den guten Auftritt mal ganz praktisch zeige, bekommst du eine kleine Aufgabe:
Such du dir eine der Sprechauftrittssituationen, die bei dir in nächster Zeit anstehen, aus und nutze das, was ich dir gleich sage, als kurze Checkliste für dich.
Kannst du zu jeder dieser Bedingungen schon JA sagen?
Dann bist du schon optimal vorbereitet.
Wenn du es noch nicht kannst, dann weißt du, wo genau du ansetzen kannst.
Lust auf dieses kurze Checkup? Dann lass uns loslegen.
Die erste Bedingung ist die Antwort auf die Frage:
Kann ich das?
Habe ich all die Fähigkeiten, die diese Situation von mir verlangt?
Habe ich:
Konkrete Fragen sind z.B.: Kann mein Körper die große Vortragsbühne mit seiner Präsenz ausfüllen? (das ist Handwerk und das muss man eben auch erlernen/ oder ein Naturtalent sein.)
Habe ich das nötige Technikwissen? (z.B. wie ich mit dem Mikrofon umgehe?)
Kenne ich alle rhetorischen Techniken, die ich brauche? (Wie baue ich einen Vortrag auf? Wie designe ich den? Wie hole ich mein Publikum ab? Wie antworte ich kompetent auf Rückfragen? ...)
…
Das ist für mich alles Teil einer guten Vorbereitung. Die hört nicht bei inhaltlichen Fragen auf.
Alles in allem brauche ich Handwerk/ brauche ich Kompetenz / brauche ich Techniken…
Daher stellt sich Frage 1: Kann ich das? (Bin ich fähig?)
Wenn du JA sagst – dann ist eine Bedingung erfüllt. Wunderbar.
Wenn du NEIN sagst - dann ist es meist so, dass wir nicht alle unsere PS auf die Straße kriegen. Darüber reden wir gleich noch.
Ich möchte dir ein Bild anbieten: Stell dir vor, du packst ein Päckchen.
Eine gute Vorbereitung ist wie all die Dinge ins Paket legen, die du auf der Bühne brauchst oder brauchen könntest.
Wichtig ist auch, wenn wir über Fertigkeiten/ über Handwerk sprechen, einen Blick in die Flow-Forschung zu werfen.
Flow ist der optimale Zustand zwischen Unter- und Überforderung. Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn Anforderungen, die die Situation stellt, und Fähigkeiten, die ich dafür mitbringe, im Einklang miteinander sind.
Das erklärt, warum manche Menschen vor 100 Leuten gut reden können aber vor 1000 nicht.
Der US-amerikanische Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi konnte 7 Merkmale feststellen, die einen Flow-Zustand kennzeichnen.
Ich greife nur einen Punkt auf, der für uns hier nun relevant ist:
Die Aufgabe ist machbar.
Ist sie das für dich? Kannst du das? JA?
Dann ist die erste Bedingung erfüllt - herzlichen Glückwunsch!
Wenn NEIN dann frage dich:
Wenn die Antwort lautet: NEIN, ich kann das nicht. NEIN, ich habe nicht die Zeit, mich vorzubereiten. Und NEIN, ich habe keine Unterstützung. Dann würde ich sagen:
Lass im Moment die Finger davon. Verschieb den Termin. Oder wenn du es trotzdem machst, sei dir des Risikos bewusst.
Wichtig für die Perfektionisten unter uns: es gibt kein „Fertig sein".
Bei Folienvorbereitung vielleicht eher. Bei Stimme, Körper und Sprechen ist es aber ein lebenslanger Prozess. Und trotzdem ist es gut, wenn du übst. Wie spreche ich ohne Mikrofon so, dass der Raum erfüllt wird mit meiner Stimme? Wie bleibe ich auch bei kritischen Fragen aus dem Publikum entspannt? Für all das gibt es Strategien und die zu kennen, macht einen sicher und locker für den Auftritt.
Kann ich das hinreichend gut? ist die Frage, die sich Perfektionisten* stellen sollten.
80 % sind die neuen 100%!!!
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Es geht darum, ob du im Augenblick des Auftritts in der mentalen und körperlichen Verfassung bist, dass du auf das vorbereitete Paket (und all die Kompetenzen und Fähigkeiten darin) im Auftritt selbst zugriff hast.
Was meine ich damit?
Es gibt Menschen, die sind super vorbereitet – und die sind trotzdem aufgeregt. Und zwar so sehr, dass sie sich selbst im Weg stehen. Das sind diejenigen, die dann Wortfindungsstörungungen haben, also das Gefühl "ich habe einen Blackout". Sie verstummen statt schlagfertig zu sein.
Man könnte meinen: tja, einfach nicht optimal vorbereitet. Meiner Erfahrung nach ist das aber ein Trugschluss.
Noch mehr Vorbereitung löst dieses Problem gar nicht.
Vielmehr geht es darum auf einer anderen Ebene zu schauen: wie komme ich in einen guten Zustand, um gut meine Wissen zu liefern? Also um im Bild der Paketlieferung zu sein:
Das Paket ist fertig gepackt, aber die Lieferung ist gestört.
Wie äußert sich das?
Zum einen körperlich:
Wenn unser Körper Symptome zeigt wie veränderte Atmung, Zittern, rot werden, Stimmkippeln, Schweiß, erhöhter Toilettengang, hektische Bewegungen, Wortfindungsstörungen usw,, dann sind wir nicht in der Lage unsere Bestleistung abzurufen. Der Körper ist gerade mit etwas anderem beschäftigt. Was da genau passiert, dazu erzähle ich mehr in einer der kommenden Folgen.
Zum anderen äußert sich das mental:
Wenn du keine erbaulichen Gedanken denkst, bist du in einem "suck state". Es kommt zu Lieferengpässen.
Zurück zur Ausgangsfrage: Bist du gerade in der Lage? Bist du also bereit loszulegen?
Wenn du ja sagst. Meinen Geist und meinen Körper geht’s gut – dann ist Bedingung 2 erfüllt.
Wenn du aber sagst: "ne, so richtig fühle ich mich nicht gut beim Gedanken an den Auftritt."
Dann weißt du nun, dass es nicht darum geht, mehr zu lernen, mehr Tage an der Vorbereitung zu sitzen oder solche Termine zu verschieben, sondern dich mental und/oder körperlich in einen guten Zustand zu bringen.
Wie bringst du dich jetzt in einen guten mentalen oder körperlichen Zustand?
Auch da hast du vermutlich zum jetzigen Zeitpunkt schon die ein oder andere Ressource an der Hand , die du nutzen kannst, wenn du merkst, jetzt hängst du.
Ich nenne dir hier kurz ein paar Ideen in welche Richtung das gehen kann.
Körperlich baut sich Stress, baut sich Adrenalin (das ist ein kurzfristiges Stresshormon), über körperliche Bewegung ab. Wenn Stress länger als 10 Min andauert, dann wird Cortisol ausgeschüttet und das baut sich besser ab über Atemtechniken, über PEP, EMDR/ Wingwave z.B.
Mental helfen erbauliche Gedanken sowie ein klarer Gedankenstopp bei negativen Gedanken.
Dies in aller Kürze. Ich werde eine zukünftigen Folge oder mehrere diesem Thema widmen.
Wenn du sagst: JA, ich bin in der Lage meine Gefühle, Emotionen und körperlichen Empfindungen so zu regulieren, dass ich mit einer gewissen Leichtigkeit und Freude in den Auftritt gehen kann, super.
Dann kommt hier die 3. Frage:
Das ist in der Regel keine Frage, die wir uns bewusst stellen. Aber wenn wir nicht wollen, dann gibt es ziemlich viele Symptome, warum es nicht klappt: Vermeidung, Prokrastination, Ausreden oder das Gefühl von Zwang/ Ambivalenz im Sinne von "Oh, ich muss ja, aber ich hab gar keinen Bock auf diesen Vortrag."
Das ist doof, denn dann kommst du nicht oder nur schwer ins Handeln. Dann stagniert z.B. die Vorbereitung. Wenn du schon mal Gefühle wie Prokrastination oder Zwang erlebt hast, dann weißt du, wie unangenehm das ist.
Diese Gefühle stellen sich übrigens nicht nur ein, wenn dein Chef sagt: "hier mach mal, halt du den Vortrag bei der Tagung." Oder wenn du aus Loyalität zu einer befreundeten Unternehmerin zusagst auf ihrem Kongress zu sprechen.
Das Gefühl der Unlust kann sich auch einstellen, wenn du ursprünglich aus freien Stücken JA zum Auftritt gesagt hast.
Ich habe das selber schon erlebt. Das liegt daran, dass wir unterschiedliche innere Anteile haben, die unterschiedliche Dinge wollen. Diese unterschiedlichen Stimmen werden je nach Situation unterschiedlich laut. Je näher der Auftritt rückt, desto lauter wird dann die „ich will gar nicht“ Stimme, die vorher ganz geschwiegen hatte.
Sowas kann ganz schön die eigene Motivation in den Keller sinken lassen und man fühlt sich dann blockiert.
Wenn du nicht willst, oder ein innere Teil von dir, dann gilt es hier auf dieser Ebene anzusetzen.
Wie machst du das?
Das ist komplex. Auch dafür wird es eine eigene Folge geben.
Im Großen und Ganzen gilt es eine Entscheidung zu treffen. "JA, ich werde diesen Auftritt machen." oder "NEIN, den mache ich nicht.".
Wenn du z.B. den Auftrag, einen Vortrag zu halten, angenommen hast und nun merkst, es passt doch nicht, dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du hältst ihn - trotz allem. Oder du hältst ihn nicht - trotz allem.
Egal, was du machst, beides hat Vor- und Nachteile, sonst wärst du nicht in dieser Fragestellung gefangen.
Manchmal bedeutet das, anderen vor den Kopf zu stoßen. Manchmal wirst du dich vermutlich zusammenreißen und ihn trotzdem halten.
Alles in allem: geht es darum, klar zu bekommen, was die stimmigste Entscheidung ist: willst du?
Die Antwort muss kein "Hochzeits-JA" sein, wo jede Zelle deines Körpers "JA, ich will." ruft. Doch ein erwachsenes JA im Sinne von „Auch wenn ich das eher belastend finde, mache ich das nun und trage die Konsequenzen dafür." ist wünschenswert.
Also, kannst du es sagen? JA, ich will diesen Auftritt! JA, ich will sprechen!
Es braucht 3 innere JAs, um in seiner bestmöglichen Leistungsfähigkeit den eigenen Auftritt anzutreten.
Wenn ein JA auf einer dieser Ebenen fehlt, wenn also eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, dann laufen die Dinge erfahrungsgemäß nicht so leicht und rund. Oder sie laufen gar nicht, weil du nicht ins Umsetzen kommst.
Der Transparenz wegen:
Diese Dinge sind im Ursprung nicht von mir, sondern ich habe sie zusammengebracht und weitergedacht.
3-4 Dinge, die zusammen kommen
1. Das PAC-Dreieck (PAC = Prüfungs- und Auftrittscoaching) erlernt in der Weiterbildung bei Dr. Timo Nolle (kann ich sehr empfehlen ;) ). Er spricht von Kompetenz, Leichtigkeit und Motivation/ Blockaden, die für Prüfungen erfüllt sein müssen.
2. aus dem Kontext des Beziehungs- und Paarcoaching sind mir diese 3 Schlagwörter hängen geblieben: Are you able? Are you ready? Are you willing? (Fähig? Bereit? Will ich?) 3 wichtige Fragen auch für Auftritte, finde ich. Leider weiß ich nicht mehr, wo genau ich diese Fragen zum ersten Mal fand.
3. Im ehemaligen Podcast von Sebastian Weber habe ich zum ersten Mal die 3 Fragen: Kann ich/ darf ich/ will ich? in Bezug auf Auftritte gehört und diese in meine Arbeit integriert. Hier kannst du hören, was Sebastian jetzt macht.
4. All dies habe ich mit meinem sprecherischen und sprecherzieherischen Hintergrund gemixt.
Heraus kommt meine Version eines raschen Analysetools für die Zusammenarbeit mit meinen Kunden*.
Ich habe gemerkt:
Wenn es an einer der Bedingungen hapert, dann finden Menschen Gründe ihr Sprechen bewusst oder unbewusst zu boykottieren.
Damit dir das nicht passiert, weißt du nun, wo und wie du ansetzen kannst. Und wenn du das nicht alleine machen magst, dann gerne mit mir :)
Tschüss, zeig dich & sprich – denn die Welt braucht deine Stimme!
Deine Steffi
]]>Nicht immer. Ich möchte mit dir heute die Zeit nach dem Auftritt anschauen, was los ist, nachdem du Bühne verlassen hast. Manchmal sind wir danach nämlich richtig verkatert. Wir haben Sichtbarkeitskater. (bzw. Auftrittskater).
Was das genau ist und was du dann tun kannst, wenn es dich erwischt hat, das erfährst du hier.
Carol Dweck über Growth Mindset an der Standfort University
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Hallo und willkommen zu Folge 2 nach meinem Schweigen.
Die war so nicht geplant. Aber das heutige Thema hat sich in den Vordergrund gedrängt, nachdem ich auf den Veröffentlichungs-Button der letzten Folge geklickt hatte.
Nicht sofort, aber ein paar Tage danach.
Im Außen nichts. Aber in mir.
Ich habe mich einfach sehr verletzlich, sensibel und zart besaitet gefühlt, nachdem die Folge draußen war.
Zunächst habe ich das gar nicht gemerkt. Aber dann wurde mir bewusst, dass es mir einfach nicht so gut geht, wie ich das erhofft hatte.
Immerhin hatte ich einige Woche darauf hin gearbeitet, endlich wieder mit dem Podcasten zu beginnen. Ich hatte mich darauf gefreut. Aber dann war gar keine Freude in mir, sondern nur Erschöpfung und schlechte Laune.
Mitten in diesem Zustand kam mir plötzlich eine Erklärung dafür: "klar, ich habe gerade Sichtbarkeitskater.", dachte ich mir.
Und als mir das bewusst war, wusste ich, was zu tun ist. Saure Gurken essen sozusagen. Nur eben im mentalen Sinne.
Und darum geht es heute hier:
Sichtbarkeitskater ist kein offizieller oder gar wissenschaftlicher Begriff. Auftrittskater, der oft synonym verwendet wird, auch nicht.
Ich weiß nicht, wo ich ihn zum ersten Mal gehört habe. Aber er bezeichnet für mich wunderbar, was passieren kann, NACHDEM wir den Auftritt hinter uns gebracht haben. Ich benutze ihn gegenüber meinen Klienten* schon eine ganze Weile.
Meine Definition davon ist folgende:
Sichtbarkeitskater meint einen Zustand nach einem Auftritt, der von Gefühlen der Verletzlichkeit, der Unsicherheit und der innerlich stark empfundenen Sensibilität geprägt ist.
Sichtbarkeitskater ist vergleichbar mit den Nachwehen bei einer Geburt.
Du bist eben mit der Geburt eines Kindes nicht fertig als Mutter. Da ist noch etwas zu tun. Was übrigens wichtig ist für die eigene Gesundheit.
Die Nachgeburt, die Nachwehen.
Wenn wir das als Metapher benutzen, dann ist diese Nachwehzeit nach dem Auftritt auch für uns als Redner* wichtig.
Denn auf die Bühne gehen ist auch immer wieder ein innerlicher Geburtsprozess. Ideen brauen sich im Stillen zusammen, sie verdichten sich, sie werden in eine Form gebracht und dann erblicken sie durch dein Sprechen das Licht der Welt.
Tja, und danach?
Dann ist es schön, wenn sich Menschen auf beiden Seiten (das Publikum und du als Rednerin*) freuen.
Aber das ist eben nicht immer der Fall, nicht immer gibt es Reaktionen.
Ob mit oder ohne Reaktionen: Die Zeit nach der Geburt eines Projektes oder eines Auftritts ist und bleibt eine empfindsame Phase.
Ich möchte den Sichtbarkeitskater auch noch mit einem anderen Bild erklären, weil ich in der letzten Folge das Bild des Schmetterlings, der durch den Imagoprozess gehen musst, aufgegriffen hatte.
Sichtbarkeitskater ist wie die Zeit des Schmetterlings nach dem Schlüpfen aus dem Kokon. Der Schmetterling ist für Fressfeinde besonders angreifbar so kurz nach dem Schlüpfen aus dem Kokon.
Und das sind wir emotional auch, wenn wir mit einem Thema rausgehen, mit dem wir uns erst finden müssen, oder auf einer Bühne, die bisher nicht unser Zuhause ist, oder mit einer Stimme, die ungewohnt für uns ist …
Sichtbarkeit löst ein Gefühl von verstärkter Verletzlichkeit, Angreifbarkeit und inneren Unsicherheit in uns aus, wenn dieses Terrain für uns ungewohnt ist. Wir sollten also besonders achtsam für uns sorgen. Oder uns mit Menschen umgeben, die uns umsorgen. Wie eben auch eine Mutter im Wochenbett umsorgt wird.
Brené Brown, eine US-amerikanische Forscherin an Houston University, hatte viel über Scham Verletzlichkeit geforscht und dann 2010 einen TED Talk gehalten, der viral ging. Später erzählt sie darüber, dass das überraschend bis überfordernd für sie gewesen sei. In diesem Zusammenhang spricht sie auch von einem „Vulnerability Hangover“, also einem Verletzlichkeitskater, der sie überkommen hat. Dieser Begriff geht also definitiv auf sie zurück.
In mir war trotzdem erst der Begriff Sichtbarkeitskater, als ich über jetzt über dieses Thema nachdachte. (später habe ich auch an Auftrittskater gedacht). Den habe ich gesucht und fand einen Artikel von Ricarda Kiel von die gute Website, die davon im Zusammenhang mit einer Buchveröffentlichung sprach.
Wo auch immer diese beiden Begriffe ursprünglich aufgetaucht sind, für mich beschreiben sie einen Zustand, den meine Klienten* und ich selbst auch als Phänomen NACH einem Auftritt kennen.
Auftrittskater passt möglicherweise etwas mehr zur Situation nach einem konkreten Bühnenauftritt. Sichtbarkeitskater kann für jede Situation stehen, wo ich mich öffentlich gezeigt habe, also eher auch im Bereich von Pixeln, Bits, Print und co. Letztlich beschreiben sie in der Essenz aber das gleiche Phänomen und so spreche ich im Podcast auch nur von Sichtbarkeitskater und meine beide Situationen damit.
Lass uns aber über das Wichtigste reden:
Dein Auftritt beginnt nicht auf der Bühne erst, denn er braucht Vorbereitung: fachlich und mental-emotional. Du bereitest dich mal mehr oder mal weniger intensiv vor. Aber es gibt immer einen Vorlauf.
Und dein Auftritt endet eben auch nicht mit dem letzten Wort. Er verlangt Nachbereitung - auch fachlich und mental-emotional. Dem fachlichen geben wir oft noch Raum.
Aber wie sieht es mit deiner mental-emotionalen Nachbetreuung aus? Gibst du diesen Themen auch einen Ort? Und wohin mit deinen Gefühlen nach dem Auftritt?
Ich möchte dir hier ein paar Anregungen geben, wenn sich bei dir ein Katergefühl einstellt. Und die beginnen mit einer guten Nachbereitung. Hier sind sie:
Das gilt immer, ganz unabhängig davon, ob der Sichtbarkeitskater dich nun gerade erwischt hat oder nicht.
Wie kann das aussehen?
Vielleicht sendest du eine Follow-Up E-Mail an dein Publikum oder du willst ein paar Ideen für dich für zukünftige Pitches notieren? Meist gibt es ein paar kleine To Dos nach einem Auftritt.
Ich merke selber, wie es mir hilft, diese zügig und zeitnah nach dem Auftritt zu erledigen. Weil dann keine unangenehmen Gefühle durch diese offene Verpflichtung begünstigt werden.
Deswegen nenne ich das hier, obwohl das eben im engen Sinne nicht dazu gehört, denn Sichtbarkeitskater ist eher ein Phänomen auf emotionaler und mentaler Ebene. Tipp Nr. 2 gehört daher sehr wohl dazu.
Dem geben wir nämlich nicht so oft einen Raum. Im Vorfeld eines Auftritts machen wir einiges, um uns gut zu regulieren.
Was aber ist mit der emotionalen Nachbetreuung?
Fragen wie: Wie geht oder ging es dir mit deinem Auftritt, mit dem dich öffnen? Wie fühlst du dich jetzt? Was brauchst du? Wie zufrieden bist du? spielen hier eine Rolle.
Aber auch alle anderen Selbstregulationstools, die du kennst, kannst du hier anwenden: klopfen, sich positive Gedanken machen, atmen, singen, summen, sich selbst (die eigenen Patzer) verzeihen und was du noch so kennst, helfen, das Zuviel an Emotionen durch einen Auftritt wieder nach zu regulieren.
Ich empfehle bei innerer Unzufriedenheit übrigens, die wir nach einem Auftritt haben können, dir ein Zeitfenster für Kritik festzulegen.
In dieser Zeit, z.B. eine Viertel Stunde lang, schreibst du alles auf, was du doof fandest und zukünftig besser machen willst. Am Ende legst du deine Verbesserungsvorschläge in eine Mappe oder einen digitalen Ordner und wenn du den nächsten Vortrag/ Auftritt/ o.ä. angehst, kannst du diese Ideen aufgreifen.
Aber – und das ist enorm wichtig – danach ist die Kritikzeit an dir selbst vorbei und verboten.
Dies ist eine wichtige Regel für Menschen, die einen starken inneren Selbstkritiker in sich tragen. Wir geben damit dieser Stimme Raum, aber sie darf uns einfach nicht dominieren.
Das ist enorm wichtig für unsere eigene Motivation für zukünftige Auftritte. Wenn unser inneres System lernt: nach einem Auftritt werden wir fertig gemacht (und sei es nur durch die eigene innere Stimme), wie sollen wir dann noch einen Auftritt angehen wollen?!
Auch hier geht es um die Frage der Motivation.
Ricarda Kiel betont in ihrem Artikel, den ich schon oben genannt habe, das Feiern.
Ich denke, dass Feiern bei manchen Auftritten vielleicht als Begriff überdimensioniert sein kann. Aber vielleicht siehst du das auch anders. Dann feiere dich und das Leben (das sollten wir wahrscheinlich alle viel öfter machen).
Ich spreche dennoch lieber von Belohnen.
Belohne dich. Und zwar nicht nur dann, wenn du erfolgreich warst mit etwas. Sondern belohne (oder feiere) dich für dein Tun und Handeln.
Aus der Hirnforschung weiß man, dass dies ein sogenanntes "growth mindset" fördert. "Growth mindset" geht auf die Forscherin Carol Dweck zurück. Sie hat sich mit Sportlern* und dem Thema Bestleistung erzielen beschäftigt.
Mit Mindset bezeichnet sie die Art und Weise, wie wir über Lernen, Intelligenz und Fähigkeiten zum Erreichen von Zielen denken.
"Growth mindset" orientiert sich nicht an Talenten oder angeborenen Fähigkeiten sondern an der Tatsache, ob wir denken, alles ist lern- und veränderbar. Das Ergebnis haben wir nicht immer in der Hand (eher seltener als öfter), aber unser Handeln schon.
Ob dein Publikum deine Botschaft versteht, der Same aufgeht, du in diesem Sinne erfolgreich bist, liegt nicht in deiner Hand. Aber ob du immer wieder handelst, sprichst, darüber redest, weitermachst, das schon. Und dafür solltest du dich belohnen.
Denn: unser Gehirn liebt Belohnungen. Durch Belohnungen steigt unsere Motivation. Und damit du langfristig durchhältst, damit du immer wieder auf deine Bühne gehst und selbst bei diesem Tun glücklich bist, ist es wunderbar, wenn du für Belohnungen sorgst.
Was könnte eine Belohnung für dich sein?
Für mich ist es, mir Zeit zum Baden im See zu nehmen oder in einem Cafe einfach so mal Mittag zu essen oder mir selbst Blumen schenken.
Was ist eine gute Belohnung für dich? Finde das raus, probiere das aus. Was du damit tust, ist übrigens nichts anderes als eine positive Verstärkung im Sinne einer Konditionierung. Aber warum sollten wir das nicht zu unserem besten Nutzen?
Aus Tipp Nr. 2 weißt du bereits, dass du Kritik nur in einem bestimmten Rahmen zulassen solltest, um deine Motivation oben zu halten.
Sei dir darüber hinaus gewahr, dass dein dich Öffnen mit Stimme und Sprechen ein empfindsamer Moment ist. Und behandle dich so, wie du mit Menschen in empfindsamen Momenten eben umgehen würdest.
Kuschle dich in eine Decke oder schlag ein Tuch um dich, um dir die Hülle und den Schutz zu geben, den du brauchst. Mach dir einen warmen Tee. Sag dir selbst nette Worte oder schreibe sie auf. Sei geduldig, wenn nicht alles geklappt hat, wie du wolltest. Oder auch, wenn du nicht weiterpowern kannst, weil dich eben der Sichtbarkeitskater erwischt hat und du erst mal etwas durchhängst.
Mild und freundlich mit sich sein ist immer wichtig, aber in dieser Phase besonders. Auch das fördert deine zukünftige Motivation.
Such dir Resonanz.
Wir Menschen brauchen Resonanz und Reaktionen auf unser Tun und Sein. Am besten positive. Hauptsache aber irgendwelche.
Babies sterben, wenn sie keine bekommen. Wir Erwachsenen sterben zum Glück nicht an mangelnder Resonanz, aber das heißt nicht, dass sie nicht wichtig wären.
Unser Gehirn braucht Resonanz. Rein physikalisch betrachtet bedeutet Resonanz ein Mitschwingen.
Nun ist es aber nicht immer so, dass andere Menschen mit uns mitschwingen können oder wollen. Wir sitzen z.B. im Bewerbungsgespräch und schauen in Pokerfaces rein. Oder auf unsere Audios oder Videos bekommen wir keine Kommentare oder Likes. Oder nach einem Vortrag kommt kein Mensch auf uns zu.
Das kann alles sein. Was dann?
Dann such dir einen Freund*, einen Partner*, eine Kollegin*, die dir das geben kann.
Bitte aktiv darum. Frag um positives Feedback. Bitte um eine Umarmung. Erklär, wie du dich fühlst und was du brauchst.
Klar können wir auch hier niemanden dazu zwingen, uns das zu geben. Aber ein Mensch, der dich mag und der ganz gut bei sich ist, kann mit deinen Wünschen i.d.R. gut umgehen.
Und wenn es in deinem Umfeld so jemanden gerade nicht gibt, kannst du dir auch immer einen Coach für so etwas buchen. Gerne auch mich. ;)
Manchmal bekommen wir Resonanz, aber negative! Das ist in Zeiten so großer Verletzlichkeit heikel. Was dann?
Mach dir klar, dass dein Wert nicht von der Meinung anderer abhängt und erlaube den Menschen, dass sie dich auch scheiße finden dürfen.
Du bist immer wertvoll, mit oder ohne deinen Auftritt. Mit oder ohne Reaktionen. Mit Lob oder mit Kritik. Und ganz unabhängig von den anderen und deren Meinung.
Andersherum sollten wir ihnen aber auch die Freiheit gewähren, selbst zu entscheiden, wen oder was sie gut finden.
Dann setz die Scheuklappen auf.
Verstehe mich bitte richtig: Man kann aus der Kritik von anderen enorm viel lernen.
Aber die Zeit, wenn du gerade an Sichtbarkeitskater leidest, wenn du dich gerade frisch auf eine Bühne hin geöffnet hast, die ist nicht der passende Moment für Kritik. Das wäre wie ein zu starker Frost für ein zartes junges Pflänzchen. In der Regel tragen diese Pflanzen dann für eine Saison keine Früchte. Und das wäre schade, wenn du eine Saison lang aussetzt.
Also bei Kritik: Bedanke dich, ignoriere den Inhalt (für den Moment) und schieb die Erkenntnisse auf später.
Ob mit und trotz Sichtbarkeitskater: es lohnt sich deine Botschaft in die Welt zu tragen.
Erinnere dich also an deine Mission und deine Motivation und dann mach weiter.
Nur so kannst du mehr und mehr deine Rolle auf deiner (neuen) Bühne verkörpern und dich damit immer sicherer fühlen.
Denn Wiederholungen helfen uns, uns sicherer zu fühlen. Und wenn wir uns sicher fühlen, dann sind wir auch nicht Kater-anfällig.
Soviel zu diesem Thema.
Ich wünsche dir, dass du weiter mit deinen Themen und Botschaften raus in die Welt gehst und sprichst. Und wenn es sich mal verkatert anfühlt. Dann weißt du nun, woran es liegen kann und was du tun kannst.
Alles in allem: Sei achtsam mit dir, denn die Zeit nach dem Auftritt ist eine sensible.
Für heute: Tschüss. Zeig dich und sprich – denn die Welt braucht deine Stimme!
Deine Steffi Schwarzack
PS: Schreib mir gern, deine besten Tipps bei Sichtbarkeitskater. Gerne ergänze ich die (oder erstelle gar eine eigene Folge daraus).
]]>Das erklär ich dir in dieser Folge.
Ich nehme dich als Kollegin oder Kollegen mit, mir mal über die Schultern zu schauen und gemeinsam zu erforschen, an welchen Hürden und Blockaden man struggeln kann, wenn es darum geht, sichtbar zu sein bzw. warum wir es manchmal nicht sind.
Hier findest du die Folge zum Hören:
Hier kannst du dich in meinen Newsletter eintragen.
Hier kannst du mir deine Frage stellen.
Hier findest du Informationen zum "Prozess der Innovationsdiffusion" von der TU Chemnitz.
Danke.
Danke, dass du hier (wieder) liest. Danke, dass du mir (wieder) zuhörst. Das ist nicht selbstverständlich nach so langer Zeit des Schweigens.
Es ist immer ein Geschenk, wenn Menschen anderen ihre Zeit und Aufmerksamkeit schenken.
Wenn du mich aber schon aus den Jahren 2016, 2017 und 2018 kennst, dann ist das noch mal ein Stück mehr besonders für mich. Denn ich habe ja geschwiegen.
Wochenlang. Monatelang. Jahrelang.
Weit mehr als 5 Jahre. Das ist in Zeiten der aktuellen technischen Entwicklung eine Ewigkeit. (Meine alten Podcastfolgen haben also langsam Reliquienpotenzial.)
Doch lass uns besser klären:
Es handelt sich hier um eine Art Nullepisode. Eine Re-Start-Folge oder - wenn du Monopoly magst - meine „Zurück auf Los“-Folge.
Du erfährst, was es mit meinem Schweigen auf sich hatte.
Und damit neben der Sensationslust das Lernen nicht zu kurz kommt, nehme ich dich als didaktisch denkender Mensch mit auf Forschungsreise und teile meine Erkenntnisse aus dieser Zeit mit dir.
Tja, also, nun mal Butter bei die Fische, Steffi: Warum habe ich im Kontext des Podcasts nicht mehr öffentlich gesprochen?
Ich habe beim Nachdenken über diese Frage festgestellt, dass es zwei Zeiten gab: die Zeit von Schock und Starre und die Zeit meines inneren "Mindfucks". Was meine ich damit?
In meinem Leben sind ein paar (nicht nur eine, sondern mehrere) Grundfesten weggebrochen, noch bevor das Coronavirus Europa erreicht hatte, und das hat bewirkt, dass ich aus meinem Rückblick heraus nur noch im Überlebensmodus funktioniert habe. Ich habe mich um all das gekümmert, was weit oben in den Prioritäten kam: meine Kinder z.B. und die Arbeit, die mir direkt Geld bringt ... Alles andere musste erst mal auf Eis gelegt werden und warten. Den Rest der Zeit bin ich in die intensive Innenschau gegangen.
Das macht Sinn: Verwundete Tiere ziehen sich zurück und springen (freiwillig) nicht in der Zirkusmanege rum. Eine Pflanze stirbt oben ab, hört auf zu blühen und zieht ihre Kraft in die Knolle und in die Erde zurück, wenn es ihr nicht gut geht.
Oder eine Raupe verpuppt sich im Kokon und bleibt dort, bis sie dann zum Schmetterling wird. Von außen sieht es aus, als passiere nichts. Aber das stimmt natürlich nicht. Es passiert total viel. Eine Raupe hat in sich sogenannte Imago-Zellen angelegt. Das sind spezielle Zellen, die bereits die Idee, die Vision sozusagen, des künftigen Schmetterlings in sich tragen.
Und was passiert in der Raupe? Das Immunsystem der Raupe betrachtet diese Zellen zunächst als fremdartig und versucht, sie zu bekämpfen. Was nicht funktioniert. Dieser Prozess lässt ich nicht aufhalten. Irgendwann werden immer mehr Imago-Zellen gebildet und die alte Raupe löst sich mehr oder weniger auf und schwimmt in einer Art Zellsuppe. Und dann entsteht daraus der neue Schmetterling. Die Transformation erreicht ihren Höhepunkt - wir sehen aber erst viel später den fertigen Schmetterling.
Und das ist mir auch passiert. Sicher nicht im körperlichen Sinne. Mir sind keine bunten Flügel gewachsen. Aber innerlich.
Was heißt das für die Sichtbarkeit?
Vielleicht kannst du dir das vorstellen: das ist keine Zeit, in der man mit einer Botschaft nach außen geht. Keine Zeit des Sprechens. Das nach Außen bringen war einfach nicht dran.
Ich habe in dieser Zeit meine Stimme, meine innere, noch nicht vollständig wieder wahrnehmen und fassen können. Da war viel zu viel in mir los.
Ich war damals nicht in der Lage, mich auf einer Bühne zu exponieren. Ich war nicht im inneren Zustand, eine Gruppe proaktiv stimmlich und gedanklich zu führen (was es m.E. für die Bühne braucht).
Ja, du hast recht: Man kann einiges machen, um in einen guten Zustand zu kommen – genau damit arbeite ich ja. Aber es gibt auch den Moment zu sagen: jetzt nicht.
Und das habe ich auf unbestimmte Zeit und ohne Vorsatz eben getan. Jetzt nicht.
Mein Fazit für mich und dich:
Es ist ok, wenn du mal schweigst, dich zurückziehst und in den Kokon gehst.
ABER: das birgt eine große Gefahr und darum geht es jetzt.
Ich nenne diese Phase gerne die Zeit meiner "Mindfucks". Erst stand mir das Leben im Weg und es war keine Zeit des Podcastens. Aber dann - fließend im Übergang - war ich es selbst, die mir im Weg stand fürs Podcasten. Darum geht es hier.
a) ROUTINEN:
Wenn man eine Weile etwas nicht mehr macht, dann gewöhnt man sich an diesen Zustand. So ist es mir leider auch gegangen. "Use it or loose it" eben. Ich hatte meine Routinen verloren. Einmal den Podcast ausfallen lassen, ist kein Problem, zwei mal auch nicht, aber meine NLP-Ausbilder meinten immer: "Steffi, ab 3 mal wird es ein Muster." - und sie hatten wohl leider recht. Ich verlor die Gewohnheiten, die Abläufe usw.
b) BEQUEMLICHKEIT ODER BUSINESS?!:
Ansonsten hatte ich auch so genug zu tun im Alltag: meine Kurs/ Workshops/ Vorträge/ Einzelberatungen forderten auch in Pandemiezeiten meine Aufmerksamkeit. Und dann gab und gibt es ja meine Kindern. Um es kurz zu fassen: Ich brauche den Podcast nicht, um mir den Tag zu füllen ;)
Bin ich zu busy? Oder ist das nur eine Ausrede und ich war zu bequem? Das kann ich nicht sagen. Was zählt ist das Resultat. Ich kam mit dem Podcast nicht in die Pötte.
c) MENTALE FALLE "PROFESSIONALITÄT":
Der Podcasting-Markt ist heute ein anderer als vor 5-6 Jahren. Er hat sich aus meiner Sicht professionalisiert. Als ich vor 8 Jahren meine erste Folge sendete, war dies untermalt mit dem Zauber des Spieles. Es war ein Experiment und ich hatte nichts zu verlieren in meiner Sicht.
Im Marketing gibt es ein Modell, was diese Themen erklären kann: Der Prozess der Innovationsdiffusion nach Everett Roger beschreibt die Frage, wie sich eine Neuerung innerhalb einer bestimmten sozialen Gruppe verbreitet. Er zeigt darin verschiedene Phasen auf, wie sich Neuerungen etablieren. Zunächst werden sie nur von den "innovators" und dann von den "early adopters" angewandt. In dieser Zeit ist alles Vorgehen experimentell. Später folgen die sogenannten "early" und "late majority" und zum Schluss die "lazzards". In diesen Phasen gibt es dann gewohntere Abläufe, eine Masse an Anwendern und v.a. eine Professionalisierung.
Ich bin keine Fachperson in diesen Fragen, aber in meiner Wahrnehmung des Podcastingmarktes sind wir in einer späteren Phase. Wo sich vorher noch ein paar experimentelle Leute in ihren Kleiderschrank gesetzt haben (habe ich selbst mit einigen Studierenden) und einfach mit Herzblut sprachen, ohne genau zu wissen, was sie da tun, stehen jetzt Medienagenturen und Radiosender hinter manch großem und erfolgreichen Podcast. Die haben eine ganz andere Infrastruktur und machen das hauptberuflich. All das kann einschüchtern. Mich zumindest.
Mir fehlt nun teilweise einfach das Spielerische, Unperfekte, Fehlerfreundliche. Das ist der Bereich, wo ich mich absolut wohl fühle. Wo nicht der Druck besteht, schon perfekt sein zu müssen. Das wünsche ich mir für meine Kunden*. ich will, dass nicht nur Menschen sprechen, die das studiert haben, sondern alle.
Das Irreführende der aktuellen Szene dabei ist übrigens, dass viele dieser Podcasts mit Intention einen flapsigen und spontanen Stil an den Tag legen (als wäre das spontan und nicht medienkonzernbeeinflusst) - dahinter ist meiner Erfahrung nach aber so gut wie nichts spontan (wie auch, man kann es ja schneiden ;) ) und das ärgert mich, weil es eben nicht real ist.
d) SCHAM:
Sich lange nicht bei einem Menschen zu melden, ist ein Abbruch der Beziehung. Genau solch einen Beziehungsabbruch habe ich letztlich auch mit meinen Hörern* und den mir wohlgesonnenen Menschen gemacht. Nicht mit Intention, aber dennoch. Und das ist mir unangenehm, ja sogar peinlich. Ich bin kein Mensch, der andere gern im Stich lässt, zumindest nicht ohne Erklärung und Kommunikation geht. Aber wie beginnt man den Kontakt nach langem Schweigen wieder? Es ist mir sehr schwer gefallen, das zu akzeptieren in meinem Verhalten und nun wieder auf dich und euch Hörende oder Lesende zuzugehen. Aber: hier bin ich. Hier ist meine Hand (bzw. meine Stimme).
e) SELBSTVERTRAUEN:
Was kann ich meinen Hörern* eigentlich noch versprechen an Regelmäßigkeit? Was bin ich in meiner Arbeits-und Lebenssituation in der Lage zu halten. Das Vertrauen in mein Fachwissen war und ist zwar da. Aber das Vertrauen in meine Regelmäßigkeit als Podcasterin ist geschrumpft. Auch diese Frage hat mich lange aufgehalten: Was kann ich leisten und versprechen?
Alles in allem:
Ich war ambivalent gegenüber meinem Podcasten.
In mir war und ist einerseits ein klares Lustempfinden im Sinne eines „ich will das“. Nur andererseits gab es eben auch viele gute Gründe (siehe oben) damit nicht wieder zu beginnen. Irgendein Anteil in mir sagte "ich will nicht“.
Vielleicht kennst du das?
Daher hier ein kleines Fazit zum Thema "Prokrastinieren":
Prokrastinieren oder vermeiden heißt nicht, dass du faul bist. Ich war und bin das nicht.
Es heißt einfach, dass du das Thema Motivation und Blockaden in den Fokus rücken solltest. Und das kann eben auf jede Form von Auftritt, öffentlichem Sprechen, Bewertungssituationen zutreffen.
Es ist selten so, dass alles in uns ja sagt, sondern eher ein „ja aber“ ist wahrscheinlich.
Das aber kann man überwinden - so wie ich, wie du gerade hörst bzw. liest. Und du kannst das auch, wenn du z.B. mit deiner Sichtbarkeit haderst und da prokrastinierst.
Daher erinnere dich:
Zeigen des Schweigens sind ok. Rückzug ist wichtig. Ideen werden in der Stille geboren. Aber pass auf, dass dein Schweigen nicht zur Falle wird.
Es gibt viele Gründe, warum es mich reizt.
Also: ich podcaste wieder.
Ich werde in Staffeln denken und mir Pausen gönnen, wenn nötig.
Aber - Ziel ist es, dass es sich dann nur um ein paar Wochen handelt und angekündigt wird 😉
Wie oft werde ich podcasten?
Das wird sich zeigen. Geplant ist aller 7 bis 14 Tage – das entscheide ich erst, wenn ich die ersten Folgen vorproduziert habe. Du kannst dich aber im Newsletter anmelden, der auch wieder aktiv ist und dort erfährst du dann von der Häufigkeit.
Worum wird es gehen?
Ich habe lange überlegt, ob ich einen neuen Podcast starte, jetzt wo der alte so lange liegt. Aber dann habe ich gemerkt: das WAS, also die Inhalte haben sich nicht geändert und so wird es sich auch zukünftig um Sprechen, Auftritt, Stimme drehen.
Was sich allerdings geändert hat – ist das WIE meiner Arbeit. Sehr.
Nicht erst jetzt, sondern schon seit einigen Jahren. Ich hatte ja genug Zeit 😉
Wenn ich meine Sache gut mache, dann wirst du das merken.
Wie anders ist das neue Wie?
Tiefer, interdisziplinärer, weniger technisch sondern ganzheitlicher.
Ich bin tief in unser Nervensystem eingedrungen und habe über Polyvagaltheorie, Selbst- und Co-Regulation gelernt. Ich habe mich in PEP (Prozess- und embodimentfokussierte Psychologie) und PAC (Prüfungs- und Auftrittscoaching) weitergebildet. Ich habe zwei Buchprojekte begonnen (und noch nicht abgeschlossen.) V.a. aber: Ich habe mich verändert und das macht meine Arbeit anders.
Wie will ich in Zukunft podcasten?
Spielerisch(er), bei aller Professionalität! ich will mich und das Medium nicht zu ernst nehmen und v.a. fehlerfreundlich sein. Ich hoffe dir damit für dein Sprechen Inspiration zu sein.
Soweit die Einblicke.
Hast du noch eine Frage zu dem, was ich dir heute gesagt habe?
Dann schreibe mir an steffi@steffischwarzack.de Oder hast du eine Frage zum Sprechen, die ich mal im Podcast beantworten sollte? Dann schreib auch!
Ansonsten erinnere dich:
Zeigen des Schweigens sind ok. Aber pass auf, dass dein Schweigen nicht zur Falle wird.
Hab dank, dass du so lange heute dabei warst, und dass du mir ggfs. eine zweite Chance gibst. ;)
Ja und dann zeig dich und sprich, denn die Welt braucht deine Stimme!
Deine Steffi Schwarzack
]]>In dieser Folge erfährst du, was du dagegen tun kannst, so dass deine Atmung ab sofort lautlos und unauffällig ist. Und du und deine Hörer sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können.
Plugin um Atemgeräusche rauszufiltern: https://www.waves.com/plugins/debreath
Deine Aufnahmen strotzen nur so von hörbaren Atmungsgeräuschen?
Hier erfährst du heute drei Dinge, wie du das ändern kannst (wenn du das ändern möchtest)
1. Der richtige Umgang mit dem Mikrofon
2. Deine Haltung zu solch Phänomenen wie Einatemgeräusche
3. Praktische Sprechtechnik: Was kannst du konkret tun?
Du bekommst hier kein umfassendes Mikrofontraining. Wohl aber ein paar Gedanken zum Umgang mit dem Mikrofon.
Zunächst: Je besser die Qualität des Mikrofons, desto genauer nimmt es alle anderen natürlich Geräusche auf. Du kannst bzw. solltest dementsprechend einen Popschutz verwenden und wenn du sehr viel Atmung hast auch ein Schaumstoffwindschutz. Das ist das Erste, was du tun kannst, um "zu viel Luft" etwas zu dämmen.
Bei jedem Mikrofon gilt es neu herauszufinden: Was ist ein guter Abstand? Spiel mal ein bisschen damit in Probeaufnahmen. Wenn viele Atemgeräusche da sind, bist du vermutlich auch noch zu nah dran. Es gibt so Faustregeln wie ein bis zwei Fäuste Abstand. Aber auch das kommt drauf an, ist meine Erfahrung.
Wo platzierst du das Mikrofon? Probiere mal, es etwas seitlich vom Mund zu stellen und lausche, ob es dann besser wird mit den Atemgeräuschen. Und platziere es generell nicht direkt auf Höhe von Mund oder Nase. Teste mal, ob es besser ist, das Mikro eher unter dem Mund oder über der Nase zu platzieren (was mein Favorit ist, wenn du solche Atemgeräusche hast).
Dann gibt es natürlich auch technische Plugins, die den Atem filtern sollen. Manche schwören darauf. Ich benutze es nicht. Oben in den Shownotes verlinke ich dir einen Tipp, den ich bekam.
Soweit zu technischen Fragen. Kommen wir zum zweiten Punkt:
Also erstmal: Es ist schön, dass du atmest. Es ist lebensnotwendig. Und Sprechen ohne Atem ist nicht denkbar. Daher gilt der Spruch: Ich spreche, also atme ich!
Nun ist so ein Atemgeräusch an sich neutral. Es ist einfach da. Ob es als positiv oder negativ erlebt wird, hängt von unserer Bewertung ab.
Ich lade dich ein, nicht jedes Atemgeräusch zu schneiden, sondern dazu zu stehen. Und noch viel mehr. Betrachte es doch mal als ein individuelles Stilmittel deines Sprechens.
Bei dem ein oder der anderen Sängerin ist es von Fans mehr als akzeptiert. Also z.B. singt z.B. auch Nena mit sehr viel Luftanteil und bei einigen Aufnahmen habe ich noch ihre wirklich deutlichen Einatmer im Ohr. Dennoch - oder vielleicht auch gerade deswegen? – hat sie damit Erfolg gehabt.
Möglicherweise fallen die Geräusche auch nur dir auf und deinen Hörern ist es gar nicht bewusst – oder sie lieben sie sogar?
Wenn du einige der Atemgeräusche schneiden magst, noch ein Gedanke:
Oft übernehmen diese Atmer eine Gliederungsfunktion. Sie ordnen sich in einen Sprechrhythmus ein. Und wenn du dann wild herum schneidest, zerstört das auch den Rhythmus deines Sprechens und der Aufnahme. Da solltest du ein bisschen darauf achten. Denn ein zerstörter Rhythmus ist sehr viel unangenehmer im Ohr als ein paar Atmer.
Zu unserem 3. Punkt:
Kommen wir nun zur Atem- und Sprechtechnik. Zunächst gilt es zu unterscheiden: Hören wir die Ein- oder die Ausatmung bei dir?
Eher selten ist es die Ausatmung: Das ist dann eher so was wie ein Schnaufen. Und da gilt: Einfach weglassen. Pause machen. Du musst es ja nicht machen, denn du atmest durch das Sprechen schon aus. Wir sprechen auf die Ausatmung. Und durch das Sprechen sorgen wir dafür, dass die Luft rausgeht.
Weitaus häufiger wird deine Einatmung betroffen sein. Und die sollte nun um Gegensatz zum Ausatmen in Form von Sprechen ja nicht hörbar sein.
Was sind die Ursachen, warum sie manchmal eben doch hörbar ist?
Fast immer hat es etwas mit Druck und Stress zu tun. So genügt auch eine gewisse kleine Anspannung durch die Mikrofonaufnahme schon, um mehr Spannung im Körper zu erzeugen.
Hinzu kommen können die Angewohnheit eines falschen Atemmusters oder eine ungünstige Körperhaltung beim Aufnehmen.
Alles in allem: liegt eine mangelnde Bauch-bzw. Zwerchfellatmung vor. Die Atmung bleibt stattdessen nur oben im Brustkorb und im Schulterbereich "hängen".
Da wollen wir sie nicht, zumindest nicht ausschließlich, haben. Denn da greifen Notfallatemprogramme, die in unserem Körper eingebaut sind. Der Körper holt sich dann aktiv Atem und es kommt dabei zu ziehenden Geräuschen. Wir ziehen den Atem ein.
Das Ideal in einem Nicht-Notfall-Zustand ist, dass der Körper ganz automatisch im Reflex Luft holt und den Atem erneuert.
Also nochmal - es gibt zwei Atemprinzipien. Einmal holt der Körper sich ganz aktiv den Atem. Das ist für Notfälle da. Und einmal passiert es unbewusst reflektorisch von selbst. Für den Alltag. Beides ist in uns angelegt.
Die Frage ist: Welches Körper- und damit Atemmuster greift gerade im Sprechmoment?
Deswegen kümmern wir uns jetzt mal hier um die reflektorische Atemergänzung.
Es gibt unterschiedliche Atemschulen und Sprechansätze, die unterschiedliche Begrifflichkeiten benutzen – nur dass du es mal gehört hast und beim Wunsch nach Vertiefung googlen kannst:
Neben dem Begriff reflektorische Atemergänzung heißt das Ganze auch Atemeinfall. Den Begriff benutze ich auch. Manche reden auch von Abspannen, in diesem Zusammenhang auch von Atemrhythmisch Angepasster Phonation. Es gibt Begriffe wie passive Einatmung... und bestimmt noch weitere, die mir gerade nicht einfallen.
So. Werden wir praktisch.
Was ist das Ziel?
Du willst einen lautlosen Einatem. Das heißt, du brauchst ein Atemprogramm, was reflektorisch passiert.
Das ist ein bisschen tricky, weil: wenn wir in unseren Atem eingreifen, dann ist es eben nicht mehr reflektorisch sondern verändert.
Wir können aber eine Sache sehr wohl machen: Wir können unseren Körper vorbereiten, damit er automatisch das entsprechende Atemprinzip wählt. Natürlich unbewusst.
Wir aber wählen dafür bewusst das Körpermuster aus.
Machen wir ein Experiment:
Und am besten machst du nur mit, wenn du gerade nicht im Auto sitzt und fährst. Nur zur Sicherheit.
Stell dir vor: Es ist ein grauer Tag, es regnet, du sitz daheim, auf dem Sofa, bist eher lasch und energielos drauf. Plötzlich kommt ein Anruf: "Hallo, Sie haben gerade eine Millionen Euro in unserem Gewinnspiel gewonnen."
Ganz abgesehen davon, dass sich vielleicht eine Stimme in dir meldet, die sagt: ich spiele sowas eh nicht. Was passiert im Körper bei Überraschung und bei Freude? (Es funktioniert auch bei Erschrecken.)
Uns bleibt der Mund offen stehen – so sagt der Volksmund – und er hat recht.
Wir haben da ein Körper-Atem-Muster:
Das Zwerchfell senkt sich federnd und automatisch schnell ab. Die Bauchorgane gehen raus. Der Mund geht auf. Die Luft strömt ein.
Nicht extrem viel. Aber genug. Und vor allem: Ganz automatisch - reflektorisch - hat sich der Körper Luft geholt. Luft zum Leben und Luft zum Sprechen.
Genau diese Muster wohlen wir nutzen:
Wenn wir all dies parallel tun, ist der Atem sofort da - ohne bewusstes Einatmen.
Wir bereiten den Körper einfach nur auf den Atem vor.
Lasst es uns nochmal zusammen machen.
Bauch entspannen, Zunge flach im Mund, Lippen leicht geöffnet. Luft strömt automatisch ein.
Ja, ich weiß, es ist nicht extrem viel Luft, aber es ist genug, genug für die nächste Sprecheinheit.
Wir sollten eh alle paar Sekunden (die Angaben schwanken zwischen 3 bis 8) eine Sprechpause einlegen.
Und damit es dir nicht langweilig wird, hast du ab jetzt in deinen Pausen was zu tun: Bauch locker, Zunge flach, Mund auf. Weiterreden.
Wichtig dabei: nimm dir Zeit. Mach keinen Stress. Das Ganze ist ja gerade nur mit einem entspanntem Körper möglich.
Wenn du das so machst, dann ist der Atemeinfall lautlos.
Wenn er doch noch hörbar ist, probiere es mal so: Mach die Zunge flacher oder den Mund mehr auf.
GAAAAANZ WICHTIG: Du darfst nie so lange reden, bis du keine Luft mehr hast. Dann funktioniert geräuschloses Einatmen nicht mehr.
Das ist wie beim Tanken: Du musst rechtzeitig tanken, sonst geht nichts mehr.
Wie kannst du das jetzt üben?
Nimm dir ein Gummiband, was du gerade im Haushaltsfach findest.
Das ist das Prinzip. Immer wieder.
Was sprichst du in der Übung?
Fang an mit
1. Geräuschen: wie /ch/ /sch/
2. Kurze Wörter: wie /nicht/ oder /ich/
3. Einzelne Sätze: wie /ich bin wichtig/
Das ist dein Handwerkszeug. Eine Art Trockenschwimmen. Nun musst du es auch im Alltag umsetzen.
Wie am Besten? Übe 5 Tage lang mal die „Trocken“übungen. 2 x 3 Minuten im Bad früh und abends zum Beispiel.
Dann aber finde eine Situation, wo du dir eine Erinnerung einbaust:
IMMER WENN … heißt dafür die Formel:
Immer, wenn ich ans Telefon gehe, mache ich 5 x den Atemeinfall.
Immer wenn ich ins Auto steige …
Immer wenn ich …
Finde dein eigenes „immer wenn“!
Das war’s! Das ist das Wissen, was du brauchst. Mehr nicht.
Jetzt geht es wie immer ums Umsetzen.
Wenn du allein nicht weiterkommst, das Vertiefen willst, ein Feedback brauchst, weitere Übungen dazu willst, komm gern auf mich zu/ buch ein Coaching mit mir und bezieh dich gern auf diese Folge.
Und wenn es dir geholfen hat, erzähl es gerne weiter.
Ich wünsche dir viel Freude bei deinen nächsten Aufnahmen.
Zeig dich und sprich – diesmal mit lautloses Atmern.
Deine Steffi
]]>
Hör dir meine Folge über Präsenz in der Stimme an!
folgt natürlich noch - muss ich noch mal schön schreiben (lassen) ;)
Aber Präsentieren willst du deine Ideen schon?
Schwierige Kombination diese Ambivalenz. Denn eine Portion Dominanz braucht es immer, wenn du in den Mittelpunkt trittst.
Deswegen ist es an der Zeit den dominanten Part in dir selbst aus dem Schatten zu holen. Hier geht es darum!
Spectrum Kommunikationstraining von Evelyne Maaß und Karsten Ritschl
Buchtipp: Maja Storch: Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann
Buchtipp: Josef Zehentbauer: Körpereigene Drogen
Buchtipp: Hans-Georg Häusel: Think limbic!
Buchtipp: Evelyne Maaß/ Karsten Ritschl: Die Sprache der Motivation
Buchtipp: Rebekka Reinhard: Kleine Philosophie der Macht. Nur für Frauen.
Buchtipp: Shelle Rose Charvet: Wort sei dank.
Was sind innere Antreiber? Hier erklärt.
Was sind Motivationsprofile? Hier erklärt.
Hi, willkommen, schön, dass du da bist!
Lass mich dich gleich mal direkt fragen:
Oder sind das für dich eher zwiespältige Gefühle?
Wenn du eine gewisse Ambivalenz vor einem Auftritt in Meeting oder Präsentation empfindest, ist das eher die Norm als die Ausnahme. Daher: willkommen im Club!
Ich kenne es selbst und hab es letztens von einer Kundin gehört. Die fragte nämlich: Wie kann ich selbst so sein, wenn ich so ein Verhalten bei Anderen ablehne?
Gute Frage. Wenn du es ablehnst, wird es schwierig.
Wenn du etwas willst: nämlich auftreten, gehört werden, damit also im Mittelpunkt stehen und andererseits es nicht willst, weil du so ein Verhalten doof findest, dann hast du ein Problem.
Dann hast du zwei widersprüchliche Botschaften in dir.
Und das ist der springende Punkt.
Und ja, ich bin davon überzeugt, dass auch du eine solche hast – egal wie leise zart oder experimentell verspielt du sonst so durchs Leben gehst.
Wir haben alle eine kleine (oder größere) Rampensau in uns.
Wie komme ich darauf?
Es gibt ja viele verschiedene Persönlichkeitsmodelle – das Problem was ich mit denen immer habe, ist dass sie so tun, als wären Menschen immer gleich.
Sind sie aber nicht.
Ich bin nicht nur introvertiert, ich habe auch extrovertierte Seiten und Momente. Ich bin nicht nur sensibel, ich kann auch unsensibel sein. Ich bin nicht nur reaktiv abwartend, sondern in vielen vielen Kontexten auch sehr proaktiv.
Wir alle sind so. Wir alle haben alle Facetten des Ausdrucks in uns.
Davon bin ich überzeugt.
In der Psychologie gibt es Richtungen, die das Kontextuelle also den Einfluss der Situation aufs Verhalten beachten und die eben festgestellt haben, dass Menschen sich je nach Situation gaaanz anders verhalten.
Das erklärt. warum die brave Hausfrau plötzlich ihre andere Seite auslebt und mit dem latin lover durchbrennt und wieso ein cooler Checker bei einem Vortrag kalte Füße bekommen und zugleich ins Schwitzen kommen kann. Wieso ein Mauerblümchen uns mit einer Rede unglaublich beeindruckt. usw.
Ich bin ein großer Anhänger von solch kontextuellen Modellen. Und ganz besonders von einem:
Von den sogenannten Motivationsprofilen.
Gelernt habe ich das bei Evelyne Maaß und Karsten Ritschel in Berlin und sie haben es weiterentwickelt aus zwei Modellen, die sie von der Kanadierin Shelle Rose Charvet mit dem LAB Profile und Hans Georg Häusel der limbische Profile in seinen Büchern dargestellt hat.
Es ist etwas komplex aber die Grundidee ist: aufgrund der Sprachmuster, die Menschen benutzen, und meinen Beobachtungen wie sie sich verhalten, kann ich sagen, wie sie in einem bestimmen Kontext ticken und auch voraussagen, wie sie sich verhalten werden.
Für mich macht das ganz viel Sinn und es ist sehr sehr spannend und eben flexibel, weil es wirklich den Kontext berücksichtigt.
Ich werde dir nicht das ganze Modell darstellen, sondern nur einen kleinen Miniteil, der für unsere Fragestellung relevant ist.
Und zwar den Teil der limbischen Bevorzugungen, die du eben auch bei Hans Georg Häusel in den Büchern findest.
Die Idee (wie ich sie verstanden habe und mit ihr arbeite) ist folgende:
Wir Menschen haben 3 Richtungen unseres Strebens im Leben, die durch unsere Natur also speziell durch unsere Hormone und die Neurotransmitter in unserem Körper beeinflusst werden.
Einerseits ist das:
Der Wunsch sich im Leben zu behaupten und durchzusetzen.
Die Hormone, die dafür zuständig sind, sind eben v.a. Testosteron, Noradrenalin.
Der Wunsch nach Entdeckung, nach Neuem, nach Abenteuer. Verantwortliche Hormone: u.a. Serotonin, Dopamin.
Der Wunsch nach Zugehörigkeit, Nähe, Harmonie und Sicherheitsstreben.
Verantwortliche Hormone: u.a. Oxytocin
Wir haben Präferenzen! Ja! Aber wir haben jeder ALLE Hormone bzw. Neurotransmitter in unserem Körper! Sonst hätten wir ein großes hormonelles Ungleichgewicht.
Wie gering es auch ausgeprägt sein mag, auch du hast Testosteron in deinem Blut. Ja, auch wir Frauen haben es, und ja, eine geringe Portion reicht auch, um mal seinem Dominanzstreben auf einer Bühne nachzugeben.
Es ist deine Natur, dass du auch Dominanz in dir hast!
Nicht immer. Aber immer wieder°
Hier spreche ich im folgenden nicht für Individuen sondern statistisch. Es mag sein, dass es bei dir ganz anders ist. Aber überleg mal:
Dieses Modell erklärt im Grunde auch, warum es eben einfach mal mehr Männer gibt, die Dominanzstreben haben und als Speaker Karriere machen wollen. Männer haben weit mehr Testosteron im Blut.
Es erklärt auch, wieso Frauen um die 30 für die nächsten 10 Jahre oft einen Karriereknick haben. Wenn der Wunsch nach Kinderkriegen aufkommt, verändert sich das Verhältnis von Oxytocin und Testosteron.
Es erklärt, wieso die meisten Frauen, die es als Speakerinnen auf die Bühne unterwegs sind, keine Kinder oder schon erwachsene haben.
Also, was will ich dir damit sagen?
Es liegt in unserer Natur, dass wir alle nach Dominanz und Durchsetzung, nach Neuem und Inspirierendem sowie nach Sicherheit und Balance streben. Wie unsere individuelle Mischung ist, hängt von deinem Geschlecht, deinem Alter, individuellen Präferenzen, deine Aktivität, deiner Ernährung und anderem mehr ab.
Unsere Hormone verändern sich und auch unsere Präferenzen verändern sich und zwar mit dem Lebensalter. Aber auch durch bestimmte Ernährungsformen oder Aktivitäten. Ein bisschen ist es Schicksal. Ein bisschen kannst du Einfluss darauf nehmen!
Man hat bei Frauen, die Karriere machen, in Studien einen höheren Testosteronspiegel gefunden.
Die Frage ist dabei: Was ist Ursache und was Wirkung? Hatten die einen höheren Testosteronspiegel schon vorher oder ist er Nebeneffekt der Karriere?
Ich kann nur von mir berichten. Als ich je meine Kinder voll gestillt habe, war ich sehr im Oxytocinrausch. Und mit Dominanz und in den Mittelpunkt stehen und wieder Trainings geben hatte ich erst mal wenig am Hut. Ich musste da jedes Mal richtig wieder reinwachsen und wenn ich das dann doch wollte. Es hat mich Überwindung gekostet, aber es wurde auch wieder leicht und schön.
Was ich dir damit sagen will: so ist es auch mit deinem Sprechen, Auftritt und im Mittelpunkt stehen.
Je mehr du es tust, desto leichter wird es. Sei es, weil du diese Transmitter stimulierst oder einfach, weil es eine Gewohnheit wird.
Du kannst einiges dafür tun, mehr deine dominante Seite zu stimulieren (durch Ernährung, Sport etc.) Das kannst du z.B. nachlesen im Buch "Körpereigene Drogen". Sehr spannend.
Was ich mit meinen Kundinnen mache, sind Übungen um mehr in eine extrovertierte Energie zu kommen.
Und ich arbeite mental mit ihnen und das ist der zweite Punkt den ich dir heute erläutern will. Die psychologische Seite der Fragestellung.
Inspiriert hat mich dazu ein Buch von Maja Storch.
Ich habe viele Bücher von ihr zum Thema Embodiment gelesen und bin im Zuge dessen auf folgendes gestoßen: Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann. Im Grunde geht es da um Psychoanalyse und Beziehung und dafür bin alles andere als ein Profi aber sie hat mir wirklich ein paar Antworten auf unsere Fragestellung geschenkt, die ich hier mit dir teile:
Sie schreibt:
„Zeige mir die Menschen, die dich so richtig in Rage bringen, und ich zeige dir deinen Schatten.“
Wir leiseren, introvertierten Menschen lehnen die extrovertierten Rampensäue doch oft ab. Arme Sau! Kann man da nur sagen. Die sind nun eben auch einfach mal wie sie sind, die können auch nix dafür.
Wir lehnen diesen Teil dann aber auch in uns ab – und er kann gar nicht wachsen! Armes wir!
Und sie schreibt auch
„Wer die Theorie der Schattenprojektion für sich akzeptiert, kann nie wieder in Ruhe hassen.“
Also, wenn du als eher introvertierter Menschen, die bösen extrovertierten und Rampensäue weiterhin ablehnen willst, darf du nicht weiterhören. Ansonsten spitz die Ohren.
Meine These:
Du bist so lange in der Ambivalenz, solange du eben deine eigenen dominanten Anteile ablehnst.
Du kannst nicht mächtig sein, solange du Macht ablehnst. Rebekka Reinhard schreibt dazu (von mir verkürzt wiedergegeben):
„Macht ist an sich weder gut noch schlecht... Es geht auf die Worte machen und können zurück und stellt nur eine Disposition dar. Eine Fähigkeit, die Potenz, Einfluss zu nehmen und etwas zu bewirken.“
Es geht erst mal nicht um Machtausübung. Und schon gar nicht ums wie.
Wenn du es ablehnst, hast du eine Aufgabe: dich dem Schatten (der auch Teil deines Wesens ist) zu stellen.
Ich glaube, dass Sprechen vor Anderen, Präsentieren, wirklich die Transformation deiner Persönlichkeit unterstützt. Aber nur, wenn du eben bereit bist hinzuschauen.
Hier ein paar Anregungen.
1. Denke an all die Menschen, die du erlebt hast auf einer Bühne und im Mittelpunkt, die du ablehnst. Welche Eigenschaften leben sie? Was genau stört dich an ihnen? Sammle deine Antworten minutiös.
2. Welche dieser Eigenschaften hast du selbst und wann hast du sie gelebt? (Wann nicht?) Warum nicht? (Oft sind es innere Antreiber, die wir als Kind erlernt habe, weswegen wir Anteile von uns unterdrücken).
Sowas wie "mach es allen recht", "sei lieb" usw. Da passt dominantes Verhalten natürlich nicht so dazu.
3. In welchen Kontexten könntest du ab jetzt diese Eigenschaften leben? Mit welcher fängst du an? Heute? Jetzt?
4. Frieden machen: Was kannst du Gutes an diesen Menschen sehen? Was an ihnen mögen? Es geht darum im Außen Frieden zu finden, um in Inneren auch dazu zu kommen.
Ein Beispiel:
Wenn du laute Menschen bisher abgelehnt hast, wie meine Kundin, doch gleichzeitig willst du selbst lauter werden, um Gehör zu finden, dann frage dich
1. Was stört dich am laut sein? Was an diesen Menschen, die du ablehnst?
2. Wo hast du selbst eine laute Seite und lebst sie? Wo willst du sie eigentlich leben, tust es aber nicht? Warum nicht?
3. Wo könntest du diese Seite jetzt schon leben?
4. Was magst du an diesen lauten Menschen von 1. doch?
Es geht also darum, diese Facette in dir selbst du entdecken und anzunehmen und in dem Maß zu leben, was für dich passt. Gib ihnen einen Raum.
Ein paar Ideen hab ich dir gegeben, wie du das selbst auflösen kannst. Wenn du es schnell und effektiv mit einem Partner angehen magst, komm zu mir ins Auftrittscoaching. Damit du das nächste Mal frei und ohne Ambivalenzen auf deine Bühne gehen kannst. Denn dann hast du ganz klar mehr Energie für deine Bestleistung übrig.
Über deine Bewertung auf Itunes freu ich mich sehr. Ebenso über dein Feedback und deine Erfahrung mit Dominanz.
Und ansonsten bis zum nächsten Mal!
zeig dich & sprich!
deine Steffi
Buchtipp: Improv Wisdom von Patricia Ryan Madson
Buchtipp: Steal like an artist von Austin Kleon
(Gerne bei den Buchhändlern um die Ecke bestellen! Die freuen sich!)
Hallo, willkommen, schön, dass du da bist zur 43. Folge von Zeig dich & sprich!
Neulich im Präsentationstraining: Eine Teilnehmerin steht wie ihre KollegInnen zuvor vor der Gruppe und soll eine relativ spontane Kurzrede vortragen. Es gibt zwei Themen zu Auswahl. Wir üben frei sprechen, das Aushalten im Mittelpunkt zu stehen und gleichzeitig gut Zugriff auf seine Gedanken zu haben. Bisher hat sie geredet und wir sind gespannt, wie es weitergeht. Doch dann. Sie stockt. Sie zögert. Sie denkt nach. Stille im Raum. Man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören.
Ich schau mich um, in die Gesichter der Anderen. Alle sind ganz still und gespannt. "Wenn sie jetzt was sagt, dann hat es Wirkung.", denke ich. "Egal was." Ich fiebere mit ihr, dass sie einfach weitermacht. "Bitte bitte sag was. Irgendetwas.", denke ich.
Macht sie aber nicht. Sie bricht ab: „Kann ich nochmal von vorne beginnen?“
„Mach doch einfach weiter“ sage ich. "Irgendwas, wir wissen doch gar nicht, was du sagen wolltest."
„Ich will aber was Originelles sagen!“
Aha, das ist der springende Punkt! Die entscheidende gedankliche Falle, die einen so unter Stress setzen kann, das gar nichts mehr geht.
Weiß ich aus eigener Erfahrung und weiß ich von zahlreichen Kunden.
Ganz ehrlich. Wer will es nicht, was Kluges im Meeting beisteuern? Den witzigen, schlagfertigen Spruch in ner lockeren Gesprächsrunde. Die originelle Story im Vortrag?
Was habe ich der Kundin geraten?
Ich musste sofort an einen meiner Stimmworkshops denken, den ich ganz am Anfang meiner Trainertätigkeit besucht hatte. Ich weiß noch nicht einmal mehr, wie der Trainer hieß. Es war auf einer Tagung und ich war da in nem Workshopslot als Teilnehmerin. Wir waren vielleicht so 15-20 Teilnehmende, standen im Kreis und tönten und sollten Laute von uns geben, um uns und unsere Stimmen zu aktivieren.
Da das eine große Konferenz rund um das Thema Stimme war und viele Fachleute da waren, gab es aber nicht nur aktive TeilnehmerInnen sondern auch passive, die einfach von außen den Prozess anschauten. Wir waren also im Fokus der Aufmerksamkeit. Und wir wollten es natürlich schön machen, vor den Anderen nicht unser Gesicht verlieren und als Einziger nen doofen Laut machen.
Das musst du dir vorstellen. Eigentlich ist es grotesk.
Da stehen 20 Leute im Raum zusammen, machen komische Laute wie uh, ahh, bumf, püpüpü usw. und der eigene Anspruch ist einen tollen, schönen und originellen Laut zu machen!!!
Da wird schon mal klar: es ist nur im Kopf. Eine mentale Begrenztheit. Hier geht es ja wohl nicht um originelles und spannendes Sprechen!
Die Begrenztheit habe ich deutlich im Körper gespürt.
Ich war angespannt. Von Spaß war nicht viel spürbar. Genießen war nicht.
Aber dann sagte der Trainer so was wie: Hey, be boring! zu uns – und ganz ehrlich.
Diese Erlaubnis langweilig sein zu dürfen, hat mich echt entspannt.
Ich hab es körperlich richtig gemerkt, wie meine Muskeln sich lösen konnten. Und plötzlich kam auch der Spaß dazu und die Freude und der Genuss – und dann so als netter Nebeneffekt fand ich meine Laute ziemlich klasse und originell.
Aber eigentlich war das nicht mehr so wichtig. Ich hatte ja Spaß. Und noch besser. Wir alle hatten Spaß. Denn das ist mir auch klar geworden. Es war nicht nur mein Stress gewesen. Es war der Stress vieler, wenn nicht gar von uns allen in jeder Situation.
Was ich damals noch nicht wusste. Dieser Spruch „be boring“ ist nicht aus der Situation entstanden. Das hatte Methode und kann als eine Regel bezeichnet werden.
Die Erlaubnis, langweilig zu sein, nämlich, entspannt. Nimmt den inneren Druck und Stress, und macht damit Spannendes, Flow und originelle Geistenblitze überhaupt erst möglich. Die entstehen eben nicht unter dem Druck, jetzt bitte endlich was Tolles abzuliefern. Das ist das Geheimnis von kreativem Schreiben, von Inquiry als Prozess (was ich mal als kreatives Sprechen übersetze) und jeglicher kreativer Arbeit. Begib dich ins Tun. Irgendwie. Normal. Dann kann etwas besonderes entstehen. Kann. Muss nicht.
Ein Bereich, der diese Methode stark nutzt, ist das Improvisationstheater.
Ich hab einige Workshops und Kurse dazu mitgemacht. Und die Ideen und Übungen haben meine Arbeit durchdrungen. Und ich habe mir kürzlich das Buch Improv wisdom besorgt und musste gleich reinlesen. All das hat zur heutigen Folge führt.
Ganz klar. Ich bin keine Expertin für Improtheater – muss ich auch nicht, ich handle nach der Weisheit: Steal like an artist. Ich nehme mir tatsächlich das Beste aus den Methoden raus. Und was ich bisher aus dem Improtheater für mich rausgezogen habe und wie meine Kunden und du jetzt auch dies für ihre Auftritte nutzen können, das erfährst du nun hier.
Für die Angestellten unter Euch Hörern mag vieles übrigens noch wichtiger sein in dieser Folge: Zumindest bekomme ich das immer wieder gesagt: Es ist oft wenig Zeit Pitches vorzubereiten, zumindest wenn man den Mehraufwand nach Feierabend vermeiden will. Bei uns Selbstständigen ist das eh nicht ganz so haarscharf zu trennen. Da ist es eher fließend.
Ok, hier nun also für dich die 6 mentalen Fallen und was das Improtheater für Lösungen bereit hält:
Egal, ob du spontan was beitragen willst oder ob du dich in der Vorbereitung einer Rede befindest. Immer wenn wir originell sein WOLLEN, da kommen meist die am wenigsten originellen Ideen. Schade und doof. Klar. Aber versuch es mal mit der inneren Erlaubnis, normal oder langweilig zu sein.
Die passende Improweisheit dazu lautet: Be boring oder auch Be average
Es meint, dass du einfach den ersten Impuls am Schopfe packst, anstatt ihn vorbei ziehen zu lassen. Nur so kommst du in den Fluss, in den Redefluss und nur so entsteht letztlich Flow.
Regel Nummer 1 für dich ab sofort heißt also: Sei langweilig. Sei normal!
Vorbereitet sein ist super. Ich empfehle das wirklich. Schwierig ist es da, wo deine Vorbereitung, dich daran hindert, wirklich präsent und im Moment zu sein.
Meist da, wo Menschen haargenau am Manuskript kleben, weil jedes Wort, jede Atempause geplant ist. Das kann funktionieren. Oft tut es das aber nicht. Vielleicht nämlich verlangt die Situation dein drauf eingehen. Dein Ding durchziehen, kann dir das Genick brechen. Zumindest, wenn du keinen großen Namen hast.
Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch in Sachsen wohnte, da gab es ein größeres Event, so eine Art sächsischer Wirtschaftstag o.ä.. Und die Organisatoren hatten es geschafft, einen namhaften Gründer und Chef einer deutschen Sporttextilienmarke einzuladen. Er war das Highlight des Tages und aller Redner. Er kam mit seinem Hubschrauber angeflogen, stürmte ebenso luftig in den vollgepackten Saal rein, packte sein Manuskript aus und las das handgeschriebene Werk Wort für Wort (gar nicht mehr luftig) ab, klebte an seinem Text und hätte das Ding überall durchziehen können. Von Begegnung und wirklich zu uns Menschen da im Raum sprechen und uns wahrnehmen, war nichts zu spüren. Ich fand es ehrlich gesagt enttäuschend. Und ohne seine Leistung in anderen Bereichen wäre er als Redner sicher nicht erfolgreich geworden.
Ein Prinzip hatte er vergessen. Wirklich Ja sagen zur Situation und das Prinzip des Utilisierens.
Was heißt das? Das Improtheater geht erst einmal davon aus, dass wir alles, was ist, annehmen sollten. Kein Widerstand gegenüber einem Thema, einer Situation oder einem Vorschlag. „Yes and“ heißt die Haltung dazu.
In Auftrittssituationen heißt das ganz konkret, dass du die Stimmung und Gegebenheiten begrüßt und nutzt. Ich habe dieses Prinzip zuerst im NLP und da speziell im Bereich von hypnotischen Sprachmustern kennengelernt. Milton Erickson, der Begründer der Hypnotherapie, hat wohl diesen Begriff geprägt. Utilisieren – das heißt alles nutzen, was gerade da ist.
Ein Teilnehmer kommt zu spät – nutze dies für dich.
Ein Kritikpunkt wird geäußert – nutze es.
Menschen stehen während des Vortrags auf/ du versprichst dich/ die Teilnehmer im Publikum haben Hustenanfälle/ was auch immer geschieht - nutze all diese Dinge.
Im Lexikon des systemischen Arbeitens findet sich folgende Definition:
„Utilisation ist die Haltung, jeder Eigenart des Klienten und seiner Lebenssituation mit Wertschätzung zu begegnen und das jeweils Einzigartige daran zu nutzen.“
So kannst du es auch bei Auftritten machen. Nutze die Eigenart der Situation für dich!
Improweisheit Nummer 2 heißt also: Sage Ja und akzeptiere das, was ist.
Klar wollen wir, dass unsere Botschaft, unsere Rede und wir als Person gefallen. Das ist menschlich. Doch viel wichtiger, als dass du deinem Publikum gefällst, ist, dass du es erreichst.
You don't have to please the audience, you have to reach the audience. Manuel Wolff
Beim Gefallen wollen, bist du in einer passiven Rolle und einer Erwartungsrolle. Du machst dich ein Stück abhängig. Die besseren Fragen sind also:
Wie kann ich mein Publikum erreichen?
Und auch:
Wie kann ich mir einen schönen Moment auf der Bühne machen?
Und zwar ganz unabhängig vom Ergebnis, ob die mich nun mögen oder nicht.
Denn wenn du Spaß hast, dann bist du im Moment, präsent und wach.
Improweisheit Nummer 3 lautet also: „Hab Spaß!“
Spaß ist auch eine Lösung für diese mentale Falle. Wenn wir aufs Ziel fixiert sind, haben wir ein Problem. Wir verpassen im Moment zu sein. In der vorigen Podcastfolge ging es ganz detailliert nur darum.
Improweisheit Nummer 4: Be in the moment! Be here now!
Es gibt immer wieder Situationen, wo Menschen gemeinsam im Mittelpunkt stehen. Wenn wir Vorträge gemeinsam halten, gemeinsam Events moderieren oder Meetings gestalten. Das können wir als unterstützend erleben oder als sehr schwierige Konkurrenzsituation. Beide Beteiligte können richtig viel dafür tun, dass man doof dasteht – oder als Dreamteam rüber kommt.
Es gibt dafür diese wunderbare Regel, von der zu wenig Menschen Gebrauch machen:
Improweisheit Nummer 5: Make others look good! Sorge dafür, dass die Anderen gut aussehen und gut da stehen!
Eine wunderbare Regel, wie ich finde, weil sie vom eigenen Ego weg führt.
Einen kleinen Perfektionisten haben wir wohl alle an Bord. Mal schreit er lauter als andere Male. Wenn er zu laut ruft und wir vor lauter perfekt sein wollen, nicht ins Handeln, Machen oder den Flow kommen ist es allerdings wirklich doof.
Kennst du das Phänomen, du versprichst dich einmal? Danach bist du so fixiert darauf, dass es passiert ist und um Himmels willen bitte auf keinen Fall noch mal geschehen darf! Und schwups. Schon ist der nächste Versprecher da.
Das kann sich ganz schön hochschaukeln. Und so ist es mit Fehlern generell. Es werden da, wo sie verboten und tabuisiert sind, generell viel mehr gemacht.
Das Schlimmste daran ist: weil ein offener Umgang mit ihnen verboten ist, lernt man noch nicht mal etwas daraus. (Und Versprecher sind ja dabei noch das geringste! Denken wir mal an Krankenhäuser, wo es keine offene Fehlerkultur gibt. Das ist nicht gut für uns Patienten...)
Fehler gehören dazu – und sind wunderbare Lernchancen und manchmal auch der Anfang von wunderbaren Stories, wie von der hier:
Als kleiner Gag zwischendurch also eine meiner Erfahrungen.
Als ich zu Studienzeiten auf Teneriffa in La Laguna studierte, stand ich noch am Beginn meiner "Spanischkarriere". Zu der Zeit war mein Schnürsenkel gerissen.
In La Cuesta, wo ich wohnte, gab es viele solcher Ramsch-Tante-Emma-Läden, wo es alles mögliche gab: Seifen, Papier, Klammern und was man sonst so für den Haushalt braucht. Da bin ich rein und habe brav meine Schnürsenkel bestellt. Ähm, das dachte ich zumindest.
Anstatt der Schnürsenkel legte mit der Verkäufer eine Packung Kondome auf den Tresen. Ich schaute wohl etwas verstört. Und wiederholte meine Bitte. Er zeigt nur auf die Kondome. Ich hob also einen Fuß hoch und zeigte auf meine Schuhe. Und dann wurde klar, was ich wollte und gesagt hatte. Anstatt córdones hatte ich wohl cóndones bestellt. ;) C'est la vie! beim Sprachenlernen! Und mein Zungenspitzen-R ließ wohl damals zu wünschen übrig...
Fehler sind also wirklich eine wunderbare Quelle für dein Storytelling. Mach welche!
Dies sagt auch Improweisheit Nummer 6: Make mistakes! Dare to fail! Mache Fehler! Wage es zu scheitern!
Es gibt noch ne Menge mehr Improweisheiten.
Zum Beispiel so schöne wie : Don't be prepared!
Aber das ist eine eigene Folge wert und ich lass es heute bei den 6 Weisheiten.
Hier noch mal zusammen gefasst für dich:
Das sind auch wunderbare Regeln fürs Leben generell!
Schreib mir deine Erfahrungen mit Improweisheiten auf der Bühne und im Leben!
Bis zum nächsten Mal, zeig dich und sprich, und hab Spaß dabei!
Deine Steffi
]]>Diese Wünsche sind aber eine Falle. Es ist nämlich leider oft so, dass 'gut sein wollen' dich in Wahrheit am gut sein hindert.
Wieso das so ist und was du dagegen tun kannst, das erfährst du hier:
Buchtipp: Dr. Michael Bohne "Klopfen gegen Lampenfieber"
Hallo, willkommen und schön, dass du da bist!
Geht’s dir auch so?
Willst du bei deinen Vorträgen, Präsentationen und Sprechauftritten richtig gut sein? Sollen dich die anderen gut finden? Du willst dass dein Auftritt ein richtiger Erfolg wird?
Dann geht es dir so wie einem meiner Klienten, mit dem ich im Januar zusammenarbeitete. Er hatte einen Vortrag vor sich. So war der Rahmen:
Es ging ihm um was. Da saßen also nicht nur ne Menge Leute im Publikum sondern auch welche, die er aus ganz verschiedenen Zusammenhängen kannte – und die er auch zukünftig immer wieder sehen wird. Der Auftritt war ihm also richtig wichtig.
„Was willst du?“, fragte ich. „Was ist dein Ziel?“
„Richtig gut sein.“, war die Antwort.
„Verständlich.“, sagte ich. „Lass es dennoch los. Es hindert dich am gut sein.“
„Ok.“, sagte er, „aber wie?“
Genau darum soll es heute gehen – er ist nämlich nicht der einzige, dem es so geht. 😉
Im Gegenteil es ist eine sehr typische Auftrittsfalle und ein Fehler bei Präsentationen, die vermutlich jeder zweite Präsentator begeht. Auch ich kenne das.
Daher lass mich heute zwei Sachen mit dir klären
1. Wieso gut sein wollen, dich am gut sein hindert
und
2. Was du gegen das gut sein wollen tun kannst
"Ok. Was ist denn nun so schlimm daran, gut sein zu wollen, Steffi?", wirst du dich vielleicht fragen. Ist doch irgendwie menschlich!
Und ja, es ist irgendwie normal! Du leidest nicht allein daran. Im Auftrittscoaching ist das eine der am häufigsten genannten Fallen.
Nun, es hat etwas mit deinem Aufmerksamkeitsfokus zu tun.
Es ist ok, VOR einer Präsentation an das Ergebnis zu denken. Ab und an. Nicht immer. Und es ist absolut ok, gut sein zu wollen. ABER:
WÄHREND der Präsentation solltest du nie an das Ergebnis denken. Sonst bist zu gedanklich in der Zukunft und nicht im Moment, nicht auf der Bühne präsent.
Gleichzeitig ist es generell schwierig, gut sein zu wollen. Wenn du an ein Ergebnis denkst - in diesem Fall 'gut sein' – dann bist du in einer Erwartungshaltung. Wenn alles gut läuft, super. Was aber, wenn ein Teilnehmer oder der Veranstalter danach einen kritischen Punkt anspricht? Was, wenn Teilnehmer während des Vortrages rausgehen? Was, wenn es eben nicht so gut läuft?
Das bringt uns zur ersten Frage: Woran erkennst du, dass du richtig gut bist?
Kommen Antworten wie: ich bin im Flow, mit fallen viele Stories und witzige Beispiele ein. Dann ist alles im grünen Bereich.
Wenn aber Antworten kommen wie: Das Publikum ist begeistert. Sie klatschen. Sie lachen über meine Anekdoten. Das ist dann schwierig.
Denn damit hast du eine Erwartungshaltung an Andere. Und das, lieber Hörer, liebe Hörerin, macht dich anhängig. Das Publikum bekommt von dir Macht zugespielt. Ein bisschen als gibst du denen ne Fernbedienung für dein Wohlgefühl in die Hand.
Finden die meinen Vortrag gut, geht es mir gut. Finden, die ihn doof, dann geht es mir schlecht.
Darin liegt die Gefahr. Wenn sie lachen, bist du gut. Wenn nicht, dann nicht?
Ich glaube so einfach ist es eben nicht.
Was ich dir sagen will: Das mit dem 'gut sein' ist komplex.
Es ist wie einen Samen zu pflanzen. Du kannst ihn säen, gießen, harken, düngen. Aber am Besten du lässt ihn auch in Ruhe und schaust nicht jeden Tag in der Erde nach, ob er schon keimt.
Geht er auf? Vielleicht. Vielleicht nicht.
Das hängt von vielen Faktoren ab. Von Sonne, Regen, Frost. Und einem Quäntchen Glück vielleicht auch!
Es liegt nicht alles in unserer Hand. Auch wenn manche Lehren es uns weismachen wollen.
Du kannst deine 100 % geben. Aber für den anderen Teil bist du nicht verantwortlich.
Wenn dein Aufmerksamkeitsfokus im Ergebnis ist, dann bist du nicht präsent in der Gegenwart. Nicht im Prozess sondern im Ziel. Wir verlieren die Freude am Tun, an der Tätigkeit selbst, zum Beispiel eben am Gießen, Erde lockern usw.
Wir wirken auf der Bühne dann nicht frisch, präsent, wach, sondern routiniert.
Meist haben wir auch eine Idee davon im Kopf, was gut sein bedeutet. Und die Frage ist: wenn mir ein Fehler passiert. Ganz simpel: du versprichst dich. Wie gehst du damit um? Passt das zu deiner Idee von 'gut sein'?
Erfahrungsgemäß nein: Wenn wir den Fokus 'gut sein wollen' haben, sind wir meist nicht milde und freundlich mit uns. Und wenn es dann doch passiert, wir innerlich mit uns schimpfen und uns kritisieren statt einfach im Vortrag weiterzumachen, verlieren wir im besten Falle Präsenz und Freude. Im schlechtesten geraten wir dadurch in eine Schleife von Versprechern, die bis zu einer Blockade führen können.
Und dann hab ich noch einen generellen Gedanken für dich. Vielleicht sogar einen philosophischen.
Was heißt das denn genau, das gut sein wollen? Das solltest du für dich klären. Wenn du vor einer Gruppe von 100 Menschen sprichst, und einer findet dich bzw. dein Thema toll, bewegend, mitreißend. Ist das gut sein?
Oder das gleiche Szenario. Aber diesmal finden dich 99 Leute, toll, bewegend, mitreißend.
Bist du im ersten Fall nicht genauso gut als im zweiten?
Die Gefahr liegt in der Bewertung. Und sollte es nicht toll sein, wenn du nur einen einzigen Menschen bewegst?
Ja, das ist in Businesskreisen schwer und eine gewagte These. In einer Gesellschaft, wo Business mit höher, schneller, weiter gedacht wird, da kann man sich schon mal mit Leistungsorientierung „infizieren“. Aber gut sein wollen, ist das an Zahlen und äußeren Fakten messbar?
Was denkst du dazu? Schreib es mir gern an info@steffischwarzack.de
Hier nun aber meine Lösungen für dich!
Die Betonung liegt auf AUSREICHEND gut. Es geht bewusst nicht um Perfektion. Die ist eh eine Illusion. Und ziemlich lähmend. Denn angesichts von Perfektion kommen wir alle immer nur mit einem Mangel weg. Also bereite dich ausreichend gut vor.
Für alle Menschen mit inneren Antreiber namens „Sei Perfekt“ heißt das übrigens: 80 %. Wenn du das Gefühl hast, du bist zu 80 % vorbereitet. Dann lass es sein.
Präsentieren hat etwas mit Präsenz zu tun. Im Moment sein. Dass sind die anderen 100 %, die du dann auf jeden Fall geben kannst. Vorbereitung ja. Aber irgendwann muss auch Schluss sein.
Und wenn es lautet 'gut sein wollen', dann kläre, woran genau erkennst du, dass du gut gewesen bist? Liegt das in deiner Hand? Dann los, an die Arbeit! Liegt es an den Anderen, an glücklichen Umständen oder sonstigen äußeren Komponenten, die nicht in deiner Macht liegen? Dann loslassen und all die anderen Punkte hier auf der Liste umsetzen! :)
Ja, du darfst Fehler machen. Ja, es wird dem Ego weh tun. Aber ja, du wirst es überleben! Das solltest du dir klar machen. Und generell überdenken, wie du eigentlich mit Fehlern umgehst und zukünftig umgehen willst. Manchmal ist so ein Fehler, das beste was dir passieren konnte. Weil dich jemand im Publikum so sympathisch fand oder oder oder …
Das ist mit Abstand die wichtigste wichtigste wichtigste Lösung!!! Eine radikale Fokussierung auf die Gegenwart. Mein Ausbilder Dr. Michael Bohne schreibt in seinem Buch „Klopfen gegen Lampenfieber“ den Spruch: Ich! Jetzt! Hier!
Damit das funktioniert, solltest du kurz vor dem Vortrag so physisch wie nur möglich werden. Mach deinen Körper wach. Bring dich in eine hohe wache fokussierte Energie. Ob du das mit Liegestützen, Kniebeugen, Tanzen oder Küssen machst, ist deine Entscheidung. ;) Probiere es aus.
Und während du dann sprichst, sei auch da im Moment. Lege deinen Aufmerksamkeitsfokus auf dein Tun: Sprechen, Formulieren, durch den Raum laufen. Was auch immer du tust. Dann hast du normalerweise kaum Gehirnkapazität frei für Fragen wie, ob du gerade gut bist oder nicht.
Das entspricht auch einer der Weisheiten des Improtheaters. Dort heißt es: "Be in the moment!" oder "Be here now!" (da gibt es übrigens noch ein paar weitere Weisheiten, die uns für jegliche Auftritt und das Leben generell nützen, weswegen die kommende Folge davon handelt.)
Ändere deine Perspektive! Statt dich zu fragen: wie kann ich gut sein? Frage dich:
Was kann ich meinem Publikum Gutes geben? Welche Veränderung will ich bringen?: Das verschiebt den Aufmerksamkeitsfokus und hilft excellent, um aus der mentalen Fallen 'gut sein wollen' auszusteigen.
So, ich fass diese Dinge nochmal zusammen:
Probier es mal aus! Und wenn du weitere Anregungen hast, schreib sie mir – ich ergänze sie in meiner Arbeit und im Blogpost gern!
Schließen möchte ich meine Gedanken mit diesem Zitat der spanisch-amerikanische Kulturantropologin Angeles Arrien. Sie schreibt:
„Four rules for life:
Show up
Pay attention
Tell the truth
Don’t be attached tot he results"
Für mich heißt das für unser Thema heute:
Sei präsent in deinem Tun
Sei bei deinem Publikum mit deinem Fokus (statt bei deinem Erfolg)
Sei ehrlich, auch was deine Fehler betrifft
Hänge nicht an den Ergebnissen.
Ich wünsche dir einfach ganz viel Freude bei deinen Auftritten und die Freiheit, die Ergebnisse loszulassen und offen zu bleiben für das, was kommt, und für die Pflanze, die wachsen mag. Wann auch immer der Samen, die Erde durchbricht.
Voraussetzung ist immer: zeig dich und sprich!
In diesem Sinne! Bis zum nächsten Mal!
Deine Steffi
]]>Zumindest manchmal! Warum ich das denke und mir damit als Auftrittscoach vielleicht ins eigene Fleisch schneide, erzähl ich dir in dieser Folge.
Und ich gebe dir die Erlaubnis schon jetzt, unfertig und ohne Präsentationstraining tolle Präsentationen und Reden zu halten!
In dieser Folge erfährst du: ALLES RUND UM PRÄSENTATIONSTRAININGS
Robert Dilts Logische Ebenen zum detaillierten Nachlesen
Hallo und willkommen bei Zeig dich und sprich! Heute bin ich ganz ehrlich zu dir.
Bis zu einem Drittel aller Menschen, die zur gemeinsamen Arbeit zu mir kommt, brauchen mich gar nicht. Das habe ich allerdings erst kürzlich - also nach fast 20 Jahren mit dieser Arbeit - begriffen.
Neulich in einem Kurs haben wir für jeden Teilnehmer einen rhetorischen Komplettcheck gemacht. Jeder wurde einmal in den Fokus gestellt und er oder sie bekam ein detailliertes Feedback zu allen Stärken, dem USP als Sprecher*in und so weiter. Aber es gab auch Hinweise und Ideen für Entwicklungen in der Zukunft.
Und dann gab es diesen einen Teilnehmer. Der hat mich vor ein großes, großes Rätsel gestellt. Was nur sollte ich ihm mitgeben für sein zukünftiges Sprechen? Ich fand einfach alles schon – und Achtung jetzt benutze ich dieses Wort – perfekt. Ich war wirklich ideenlos!
Er hatte eine aufrichtige zugewandte Körpersprache, eine Stimme, die angenehmes Prickeln im Ohr hinterlässt, ein einnehmendes Wesen, einen tollen Einstieg, ein Schluss, der auf den Punkt kommt u.v.a.m.
Ich habe mich wirklich unter Druck gefühlt und dachte: "Mensch Steffi, wo ist dein analytisches Wesen, da muss doch was sein, was du ihm rückmelden kannst!" Doch dann hatte ich diese Eingebung und der bin ich gefolgt.
Ich hab noch mal nachgefragt: Warum bist du hier in diesem Kurs? Warum bist du wirklich hier?
Und das was ich da gelernt habe, teile ich hier nun mit dir.
Wenn Interessenten und Interessentinnen auf mich zu kommen und sich für die gemeinsame Arbeit an Präsentation und Auftritt interessieren, haben sie unterschiedliche Anliegen.
Wenn ich diese Anliegen einteile, ergeben sich mehrere Ebenen, an denen Menschen mit mir arbeiten wollen: Die stelle ich dir jetzt vor und sage dir auch meine ehrliche Einschätzung warum, du mich manchmal eigentlich gar nicht brauchst und du dir dein Geld sparen kannst. Bzw. hey, das trifft natürlich auf jeden anderen Anbieter von Sprechcoachings und Präsentationstrainings zu. Die brauchst du auch nicht!
Ich habe dem das Konzept der logischen Ebenen von Robert Dilts aus dem NLP mal zugrunde gelegt. Mehr dazu findest du hier.
Manchen geht es darum ein paar Skills also Fähigkeiten zu lernen, wie z.B. dass die Stimme gut sitzt oder tiefer klingt, wie man gute Einstiege in Reden macht, die Fähigkeit, die Hände gut einzusetzen usw.
Manchen geht es darum, sich auf einen spezifischen Auftritt vorzubereiten. Die suchen dann entweder einen Sparringpartner, mit dem sie gemeinsam alles besprechen können. Oder sie suchen eine Art Personal Trainer, der sie dabei unterstützt, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich eben nicht erst am Abend vorher an ihre Präsentation zu setzen sondern jetzt schon etwas zu tun. Manche suchen auch beides.
Andere wünschen Feedback auf ihre Performance, eine Videoanalyse u.ä. um ihre Rolle als Speaker und Präsentator zu reflektieren. Oder sie wollen ihr neues ich, was auftritt, entdecken. Ihre Scheu vorm Auftritt ablegen. In die Sichtbarkeit und ins Licht treten. Der inneren Transformation, die die Selbstständigkeit oder berufliche Entwicklung mit sich gebracht hat, einen neuen Ausdruck geben. Vieles ist hier denkbar.
Da spielt für mich zudem eine weitere Ebene rein, die Robert Dilts in seinem Modell allerdings von dieser hier trennt. In meiner praktischen Arbeit in Präsentationstrainings kann ich das allerdings gar nicht voneinander trennen.
Diese Ebene berührt Themen wie z.B. Was denke ich über mich: Wer bin ich? Wie ist mein Selbstbild? Diese Menschen wünschen sich einschränkende Muster auf einen Auftritt und ihre Rolle zu lösen. Daran arbeite ich auch mit denen, aber wie gesagt, es ist für mich von der Ebene der Identität, sprich der Frage Wer bin ich? praktisch nicht zu trennen.
Bei Robert Dilts gibt es weitere Ebenen, die in der Praxis für mich nur marginal relevant sind bzw. in andere eingreifen, so dass ich diese hier nicht aufführe.
Und generell gibt es natürlich eine Menge Anliegen, die recht bunt sind und inhaltlich variieren. Auch arbeiten wir in der Praxis ganz klar oft auf mehreren Ebenen. Die durchmischen sich und wir schnappen uns eben den ersten Faden, der sich zeigt und landen manchmal woanders. Zumindest, wenn ich den Auftrag dafür bekommen habe.
Aber es gibt eine Besonderheit, die ist mir klar geworden.
Und zu der sage ich ganz klar: Du brauchst dafür kein Präsentationstraining oder -coaching!
Was meine ich:
Es gibt einige Menschen, die kommen nur aus einem einzigen Grund ins Präsentationstraining: Sie wollen die Erlaubnis bekommen von mir. Die Erlaubnis zu präsentieren. Die Erlaubnis jetzt schon erfolgreich zu präsentieren.
Diese Menschen müssen Geld ausgeben, nicht weil sie nicht gut sind und was lernen müssen oder wollen, sondern um das Gefühl zu haben, dass sie was investiert haben und damit die Berechtigung haben, es zu tun und vielleicht noch damit Erfolg zu haben. Es darf nicht leicht sein.
Und diese Menschen brauchen die äußere Instanz, die Autorität sag ich mal überspitzt, die erlaubt, dass sie schon etwas können. Oder eben das Zertifikat, wo drauf steht: das hab ich ja gelernt, jetzt darf und kann ich es.
Das sind natürlich Muster.
Und ja, ich lass mich auch gern dafür bezahlen, dir Gehör und meine Präsenz zu schenken, dir ein Stück Papier auszustellen, da zu sein und dir einfach Wertschätzung entgegen zu bringen.
Und ja, das fiel mir in der Vergangenheit schwer, weil natürlich auch ich da den ein oder anderen Glaubenssatz habe, der mir nicht zugestand, dass meine Arbeit leicht sein darf und manchmal nur darin besteht ein Spiegel oder präsentes Gegenüber zu sein. Aber ich bessere mich 😊 Und das wünsche ich mir auch für dich!
Diese Besonderheit ist auch auf der Ebene von Überzeugungen anzusetzen: Es ist die Überzeugung ohne die Erlaubnis im Außen sei der Vortrag nichts wert. Erst das Sprecher-Diplom macht einen vollwertig!!!??? Ist das so? Ich denke nein!
Aber in Wahrheit kannst du dir, diese Erlaubnis selbst gaben. Du brauchst sie gar nicht von Außen bekommen. Irgendjemand hat sich halt mal dieses Sprecher-Diplom ausgedacht. Aber sind wir ehrlich, wir können oder könnten zumindest alle auch ohne dieses Diplom sprechen. Und sogar schön sprechen. Schön für die passende Zielgruppe.
Das Leben, die Natur, deine Eltern, Gott – was auch immer du einsetzen magst – hat dir eine Stimme geschenkt. Du kannst sie schon jetzt nutzen oder erheben!
Wenn es dein Thema ist, sprich doch mal folgenden Satz nach:
„Ich erlaube mir, schon jetzt einen tollen und begeisternden Vortrag zu halten.“
Oder pass den Satz an, wie es für dich passt: Zum Beispiel so:
„Ich erlaube mir, die kompetente erwachsene Frau/ der kompetente erwachsene Mann zu sein, die oder der alle Fähigkeiten hat, eine berührende Präsentation zu halten.“
Mach, das es für dich passt. Aber sprich diesen Satz mal laut aus.
Wenn du da ne Blockade hast, dann komm gern zu mir, ich lös die gerne mit dir auf. Das geht in der Regel recht schnell.
Aber ich glaube eben: du brauchst keine äußere Instanz. Du darfst dir das schon jetzt selbst erlauben.
Bevor du ein Präsentationstraining oder Coaching für dich buchst, solltest du dir über dein wahres Motiv klar werden:
Willst du einen Prozessbegleiter in deiner persönlichen Entwicklung und/ oder für deinen Vortrag?
Willst du pure Skills lernen? Wie den guten Einsatz deiner Stimme?
Willst du beides?
Oder
Willst du eine Absolution? Willst du meinen Segen? Eine Erlaubnis von Außen?
Ganz abgesehen davon, dass der Weg dahin auch ein Prozess sein kann und es manchmal einige Sessions der Zusammenarbeit braucht, das überhaupt rauszufinden. Abgesehen davon, ganz ehrlich, kannst du dir das Geld sparen.
Achtung. Ich mach‘s jetzt ganz feierlich:
Tatata:
Ich, Steffi Schwarzack, ausgebildete Diplom-Sprechwissenschaftlerin, gebe dir hiermit jetzt die Erlaubnis, auf deine Bühne gehen zu dürfen, deine Stimme zu erheben und vor Menschen zu sprechen. Und ich erlaube dir, dass du das schon jetzt, unfertig und ohne Präsentationstraining toll meisterst!
Dadada!
So jetzt hast du die Erlaubnis.
Spar dir das Geld, spende es, mach was Schönes mit deinen Kindern/ deinem Partner oder hey, natürlich, buch einen tiefen transformierenden Prozess in Form eines Präsentationscoachings mit mir, was nicht nur die Oberfläche berührt, sondern dich und deine zukünftigen Hörer*innen bewegt.
Aber wenn du nur die Erlaubnis brauchst, die Erlaubnis von Außen, dann erlaub es dir selbst jetzt, verlagere die Verantwortung nicht weiter nach Außen an einen anderen Menschen.
Das ist meine zutiefst und ehrlich gemeinte Haltung dazu – auch wenn das heißt, dass du mich jetzt vielleicht nicht buchen wirst 😉
Du darfst jetzt schon Präsentationen halten. Ohne einen Coach. Und du darfst jetzt schon erfolgreich tun!
Wie siehst du das? Komm gern mit mir dazu ins Gespräch. Schreib mir an info@steffischwarzack.de
Empfiehl mich gern weiter an andere, die mich wirklich brauchen, genieß dein Leben und klar: zeig dich und sprich! Jetzt schon!
Deine Steffi
]]>Klar isst das Auge mit!
Aber wer bitte gibt sich schon (auf Dauer) nur mit einer hübschen Geschenkverpackung zufrieden? Menschen, die auf Nachhaltigkeit im Marketing und in ihren Kundenbeziehung wert legen, wohl nicht...
Nicht nur deswegen meine ich: Auf den Inhalt kommt es an!
Warum Inhalt Trumpf ist, erkläre ich dir hier in der Folge. Und auch, wie es hier so weiter geht...
TED - Die Plattform voller inspirierender Reden
Nele Heise forscht zu Online Medien u.a. zu Podcasts
Sarah Schäfers Podcasts: Eigenstimmig Podcast sowie ihr Podcast Unvergleichlich ich!
Hallo, hier ist Steffi – schön, dass du da bist und auf mich gewartet hast all die Monate.
Seit meiner letzten Folge sind tatsächlich 9 Monate vergangen. Ein wirklich treffender Zeitraum. Denn ich bin seitdem nicht nur auf den Höhen und Tiefen des Lebens getanzt sondern das Leben hat mich ganz klar vor die Frage gestellt:
Womit will ich meine Lebenszeit füllen? Was ist mir wichtig? Wo ich hinterfragt habe mit welcher Haltung und welchen Werten ich meine Arbeit all die Jahre getan habe und – noch viel wichtiger – zukünftig tun will?
Das Resultat: ein neues Baby ist geboren.
Ich kann dir jetzt keine radikale Kehrtwende in meinem Business präsentieren aber sehr wohl eine qualitative!
Was heißt das für dich und den Podcast?
Lass mich ein bisschen ausholen:
Manche Speakertrainer*innen erzählen: Der Rahmen ist wichtiger als der Inhalt.
Das heißt ja: Beim Präsentieren kommt es auf das Machen im Außen an. Die Geschenkverpackung zählt. Kauf ne Kiste! Leg schönes Glitzerkonfetti drauf! Stopf altes Zeitungspapier rein! Dann gibst du das den Menschen!
Was denkst du? Wie oft wird das funktionieren? 1-2-3 Mal?
Mich erinnert es an einen der Schlümpfe, falls du die alte Serie mal gesehen hast. An Joki- Schlumpf. Der legte alle rein. Wie machte er es? Es scheinte leere Geschenkpackungen, die beim Ziehen an der Schleife oft (aber nicht immer) explodierten. Wie oft, denkst du, lassen das Menschen mit sich machen? Ich denke, dass funktioniert einmal, vielleicht zweimal - aber dann ist das Vertrauen weg.
Für mich ergibt sich daraus die Frage: Wie schnelllebig will ich sein? Wie schnell will ich mir neue Hörer*innen und Kund*innen suchen, weil ich die alten schon "verbrannt" habe?
Klar muss ich zugeben: Wir leben in einer Welt, die viel Wert auf Äußerlichkeiten zählt. Wo der Begriff Authentizität im Rahmen von Instragram Fotosessions, die inszeniert sind, eine ganz andere Dimension bekommt. Wo, Menschen aus äußere Ästhetik genießen. Das ist ja auch schön. Aber das kann doch nicht alles gewesen sein. Oder?
Das hier ist mein Podcast, der meine Arbeit hörbar macht.
Und ich habe festgestellt, ich bin nicht nur hier um ein paar Schönheitsreparaturen an Menschen zu machen: da ein bisschen "ähm" weg, da ein guter Stimmsitz, o.a. Ich bin auch nicht hier, um dir irgendwelche Tricks zu zeigen, wo du Menschen blendest.
Nein!
Vielmehr träume ich davon, Menschen, die wirklich was zu sagen haben, eine Stimme zu geben, dass das, was sie ausdrücken wollen, auf die beste ehrlichste berührendste Art und Weise gelingt. Mit ihrer Stimme. Mit ihrer Persönlichkeit.
Ich mag Menschen und Unternehmen, die eine Mission haben, ihre Form des Ausdrucks ermöglichen. Nicht von der Stange sondern ganz persönlich, ganz wahrhaftig authentisch.
Und das fängt an bei den Fragen wie:
Ich glaube fest daran: Ohne Inhalt ist dein Vortrag eine leere Hülse, eine Farse, eine Geschenkverpackung. Ohne Form ist dein Inhalt halt es bissl nackig - das mögen eben nicht alle - nicht jeder steht auf FKK. Aber hey, damit lässt es sich leben. Andersrum allerdings gar nicht. Form ohne Inhalt ist unerträglich. Das sage nicht nur ich. Auch Chris Anderson, Inhaber der Speaking-Plattform TED, sagt dies.
Zweitens kommt es auf deine Zielgruppe an:
Leute, die dich anstelle von Netflix-Serien konsumieren, sind möglicherweise nicht deine Idealzielgruppe, wenn du Wert auf tiefgehende Inhalte legst. Du kannst dann deren Zwerchfell berühren, aber nicht deren Herz.
Wenn du Inhalte bringen willst, dann brauchst du eine Hörerschaft, die bereit ist, sich und etwas zu bewegen.
Wenn du langfristige tiefe Verbindungen herstellen magst, glaube ich: Rede nur, wenn du das was zu sagen hast. Es gibt Phasen und Momente im Leben, da hat man gerade nichts zu sagen. Weil die Worte noch nicht da sind für das, was neu entsteht.
Es gibt sie, diese Phasen, meine ich. Aber sie sind natürlich selten.
Was heißt das überhaupt: ETWAS ZU SAGEN HABEN?
Ich höre nämlich schon die Bescheidenen unter meinen Kunden sagen: naja, so richtig zu sagen habe ich nichts.
Das sind übrigens meistens die, die richtig viel zu sagen hätten, wenn sie mal an sich glauben. AN SICH GLAUBEN.
Es kommt also darauf an, dass du das glaubwürdig und auf deine Art und Weise vermittelst. Für mich heißt das: Glaubst du selbst daran?
Woran glaubst du?
Und ich möchte dir auch einen Denkfehler wegnehmen:
Wenn du beim Essen mit Freunden über ein Thema reden kannst, kannst du auch einen Vortrag vor mehreren Menschen halten.
Ja, du hast es leichter, wenn das Geschenk schön verpackt ist.
Denn Auspacken macht Spaß.
Mir übrigens auch. Aber ohne Inhalt ist es eben hohl.
Form ohne Inhalt ist unerträglich. Ich schreibe es hier noch mal. Das ist mir wichtig.
Inhalt schlägt Form!
Es kommt wirklich nicht in erster Linie auf Bühnenpräsenz und Wortgewandtheit an sondern nur darauf: Dass du etwas zu sagen hast. Überleg doch mal: willst du nen Mann/ Frau, die wunderschön aussehen, aber du kannst mit ihm oder ihr nicht reden?
Was heißt das für dich nun? Wie kann es gehen? Hier meine 4 Schritte:
1. Schritt: Was ist die Essenz deines Sprechens? Was deine wirkliche Botschaft?
Hier geht es nur um Inhalte. Deine wichtigsten und tiefsten.
2. Schritt: Welche (persönlichen) Geschichte unterstützen deine Botschaft?
Hier gehts also auch um Inhalte (und ein bisschen darum, wie du die aufbaust).
Dann steht irgendwann die Story!
3. Schritt: Wie kannst du ein Wohlfühlen auf deiner Bühne entwickeln?
Hier geht es um dein Innenleben und deine Ausstrahlung. Um dich als Inhalt. Damit die schöne Form dann raus kann.
4. Schritt: Skills für deinen Bühnenperformance
Hier kommt nun die Geschenkverpackung ins Spiel: Wie kannst du Körpersprache, Stimme, rhetorische Figuren für dich und deine Story nutzen. Diese äußeren Mittel kommen erst hier!!!
Wenn du die nämlich zu früh über dich drüber stülpst, dann kann deine Essenz verschüttet werden mit etwas, was du gar nicht bist und was nicht passt. Von authentisch brauchen wir dann nicht mehr zu reden. Wird aber oft gemacht. Leider.
Ich glaube inzwischen wirklich daran, dass der Inhalt doch zählt. Weil du bist der Inhalt. Du machst ihn aus. Deine Mission, deine Gaben, dein Geschenk. Deine Geschichten. Deine Botschaft.
Starte also damit den Inhalt zu füllen.
Was meinst du? Zählt der Inhalt mehr als die Form? Komm mit mir in die Diskussion! Schreib mir!
Tschüß
zeig dich & sprich
deine Steffi
]]>Bzw.
Wie gut muss es mir gehen, um diesen Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen?
Und wenn ich es tue, wie authentisch will ich dabei sein? Lieber eine fröhliche Fassade aufsetzen oder der Welt mein Drama zeigen?
Nun, du ahnst es, vermutlich gibt es einige Schattierungen dazwischen. Und eine für alle und immer gültige Lösung gibt es auch nicht.
In dieser Episode reflektiere ich (aus gegebenem Anlass) darüber, wann und wie man damit umgehen kann, wenn Auftritte anstehen, es einem aber selbst gerade nicht so gut geht.
die Podcastfolge mit Sandra Heim über Sichtbarkeit
Das Happinesscamp
Mir geht es gerade nicht so gut. Ein Kunde hat mich gefragt, was denn los sei. Da habe ich gesagt: nun, das Leben ist mir dazwischen gekommen. Mit all seinen Auf und Abs eben. Gerade befinde ich mich wohl in einer Talsohle. Da muss ich durch.
Doch was ist mit meinem Business? Eines, was auf Sichtbar sein und im Außen agieren fußt. Mir ist nur leider gar nicht danach. Wie kann man damit umgehen? Wie kann ich damit umgehen?
Mir ist gerade eher nach Rückzug. Nach Reflexion. Nach lieben Menschen in einem ganz kleinen geschützten privaten Rahmen treffen. Und nach kreativem Ausdruck in Form von Tanz, Gitarre und Gesang.
Nicht nach Bühne, Auftritt, Show.
Das ist der Konflikt. Das sind die Umstände.
Wie gehe ich also mit persönlichem Unglück und dem öffentlichen Auftritt um?
Da diese Frage nicht nur für mich relevant ist, sondern auch gerade für eine Kundin war, habe ich diese Folge aufgenommen.
Ziel ist es, dass du für dich eine persönliche Strategie finden kannst, mit deiner Stimmung und deinen Auftritten umzugehen.
Generell beobachte ich 2 Tendenzen, wie man mit dem Sichtbar sein umgehen kann:
1. Du zeigst nur die glänzende Seite, die schöne, schillernde, angenehme Fassade.
2. Du inszenierst alles im Sinne eines permanenten Seelenstriptease. Egal, ob gerade Sonnenschein oder Regenwolken an deinem Stimmungshimmel langziehen.
Dazwischen gibt es natürlich viele Schattierungen, aber generell tendieren wir Menschen zu einer dieser beiden Seiten.
Mir persönlich ist es fremd einer anonymen Masse gegenüber alles zu zeigen. Daher tendiere ich wohl zur Variante 1. Allerdings habe ich auch keine Lust (mehr) auf Fassade und Maskierung.
Und so ergibt sich daher für mich, wie für viele Menschen auch die Suche nach dem eigenen individuellen Weg und nach Authentizität.
Meines Erachtens lautet die Frage aber nicht:
Was teile ich mit der Welt?
Die Frage lautet:
Mit wem teile ich was genau?
Die Situation und die Menschen beeinflussen immer wie und was genau wir sagen.
Ich vergleiche es gern mit einem Haus in einer Straße. In diesem Haus lebst du in einer Wohnung.
Wen lässt du in diese Wohnung? Mit diesen Menschen magst du sicher etwas mehr teilen?
Mit diesen bin ich etwas näher. Die Kontakte sind wärmerer Natur. Ich gewähre tiefere Einblicke in mein persönliches Leben. Sicher teile ich auch hier nicht alles für jeden und nicht zu viele Details, aber eben mehr als für Kontakte der anderen Ebenen.
Für mich zählen hier meine Einzelklienten und vertraute Kollegen dazu.
Das sind für mich Menschen, die mir wohlgesonnen sind, sich in irgendeiner Form für mich/ mein Angebot interessieren und auch schon eine gewisse Verbindlichkeit geäußert haben, aber die ich nur in wenigen Fällen persönlich kenne.
Meine Newsletterleser sowie Podcastabonnenten zähle ich darunter. Gern vergleiche ich es mit den Hausbewohnern, die in den anderen Wohnungen leben. Ich kenne sie ein bisschen, aber oft auch nicht mehr.
Gerade auf dieser Ebene empfinde ich es als eine persönliche Herausforderung, mich etwas persönlicher und damit verletzlicher mit unglücklicheren Zuständen zu zeigen. Aber da ich keine Lust mehr auf Maskerade habe, sieht mein Weg eben so aus.
Das sind für mich die Menschen, die auf der Straße, in der meine Wohnung liegt, rumlaufen. Was genau würdest du mit diesen Menschen teilen wollen? Bist du jemand der sich auf die Straße stellt und ruft: 'hey, mir geht es gerade schlecht'?
Prima! Dann weißt du, was zu tun ist.
Wenn du aber wie ich nicht zu dieser Art Mensch gehörst - nun, dass wirst du etwas überlegen müssen, was an dieser Stelle passt zu teilen.
Für mich sind Kanäle wie Facebook, Youtube Channels u.a. Teil dieser Kontaktart.
Überlege dir, wem gegenüber die was genau teilen magst (und was nicht) - und dann handle entsprechend.
Manchmal will oder kann man die Auftritte nicht absagen. Aber so wie man gerade drauf ist, geht es nicht gut. Daher ist Zustandsmanagement ganz wichtig.
Ich empfehle es ja generell. Aber besonders, wenn ich traurig bin, ist es essenziell für mich. Denn dann ist meine Energie eben dumpf und nach innen gerichtet, statt fokussiert, strahlend und nach außen.
Zum Glück lässt sich das mit ganz einfachen Mitteln ändern.
Ich gehe diese Tage sehr sehr viel tanzen. Das rettet mich gerade wirklich über den Alltag hinweg. Weil es mir dabei und danach immer ein bisschen besser geht.
Ich habe ja schon viel über Embodiment und Zustandsmanagement geschrieben. Aber hier nun fühle ich es selbst gerade wieder am eigenen Leib.
Durch das körperlich sein, musst du ganz präsent sein im Hier und Jetzt. Unser Körper holt uns immer in die gegenwart - und es bleibt keine Zeit über die Vergangenheit oder Zukunft zu grübeln. Daher ist jegliche Körperarbeit ein super Mittel, wenn es um Trauer, Verluste, Nervosität oder Lampenfieber geht.
Wähle ein bis drei körperliche Aktivitäten, die dir Freude bringen und mache diese täglich bzw. 2 Stunden vor deinem Auftritt, um in einen richtig guten Zustand zu kommen.
Hier findest du weitere Anregungen.
Bei mir heißen diese zur Zeit so oft es geht Swing tanzen gehen, Fahrrad mit Musik auf den Ohren fahren und Gitarre spielen (da sind Hände und Gehirn gut beschäftigt).
Meditation hilft mir übrigens (anders als sonst) gerade nicht sehr, da ist mein Geist zu bewegt. Die Bewegung dagegen holt mich schön runter.
Mit einer Kundin habe ich 10 Minuten Körperarbeit gemacht. Danach klang ihre Stimme melodiöser, fröhlicher und leichter - was ihr für ihr Kaltakquisegespräch sehr sehr geholfen hat.
Wenn es dir also nicht gut geht, mache deine Übungen intensiv!
Sind wir ehrlich. Trotz allem gibt es Situationen im Leben, wo sich einfach mal nicht alles um Arbeit, Marketing, Auftritt dreht, sondern wo Ereignisse wie (Todesfälle, Krankheiten, Verluste ...) ihren Tribut fordern.
Für mich ist eine solche Phase. Ich muss den Blick erst mal darauf richten. Für mein Leben ist das gerade wichtiger.
Das Zauberwort da heißt dann einfach: Rückzug.
Ich wolle aber diesmal nicht in den Rückzug gehen, ohne mich von dir als Hörer/in / Leser/in zu verabschieden für diesen Monat und auf Wiedersehen/ Wiederhören zu sagen.
Ich freu mich, wenn du mir geneigt bleibst und beim nächsten Artikel wieder reinliest/ reinhörst.
Damit du keinen verpasst, komm doch in meinen Newsletter!
Ansonsten empfehle ich dir ganz unabhängig von deinem augenblicklichen Glückzustand das Happinesscamp. Dies habe ich mir meiner Mastermind gemeinsam organisiert und es findet im November 2018 erstmalig (in Berlin) statt. In der Folge erzähle ich ein bisschen mehr dazu.
Nun wünsche ich dir:
zeig dich & sprich - und zwar genau dann und dort, wie es für dich passt
Bis zum nächsten Mal!
Deine Steffi
Dieser Frage gehen Sandra Heim von Mama Revolution und ich in diesem Interview nach.
Einer der Punkte, die wir feststellen: Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck! Sondern Ausdruck eines persönlichen Rufes und dem Mut, sich zu trauen, diesen in die Welt zu tragen.
Alle weiteren Punkte kannst du in diesem schönen Interview nachhören:
u.v.a.m.
Sandras Website Mama Revolution
Sandras Facebook Gruppe Mama Revolution
Sandras Buchtipp Todd Henry "Louder than words"
Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen bei „zeig dich und sprich“. Heute habe ich eine Interview-Partnerin eingeladen, mit der mich eine Sache besonders verbindet, nämlich die Sache, dass wir beide Frauen, unterschiedliche Frauentypen, aber Frauen mehr fördern wollen. Auf diesem Weg haben wir uns gefunden, sind zusammengekommen, haben gemerkt, da haben wir ähnliche Anliegen, die wir in die Welt bringen wollen. Deswegen ist sie heute hier, Sandra Heim von "Mama Revolution". Schön, dass du da bist.
Sandra Heim: Vielen Dank für die Einladung, liebe Steffi. Ich freue mich sehr hier zu sein.
Steffi Schwarzack: Sandra, für die, die dich gar nicht kennen, die deine Arbeit nicht kennen, stell dich doch erst mal gerne vor mit dem, was du tust, wer du bist und auch mit der Frage, was hat dich zu dem gemacht, die du heute bist und zu dem Angebot, was du heute machst.
Sandra Heim: Ich bin die Gründerin von "Mama Revolution". Ich bin mit diesem Projekt 2014 online gegangen und ich unterstütze Mütter dabei, sich selbstständig zu machen, von Zuhause das eigene Business zu gründen. Die Idee und die Motivation dahinter ist, dass wir heutzutage in einem Zeitalter voller Chancen leben und dass wir als Frauen und Mütter heutzutage Möglichkeiten haben, die es so noch nie gab. Wir können zuhause sein, wir können bei den Kindern sein. Wir können unsere Unabhängigkeit zurückerobern auch als Mütter, haben eigentlich die Möglichkeit, wirklich vieles miteinander zu verbinden. Das ist so eine der Hauptmotivation hinter "Mama Revolution". Auch die Möglichkeit, einfach alternative eigene Wege zu gehen. So, wie ich jetzt auch nach Frankreich gezogen, von hier aus mein Business mache, damit ich meine Tochter zuhause unterrichten kann. Es gibt so viele Möglichkeiten und in dem Leben dieser Möglichkeiten und Wahrnehmung dieser Möglichkeiten, Mütter zu unterstützen, das ist meine große Motivation.
Steffi Schwarzack: Da steige ich doch mal direkt in diese Frage ein. Du lebst in Frankreich, du unterrichtest deine Tochter und du machst dein Business nebenbei. Ich selber, ich kenne das von mir, dass ich diesen Spagat zwischen Mama sein und dann irgendwie rausgehen in die Welt mit dem Business, manchmal gar nicht so einfach finde. Wie machst du das denn?
Sandra Heim: Ich habe jetzt auch schon ein paar Jahre Übung. Es ist wird so, dass ich jetzt für diese Zeit hier, also wir sind letztes Jahr hier angekommen, letztes Jahr im Sommer, da war ich auch gerade dabei, mit einer Kollegin ein größeres Gruppen-Programm zu leiten. Da habe ich schon gemerkt, okay, es wird schwierig, das alles miteinander zu verbinden, sodass keiner zu kurz kommt. Für dieses Jahr habe ich dann wirklich Konsequenzen gezogen und hat mir gesagt: Ich habe keine 3 1/2 Stunden jeden Tag für mein Business und mehr geht einfach nicht. Alles, was ich in dieser Zeit unterbringen kann, ist super und herzlich willkommen. Das, was halten nicht reinpasst, passt nicht rein. Der Witz ist sozusagen, dass ich gerade durch diesen Fokus sehr effektiv bin und gleichzeitig mir einfach selber die Freiheit genommen habe, Dinge liegenzulassen oder auch zu Dingen Nein zu sagen, von denen es vielleicht toll wäre, sie zu machen, aber deren Zeit einfach noch nicht gekommen ist.
Steffi Schwarzack: Okay, das heißt, wenn ich beides haben möchte, heißt das schon auch, zu fokussieren, nein zu sagen an gewissen Stellen?
Steffi Schwarzack: Ja und auch irgendwie, also wenn ich in den Coachings mit den Mamas, was alle so ein bisschen triggert, ist irgendwie so die Ansprüche, die man dann selber an sich hat. Man will schnell wachsen, Man will schnell groß werden. Man übernimmt teilweise dann eigentlich so die Ideale von außen, die vielleicht, wenn man das mit sich selbst überprüft, gar nicht so sehr zu den eigenen gehören. Die meisten Mamas, zumindest diejenigen, die zu mir kommen, die sind wirklich am glücklichsten, wenn sie so authentisch ihrem eigenen Weg folgen, in ihrem eigenen Tempo, wenn Sie sehen ich wachse, ich komme voran. Aber es muss jetzt nicht so auf Biegen und Brechen das fünfstellige Monatseinkommen sein: Denn, für die meisten würde das bedeuten, dass sie wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zeit dem Business widmen müssten, wozu die meisten auch nicht bereit sind, weil sie einfach auch Mama sein wollen und für ihre Kinder da sein wollen. Irgendwie am Esstisch sitzen wollen mit klarem Kopf und nicht mit einem Kopf, durch dann noch ständig rattert, was noch alles erledigt werden muss. Ist es nicht so, dass ich diesen Zustand nicht auch kenne, aber ich habe mein Leben schon so eingerichtet, dass mich das nicht mehr so packt, dieses innere Hamsterrad.
Sandra Heim: Das ist ein sehr wichtiger Zustand, wirklich da sein, wenn man da ist. Schön. Deine Motivation, die hinter deinem Tun liegt, magst du die nochmal so ein bisschen größer erzählen? Weil, du hast schon irgendwie ein großes Ziel, auch wenn du jetzt sagst: Ich fokussiere jetzt gerade, mehr geht manchmal jetzt grad nicht.
Sandra Heim: Ich glaube, dieser Name "Mama Revolution", der ist mir zugeflogen, mehr oder weniger. Ich wusste, ich will mit Müttern arbeiten, ich will Mütter unterstützen. Und war auf der Suche nach dem richtigen Namen, dann kam das beim Autofahren, "Mama Revolution". Ich denke, das ist so zukunftsweisend, weil ich schon mehr vorhabe. Das fängt im Kleinen an und das ist wirklich so, eigentlich Mütter und nicht selbst an dem Punkt zu kommen, dass man so seine eigene kleine Welt wirklich richtig wertschätzt. Die Größe in diesem Kleinen entdeckt, dann diese Größe weiter nach draußen gibt. Dass wir dann kollektiv anfangen, wirklich unsere Stimme zu erheben und auch gesellschaftliche Missstände anzusprechen, so wie das Bildungssystem, so wie das Gesundheitssystem. lauter Dinge, wo auch Mütter irgendwo im Zentrum stehen, weil sie über ihre Kinder direkt damit verbunden sind. Da, denke ich, ist es wirklich an der Zeit, kollektiv aufzustehen. Das ist der Fokus, den ich habe, dass ich meine Community aufbaue und dann eines Tages an dem Punkt bin, wo ich sagen kann: Okay und jetzt geht es los, jetzt gründen wir eine Bewegung. Jetzt sorgen wir wirklich dafür, dass wir die Gesellschaft reformieren, und zwar so, dass es allen gut gehen kann.
Steffi Schwarzack: Schön, spannend, das ist auch ein bisschen das, was mich bewegt, wo ich so merke, okay, jetzt gerade muss ich manchmal Nein sagen zu Dingen, wo ich eigentlich viel mehr will. und gut zu wissen, dass man Oder dass wir die, dass Frau die im Hinterkopf hat, dass es da hingehen kann irgendwann.
Sandra Heim: Ich wollte nur noch dazu sagen, das ist halt so, wenn wir Mamas irgendwie Kinder haben und Beruf haben, wir können alles umsetzen, aber wir können nicht alles sofort und parallel umsetzen. Vielleicht schaffen es manche, mir gelingt das nicht. Ich bin einfach wesentlich entspannter, wenn ich mir für alles mehr Zeit nehme und einfach auf der richtigen Spur bleibe und meinen meine Vision für die Zukunft wirklich immer im Blick behalte. Einfach darauf vertraue, mit jedem Schritt, den ich gehe, komme ich dieser Vision näher, auch wenn ich nicht sofort da bin, aber ich bin auf dem Weg. Das ermöglicht auch wirklich, so den Tag zu genießen und meine Tochter zu genießen und nicht diese wertvollen Jahre einfach an mir vorbeiziehen zu lassen, bis sie dann eines Tages Teenager ist, und diese traute Zweisamkeit, Dreisamkeit, die wir hier gerade leben, wahrscheinlich irgendwann sich auch verändern wird.
Steffi Schwarzack: Da hast du vorhin mir schon ein Stichwort gegeben, du hast davon gesprochen, kollektiv aufzustehen. Wenn man aufsteht, impliziert das auch, dass man seine Stimme irgendwie erhebt oder auch sichtbar wird mit dem eigenen Thema und sichtbar ist. Inwiefern spielt das, Stimme erheben, sichtbar sein, bei deiner Arbeit, wenn es um das Business, um Muttersein geht. eine Rolle?
Sandra Heim: Es spielt eine große Rolle. vor allem, weil die Frauen, die zu mir kommen, das sind alles Frauen, so wie du, so wie ich. Wir wollen nicht sichtbar werden mit irgendwas, wir wollen keine Seite für Kaffeemaschinen aufbauen oder so was, um Geld zu verdienen. Wo dran auch nichts verkehrt, aber wir gehen mit unseren Werten nach draußen, mit unserer Kreativität, mit unserer Seele Eigentlich. Letztendlich bringen wir das raus in die Welt, wozu wir uns irgendwie berufen fühlen. Auch, wenn es eine Weile dauert, dass man es wirklich herausgefiltert hat, was Ruft mich denn überhaupt. Das macht einen, glaube ich, schon auch verletzlicher, sich mit dem zu zeigen, was wirklich von Herzen kommt und was für einen wirklich wichtig ist. Gleichzeitig wird aber auch dieser innere Drang einfach immer größer, wirklich rauszugehen, weil man einfach merkt, okay, da ist, ich habe was zu geben. Ich habe Erfahrungen gesammelt, ich habe Wissen angesammelt und es kann anderen Menschen helfen. Es ist an der Zeit, damit rauszugehen und mich damit sichtbar zu machen. Auch, wenn die meisten am Anfang natürlich Schiss davor haben, ist es trotzdem etwas, was ruft und, was dann auch umgesetzt werden sollte.
Steffi Schwarzack: Hattest du selber auch Herausforderungen, mit diesen rausgehen, alles, was du jetzt beschrieben hast, dich hat was gerufen? Wie bist du denn rausgegangen, wie War das für dich, sichtbar zu werden und deine Seele, deine Kreativität im Außen zu zeigen?
Sandra Heim: Auch total herausfordernd. Das war wirklich so, dass meine Grafikerin damals einfach irgendwann die Seite online geschaltet hat und ich dachte, die ist aber noch gar nicht perfekt und richtig fertig. Im ersten Moment war ich einfach nur fürchterlich geschockt. Wie, was, ich bin jetzt draußen mit "Mama Revolution"? Dann habe ich es aber einfach geschehen lassen und bin durch diese Ängste durchgegangen, aber ich hatte die ganz genauso. Die Klassiker, die immer wieder auftreten und ich auch immer wieder in den Coachings höre, so dieses, aber was ist, wenn am Schluss rauskommt, mich will keiner haben? Oder was ist, wenn ich kritisiert werde? Durch diese ganzen Klassiker bin ich auch durchgegangen und ich würde auch nicht behaupten, dass ich damit schon total abgeschlossen habe. Mir geht das mit Blog-Artikeln noch so, mir geht das manchmal mit Facebook auch so, wo ich denke, soll ich das jetzt wirklich posten? Dann mache ich es aber oder, manchmal mache ich es auch nicht, weil ich Schiss davor habe.
Steffi Schwarzack: Wenn mir jetzt mal speziell auf die Situation des Sprechens gehen, du hast jetzt auch angefangen, in deiner Gruppe Live-Videos zu machen. Wie ging es dir damit, wie geht es dir damit? Wo hattest du da Hürden, wo bist du drüber gegangen?
Sandra Heim: Gerade unsere Facebook-Live-Videos, ich habe mich langsam ran getastet, jetzt auch in dem Wachstum dem als Unternehmer. Dadurch, dass ich letztes Jahr angefangen habe, Gruppenprogramme zu leiten, dieses Jahr wieder ein Gruppenprogramm leite. Es wird für mich immer selbstverständlicher, einfach online vor Gruppen präsent zu sein und diesen Space zuhalten. Insofern fällt mir das jetzt mit diesen Facebook-Live-Videos nicht mehr so schwer. Da ist es beispielsweise so, dass mir das alleine irgendwie nicht so einen Spaß macht und da kommt mein innerer Kritiker, der sagt: alleine, was hat du denn zu sagen? Alleine, da bist du doch in fünf Minuten fertig. Insofern habe ich einfach diesen Trick gemacht und du warst die Erste, mit der ich das umgesetzt habe, wirklich einfach im Interview. Das ist sowas, das macht mir Spaß und es fällt mir leicht. Facebook-Live-Videos alleine, fällt mir noch nicht so leicht, aber Facebook-Videos zu zweit, im Interview, wenn man sich austauschen kann, das fällt mir leicht, also gehe ich da mit, fange damit an. Habe jetzt den nächsten Interviewpartner terminiert sozusagen, das steht, und ich weiß, so arbeite ich mich langsam in dieses Thema rein. Dann irgendwann habe ich vielleicht auch Lust, die alleine zu machen, wer weiß. Aber so, denke ich, Es gibt immer Möglichkeiten, den inneren Schweinehund zu überwinden und einfach zu fragen: Was ist der leichte Weg? Wie geht es leicht für mich, statt sich an den komplizierten Höhen aufzuhalten und dann ewig im Kreis zu drehen und es nicht zu machen. Dann lieber den nächsten leichten Schritt gehen, als gar nicht vorwärts zu kommen.
Steffi Schwarzack: Das ist gut, das du das nochmal betonst, weil, man könnte jetzt auch sagen: Es fühlt sich nicht leicht an, Facebook live zu machen, also lasse ich es gleich weg. Aber noch mal detailliert zu fragen, was daran fällt mir nicht leicht und das zu ändern. Gar nicht global zu sagen, das ist nicht mein Medium und deswegen mache ich es nicht.
Sandra Heim: Genau und das mache ich immer wieder bei, wenn ich merke, ich komme an ein irgendein Projekt, an irgendeine Aufgabe ran, wo ich so einen Widerstand habe und das irgendwie nicht so richtig fließt und mir alles so groß und unbewältigbar erscheint, dass ich dann letztendlich versuche, wirklich den Kern des Problems anzuschauen und dann zu gucken, okay, will ich das machen, ja oder nein? Wenn dann ein ehrliches ja kommt, dann einfach zu gucken, okay, wie kann ich es mir leicht machen. Wenn es auf die komplizierte Tour nicht geht, was ist denn die leichte Tour? So geht man auch weiter.
Steffi Schwarzack: Schön, das heißt, du hast für Dich einen Weg gefunden. Deine Momproneure sind teilweise wahrscheinlich noch auf dem Weg dahin. Genauso wie meine Klienten, die da sagen: Ich will mehr sichtbarer sein, mit meinem Business irgendwie mehr Gehör finden, aber ich bin noch nicht da. Die merken nur, das ist Symptom, irgendwie fällt es mir nicht leicht, ich tu es nicht oder ich tu es manchmal, aber es kommt noch nicht so richtig rüber. Woran liegt das? Was denkst du, was sind die Ursachen, warum es den Momproneuren oder meinen Klienten schwerfällt mit dem sichtbarsein?
Sandra Heim: Ich meine, da sind wir wieder bei diesem typischen Frauenthema. Ich weiß, du hast auch männliche Kunden, aber ich habe das Gefühl, diese Angst vor Sichtbarkeit, ist schon noch mehr bei Frauen ausgeprägt.
Steffi Schwarzack: Genau, ich habe mehr Frauen-Kunden als Männer-Kunden. Das ist ein spezieller Typ Mann, der zu mir kommt, definitiv.
Sandra Heim: Immer wieder, finde ich, muss man einfach gucken, wo kommen wir her? Wir kommen einfach aus Jahrhunderten der Unterdrückung und der Gefahr. Also, wenn wir uns selbst ausgedrückt haben als Frau, noch vor gar nicht allzu langer Zeit konnte das sehr gefährlich werden oder es wurde geächtet oder lächerlich gemacht. Frauen in den 50ern mussten ihren Mann noch um Erlaubnis bitten, um arbeiten zu können oder ein eigenes Konto aufmachen zu können. Ich habe gelesen, in Saudi-Arabien wurden gerade jetzt Frauen erlaubt, ein eigenes Business zu gründen. Das ist 2018. Es gibt auch noch Frauen auf dieser Welt, die gesteinigt werden, wenn sie sich selbst ausleben und beispielsweise Nein zu einem Schleier sagen. Das heißt, wir haben das Gefühl, wir sind so frei, aber ich finde, es gibt noch ganz viele Dinge, die anzuschauen sind und anzuerkennen sind. Wo man auch sagen muss, Okay, aber wir können unsere Geschichte nicht verleugnen und wir können auch nicht verleugnen, dass definitiv aktuell auf diesem kleinen Planeten, auf dem wir leben, noch eine Menge Frauen gibt, die sich nicht selbst ausdrücken dürfen. Das hat Einfluss auf jede Frau, die hier lebt. Das ist das eine. Das ist eigentlich der Hauptgrund, ehrlich gesagt, dass man wirklich Angst hat, es passiert was Schlimmes, wenn man beginnt sich sichtbar zu machen. Diese Angst liegt in unserer Vergangenheit begründet.
Steffi Schwarzack: Ich erlebe das noch, dass die Leute auch, aber vielleicht ist das darin begründet, darüber können wir jetzt diskutieren oder reden, dass die Leute auch Angst haben, dann nicht gemocht zu werden, geliebt zu werden. Auch eine Form von, vielleicht nicht von Ächtung, aber von Ablehnung, als Angst da existiert.
Sandra Heim: Definitiv. Vielleicht, kann aber auch sein, dass das zum gleichen Themafeld gehört. Weil, wann hat das überhaupt angefangen, das man irgendwie nicht seine Meinung äußern durfte, in Freiheit? Ich lebe hier in Frankreich im Alten Katharerland. Und die Katharer, die haben vor tausend Jahren gelebt und die haben sich ganz deutlich gegen die katholische Kirche ausgedrückt und die haben gesagt: Wir brauchen keinen Mittler zwischen der Göttlichkeit und dem Menschen. Der göttliche Funke ist in uns. Dafür sind sie über 100 Jahre richtig ausradiert worden. Ich denke, solche Erinnerungen, dass es gefährlich sein kann, die stecken in uns allen. Klar, man kann im Kleinen sagen: Okay. So wie ich ein einprägendes Erlebnis in der Schule, wo mich eine Deutschlehrerin fürchterlich angemacht hat. Oder man sieht es im großen Kollektiv, in der menschlichen Geschichte. Beides gehört vielleicht zusammen.
Steffi Schwarzack: Im Großen wie im Kleinen, ist oft eins. Wie kann man das lösen? Gerade, wenn ich es nicht mehr im Kleinen betrachte, sondern im Großen, dann denke ich So, kann ich da überhaupt was machen? Und wenn ja, was?
Sandra Heim: Ich finde, um im Großen was zu lösen, das sind auch manchmal so Momente, die mich innerlich so fuchsig machen, wo ich denke, oh Gott, da muss doch was passieren. Wo ich dann aber letztendlich immer wieder lande, ist bei mir selbst. Weil, wenn ich für mich anfange, meine Wahrheit zu sprechen, für mich selbst einzustehen, mich selbst auszudrücken, dann hat das einen Einfluss auf meine Kunde, hat einen Einfluss auf die Kundinnen meiner Kunden und so geht es immer weiter. Insofern darf man, glaube ich nicht, die Kraft vergessen, die man als Individuum hat, einfach in dem man lebt, was man sich wünscht, eine Veränderung zu sehen. Da bin ich auf dem Weg, einfach wirklich bei mir selbst immer wieder zu schauen, was sage ich vielleicht auch nicht und was sollte ich sagen. Da immer wieder mutig ein Stück weiter rauszugehen. Aktuell beispielsweise habe ich gerade ein Gruppenprogramm mit einer kleinen Gruppe aus Coaching-Kunden, die ich für ein ganzes Jahr begleite. Viele von denen sind jetzt gerade so an diesem Wendepunkt zwischen, man hat im Stillen wirklich alles ausgetüftelt, die Webseite ist fast fertig. Die Message ist klar, Das Angebot ist da, jetzt kommt der Punkt, wo man dann einfach raus muss damit. An diesem Punkt kann Panik hochkommen und es ist wird so furchteinflößend. Aber einfach wirklich diese Angst wahrnehmen und nicht dagegen ankämpfen. Einfach erkennen, okay, ich habe Angst, ich habe Schiss und mit der Angst dann einfach rausgehen. Nicht warten, dass ein Punkt kommt, wo die Angst dann verschwunden ist, sondern einfach sagen: Okay, Angst, du bist jetzt da. Ich merke, irgendwie würde ich am liebsten kneifen, aber das geht eigentlich auch nicht, weil, dann würde ich mich selbst verleugnen. Ich nehme dich jetzt mit und ich mache trotzdem was zu tun ist.
Steffi Schwarzack: Okay, dass ich mal zusammen. Das heißt, du arbeitest mit deinen Kundinnen schon auch in einer Zeit des Unsichtbarseins. So übersetzt ich es jetzt mal, was du gesagt hast, wir tüfteln im Stillen. Dann gibt es aber eben eine Phase, wo es dann dieses sichtbar werden braucht. Wenn da die Angst aufkommt, dann geht es eigentlich darum, es wahrzunehmen, anzuerkennen, anzunehmen und mit ihr rauszugehen.
Sandra Heim: Genau, ja, sehr gut zusammengefasst.
Steffi Schwarzack: Deswegen, das war noch so eine Frage für mich im Hintergrund, warum muss ich denn unbedingt immer sichtbar sein? Du hast es damit im Grunde auch aus deiner Sicht beantwortet, nämlich, es gibt auch eine Zeit des Zurückziehens. Ich muss nicht rund um die Uhr sichtbar sein.
Sandra Heim: Definitiv nicht, gerade am Anfang. Vielleicht mal so als Sidenote, gerade am Anfang sollte man sich wirklich die Zeit nehmen, um so die Business-Idee und alles, was damit zu tun hat, so wie eine Schwangerschaft richtig zu Ende auszutragen und nicht frühzeitig schon Wehen einleiten oder, weil man so ungeduldig ist, mit dem Kaiserschnitt das Baby auf die Welt bringen. Man soll das echt zu Ende tragen. Dass die fundamentalen Fragen wirklich geklärt sind, bevor man sich schon in die Sichtbarkeit schwingt. Weil, dann kommt dieses ganze andere, Präsenz auf Facebook, überhaupt soziale Medien, Blog-Artikel schreiben. Newsletter-Liste befüllen. Dann kommen ganz andere Aufgaben und für die braucht man irgendwie auch Platz und Raum. Die hat man nicht, wenn man dann noch mit diesen grundlegenden Fragen beschäftigt ist. Wer ist eigentlich mein idealer Kunde und wie will ich mich überhaupt positionieren und was ist denn jetzt meine Nische? Wenn man das noch nicht so klar hat, finde ich es schwierig, parallel alles aufzubauen. Wenn man dann auch noch Mutter ist und Kinder zu Hause hat, dann wird es richtig chaotisch und unproduktiv.
Steffi Schwarzack: Ich frage mich da gerade, ich werde dieses Jahr schon elf Jahre selbstständig sein. So schön, wie du das gesagt hast, habe ich natürlich am Anfang nicht gemacht, ich bin da sehr blauäugig losgesprungen. Was auch gut war für mein damaliges Alter. aber in der Zwischenzeit merke ich, selbst, wenn ich irgendwann mal das Gefühl habe, ich habe alles klar, was du genannt hast, nach einer Weile ist es das nicht mehr, wenn ich draußen unterwegs war. Kennst du das auch, dass du dann Zeiten hast, wo du merkst, jetzt muss ich doch nochmal irgendwie einen Schritt zurückgehen, noch mal gucken, was ist jetzt dran? Hat sich dein Business verändert?
Sandra Heim: Ja, voll, also total. Das hört nicht aus, absolut. Ich mach gerade so einen Prozess auch durch, wo ich merke, okay, vier Jahre "Mama Revolution". Ich bin gewachsen, ich habe mich verändert. Irgendwie ist mir, obwohl ich von Anfang an eine klare Positionierung hatte, nochmal mehr klarer geworden, welche Frauen wirklich zu mir gehören. Da bin ich auch an so einem Punkt, das jetzt alles wieder in Worte zu fassen. Meine Webseite, ich wechsele gerade das Team und das möchte ich zum Anlass nehmen, um auch die Texte zu überarbeiten und sowas. Dann habe ich gerade letztens wieder lange über meine Startseiten-Message gesessen, weil ich dachte, das, was jetzt da ist, das trifft es schon, aber es geht jetzt tiefer. Wie bringe ich die Tiefe zum Ausdruck? Es geht immer weite. Wachstum heißt ja, dass man nicht an einen Ruhepunkt kommt dauerhaft, sondern, dass man sich immer wieder öffnen muss. Dann taucht wieder ein Fragezeichen auf. Gut, dann muss ich mich dem widmen.
Steffi Schwarzack: Wahrscheinlich sind wir im Business keine einjährigen Pflanzen, sondern eher wie Bäume, die die Blätter abwerfen im Winter, die einfach in diese Stille gehen und dann aber wieder die Blüten kommen und wieder wachsen und Früchte drankommen. Dann auch, es geht auch wieder zu Ende. So sehe ich das dann auch. Du hast gesagt, diese Worte ändern sich. Ich erlebe das so In dem Moment, wo ich überhaupt beginne, diese Worte erst mal auszusprechen, die ich mir schön im stillen Kämmerlein überlegt habe. Merke ich auch erst durch die Resonanz von außen, was wirklich meins ist und was nicht. Kennst du das?
Sandra Heim: Ich habe es eher so beim Schreiben. Bei mir ist das eher so, Schreiben ist sowieso, glaube ich, mein Hauptmedium. Bei mir ist das einfach so, dass ich das wirklich merke, bleibe ich noch irgendwo hängen, an meinen eigenen Aussagen oder fließt das richtig durch. Das ist für mich eigentlich der wesentliche Gradmesser. Ich merke, wenn es für mich fließt, dann kommt automatisch die Resonanz von außen.
Steffi Schwarzack: Wenn wir noch mal ganz speziell auf mein Medium zusprechen kommen, gibt es so Dinge, also bewusst, wo du gesagt: Hier spreche ich bewusst, weil ich Keynotes halte, also Vorträge oder in Interviews oder in Podcast-Folgen oder irgendwas, wo du sagst: Ja, da hast du dich nochmal speziell mit diesem Medium oder mit dieser Message, auf der Ballebene in die Welt bringen, beschäftigt?
Sandra Heim: Das ist genau eins von diesen Projekten, was aktuell noch wartet. Aber, was definitiv bei mir in der Pipeline ist, einen (Tat Hook?) halten, das ist ein Traum von mir. Da aber herauszufinden, was ist jetzt genau, wie du sagst, verbal die Message? Was soll ich da rausbringen? In dem Prozess bin ich auch gerade so drin und ich merke, das hat mit dem eigenen Business zu tun. Es geht aber auch darüber hinaus, beinhaltet einfach nochmal mehr von "Mama Revolution". Das sind aber so Sachen, wo ich merke, mit meinen dreieinhalb Stunden aktuell, ist das nicht realistisch, jetzt schon irgendwie die nächstes Speaker-Karriere anzustreben. Das muss aktuell noch warten, aber es ist etwas, was mich ruft, wo ich denke, cool, das möchte ich irgendwann in Angriff nehmen. Aber aktuell sind andere Projekte, haben einfach Priorität.
Steffi Schwarzack: Die Speaker-Karriere mit Muttersein zu vereinen, ist echt herausfordernd.
Sandra Heim: Da lasse ist das gerade so fließen. Es kam jetzt letztes Jahr die Anfrage, einen Talk zu halten auf dem "Attachment Parenting Kongress", nächsten Oktober in Hamburg. Wenn dann jetzt einfach von außen solche Gelegenheit kommt, dann sage ich definitiv ja. Ich bin aber noch nicht an dem Punkt, wo ich das aktiv angehe. Aber wenn ich so weit bin, dann komm ich auf jeden Fall zu dir.
Steffi Schwarzack: Ja, wir sind total drauf eingespielt, genau. Das ist total gut, dass du das sagst, einerseits überhaupt erst mal bereit sein, ja zu sagen auf die Möglichkeiten, die kommen. Die kommen manchmal, bevor wir denken, wir sind schon so weit. Dann einfach nicht die Tür zuzumachen, sondern einfach zu sagen: Okay, ich denk mal drüber nach. Stimmt, ich kann auch jetzt schon ja sagen. Ich werde dann schon in den drei Monaten oder wann auch immer das ist, bereit sein.
Sandra Heim: Das ist übrigens eine Erfahrung, die kann ich total unterschreiben. Das habe ich vor allem beim Sprechen gemacht. Ich wurde nämlich mal eingeladen, ein Symposium zu leiten in Offenburg vor ein paar Jahren. Das war eine Sache, die mich richtig interessiert hat, wo ich dachte, da stehe ich voll dahinter. Dann kam die Anfrage, kannst du das Leiten und kannst du noch die abschließende Talkshow auf dieser Bühne moderieren? Ich habe einfach ja gesagt. Je näher das rückte, desto größer wurde meine Panik, ich dachte, mein Gott, sowas Verrücktes, das du einfach ja sagst hast. Am Schluss habe ich es einfach gemacht, mit dieser Angst. Kurz vorher, mein Herz hat bis zum Hals geklopft, aber danach war ich so happy, weil ich mich dem gestellt hatte. Ich hatte mich gut vorbereitet, dass alles funktioniert. Ich bin jetzt nicht als die mega, mega professionelle Sprecherin aufgetreten, aber für diesen Anlass war es wirklich gut. Da finde ich, ist gerade das Sprechen so, was, wenn wirklich eine Einladung kommt, dann einfach Ja sagen und nicht drüber nachdenken, sondern es einfach machen. Darauf zu vertrauen, dass, wenn es dann soweit ist, ist man ist man bereit auf die Bühne zu steigen. Das kann ich voll unterschreiben.
Steffi Schwarzack: Schön, dass du das noch mal so betont hast mit dieser Erfahrung. Sehr gut. Sag, gibt es irgendwie einen Buchtipp, den du für uns hast, rund um das Thema Sichtbarsein, rausgehen in die Welt?
Steffi Schwarzack: Spannend, dass du das fragst. Ein Buch, das ich mir jetzt gerade, ich war in den Ferien in Deutschland und habe da meine Bibliothek, die ich immer schweren Herzens wieder zurücklassen muss, weil, hier in Frankreich habe ich noch nicht so ein großes Bücherregal. Ein Buch, dass ich mir wieder raus gegriffen habe, ist von "Todd Henry" und das heißt, "Louder then Words, Harness The Power of Your Authentiv Voice". Das ist ein Buch, wo er sozusagen sagt: Hey, deine authentische Stimme hat die größte Kraft und feile eigentlich so lange, arbeite so lange an dem, was daraus wird, bis du die Worte so klar hast und die Botschaft so klar hast, dass du hundert Prozent dahinterstehst. Wenn du das hast, dann ist das sozusagen der Wegbereiter, um Menschen zu erreichen, Reichweite zu erschaffen, sichtbar zu sein und echt was zu bewegen. Das hat mich eben so gerufen, weil ich immer das Gefühl habe, es geht einfach nicht darum, einfach nur sichtbar zu sein. Es geht darum, sich sichtbar zu machen mit dem, was einem wirklich wichtig ist. Da glaube ich, da kann ich das Buch empfehlen.
Steffi Schwarzack: Ich kenne es nicht, total spannend, ich werde es mir besorgen. Total schön, dass du nochmal betonst, dass diese Sichtbarkeit im Grunde kein Selbstzweck ist für das Ego, sondern, dass das einfach nur der Weg ist für die Botschaft, für das Ziel, was da eigentlich raus will. vielleicht das Transportmittel sozusagen.
Sandra Heim: Für mich geht es um den Begriff, für mich ist der Hauptbegriff in diesen Kontext Selbstverwirklichung. Ich weiß, Selbstverwirklichung hat oft noch so diesen negativen Touch. Ich habe meinen Vater gesagt: Du und dein Selbstverwirklichungstrip. Ich bin aber zu dem Punkt gekommen, das ist mein (Lebens?). Ich möchte mich selbst verwirklichen. Warum soll ich denn hier sein? Soll ich andere verwirklichen, soll ich Ideale von anderen verwirklichen, die nicht meine sind? nein. Ich will mich selbst verwirklichen. Das ist mein Lebenssinn und meine Lebensaufgabe. Selbstverwirklichung und Sichtbarkeit, diese Kombination, das ist, glaube ich, wirklich, da geht es hin, das ist die Zukunft für uns als authentische Online-Unternehmerin.
Steffi Schwarzack: Schön, das berührt mich. Weil, ich habe mir einen anderen Begriff, aber der geht genau in diese Richtung. Ich sage immer: Eigentlich geht es darum, dass die Leute ihren Selbstausdruck finden, in dieser Welt, mit ihrem Business, aber auch generell. Dazu ist es das Mittel, bei mir Stimme oder sprechen oder Business oder was auch immer das dann für jeden Einzelnen heißt, aber mit dem Ausdruck seines selbst zu finden. Sehr schön.
Sandra Heim: Sehr schön.
Steffi Schwarzack: Hast du vielleicht noch eine Inspiration oder ein Motto, mit dem du durch die Welt, durch das Leben gehst, was du mit uns hier noch teilen kannst und magst?
Sandra Heim: Du kennst bestimmt die Zeitschrift Flow, da hat mir eine Freundin einen Jahreskalender geschenkt, wo jeden Tag so eine kleine Botschaft draufsteht. Ein Zettelchen, was ich mir letztens rausgerissen habe und das jetzt hier gerade auf meinem Schreibtisch ist, da steht drauf, It is never too late to be what your mind have been. Ich finde den Spruch so schön. Es ist niemals zu spät, die zu sein, die du sein solltest sozusagen. Ich finde den Spruch so schön, weil, manchmal macht man sich selbst fertig, wenn man irgendwie nicht den eigenen Ansprüchen gerecht wird oder wenn man irgendwie sich vorgenommen hat, ein neues Morgenritual zu initiieren und es hat noch nicht geklappt oder sowas. Dass man einfach jeden Tag die Chance gibt, neu anzufangen und einfach, was war, in der Vergangenheit zulassen und jeden Tag mit diesem weißen Blatt zu beginnen und zu sagen: Ja, es ist nie zu spät. Das möchte ich gerne dazu einbringen.
Steffi Schwarzack: Sehr gut, sehr schön. Dann können die Hörer und ich mir das mitnehmen als Inspiration. Ich bin da auch so, ich liebe weiße neue Blöcke, also Papier, wenn ich irgendwie etwas Unbeschriebenes habe, das ist auch für mich so Ausdruck von, es kann neu beginnen, mit Schreiben und was auch immer. Das finde ich immer sehr inspirierend und das ist jetzt auch inspirierend für mich.
Sandra Heim: Genau, aus den Gründen stapeln sich hinter mir auf dem Regal auch ganz viele Moleskin-Bücher, die darauf warten, irgendwann in meine Morgenseiten verbraucht zu werden. Genau aus diesem Grund liebe ich auch Notizbücher, ich kaufe sie mir überall, wo ich schöne Exemplare entdecke.
Steffi Schwarzack: Cool, du hast da eine richtige Sammlung draus gemacht, schön. Liebe Sandra, wo findet man denn mehr von dir, wenn der Hörer, die Hörer jetzt sagt. Sie möchte mir dir zusammenarbeiten?
Sandra Heim: Man findet mich auf meiner Webseite www.mamarevolution.de. Auf Facebook gibt es eine Gruppe, eine schöne aktive Gruppe mit Online-Mamas, Online-Unternehmerinnen, die alle auf dem gleichen Weg sind. Die findet man auch unter dem Namen "Mama Revolution". Das sind eigentlich schon zwei ganz gute Ansatzpunkte. Wer mit mir zusammenarbeiten möchte und jetzt Interesse geweckt wurde, kann mir auch gerne einfach eine Mail schicken. Aktuell gibt es eine Warteliste für Eins-zu-Eins-Kundinnen, aber ab Sommer habe ich wieder Platz. Ich freue mich über jeden, der vorbeikommt und Hallo sagen möchte.
Steffi Schwarzack: Super, ich verlinke die drei Sachen in den Shownotes.
Sandra Heim: Super.
Steffi Schwarzack: Liebe Sandra, herzlichen Dank dafür, dass wir hier plaudern konnten über unser gemeinsames Thema sichtbar sein, über dein Business, über deine Art, wie du die Sachen in die Welt bringst. Ich fand das sehr inspirierend. Vielen Dank.
Sandra Heim: Ich danke dir, ich fand das auch ein sehr schönes Gespräch, und ich finde auch deine Arbeit total toll und wünsch dir da auf deinem Weg auch, dass einfach deine Visionen sich ganz leicht umsetzen und du ganz vielen Frauen dabei hilfst, ihre Stimme zu erheben.
Steffi Schwarzack: Vielen Dank, vielen Dank. Dann danke, dass du hier warst und wir bleiben noch kurz hier dran. Mach es gut, tschüss.
Sandra Heim: Mach es gut, tschüss.
]]>Muss ich mich an männliche Verhaltensweisen und Machtgesten anpassen?
Oder gibt es einen weiblichen Weg?
Hier geht es um das Spiel mit dem Status und wie frau (und mancher mann) es für sich nutzen kann.
Viel Spaß mit dieser Episode!
Studie: Frauenstimmen werden tiefer
Heute gibt es v.a. ne Menge Buchtipps von mir zum Thema:
Der "Erfinder" des Status-Modells Keith Johnstone: Improvisation und Theater
Spannendes Buch über Strategien zu mehr Revierverhalten für Frauen Peter Modler: Das Arroganz-Prinzip
Hab ich noch nicht gelesen, aber es wird in der Literatur immer wieder zitiert. Der Titel ist natürlich reißerisch. Mal schauen, was der Inhalt zu bieten hat. Harriet Rubin: Machiavelli für Frauen. Strategie und Taktik im Kampf der Geschlechter.
Deborah Tannen: You just don't understand. Women and men in conversation. Ein Klassiker, neu aufgelegt. Hab ich mal im Studium gelesen, als ich das ganze noch sehr wissenschaftlich betrieben habe. Reinlesen lohnt sich auf jeden Fall.
Tom Schmitt/ Michael Esser: Status-Spiele. Wie ich in jeder Situation die Oberhand behalte. Diesen beiden Autoren verdanke ich die Entdeckung dieses Modells. Hat mir vor vielen Jahren schon die Augen geöffnet. Danke an die beiden!
Hallo und willkommen zu „zeig dich und sprich“. Heute mal wieder eine Einzelfolge, ich freue mich, dass du dabei bist, bei diesem spannenden und nicht ganz leicht zu beantwortenden Thema.
Eine meiner Trainingsteilnehmerinnen hat mich nämlich letztens gefragt:
Diejenige wollte natürlich irgendwie Frau bleiben und wie eine Frau wirken und nicht eine von den Frauen imitieren, die man manchmal an der Spitze sieht, die wenig Weiblichkeit ausstrahlen, sage ich jetzt mal, sich trotzdem durchsetzen, trotzdem überzeugend wirken.
Das ist eine sehr spannende Frage und ich lade dich ein, mit mir auf diese Forschungsreise zu gehen.
Es ist tatsächlich eine Forschungsreise, weil ich dir nicht die eine hundertprozentige Nonplusultra-Antwort jetzt geben kann, ich befinde mich nämlich selber auf dieser Forschungsreise, und möglicherweise meine ich in einem Jahr etwas anderes.
Aber, was ich heute meine, was meine Antwort auf diese Frage war und ist, das erfährst du, wenn ich dich vorher in ein paar Konzepte eingeführt habe, also ganz am Ende von dieser Folge.
Das soll auch nicht so eine lange Folge werden, weil ich nämlich hier abends kurz vor zehn aufnehme.
Morgen ist Mittwoch, morgen soll diese Folge rauskommen, ich bin morgen auch auf Reisen, ich bin da selber noch mal unterwegs, werde das im Zug dann bearbeiten und hoffe einfach, dass es eine kurze knackige Folge ist.
Deswegen, drei Dinge die ich hier beantworten möchte, nämlich die eine Frage:
Das zweite ist:
Drittens:
Gibt es ein Fazit, gibt es eine Lösung, wie sollen wir Frauen uns nun idealerweise verhalten, wenn es ein Ideal gibt beziehungsweise was empfehle ich?
Das sind die drei Überschriften, die drei Fragen hier.
Nun, wie kann man im Business überzeugen, wie kann man sich durchsetzen?
Es gibt ein Modell, was ich sehr spannend finde, was ich in den letzten Jahren mächtig erforscht habe in meinen Trainings mit den Teilnehmern und selber auch in der Praxis.
Es ist eine Idee, ein Modell, also es ist ein Abbild der Wirklichkeit und trotzdem finde ich ganz viel Wirklichkeit da drin widergespiegelt.
Das Modell, um das es sich handelt, habe ich kennengelernt unter dem Titel "Status Wippe" oder auch, das "Spiel mit dem Status".
Das geht zurück auf einen Theaterpädagogen, Theaterregisseur, Keith Johnston. Ich verlinkte dir eines seiner Bücher auch in den Show-Notes.
Das Modell besagt nichts anderes, als dass wir in der Kommunikation mit anderen immer ein Statusspiel haben. Dass ist anders, als ein Status, der durch soziale Faktoren, durch Hierarchie, gegeben wird, einer, der letztendlich festgelegt wird und generell der Chef oder der Doktor, wenn du einen Doktortitel hasst oder der Professor, das sind Sachen die zugeschrieben sind.
Der CEO ist wichtiger als der Praktikant. Das sind einfach Hierarchien, die natürlich auch Einfluss auf den Status haben können.
Aber in der Kommunikation ist das anders. In der Kommunikation kann jeder, egal welchen sozialen Rang er hat, in einen Hochstatus gehen und kommunizieren oder im Tiefstatus.
Das Interessante ist immer im Spiel, weil, das ist eine Wippe. Wie verändert sich das? Wann verändert es sich und was sind die ausschlaggebenden Faktoren?
Und der ausschlaggebende Faktor für dieses Wipp-Spiel, wenn man zwei Menschen nimmt, also es geht immer nur in Relation zu einer anderen Person, wenn ich allein im Raum bin, ist das nicht relevant. Ich brauche zum Wippen tatsächlich zwei, mindestens, es können auch mehr sein.
Also man kann die Statuswippe auch mit mehreren Wipp-Parteien vorstellen, aber eben Du und der andere beziehungsweise Du und die anderen auf dieser Wippe.
Die Frage ist immer, was tun Sie? Nun kann man selber etwas dafür tun, in einen hohen Status zu gelangen oder auch in einen tiefen zu gehen, wenn ich nämlich meine Expertise betonen sage: Ich als der Experte für so und so, ich als Führungskraft oder was auch immer, dann signalisiere ich meinem Gesprächspartner eventuell, ich bin wichtig.
Ich kann mich auch selber herabsetzen. Auch das gibt es. Nämlich, indem ich so etwas sage wie: Ich habe da noch nicht so viel Erfahrung damit oder ich habe nicht ausgeschlafen.
Bei Vorträgen erlebe ich das oft, das Leute sagen: Oh, ich bin irgendwie gerade ein bisschen heiser oder, ich hatte nicht so viel Zeit, mich vorzubereiten oder, ich habe das und das vergessen. All das senkt in dem Moment meinen Status.
Nicht so günstig.
Natürlich können wir authentisch sein, natürlich können wir Dinge zugeben. Die Frage ist, wann in der Kommunikationssituation bringe ich das? Nämlich nicht am Anfang von dem Vortrag zum Beispiel und wem gegenüber, wie ist der drauf?
Es gibt Leute, mit denen sollte man solche Aussagen nicht bringen. Einfach, weil die sowieso schon viele Signale aussenden, von wegen, ich bin wichtig, du bist es nicht. Wenn man sich selber dann auch noch nicht wichtig macht, dann ist es ungünstig.
Das ist gleich nochmal so, diese umgangssprachlichen Begriffe, dieses wichtig sein, das ist es.
Das ist das Spiel mit dem Status. Man kann es aber auch anderen Leuten zuschreiben. Ich kann jemanden erhöhen, vom Status her, kann ihm sagen: Hey du mit deiner Expertise oder du als Fachfrau für, und schon wächst derjenige, vor allem, wenn noch mehr Leute dabei sind.
Funktioniert prima als soziale Beeinflussung. Wenn ich zum Beispiel einen Redner auf die Bühne hole und ihn so ankündige und er redet dann, ist es viel besser, wenn er das selber gar nicht macht, sondern, wenn dass jemand Drittes für ihn tut.
Dann wirkt der, hat der nochmal eine ganz andere Kompetenzwirkung auf die Teilnehmer.
Auch im Unternehmen funktioniert das. Wie wirst du eingeführt, wenn du Führungskraft bist? Führt dich jemand ein als jemand Exzellenten, der mit der Erfahrung und die mit dem tollen Team irgendwas gemacht hat oder nicht?
Also man kann jemand anderen erhöhen, man kann jemand anderen natürlich auch erniedrigen, wie Du dir das denken kannst, in seinem Status.
Das Tolle an diesem Spiel ist, man darf es wirklich als ein Spiel verstehen, wo die Sachen sich innerhalb von Bruchteilen von Sekunden verändern können. Das Ganze verändert sich auf verschiedensten Ebenen. Da schauen wir gleich mal hin.
Auf körpersprachlicher Ebene ist das wichtig, es ist wichtig auf kommunikativer, auf verbaler Ebene. Was sage ich, wie viel sage, wie sehr lasse ich mich unterbrechen? Ich gehe jetzt einfach mal in Gedanken ein bisschen den Körper von unten nach oben durch und wir reden mal über verschiedene Dinge.
Fangen wir einfach mal bei körperlichen Aspekten an, bei den Füßen.
Wie stehe ich denn da? Wie breitbeinig stehe ich da? Wie sicher ist mein Stand? Wie sehr habe ich meine Füße zusammen? Aber auch, wie ist meine Schrittgröße? Wie entspannt laufe ich sozusagen über den Flur in meinem Unternehmen? Je ruhiger, je entspannter, je langsamer ich laufe, desto mehr signalisiere ich, ich habe Zeit, ich bin wichtig.
Das wäre natürlich das, was du eventuell ausstrahlen möchtest. Auch, wenn du auf eine Bühne gehst, wenn du eine Bühne betrittst. Total wichtig. Deswegen, ich mache jetzt schon einen kleinen Abstecher zur nächsten Frage. Sehr, sehr hoher Absatz-Schuhe machen eine andere Art von Schritt. Enge Röcke machen eine andere Art, Schritte zu tun.
Da wird es schon spannend, was signalisieren Frauen, was signalisieren Männer?
Genau, also Füße, Schritte haben wir angeschaut, mit den Armen natürlich auch. Wenn ich einfach mal ein größeres Stück nach oben gehe, wir werden nicht jeden Bereich anschauen hier.
Ich verlinke dir einfach ein paar Quellen, ein paar Buchtipps, wo du das nochmal nachschauen kannst.
Was total spannend ist, wie groß sind deine Gesten, wie viel Bewegung hast du, wie Raumeinnehmend agierst du generell? Da wird es spannend. Wie setzt du dich auf einen Stuhl drauf? Auch, wenn du mit Video arbeitest, wie machst du den Kamera-Ausschnitt? Wie viel kann man von deinen Armbewegungen sehen, von den Gesten, die du machst? Das ist alles sehr, sehr wichtig und signalisiert, wie ist dein Status.
Generell kannst du sagen: Je langsamer, je bedächtiger, je ruhiger, je souveräner, je entspannter das Gestikulieren ist, desto mehr signalisiert Du, ich bin hier wichtig, ich habe hier einen wichtigen und hohen Status.
Dann gehen wir ein bisschen auf den Kopf. Was man oft sieht bei Menschen ist, wenn sie den Kopf schief legen. Schieflegen, zusammen mit einem Lächeln, hat eben leider etwas von, ich bin gerade nicht ganz so wichtig, deswegen brauchst du mich nicht anzugreifen.
Du musst mindestens drei, vier von diesen Signalen wahrnehmen können, oder wir nehmen das unbewusst ganz schnell wahr, und dann signalisieren wir das eben auf die anderen Leute.
Gehen wir noch ein bisschen höher.
Blickkontakt ist ganz, ganz wichtig. Wie halte ich nicht nur den Kopf, sondern, wie halte ich den Blick zu dem anderen? Ist es ein durchgehender Blickkontakt, ist er oft unterbrochen, halte ich gar keinen, schaue ich die ganze Zeit ab?
Natürlich spielen da kulturelle Unterschiede rein, aber bei uns, in unserem kulturellen Kreis hier in Deutschland oder auch in weiten Teilen Europas, funktioniert das mit dem Blick ganz gut. Es gibt noch leichte Unterschiede, wenn es zum Thema Männer, Frauen untereinander geht, wenn es um Flirten geht. Aber generell im Business, ist ein langer tiefer Blickkontakt ein Zeichen von, ich halte das aus, ich bin wichtig.
Es sei denn, ich bin so wichtig, dass ich etwas anderes nutzen möchte, nämlich die visuelle Ignoranz, ich schaue einfach gar nicht hin. Wenn man jemanden die ganze Zeit nicht anschaut, das erleben wir im Business, und man hat weitere Signale von Wichtigkeit, die man ausstrahlt, kann das in Richtung Mobbing gehen. Nämlich man signalisiert, ich habe es gar nicht nötig, dich anzuschauen. Wer bist du schon? Spannende Geschichte, kann man viel dazu noch sagen. Also auch da kann es wieder mit reinspielen.
Zu den paraverbalen, körpersprachlichen Elementen zählt unsere Stimme. Die Stimme ist ein ganz wichtiges Mittel, aber eben auch die ganze Sprechweise. Wie viel Pausen mache ich? Machst du viele Pausen? Machst du kurze Sätze? Gehst du mit deiner Stimme am Ende nach unten? Dann signalisierst Du, das, was ich sage, ist wichtig. Du gibst dem Ganzen Nachdruck. Wenn die Stimme dagegen sehr melodiös ist, sehr hoch, ein bisschen was kriegt von extremer Freundlichkeit und wenn du ganz, ganz viel sagst oder viele Ähms dazwischen machst, ja, was könnte ich noch alles sagen?
Und schon, du hast es gemerkt ein bisschen, mit all diesen Mitteln signalisiert man eben nicht ganz so viel Wichtigkeit an dieser Stelle auf stimmlicher Ebene. Auch, wenn man zu viel sagt, zu hektisch, zu viel Atemluft dabei hat, kann ist das ausstrahlen. Wie gesagt, ein Mittel alleine macht überhaupt keine Wirkung aus, aber die Kombination aus mehreren Dingen prägt eben die Wirkung auf den anderen Gesprächspartner.
Ganz, ganz entscheidend ist auch, lasse ich mich unterbrechen oder unterbreche ich andere. Unterbrechen ist ein so großes Machtmittel und bei uns Selbständigen spielt das vielleicht gar nicht so eine riesige Rolle, oft aber in Unternehmen, wo man einfach tagtäglich mit diesen Machtspielchen zu tun hat, spielt das ganz, ganz arg und ganz, ganz stark eine Rolle.
Da ist es sehr spannend, darauf zu achten, wer unterbricht wen wie oft, wann. Machen sie das in beide Richtungen, weil die miteinander spielen oder ist es immer nur bei einem? Und was passiert mit den Wortbeiträgen, die der andere dann gesagt hat? Also da kannst du wirklich mal aufmerksam darauf achten, was passiert da gerade in dem Kontext, in dem ich unterwegs bin.
Also ich könnte noch viele, viele andere Mittel nennen, es ist sehr spannend, da im Detail hinzugucken. Nehmen wir mit, wir signalisieren über die Dinge, wie wir sie sagen, wie wir sie ausdrücken mit unserem Körper, mit unserer Sprechweise, ob etwas wichtig ist und ob wir wichtig sind. Das macht den Status in der Kommunikation aus und im Verhältnis zu dem Gegenüber, das ich da habe, bin ich halt in dem Moment etwas weniger wichtig oder etwas mehr wichtig. Da wird es interessant, weil ich da ein Stück führe, weil ich da ein Stück das Gespräch führe. Bis dahin, weil, ich könnte noch viel, viel länger darüber reden.
Zweite Frage: Gibt es ein typisches Kommunikationsverhalten für uns Frauen?
Ja und jetzt muss ich aufpassen, dass ich mich nicht in die Nesseln setze oder in irgendwelche Fettnäpfchen trete, weil natürlich kann man immer sagen: Das trifft ja gar nicht auf alle zu und überhaupt.
Trotzdem. Ich beobachte. Ich beobachte mich. Ich beobachte die Frauen in meiner Umgebung. Ich beobachte die Männer in meiner Umgebung. Im Business.
Es gibt einfach gewisse Tendenzen auch, wenn sich Dinge gerade verändern, gibt es immer noch diese grundlegenden Tendenzen.
Über Ausnahmen rede ich dann gleich noch im Anschluss, aber lasst mich einfach hier an dieser Stelle erst mal ein bisschen plakativ typischerweise unterwegs sein.
Typischerweise gibt es Unterschiede und ob die jetzt anerzogen sind oder angeboren, dass es fraglich, da ist sich die Forschung auch nicht einig darüber. Fakt ist, schon mit sehr jungen Lebensjahren gibt es solche Unterschiede.
Ich hatte das, glaube ich, schon mal vor vielen, vielen Folgen zitiert, eine Studie, die festgestellt hat, dass Jungs und Mädchen im Alter von sieben Jahren von ihren Sprechweisen, von ihren Stimmmustern her, ganz anders sprechen. Es dürfte eigentlich gar nicht sein, weil sie mit sieben Jahren noch keinen Stimmbruch hatten, wenn man jetzt einfach mal auf diese stimmliche Tonhöhenebene geht. Es ist aber so, dass die Mädchen sehr viel melodiöser sprechen, sehr viel mehr Bewegung in der Sprechweise drin haben und die Jungs nicht. Man hat dann eine Schlussfolgerung gezogen, dass es eben daran liegt, dass offensichtlich die Vorbilder auch schon prägen, bevor die Anatomie sozusagen nachzieht.
Melodie, Bewegung, haben generell gar nix mit Anatomie zu tun, sondern nur die generelle Tonhöhe.
Fakt ist, Frauen reden tatsächlich melodiöser. Melodiöser wird oft in der Wirkung gedeutet als freundlicher. Freundlicher heißt immer auch ein bisschen mit, nicht ganz so durchsetzungsstark.
Also, wenn die Stimme am Ende einfach knallhart nach unten geht, ist viel, viel besser für durchsetzen und überzeugen.
Frauen reden, und da bin ich immer noch bei einfach bei tatsächlichen Fakten, natürlich mit einer höheren Stimmlage. Auch höher signalisiert mir Freundlichkeit, wird manchmal interpretiert von der Wirkung her, mit mehr Schrille, mit mehr Emotionalität.
Dieses Sachliche, was man im Business dann oft will, ist dann eben nicht da.
Dann gibt es viele Studien, die festgestellt haben, Frauen lassen sich tatsächlich öfter unterbrechen in Gesprächen. Ich habe da keine Statistik für mich in meiner Beobachtung gemacht, aber es ist wirklich interessant mal hinzugucken, wie oft und von wem lasse ich mich unterbrechen und wo und wann?
Kann man überall beobachten, bei Elternabenden, in Talkshows, die man schaut, in Meetings, wenn du viele Meetings hast. Auch bei Gruppen, wo Selbstständige sind.
Da sind wir nochmal, fällt mir gerade nochmal ein, auf einer Lautstärkeebene, also nochmal Stimmebene. Männerstimmen sind eben auch lauter, Frauenstimmen klingen leiser.
Laut vielen Studien, von der Intensität her, vom Volumen her. Das heißt tatsächlich auch, die Lautstärke ist entscheidend. Da sind wir erst mal nur auf dem Thema Stimme.
Im körpersprachlichen Verhalten und keine Ahnung, ob das anerzogen oder angeboren ist, verhalten wir Frauen uns auch anders. Oft sind die Körperbewegungen nicht ganz so groß, nicht ganz so weit. Okay, da geht es schon wieder ein bisschen auseinander. Spätestens durch Kleidung und durch angewöhnte Sitzhaltungen, ich sage da einfach nochmal, Beine übereinander geschlagen, anstatt breitbeinig auf einem Stuhl zu sitzen, machen wir Frauen uns von unserer Körperposition her kleiner. Und alles, was mit kleiner machen zu tun hat, kleinere Bewegungen statt raumgreifende Bewegung oder Gesten, signalisiert von der Wirkung her, ich bin nicht so wichtig, ich mache mich hier kleiner, Du musst mich nicht angreifen, ein bisschen überspitzt gesagt.
Das sind ein paar von den sehr wichtigen Sachen. Da gibt es viele Studien, die halt sagen, und da muss ich jetzt mal auf meine Spickzettel schauen, damit ich nichts Falsches sage, die natürlich auch sagen: Okay, die Kleidung von Frauen ist oft nicht so günstig. Die sagen: Frauen sind weniger Macht-affin. Das müsste man jetzt schauen, ob das tatsächlich so ist.
Vera Seegers ist eine Maastrichter Sprachwissenschaftlerin, die hat festgestellt in Studien, dass Frauen einfach sehr oft mehr solche Formulierung gebrauchen wie, Tut mir leid, oh, das ist, aber schade. Das wird mit Schwäche interpretiert. Für die Frau selber, die das ausdrückt, ist es vielleicht eine Höflichkeit, die sie gelernt hat, eine Bescheidenheit die sie gelernt hat.
Es gibt auch Studien, dass war, glaube ich, eine andere Studie, da hat man mit Studentinnen die gemacht, die in die Sprechstunde zum Professor gegangen sind und hat festgestellt, die Studentinnen haben, anders als die Studenten, sehr viel mehr Konjunktive gebraucht. Sie haben öfter man betont oder wir oder unser, als in der Ich-Form geredet.
Interessanterweise hat man festgestellt, Männer haben selbst, wenn sie nur ein Teil des Teams waren, oft gesagt: Mein Team oder wir oder unser Team hat das und das gemacht. Die Frauen haben dann gesagt: Ich habe das und das gemacht. Sie haben niemals dieses Team sich einverleibt, wenn sie gar nicht die Chefin waren. Im Gegenteil, man hat noch festgestellt, wenn eine Frau eine Chefin war, hat sie manchmal auch in der Ich-Form geredet, anstatt gesagt: Mein Team. Also sehr, sehr interessant.
Ich habe das selber festgestellt. Ich habe das bestimmt auch schon mal erzählt. Ich weiß nicht mehr genau. Dass ich mich auch immer wieder in der Kooperation mit dem Kollegen dabei erwische, dass er von sich redet und ich rede von WIR. Ich habe diese Tendenz extrem und es ärgert mich gelegentlich. Ich ärgere mich dann über mich, gar nicht unbedingt über ihn, dass er das macht, dass ich so diesen sozialen Aspekt betone und dieses Zusammenarbeiten und nicht mich wichtig genug - offensichtlich - nehme und statt, dass ich einfach ich sage und er sagt, dann oft: Ich.
Das heißt, die Diskrepanz bringe eigentlich ich da rein, könnte man jetzt mal so interpretieren.
Was ist noch spannend? Ich checke hier nochmal.
Es gibt da diese großen Studien, die jetzt schon 20, 30 Jahre alt sind von der Deborah Tannen, auch das Buch verlinke ich euch. Diese Studien betonen, dass Frauen generell eher horizontal, also vernetzend wirkend kommunizieren, Männer eher in Hierarchien vertikal, so nennt sie das, deswegen Status als Dimension.
Viel wichtiger ist bei Frauen eben diese Beziehungsdimension. Das ist einfach das, was da in der Forschung sozusagen gemacht wird.
Auch, was das Territorium mit der Körpersprache betrifft, gibt es dadurch eben, weil Frauen mehr dieses Beziehungsorientierte drin haben, sagen die ForscherInnen halt: Ist es auch nicht so, dass die Frau sich irgendwie gleich einen Platz in einem Raum unbedingt groß einverleibt, sondern eben ihr Tischchen nimmt. Bei Männern beobachtet man, wie ein extremes Revierverhalten in Meetings oder so stattfindet.
Das ist zu überprüfen, überprüfte das mal für dich, beobachte das Mal, wenn du einen Schreibtisch mit jemand teilst, wenn ein Kollege reinkommt, wie er vielleicht deinen Schreibtisch besetzt, einfach indem er seinen Schlüssel, seiner Tasse auf diesen Schreibtisch legt.
Beobachte, wie du das machst, wenn du irgendwo hingehst. Mach mal das andere, mach mal das, was du bisher nicht getan hast. Das ist vielleicht an dieser Stelle ganz spannend zu schauen.
Also Fazit, es gibt Unterschiede, die ich beobachten konnte, die ForscherInnen festgestellt haben, ohne dass in irgendeiner Form zu werten, es gibt diese Unterschiede.
Jetzt wird es spannend, jetzt kommen wir nämlich zum dritten und letzten Teil, zu der Frage, Ja, was ist jetzt die Lösung? Wie können wir uns als Frau jetzt durchsetzen, wenn wir offenbar das ein oder andere Signal ausstrahlen in der Kommunikation, was eben in der Kombination signalisiert, ich bin eben klein, nett und niedlich und nicht ganz so wichtig wie vielleicht der Mann von seiner Ausstrahlung her?
Es geht ja, wie gesagt, bei der Wippe immer nur um das Gegenteil. Es geht nicht um Frauenteams, ich habe ganz taffe Frauen erlebt, vor denen ich mich erschrocken habe, sondern es geht um so eine gewisse Tendenz.
Nach über drei Jahren im Ausland leben, die ich hinter mir habe in verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen, mit verschiedenen Kulturen, habe ich eine Erfahrung gemacht nämlich, es lohnt sich wirklich, sich sprachlich, sprecherisch der Mehrheit anzupassen.
Sprich, die Kommunikationsregeln und die Sprache des Landes zu erlernen.
Wenn du jetzt in einen Arbeitsbereich hinein gehst, der eben sehr männerdominiert ist oder wo sehr viele von diesen, muss gar nicht männerdominiert sein, aber von diesen Machtsignalen wichtig sind, eine Rolle spielen, dann lohnt es sich, dass du ein stückweit diese Sprache auch lernst und beherrscht, ist meine Meinung.
Zumindest die Sprache verstehst und auch das ein oder andere Mittel hast, was du einsetzen kannst.
Also ich bin jemand der dazu neigt, schon auch die Beine übereinander zu schlagen, auch wenn ich vom Yogalehrer weiß, wie ungünstig das ist. Dann muss ich aber, auf einer anderen Ebene dafür sorgen, dass ich auch signalisiere, das, was ich sage, ist wichtig.
Wenn mir das in dem Fall vielleicht wichtig ist, dass ich mich auf dieser Ebene durchsetze, durch eine tiefe Stimmlage, durch Pausen, die ich mache, durch prägnante Sätze, die ich sage, durch Unterbrechung, die ich beim anderen tue. All diese Signale, die können da eine Rolle spielen.
Also 1. Tipp: Ich passe mich der Mehrheit an und lerne die Fremdsprache.
In dem Fall ist das hier, ich lerne nicht unbedingt die Männersprache, so würde ich sagen, sondern, ich erweitere mein Verhaltensrepertoire auf kommunikativer Ebene.
Darum geht es letztendlich. Es geht nicht darum, dass ich nur noch auf dieser Ebene kommuniziere, das wäre sehr ungünstig für alles, was mit Liebe und Flirt zu tun hat, sondern ich erweitere es bewusst.
Auf einer unbewussten Ebene passiert das schon. Es gibt eben diese Studie, die ich auf einer meiner Seiten oder auf der Homepage auch schon mal geteilt habe, dass die Frequenz der Frauenstimme in den letzten zehn Jahren, das ist nicht lange her, um ein Viertel gesunken ist. Also von durchschnittlich 220 jetzt auf 160 Hertz, die bei Männern liegt bei 110 Hertz.
Die Frequenz sagt etwas darüber aus, wie hoch oder wie tief eine Stimme klingt. Frauenstimmen sind tiefer geworden.
Es ist nichts, was sich die Frauen unbedingt immer bewusst überlegt haben, sondern es passiert einfach auch auf der unbewussten Ebene, dass man sich ein Stück anpasst.
Es lohnt sich, finde ich, es bewusst zu tun, weil du auch wieder auf die andere Ebene zurück switchen kannst, die, glaube ich, auch wichtig ist für seine volle Identität.
Also das einfach von meiner Seite als Idee, es lohnt sich eben, zweisprachig zu sein, nicht einsprachig zu werden, indem ich nur noch das eine spreche.
Das gibt es oft, dass Leute, die aus Dritte-Welt-Ländern kommen, gar nicht mehr ihre Sprache sprechen. Weil das ist ja minderwertig. Unbewusst wohlbemerkt. Das beobachte ich in meinem Bekanntenkreis auch. Und es ist nichts, was bewusst entschieden ist mit der Minderwertigkeit, sondern es passiert oft einfach und die sprechen mit ihren Kindern dann nur noch in der Landessprache, in unserem Fall hier eben in Deutsch, und bringen diese andere Kultur, die andere Sprache, gar nicht so viel näher. Das ist schade. Ich finde, es lohnt sich, zweisprachig zu sein und nicht total in die andere Sprache zu gehen, weil, das gibt es eben auch.
Das ist eben das, was meine Kundin nicht so mochte, wenn sie Frauen erlebt, die dann nur noch Signale ausstrahlen die wir jetzt mal hier in unserer plakativen Welt mit Machtsignalen, männlichen Machtsignalen, vielleicht übersetzen wollen.
Aber ich glaube, es bringt nichts jetzt zu sagen: Ich mache jetzt nur mein weibliches Ding, es bringt auch nichts nur zu sagen: Ich mache mein männliches Ding, sondern es lohnt sich immer, beides zu machen.
Das ist definitiv nicht nur ein Thema von Frauen, sondern es ist auch ein Thema von Männern. Es gibt nämlich in dem Buch, Ich glaube, das heißt, dass Arroganz-Prinzip, ich verlinkt es dir auch. Der Autor Peter Modler schreibt auch und das bestätigt sich mir, dass das Thema, was ich hier benannt habe, auch nicht nur bei Frauen zu finden ist, sondern auch bei Männern. Zwar ganz oft bei Männern, die bei Frauen aufgewachsen sind, die alleinerziehende Mütter hatten oder bei Omas aufgewachsen sind, wo männliche Vorbilder nicht sehr präsent waren. Das können auch Väter sein, die den ganzen Tag und wochenlang gearbeitet haben und am Wochenende vielleicht auch kaum da waren, also wo wirklich dieses männliche Vorbild gefehlt hat, um diese Kommunikationsstrategien zu erwerben.
Interessanterweise treffe ich in meiner Coaching-Praxis auch, wenn Männer zu mir kommen, ganz oft auf dieses Muster: Mann ist bei Mutter alleine aufgewachsen. Das sind die, die auch nach ihrer Identität suchen, nach ihrer Suche sind, nach Durchsetzungsfähigkeit, nach Überzeugungsfähigkeit im Business-Kontext, was zu ihnen passt, aber irgendwie auch die Kommunikationsregeln der Kultur, in der sie sich befinden, auch dieser Kultur entspricht.
Das als eine spannende Idee an dieser Stelle.
Fazit, alles in allem, heute, im April 2018 sage ich dir:
Entscheide dich manchmal auch bewusst zu sagen, wo spiele ich mit diesem weiblichen Anteil, wo spiele ich mit meinem weichen, männlichen Anteil, wenn du ein Mann bist. Auch das ist schön, das ist total angenehm. Ich kenne viele Männer, die auf beiden Seiten, auf beiden Sprachen, sage ich jetzt mal, kommunizieren können und das sind sehr, sehr angenehme Gesprächspartner für mich als Frau.
Also, das lohnt sich für beide Seiten, auf beiden Seiten Zuhause zu sein.
Das ist das, was ich dir an dieser Stelle heute mitgeben kann und vielleicht und ich hoffe und ich suche noch danach, gibt es auch einen Weg, sich tatsächlich hundertprozentig mit diesem weiblichen Weg durchzusetzen. Allerdings ist meine bisherige Erfahrung so, wenn du in einem Kontext lebst, wo viele Leute sind, die ganz viele von diesen Macht-/Durchsetzungsstrategien haben, wirst du mit Kooperation nicht weit kommen, dann geht man leider unter. Deswegen lohnt es sich, beides zu können und beides verinnerlicht zu haben. Ich hoffe, ich konnte hier ein paar Anregungen geben.
Jetzt ist es doch länger geworden als geplant, es wird nicht kürzer.
Schreib mir gerne einen Kommentar, schreib mir eine E-Mail.
Du findest diese Folge auch in den Show-Notes nochmal und nochmal das Transkript, wenn du nachlesen möchtest, die ganzen Buch Links und Tipps, noch mehr, als ich hier schon genannt habe, unter steffischwarzack.de/folge037.
Ich freue mich über deine Meinung, über deine Erfahrungen, über eine Diskussion mit dir, über Anregungen von dir zum Podcast generell, vielleicht hast du auch eine Frage, die ich mal beantworten sollte, dann schicke sie mir.
Ich sage dir ganz herzlichen Dank, dass du hier warst, dass du zugehört hast, dass du diesen Abend oder wann auch immer du hörst, mit mir gemeinsam verbracht hast. Ich freue mich, dich kennen zu lernen, wenn es irgendwann so sein sollte.
Zeig dich und sprich. Mach es gut.
Wie werde ich den kommunikativen Anforderungen auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Menschen gerecht?
Muss ich in Teams mit Frauen anders kommunizieren als mit Männern?
All diesen Fragen gehen wir im Interview mit den beiden Leiterinnen der Münchner FührungsWerkstatt, Sabrina Gall und Evi Penzenstadler, nach.
Da die beiden selbstständige Unternehmerinnen sind, machen wir natürlich auch gedankliche Abstecher in die Besonderheiten von Selbstständigen, wenn es um diese Themen geht.
Viel Spaß beim Hören!
u.v.a.m.
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Mehr Informationen zu Sabrina Gall
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Buchtipp Schulz von Thun "Kommunikation für Führungskräfte"
Buchtipp "Musterbrecher"
Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen bei „zeig dich & sprich“. Diesmal wieder mit einem Interview, diesmal mit zwei Interviewgästen. Ich freue mich sehr, dass ich heute die Evi Penzenstadler und die Sabrina Gall von der Münchener FührungsWerkstatt da habe. Herzlich Willkommen.
Sabrina Gall: Ja, hallo Frau Schwarzack.
Evi Penzenstadler: Hallo, Frau Schwarzack.
Steffi Schwarzack: Schön, dass Sie beide da sind.
Sabrina Gall: Ja, vielen Dank für die Einladung. Wir, die Münchener Führungswerkstatt, bestehen ja, wie Sie es schon gesagt haben, aus zwei Personen, nämlich aus der Evi Penzenstadler und der Sabrina Gall und wir sind leidenschaftliche Experten, alles, was mit dem Thema Führungskräftebegleitung, Führungskräftecoaching betrifft, zu tun hat und geben sehr gerne pragmatische und wirklich auch in der Praxis anwendbare Impulse für den Führungsalltag.
Steffi Schwarzack: Und wie sah denn Ihr, also was mich auch immer interessiert, wie sind Sie denn dahingekommen, dass Sie das heute tun? Also welche Momente gab es in Ihrem Leben, wie sind Sie zu der geworden, die Sie heute sind und zu dem, was Sie da heute beruflich eben tun und in die Welt bringen.
Evi Penzenstadler: Also, da sage ich jetzt mal kurz etwas dazu, wie es bei mir war. Also eigentlich eher Zufall, aber ich sage immer so, es gibt ja im Leben nicht unbedingt Zufälle, also ich habe ganz normal Bankkauffrau gelernt und dann irgendwann aus der Personalabteilung angesprochen worden, ob ich nicht Lust hätte, dieses Thema Training, Ausbildung da reinzugehen. Das habe ich dann auch gemacht und habe so, ich sage mal, Blut geleckt und festgestellt, dass mir das irgendwie viel Freude bereitet und dann mit vielen unterschiedlichen Funktionen bin ich dann in der Bank am Ende gelandet im Bereich Führungskräftetraining, Entwicklung, Coaching, Teamentwicklungen und habe da die Sabrina kennengelernt, weil die mit mir gemeinsam gearbeitet hat. Und seit fünf Jahren nutze ich das, was ich in der Bank alles gelernt und erfahren habe über das Thema Führung in einer Freiberuflichkeit eben in der Münchener Führungswerkstatt.
Steffi Schwarzack: Wie war das bei Ihnen, Frau Gall? Das ist auch nochmal interessant, Ihre Richtung zu erleben und sozusagen beide Wege mal zu kennen.
Sabrina Gall: Also bei mir war es ein ähnlicher Impuls. Mein Chef hat uns gesagt, er möchte eine Mitarbeiterbefragung machen und aber er ist erst ganz neu im Unternehmen und wusste noch gar nicht so wirklich, was das eigentlich ist. Und habe dann festgestellt, hey, das ist eine gute Möglichkeit, um ein Feedback zu bekommen als Führungskraft und habe dann einfach gefragt, neben der Beurteilung des Chefs, was passiert da eigentlich, was passiert mit den Ergebnissen, was kann eine Führungskraft aus solchen Ergebnissen für sich selber herausnehmen. Und bin dann darauf gestoßen, dass es ja auch einen Bereich Managementtraining gibt und das fand ich dann so spannend, dass ich mich da auch beworben habe und einen Assessmentcenter besucht habe, das Gott sei Dank dann auch bestanden habe. Und so bin ich in diesen Bereich reingerutscht und habe dort auch bestimmt 15 Jahre gearbeitet, bis ich mich dann 2010 selbstständig gemacht habe. Und eben auch immer so diese Vision im Kopf hatte, für alle Führungskräfte, die ins kalte Wasser geschmissen werden, wo man einfach sagt, jetzt macht ihr einfach mal eine Führungsaufgabe, für die gibt es so wenig und es gibt so wenig Begleitung dabei. Und das ist so ein Herzensthema auch von mir gewesen und Evi und ich, wir kennen uns schon sehr lange, wir haben immer sehr gut und auch sehr ergänzend zusammengearbeitet. Und so ist dann die Idee entstanden, dass wir beide gesagt haben, wir brennen so sehr für das Thema, wir machen jetzt unsere eigene Münchener Führungswerkstatt auf.
Steffi Schwarzack: Schön. Und darüber sind wir dann eben nochmal zusammengekommen, um uns /
Sabrina Gall: Ganz genau.
Steffi Schwarzack: Ja, genau, wir kannten uns schon, als wir selbstständig waren und dann, genau, dann haben wir was zusammen gemacht. Ja, sehr spannend. Was mich jetzt interessiert, Sie haben im Grunde Erfahrungen gemacht in den beiden Bereichen, wo die Leute, mit denen ich arbeite, herkommen. Nämlich einmal in dem Bereich der Führungskräfte, die da mit mir zusammenarbeiten, aber auf der anderen Seite auch die Selbstständigen, die Sie jetzt sind und die auch mit mir zusammenarbeiten. Und was mich tatsächlich mal interessiert an dieser Frage, ist, wo unterscheidet sich denn die Kommunikation und ihre Herausforderungen in den beiden Rollen Ihrer Auffassung nach? Oder ist etwa alles gleich?
Evi Penzenstadler: Na ja, also, ich sage mal, die Frage ist berechtigt und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, würde ich sagen, im Grunde ist erst mal das Grundschema der Kommunikation genau gleich. Es geht darum, das Gegenüber zu erreichen. Und die Frage ist, habe ich andere Voraussetzungen, wenn ich Führungskräfte in einem Unternehmen bin, wie wenn ich Selbstständiger bin und jetzt versuche, ich sage mal, bei einem Kunden anzudocken. Und wenn ich ganz fies nachdenke, dann sage ich, eigentlich ist es immer gleich, weil ich muss gucken, wer sitzt mir gegenüber, was sind seine Bedürfnisse, wie spreche ich den an, auf welcher Ebene, mit welchen Wörtern, um diesen Menschen zu erreichen, damit wir in der Kommunikation klar sind, damit wir von den gleichen Themen sprechen. Und das ist, sagt man, natürlich habe ich als Führungskraft so ein Stückchen ja den Hut auf, ich bin Chef und man muss mir, also gefühlt schon mal, ein bisschen mehr zuhören, als wenn ich jetzt Selbstständiger bin, der beim Kunden irgendwie ein Angebot präsentiert. Aber grundsätzlich ist das Grundthema der Kommunikation, mich auf mein Gegenüber einzustellen, zu gucken, wie und was kommuniziere ich, damit ich diesen Menschen erreiche, ist in beiden Fällen gleich. Wie siehst du das, Sabrina?
Sabrina Gall: Weil ich einfach denke, es geht eben darum, das Gegenüber zu erreichen, aber auch mitzunehmen und das muss ich als Führungskraft, indem ich meine Mitarbeiter mitnehme, aber das muss ich genauso auch, indem ich meinen Kunden mitnehmen will und ihn begeistern will von dem, was ich tue. Und deshalb sehe ich das genauso.
Steffi Schwarzack: Ich beobachte so, ich beobachte auf kommunikativer Ebene, ich arbeite ja ein bisschen anders als Sie mit den Leuten, einen kleinen Unterschied manchmal. Da würde ich gerne mit Ihnen darüber reden. Ich beobachte nämlich, dass die Selbstständigen, die zumindest einzeln unterwegs sind oder in so ganz kleinen Teams wie Sie beide, dass die auf das (unv. #00:06:36-8# ) erst mal wirklich ihren Standpunkt zu finden und wie kommuniziere ich denn diesen inneren Standpunkt, wo ich selber 100 Prozent entscheide, nach außen. Und bei Führungskräften gibt es je nach Führungsebene die Herausforderung, dass sie teilweise Dinge kommunizieren müssen, die nicht aus ihrem Inneren herausgewachsen sind, sondern die Sie von oben draufgesetzt bekommen haben. Ja, und deswegen sozusagen in einem System sind, was eigentlich nicht 100 prozentig Ihrem entspricht. Haben Sie auch da Erfahrungen mit und wie kann man denn das irgendwie gut lösen und was kann man da beachten? Kennen Sie vielleicht selber aus Ihrem Alltag, ja?
Sabrina Gall: Ja, genau, also ich glaube, das ist schon ein Dilemma für jede Führungskraft. Wenn ich zum Beispiel in irgendeinem Veränderungsprozess bin und ich weiß ganz genau, ich habe einen Maulkorb bekommen von meinem Vorgesetzten oder von der Geschäftsleitung und ich darf noch nicht darüber sprechen, aber bekanntweise ist ja immer alles schon auf dem Flurfunk verbreitet. Und da ist dann so die Frage, wie gehe ich denn damit um, ja. Und wenn mich meine Mitarbeiter dann ansprechen und sagen, ja, wir haben da aber schon gerüchteweise gehört, dann ist immer so die Frage, was tue ich dann als Führungskraft. Sage ich dann, ja, also ich weiß gar nicht, was ihr da gehört habt, also ich weiß davon nichts, dann einfach auch so ehrlich und authentisch und sagen, ja, es gibt, es wird da etwas geben, es steht eine Veränderung an und sobald es mir möglich ist, werde ich euch sofort informieren, könnte dann zum Beispiel eine Vorgehensweise sein. Aber ich werde immer ein Stück weit so diese innere Klärung mit mir selber machen müssen, inwieweit gebe ich denn da auch vielleicht Informationen preis, die ich hätte eigentlich noch nicht sagen können und dürfen (unv. #00:08:19-3# ). In diesem Spannungsfeld befinde ich mich.
Evi Penzenstadler: Darf ich da noch was ergänzen? Also was mir noch einfällt, ist wirklich das Thema, so für sich eine Haltung zu finden zu dem, was ich irgendwie sagen muss, was ich mit meinem Team besprechen muss, was ich kommunizieren muss. Das ist ja die Frage, als Selbstständiger kann ich ja selber überlegen, was mache ich und das dann auch entsprechend verkaufen. Als Mitarbeiter, mitarbeitende Führungskraft, angestellte Führungskraft ist es aber immer wieder schon auch mal der Fall, dass ich Dinge verkaufen muss, wo ich selber noch nicht so die richtige Haltung habe. Und dann, glaube ich, ist es gut, sich dessen bewusst zu sein und sich auch dazu im Vorfeld vorzubereiten und zu sagen, was ist denn da dann gut, was ist denn so, wie finde ich denn eine Haltung dazu, um mich hinzustellen und meinen Leuten zu sagen, hey, das packen wir jetzt gemeinsam an. Also das, glaube ich, ist schon auch ein Unterschied zwischen Selbstständigkeit und angestellter Führungskraft zu sein in der Kommunikation.
Steffi Schwarzack: Was ich noch erlebe, tatsächlich auch mit den Leuten, die zu mir kommen und die eben aus Unternehmen kommen, auch aus dem Bankbereich, dass die teilweise sagen, ich bin eben jetzt in diese Führungsrolle irgendwie reingerutscht, so wie Sie vorhin das gesagt haben, durch Zufall vielleicht ein bisschen, das war ja jetzt nicht alles bewusst gewählt. Natürlich habe ich Ja gesagt, als die Möglichkeit da war. Und rein von Ihrem Wesen her oder von dem, was Ihnen wichtig ist, sind es vielleicht sehr zugewandte Menschen, sehr emphatische Menschen, die aber dann in dem Unternehmenskontext unterwegs sind oder auch eine Rollenanforderung haben, wo erwartet wird, dass sie autoritär sich durchsetzen zum Beispiel. Und da sind sie manchmal im Konflikt mit dieser Unternehmenskultur und mit ihrem persönlichen Wesen, könnte ich jetzt vielleicht sagen, und mit ihren eigenen Strategien. Kennen Sie das auch, haben Sie manchmal auch mit sowas zu tun? Auch wenn Sie jetzt nicht rein auf der kommunikativen Ebene arbeiten. Und wie kann man damit umgehen?
Sabrina Gall: Das kennen wir sehr gut, die Situation, bei unseren Führungskräften. Für mich ist halt auch immer so die Frage, was ist mit autoritär gemeint, ja. Also ich erlebe sehr oft, dass die Leute sagen, ja, ich bin ja eigentlich jemand, der gerne den Dialog sucht mit meinen Leuten und ich möchte nicht so von oben herab führen. Das ist für mich so ein Stück weit auch autoritäre Vorgehensweise. Ich glaube aber, dass viele Führungskräfte heutzutage gar nicht so führen, sondern eher sehr im Dialog mit ihren Mitarbeitern und dass es dann eher darum geht, nicht autoritär zu sein, sondern eher zu sagen, ich bin klar in dem, was ich sage. Also ich spreche Dinge an, ich spreche Dinge auch aus. Und trotzdem bin ich aber auch sehr wertschätzend im Umgang mit den Menschen.
Steffi Schwarzack: Was in diesem Zusammenhang eben auch oft genannt wird, ist, dass mir jemand zum Beispiel sagt, ich bin sozusagen in der mittleren Führungsebene und mein Mitarbeiter, der mir eigentlich sozusagen unterstellt ist, übergeht aber meine Führungsebene und geht gleich zum nächsthöheren Chef. Was kann ich denn da tun?
Evi Penzenstadler: Also ich sage mal, da fällt mir nur eins ein, mit dem Mitarbeiter ins Gespräch zu gehen und zu sagen, was habe ich für eine, also wie definiere ich meine Zusammenarbeit mit dir und Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern heißt, wenn du irgendwelche Themen hast, dann möchte ich gerne, dass du die mit mir besprichst. Wenn wir Zwei uns dann nicht einig werden können, können wir gerne mal gucken, was ist dann der nächste Schritt. Aber ich hätte schon die Erwartungshaltung, dass meine Mitarbeiter ihre Themen mit mir besprechen. Natürlich würde ich mich in so einer Situation auch fragen, wo ist so die vertrauensvolle Zusammenarbeit, wo fehlt da vielleicht dem Mitarbeiter was. Aber grundsätzlich ist das ein Verhalten, was ich schon, ja, ansprechen würde mit meinen Mitarbeitern, wenn so etwas passieren würde. Also ist für mich echt eine Vertrauensfrage, aber auch eine Frage der, wie gehen wir gemeinsam, also wie gehen wir miteinander um.
Steffi Schwarzack: Okay, das heißt, es wäre sozusagen schon Ausdruck eines gewissen Misstrauens, wenn so etwas passiert, wo ich hellhörig werden sollte und dann eben nochmal das Gespräch suche?
Evi Penzenstadler: Ja, also ich sage mal, mich würde schon interessieren, was veranlasst meinen Mitarbeiter, nicht zu mir zu kommen, sondern mit meiner Führungskraft, mit dem nächsthöheren Vorgesetzten zu sprechen. Vielleicht gebe ich ihm irgendwie nicht das Gefühl, dass wir eine vertrauensvolle Basis haben, aber dann müssen wir beide daran arbeiten, weil es kann ja nicht in meinem Sinne sein und auch nicht im Sinne des Mitarbeiters, dass der seine Themen eine Ebene darüber klärt. Also für mich nicht Zusammenarbeit.
Sabrina Gall: Okay. Also ich wollte dazu noch ergänzen, ich erlebe oft, dass dann auch Führungskräfte (unv. #00:12:59-9# ) und sagen, oh Gott, der hat mich jetzt verraten bei meinem Vorgesetzten oder bei meiner Chefin, wie auch immer. Und da geht es vor allen Dingen auch darum, nicht zu bewerten, sondern das Gespräch zu suchen und nach den Beweggründen zu fragen. Weil das ist, solche Situationen sind einfach wunderbare Möglichkeiten, um Feedback zu bekommen, denn meistens ist es ja irgendwie eine Sache, dass der Mitarbeiter Angst hat oder vielleicht auch Befürchtungen, sich mir direkt anzuvertrauen.
Steffi Schwarzack: Ich habe diese vorherigen Fragen ein Stück weit gestellt, weil das, was mich wirklich bewegt und interessiert, wenn ich mit Leuten zusammenarbeite, ist immer ein bisschen die Beobachtung, inwiefern eben stoßen Menschen mit ihrem Wesen, mit ihrer Kommunikationsart und -weise eben in gewissen Kontexten an und wo gehen sie ganz gut in Resonanz. Und ich beobachte einfach gerade so ein bisschen, was ist, wenn Frauen in männerdominierten Teams kommunizieren, was ist, wenn Introvertierte in Teams kommunizieren, die sehr extrovertiert unterwegs sind. Welche, wo Leute vielleicht sehr klare Ansagen machen und in Teams, wo vielleicht dieses ganze Menschliche unglaublich wichtig ist. Also da bin ich einfach gerade auf dieser Diversity Schiene unterwegs und beobachte, wie, inwiefern wird Vielfalt zugelassen. Und was ist ihre Erfahrung, wie kann eine Führungskraft denn selber mit den Mitarbeitern auf kommunikativer Ebene mit solchen Unterschiedlichkeiten umgehen?
Sabrina Gall: Also habe ich das richtig verstanden? Ihnen geht es darum, wie kann ich als Führungskraft auf die unterschiedlichen Eigenschaften oder Charakterstärken meiner Mitarbeiter eingehen, oder?
Steffi Schwarzack: Genau, auf dieser Ebene erst mal und dann gucken wir auch noch, was ist mit der Führungskraft, wenn sie selber eben vielleicht auch diese Unterschiedlichkeiten hat.
Sabrina Gall: Ja, okay. Also grundsätzlich ist es so, dass ich natürlich, da sind wir auch wieder bei der Eingangsfrage, mir Gedanken machen muss, wen habe ich gegenüber, ist das ein Mitarbeiter, der introvertiert oder eher extrovertiert ist. Und so muss ich auch entsprechend mit ihm umgehen in der Zusammenarbeit. Also sprich, wenn ich von einem introvertierten Mitarbeiter Belange oder ihn darum bitte, dass er das nächste Teammeeting moderiert, dann werde ich ihn wahrscheinlich anders und vielleicht auch intensiver unterstützen müssen, was die Art und Weise sein könnte, wie er dann dieses Meeting stimmlich und auch inhaltlich gestaltet. Bei einem extrovertierten Mitarbeiter brauche ich das wahrscheinlich nicht mehr, weil der sich von Haus aus sehr viel leichter tut, auch vor einer größeren Gruppe zu stehen. Aber da kommt es wirklich letztendlich darauf an, dass ich immer die Mitarbeiter mit den Aufgaben betraue, die sie aufgrund ihrer Stärken auch am besten und am einfachsten ausführen können.
Steffi Schwarzack: Okay, und wie ist das dann selber, eben als Führungskraft, wenn man merkt, also ich habe zum Beispiel auch mit einer Kundin zu tun, die ist Frau in einer sehr männerdominierten und eher Unternehmenskultur unterwegs und merkt aber eben einerseits, so, ja, dieses irgendwie so voll auf Mann machen ist nicht so der richtige Weg, aber sie ist tatsächlich auf der Suche und in dieser Suche auch zu mir gekommen. Sie ist gleichzeitig auch, also würde sie sich mehr als Introvertierte bezeichnen als als Extrovertierte. Also da haben wir schon zwei Kulturen, mit denen sie sich da ein bisschen schwer tut, sage ich mal. Ja, wie sind so Ihre Erfahrungen, wie man mit sowas da umgehen könnte?
Sabrina Gall: Also dieses Phänomen beobachten wir auch und je höher sie in der Führungshierarchie kommen, desto größer sind da die Unterschiede aus unserer Erfahrung und aus unserer Meinung oder meiner Meinung danach, dass viele Frauen auch ganz anders sprechen, also das heißt also, andere Wörter benutzen als Männer. Männer nutzen eher so kraftvolle Wörter, also wie zum Beispiel durchsetzungsstark oder entscheidungsfreudig, logisch, das ist so das unabhängig, die haben ein hohes Selbstbewusstsein. Und Frauen, die haben eher so den Fokus, das Gemeinschaftliche in den Mittelpunkt zu stellen und die benutzen auch ganz andere Wörter. Die reden von Loyalität, von Bescheidenheit, von rücksichtsvollem Agieren, von emphatisch sein. Also da finde ich sehr viele Unterschiede und ich glaube, wenn man als Frau, je höher man in der Führungshierarchie ist, gut andocken will, dann sollte man sich eher auch ein männliches Begriffsrepertoire aneignen. Das heißt nicht, dass ich zum Mann werde, aber ich sollte mir bewusst sein, in welcher Runde spreche ich, wen will ich erreichen und dann eben eher die Worte meiner Zielgruppe nutzen.
Steffi Schwarzack: Also eher so im Sinne von, ich lerne jetzt die Fremdsprache.
Sabrina Gall: Ja, ja. (lachen) Also ich glaube, eine Fremdsprache ist es vielleicht nicht, weil die Worte kennen wir ja auch. Aber ich glaube, es ist eher so, diese Worte mehr in den Fokus zu setzen.
Evi Penzenstadler: (unv. #00:17:45-4# ) wie ich auch zu Anfang schon sagte, wie wichtig es ist, sich einzustellen auf das Gegenüber. Und wenn ich auch so eine Männerwelt mir gegenüber habe, die so in bestimmten Begrifflichkeiten sich bewegt, dann, wenn ich was erreichen will, ist es schon wichtig, mich da auch ein Stück anzupassen, mich nicht zu verbiegen, das ist, glaube ich, ganz wichtig, aber so hinzugucken und zu sagen, was in dem Kommunikationsrepertoire muss ich aufnehmen, um dieser Zielgruppe irgendwie gerecht zu werden.
Steffi Schwarzack: Ja, das trifft es auch, trifft es sehr schön, was es beschreibt. Ich beobachte das jetzt eben nicht nur auf dieser verbalen Ebene, sondern auch auf dieser körpersprachlichen Ebene. Auch da lohnt es sich unglaublich, das Repertoire des Gegenübers auch mal anwenden zu können.
Evi Penzenstadler: Ja, sich auch mal fest hinzustellen, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, so wie es für Männer eher üblich ist. Solche Dinge, das sind oft einfache Dinge, aber die muss man sich bewusst machen, so. Und das glaube ich, da lohnt es sich mal, einen Blick hinzuwerfen.
Sabrina Gall: Und bis hin zur Kleidung sage ich, auch da würde ich mich gut überlegen, in welcher Rolle trete ich wo auch. Und gerade in so Männerrunden würde ich jetzt persönlich jemand sein, der wahrscheinlich eher einen Hosenanzug tragen würde, einen weiblichen, also keinen jetzt Nadelstreifenanzug, bevor ich da in irgendeinem Businesskostüm erscheine, was das natürlich einfach auch nochmal eine ganz andere Wirkung ausstrahlt. Ist so meine Erfahrung.
Steffi Schwarzack: Ja, und weil man auch in so einem Businesskostüm sich anders hinsetzen muss.
Sabrina Gall: Ja, ganz genau.
Evi Penzenstadler: Wobei ich auch aus eigener Erfahrung Menschen oder Frauen kenne, die das auch bewusst machen. Also ich sage mal, ich kenne eine Kollegin, die auch auf höherer Führungsebene, die arbeitet so nach dem Motto, ich arme, kleine Frau oder hilflose, kleine Frau, das ist irgendwie schon von außen zu beobachten, weil die funktioniert. Also ich sage mal, die Männer helfen, unterstützen, lassen ihr Dinge zukommen und, also es führt auch zum Erfolg. Aber die Frage ist halt, will man als Frau mit dieser Rolle, so arme hilflose Frau irgendwie erfolgreich sein. Also das habe ich selber schon live erlebt und das ist irgendwie schön zu sehen, dass es klappt, also die Männer dann auch funktionieren, wenn ich mal so pauschal bleiben darf oder Stereotypen bleiben darf.
Steffi Schwarzack: Ja, also natürlich sprechen wir hier nie für alle, das haben Sie ja wunderschön ein paar Mal betont, nämlich, dass man immer guckt, wie ist das Gegenüber. Das heißt, jeder Mensch, egal, welcher Rolle er jetzt angehört, kann auch anders reagieren, aber es gibt so ein paar Tendenzen. Ja, spannend, das heißt, ich kann als Frau sozusagen auch damit kokettieren und spielen, wenn es mir denn liegt?
Evi Penzenstadler: Ja, klar, warum nicht. Also ich finde, es ist wichtig, wenn man auch als Frau in der Führungsebene ist, egal, auf welcher Ebene, das Thema Frau nicht komplett wegzupacken, weil Frauen haben, also wir Frauen haben Eigenschaften, die, da sind wir den Männern einfach voraus im Normalfall, also nicht immer alle, aber / Und das auch zu nutzen, aber zu gucken, was kann ich mir von den Männern abgucken, was für mich auch nützlich ist in der Erfüllung meiner Aufgabe. Das sind so die beiden Dinge.
Steffi Schwarzack: Wenn ich jetzt eben merke, ich habe jetzt noch nicht alle Qualitäten ausgearbeitet als Führungskraft, die ich besitze. Gibt es, was ist Ihre Erfahrung, wie lange brauche ich, bis ich mich verändert habe, wenn ich irgendetwas anders machen möchte? Sie haben ja dieses 100 Tage als Führungskräfte Programm. Wie lange braucht es?
Sabrina Gall: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es gibt da keine Patentlösung. Also wenn ich mich verändern will, dann hängt das natürlich davon ab, wie bereit bin ich in dem Moment wirklich für diese Veränderung. Und dann hat es ganz viel auch damit zu tun, Dinge auszuprobieren und nachhaltig immer wieder umzusetzen. Also ich glaube, es gibt da jetzt nicht die Geschwindigkeit, in der man das schaffen muss. Erfahrungswerte, gerade, wenn ich neu in die Führungsaufgabe komme, sind aber schon, dass ich sage, so das erste halbe Jahr wird wahrscheinlich eine Zeit ein, in der ich sehr viel und wahrscheinlich auch sehr viel an meinem Arbeitsplatz sein werde, weil das halt einfach damit zu tun hat, dass ich (unv. #00:22:10-4# ) erst mal in die Rolle einfinden muss und zum anderen aber ja auch von Anfang an schon viele Themen bewältigen muss. Ich glaube, auch dann sollte so nach einer gewissen Zeit auch wieder in ein Normalmaß der Belastung zurückgehen, aber aus meiner Sicht gibt es kein Patentrezept. Was sagst du?
Evi Penzenstadler: Ja, also es ist für mich immer sehr abhängig davon, entscheide ich selber, dass ich mich verändern will oder entscheidet ein anderer, dass ich mich verändern soll. Weil wenn ein anderer entscheidet, dass ich mich verändern soll, dann ist das ja immer so ein bisschen, da muss man ja erst mal so seine Haltung dazu finden. Wenn ich aber selber sage, hey, das ist irgendwie ein spannendes Thema und an dem will ich arbeiten, dann geht das wahrscheinlich schneller. Es gibt aber auch wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Veränderungen immer dauern, weil da wird irgendwie so, ist so dieses Thema, dass man so zu neuen Verhaltensweisen übt man jeweils zwei Monate lang ein, bis dass man sie dann einigermaßen verinnerlicht hat. Das ist so eine Guideline zum Thema, wie schnell geht Veränderung. Es gibt aber auch, für mich ist das immer auch sehr abhängig davon, wie groß ist die Veränderung, wie groß habe ich mir den Schritt gesetzt. Und da auch einen Blick darauf zu werfen und zu sagen, vielleicht ist ein kleinerer Schritt, wo ich dann merke, es verändert sich eine Kleinigkeit, ich bin erfolgreich damit, einfacher, als wenn ich mir gleich so ein großes Thema vornehme. Das ist für mich sehr viel individuell, hinzugucken mit demjenigen, der sich verändern will, das ist etwas, was wir im Coaching genau angucken. Auch so, was ist die Veränderungsmotivation und was sind richtige Ziele und richtige Teilschritte auch für Veränderung.
Steffi Schwarzack: Ich finde das ja spannend, die Frage, die Sie da am Anfang jetzt gestellt hatten, wer entscheidet, dass ich mich verändern soll. Ist es denn möglich, wenn mein Vorgesetzter entscheidet, ich sollte ein bisschen offener kommunizieren können, ist es möglich, dass ich das lerne. Was denken Sie?
Evi Penzenstadler: Ja, natürlich.
Sabrina Gall: Die Frage ist ja immer, welchen Sinn verknüpfe ich damit. Und das ist ja grundsätzlich ein Thema. Wenn ich jemanden dazu bewegen will, dass er sich verändern soll, dann ist es auch wichtig, einen Sinn aufzuzeigen, welchen Nutzen habe ich denn davon, wenn ich in Zukunft offener kommuniziere. Und wenn mit das gelingt, das diesem Mitarbeiter näher zu bringen und der Mitarbeiter auch für sich diesen Sinn oder Nutzen erkennt, dann glaube ich, ist das durchaus gut möglich.
Steffi Schwarzack: Verlassen wir so ein bisschen dieses Führungsthema mal. Was mich jetzt noch interessiert, da Sie auch selbstständig sind. Gab es denn, und wenn ja welche, eine bestimmte Situation, die wirklich für Sie auf einer kommunikativen Ebene sprecherische Herausforderung war für Sie jeweils in der Selbstständigkeit und wie haben Sie die gemeistert, welche Tipps haben Sie da für die Hörer?
Sabrina Gall: Also für mich war es eine ganz große Veränderung mit der Selbstständigkeit, dieses Kommunikative, mehr nach außen zu tragen, weil ich relativ schnell einen Kongress, eine Kongresseinladung hatte, um über die ersten 100 Tage in der Führungsaufgabe zu sprechen. Und dann habe ich so gedacht, okay, es ist jetzt überhaupt nicht das, was ich will und wie viele Leute sitzen da, da sitzen bestimmt 100 Leute und das ist jetzt ja so gar nicht mein Ding. Und dann habe ich Sie kennengelernt, liebe Frau Schwarzack, und habe gesagt, wir müssen unbedingt etwas tun, ich bin da einfach, sowohl, also ich bin da noch sehr unerfahren, wie spreche ich denn vor einer großen Gruppe, wie bringe ich überhaupt das Thema interessant rüber. Und da hat mir Ihre Begleitung sehr geholfen, weil das einfach für mich, weil ich da gelernt habe, gleich am Anfang meiner Selbstständigkeit, wie kann ich auch ein Thema interessant verpacken, sodass die Leute auch Lust haben, mir zuzuhören. Und auf der anderen Seite, wie kann ich so als Person mit den richtigen Worten, mit der Stimme, mit dem Einsatz der Körpersprache, da auch eine positive Wirkung erzeugen.
Steffi Schwarzack: Das heißt, was wäre denn Ihr Tipp jetzt für einen Hörer aus den Erfahrungen?
Sabrina Gall: Also wenn jemand, also mein Tipp wäre einfach, wenn sowas ansteht, wenn man da noch keine Erfahrung hat, sich zum einen eine Unterstützung zu holen, jemanden, der einem zeigt, wie kann ich das denn überhaupt bewältigen.
Steffi Schwarzack: Wie geht es Ihnen, das interessiert mich jetzt einfach mal, wie geht es Ihnen jetzt, so ein paar Jahre danach, mit dieser Situation, wo Sie /
Sabrina Gall: Also Lampenfieber ist immer noch da. Also das ist sicherlich noch da. Und es ist auch nicht nach wie vor meine Lieblingssituation, weil das einfach damit zu tun hat, weil ich vom Typ her jetzt auch nicht der bin, der sagt, ich muss jetzt auf jeder Bühne stehen, die es irgendwo gibt. Aber ich kann damit umgehen und ich habe auch eine gewisse Freude daran und wenn dann hinterher ein positives Feedback kommt, dann freue ich mich auch darüber.
Steffi Schwarzack: Ja, das ist unglaublich viel. Ich habe letztens von jemandem gehört, die eben einen Vortrag gehalten hat und die dann meinte, ich habe zwar irgendwie ganz viele schöne Sachen gesagt bekommen, aber ich habe keine Freude empfinden können, was auch eine Herausforderung ist, einfach das zuzulassen und seinen Erfolg zuzulassen. Ja, spannend, vielen Dank. Frau Penzenstadler, gibt, gab es bei Ihnen irgendeinen Moment, wo Sie gesagt haben, da habe ich viel gelernt, da kann ich hier einen Tipp mit geben?
Evi Penzenstadler: Na ja, viel gelernt habe ich in dem Thema, wie verkaufe ich mich selber. Weil das ist ja als Selbstständiger nochmal so ein anderes Stück, als wenn ich irgendwie eine Führungskraft bin in einem Unternehmen. Weil, also ich sage mal, bei mir war es so im Unternehmen, mich haben alle gekannt und ich musste irgendwie nicht mehr zeigen, was ich kann, weil es war bekannt. Und plötzlich in die Selbstständigkeit reinzugehen und auf Menschen zu treffen, die man jetzt erst mal davon überzeugen muss, was ich kann und auch so dieses Thema Klappern gehört zum Geschäft. Ich bin eher ein Mensch, der irgendwie nicht so viel rumredet, sondern eher macht. Aber das war was, ist eine Herausforderung, wo ich auch heute immer nochmal so mich an der Nase packe und sage, okay, jetzt musst du irgendwie so zeigen, was du kannst und es ist gut so, dass du das tun musst. So, also so würde ich es mal formulieren.
Steffi Schwarzack: Das heißt, der Tipp ist sozusagen, es immer wieder zu tun?
Evi Penzenstadler: Ja, und sich bewusst zu sein, dass es einfach auch dazugehört. Also ich, wenn ich selbstständig bin und wenn ich das Thema Akquise für mich einfach definiert habe und nicht an irgendjemanden anderen abgebe, dann gehört es halt zu meiner Aufgabe auch in meinem Portfolio irgendwie zu integrieren und zu sagen, ja, es ist Bestandteil meiner neuen Aufgabe der Selbstständigkeit, die Akquisition und zur Akquisition gehört halt dazu Klappern und irgendwie sich präsentieren und sich zeigen und zu sagen, ja, ich gehe nicht davon aus, dass alle schon später merken werden, was ich irgendwie alles kann.
Steffi Schwarzack: Und man kann das Klappern ja auch schön übersetzen im Sinne von, ich zeige eigentlich wirklich als Macher einen Ausschnitt von meiner Arbeit, so ein bisschen wie in dem Gespräch jetzt hier, was ich tue, ja?
Sabrina Gall: Ja, ja.
Steffi Schwarzack: Genau. Ja, spannend. Ich habe jetzt nochmal so zwei Fragen, die jetzt gar nicht so viel erst mal mit Kommunikation zu tun haben mit, von denen Sie auch noch nichts wissen, weil ich, (lachen) die habe ich mir abgeguckt aus einem Interview, wo ich selber vorige Woche interviewt worden bin, die fand ich nämlich sehr interessant und schön. Die erste Frage ist tatsächlich, haben Sie denn einen Buchtipp, wo Sie sagen, das ist total spannend, das hat mich sehr inspiriert, das möchte ich gerne den Hörern hier weitergeben. Das kann was mit Führung zu tun haben, mit Selbstständigkeit, mit Kommunikation, vielleicht was ganz anderes, was Privates.
Evi Penzenstadler: Also jetzt zum Thema Buchtipp. Ich bin selber ein Fan von Schulz von Thun, Kommunikationspsychologie. Gibt es irgendwie drei unterschiedliche Bücher von dem, es gibt aus dem (unv. #00:29:56-7# ) ein Buch, das heißt „Kommunikation für Führungskräfte“. Also ich sage mal, rund um Schulz von Thun, bei dem ich selber auch eine Ausbildung gemacht habe, ist für mich halt was, wo ich sage, das kann für jeden, der kommunizieren will und muss, einfach ein nützliches Buch sein.
Steffi Schwarzack: Ja, also ich finde die auch eine wunderbare Basis.
Evi Penzenstadler: Das ist halt so schön einfach gemacht und es funktioniert halt tatsächlich auch so einfach, wie er es erklärt. Es ist sehr verständlich und sehr einfach.
Steffi Schwarzack: Schön, ja, danke. Frau Gall?
Sabrina Gall: Ich habe vor kurzem ein Buch gelesen, was mir jetzt spontan in den Sinn kommt, das heißt „Musterbrecher“. Das ist ein Buch, wo es darum geht, bestimmte Dinge, gerade auch in Unternehmen, anders zu machen. Und ich bin gerade ein großer Fan davon, gerade auch was Führung betrifft, nicht immer wirklich auch das Abbild von jemandem zu sein, sondern so seine eigene Persönlichkeit miteinzubringen und das kann man manchmal mit ganz banalen Dingen, einfach Sachen anders machen, aber so, dass es zu einem passt. Und deshalb bin ich gerade ein großer Fan von dem Buch, also ist sehr lesenswert, hat auch nicht so viele Seiten, kann man sehr schnell und sehr gut lesen.
Steffi Schwarzack: Super, kenne ich nicht, das klingt total spannend und das trifft auch so ein bisschen das, was ich letztendlich spannend, weil ich ja auch glaube, so ähnlich wie Sie, dass so ein bisschen Ecke und Kante als Persönlichkeit jedem Unternehmen eigentlich gut tut.
Sabrina Gall: Genau.
Steffi Schwarzack: Wenn da nicht nur so glatte Ja-Sager unterwegs sind.
Sabrina Gall: Genau, ja.
Steffi Schwarzack: Dann, ja, die letzte Frage letztlich, die ich jetzt noch habe, ist, gibt es denn in Ihren Leben jeweils eine Philosophie, nach der Sie leben, die Ihnen wichtig ist und mit denen Sie, mit der Sie uns hier inspirieren möchten? Auch wieder an Sie beide.
Evi Penzenstadler: Sie stellen Fragen.
Steffi Schwarzack: Ich habe die vorige Woche auch bekommen, ich fand die interessant. (lachen)
Sabrina Gall: Also es gibt so einen Leitspruch, jetzt werden Sie wahrscheinlich sagen, schon wieder was mit Führung, aber das liegt einfach /
Steffi Schwarzack: Nein, das darf sein, es ist ja Ihr Leben.
Sabrina Gall: Das liegt einfach daran, dass das genau auch das Herzensthema ist, für was ich stehe und die Evi auch. Also es gibt so einen Spruch, den habe ich wirklich seit Jahren an meiner Seite und es ist so, drei Dinge braucht, wer Menschen führen will und zwar Klarheit, Mut und Menschlichkeit. Und ich finde, dass das nicht nur für die Führungskraft zutrifft, sondern für jeden im Leben, weil ich da einfach Assoziationen dazu habe zum Thema Menschlichkeit, einfach wirklich auch, ja, gerne mit Menschen zu arbeiten, das Thema Klarheit, wirklich auch die Dinge anzusprechen in einer guten Art. Und das Thema Mut hat, glaube ich, ganz viel damit zu tun, im Leben mutig zu sein, in der Arbeit mutig zu sein, aber auch als Führungskraft, den Mut zu haben, mal unbequeme Entscheidungen zu treffen.
Evi Penzenstadler: Da konnte ich ein bisschen nachdenken in der Zwischenzeit. Was für mich so ein prägender Satz ist, der, den ich auch nicht immer hören mag, aber der schon viel mit Leben und mit Veränderung zu tun hat, ist dieses Thema, so, nichts ändert sich, wenn ich mich nicht verändere. Wir sitzen ja häufig da und haben irgendwie das Bedürfnis, dass der andere sich ändert und das habe ich auch an der einen oder anderen Stelle. Dann Klarheit darüber zu kriegen, dass es, dass sich nichts verändern wird, wenn ich nicht mich verändere, dass ich gerne warten mag, bis dass der andere vielleicht etwas tut, aber das kann ich schlecht beeinflussen. Und deswegen ist das so ein Spruch, wo ich sage, den nutze ich auch immer wieder in der Arbeit mit Führungskräften oder mit Menschen, so dieses Gefühl zu haben, ich bin derjenige, der eine Veränderung auslöst. Und dann wird auch auf der anderen Seite eine Veränderung stehen.
Steffi Schwarzack: Okay, schön. Dann zum Abschluss, also ich bin sehr inspiriert, vielen Dank erst mal. Jetzt können Sie natürlich auch noch ein bisschen sagen, wo man Sie findet, wo der Hörer Kontakt mit Ihnen aufnehmen kann, wo vielleicht der eine oder andere Unternehmender, der ein Team hat, und da gerne ein bisschen besser geschulter mit, ja, Sie finden kann. Was, wo können wir darauf hinverweisen bei Ihnen?
Sabrina Gall: Also natürlich auf unsere Website www.muenchener-fuehrungswerkstatt.de, da finden Sie alles rundum unsere Angebote, da können Sie sich auch nochmal ein Bild davon machen, wer wir überhaupt sind und was uns eigentlich auch zu dem macht, was wir heute tun. Es gibt einen Newsletter, wo wir uns monatlich einmal mit aktuellen Führungsthemen beschäftigen. Und es gibt einmal im Monat ein Businessfrühstück oder ein Businesslunch, je nach Jahreszeit, im Sommer ist es mehr das Lunch im englischen Garten mal oder auch im alten botanischen Garten, wo man uns findet. Und im Winter dann eher das Businessfrühstück irgendwo an einem warmen, gemütlichen Platz. Und das geben wir immer in unseren Newsletter bekannt, wo man uns einfach ganz unverbindlich treffen kann zum Kaffee oder zum Essen und einfach sich ein bisschen austauschen kann.
Steffi Schwarzack: Ja, also hier in München, das ist ja in München, das muss man noch dazu sagen und ich war ja auch mit Ihnen schon im botanischen Garten in München, ist sehr schön, sich im Sommer hinzusetzen.
Evi Penzenstadler: Und natürlich finden Sie uns auch in Facebook.
Steffi Schwarzack: Gut, das verlinke ich auch, ja, die Facebook-Seite. Ja, super, dann ganz herzliches Dankeschön an Sie beide.
Sabrina Gall: Vielen Dank.
Evi Penzenstadler: Vielen Dank, dass wir dabei sein durften.
Steffi Schwarzack: Ja, ich freue mich auf unsere weiteren Projekte, die da kommen und sage vielen Dank für das Hier sein, für Ihre Offenheit, für Ihre Erzählungen aus eigenen Erfahrungen. Ja, und vielen Dank nochmal. (lachen)
Evi Penzenstadler: Gerne.
Sabrina Gall: Dankeschön. Bis demnächst.
Steffi Schwarzack: Bis demnächst, genau, tschüß.
Sabrina Gall: Tschüß.
Evi Penzenstadler: Tschüß.
]]>In diesem Interview spreche ich mit der vielfältigen Unternehmerin und Führungskraft Dr. Silvia Schäfer u.a. darüber.
u.v.a.m.
Hier gelangst du zu Silvias Website.
Hier gibt es ihren Gratis Online Kurs "Mehr Zeit für dich und deine Familie" (Angebot gilt nur bis zum 18.5. als gratis, danach ist der Kurs wegen DSGVO kostenpflichtig)
Hier gibt es ihr Gratis E-Book "Zeitmanagement"
Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen zu „zeig dich & sprich“. Heute wieder mit einem Interviewgast. Heute habe ich mir jemand eingeladen, die ich als eine richtige taffe Powerfrau erlebt habe, als jemand der straight ist, der weiß, was er will. Ich finde es sehr spannend sie genau ein bisschen dazu zu befragen, wie sie diese Art in ihrem Berufsleben einbringt und lebt. Ich habe mir die Silvia die Silvia Schäfer eingeladen. Wir kennen uns aus der gemeinsamen Mastermind und sie kam auf mich zu und hat mich gefragt: „Hey, wie wäre es denn, wenn ich mal in einen Podcast komme?“ Also auch da sehr entschieden und ich finde es ganz spannend und möchte eben mit ihr ein bisschen darüber reden, was macht, was kann eine Frau kommunikativ denn machen, um im Business gut und straight rüberzukommen. Das ist unser großes Thema, aber wir gehen bestimmt auch auf ganz viele andere Themen ein und schön, dass du da bist, Silvia.
Silvia Schäfer: Hallo Steffi. Vielen Dank für die Einladung.
Steffi Schwarzack: Wir haben ein paar technische Hürden hier gemeistert und ich hoffe, dass das jetzt auch damit bleibt. Erzähle mir doch mal, Silvia, was machst du denn beruflich?
Silvia Schäfer: Genau. Ich bin sozusagen Projektmanagerin von Beruf. Ich liebe es immer Sachen zu organisieren, zu koordinieren und natürlich auch von der Kommunikation her ist das Stakeholder-Management da super wichtig. Dass alle im Boot sind und alle wissen, was passiert. Da ist das sozusagen an der Tagesordnung, dass man auch kommuniziert. Zwar nicht nur per E-Mail, das ist zwar auch verbreitet, aber wirklich die Sprache ist da auch ein gutes Mittel, weil durch die Sprache kann man noch mal gewisse Akzente setzen, Betonungen so, dass der Gegenüber auch hört, was ist denn jetzt wirklich wichtig? Wo ist denn der Fokus darauf gesetzt?
Steffi Schwarzack: Neben deinem beruflichen Weg, vielleicht magst du auch noch ein bisschen erzählen. Du bist auch eine ganz Vielfältige.
Silvia Schäfer: Ja, genau. Das stimmt.
Steffi Schwarzack: Das finde ich ja auch so spannend. Was machst du noch alles? Also, was spielt in deinem Leben noch eine Rolle? Dass wir dich sozusagen nur als die Frau im Business kennenlernen, sondern als den ganzen Menschen.
Silvia Schäfer: Also meine Familie die spielt natürlich eine sehr große Rolle. Ich bin ein Landei. Ich komme oben, aus dem Vogelsberg, wer das kennt. Das ist eine wunderschöne Landschaft, kann ich jedem empfehlen. Und bin aber jetzt nach Frankfurt gezogen und eine Familie zu haben, wo man sich einfach zurückziehen kann, wo wirklich viel Spaß gelebt wird, wo auch viel kommuniziert wird. Also beim Essentisch schwatzen wir über Gott und die Welt. Tauschen uns aus und das ist eine ganz große Facette von mir. Deswegen ist mir Familie natürlich absolut wichtig, aber ich habe vor ein paar Jahren auch angefangen, jetzt im Kammerchor zu singen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, dass ich mir jetzt auch sozusagen Gesangsunterricht gegönnt habe. Ich bin immer noch total geflasht, was man mit Sprache alles erreichen kann. Welche Emotionen man rüberbringen kann. Natürlich nicht nur die Emotion interessieren mich da, sondern, weil ich eigentlich so ein kleiner Techni bin, natürlich auch die Technik. Mit welchen Techniken kann ich welche Stimme, welche Stimmung erzeugen und wie nimmt dass der Gegenüber wahr? Da bin ich immer so am Ausprobieren und freue mich immer, wenn ich Facetten entdecke, die ich vorher noch nicht kannte. Das ist für mich wirklich sehr spannend. Nebenbei mache ich viel Sport, fahre total viel Fahrrad, gehe auch schwimmen, weil ich einfach merke, wenn ich sehr viel mit dem Kopf unterwegs bin, dann war ich einfach mal ein Ausgleich. Dann schnappe ich mir die Kinder, dann fahren wir hin ins Schwimmbad und dann ist wieder alles gut.
Steffi Schwarzack: Okay. Ich weiß gar nicht, ob du das jetzt schon gesagt hast, du hast drei Kinder. Wenn ich höre, was du alles machst, dann denke ich so, boah. Wann macht die Frau das? Da können wir ja dann vielleicht noch mal ein bisschen draufkommen. Lasse uns doch erst mal ein bisschen auf unser Hauptthema, hier in das Hauptthema reinspringen, nämlich sprechen. Du bist in einer Umgebung beruflich tätig, wo du sehr viel mehr mit eben Männern zu tun hast als mit Frauen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Du hast auch in dem Bereich promoviert, wo auch viele Männer waren in Chemie, Lebensmittelchemie-Bereich.
Silvia Schäfer: Genau, in Lebensmittelchemie war das.
Steffi Schwarzack: Genau und was ist dir aufgefallen, auf der kommunikativen Ebene? Wie können wir Frauen uns durchsetzen.
Silvia Schäfer: Das ist mir sogar relativ gut in Erinnerung noch. Das ist mir aufgefallen, dass die Männer meistens sehr direkt kommunizieren. Die sagen einfach direkt, was sie wollen. Was natürlich auch nicht schlimm ist. Das ist natürlich auch wunderbar, der Andere, der Empfänger sozusagen weiß direkt, was er zu tun hat. Aber ich habe gemerkt, dass die meisten Frauen eher so das umschreiben und eher so das Gemeinsame im Vordergrund stellen. Also eher so, wir beide stehen vor der Aufgabe. Wie lösen wir das jetzt? Wer hat welchen Anteil an der Aufgabe? Während das zumindest bei den Männern oftmals so ist, okay ich entscheide jetzt mal, du machst das. Ich mach das oder du machst alles und ich mach nix. Je nachdem. So wird auch kommuniziert. Ich finde das auch gar nicht so dramatisch. Ich finde das sehr klar und deutlich. Man weiß da wirklich, wo man an ist.
Steffi Schwarzack: Bei den Männern, meinst du?
Silvia Schäfer: Bei den Männern mal. Wenn man die Frau besser kennt, weiß man es am Ende natürlich schon was sie damit meint. Nur allein von der Sprache. Ich glaube, wenn man sich nicht so gut kennt oder selten zusammengearbeitet hat, wird das schwierig. Also je besser das Team eingespielt ist, desto einfacher ist natürlich auch die Kommunikation. Aber ich kenne das auch sozusagen vom platten Land will, ich jetzt mal sagen. Wenn da Bauer und Bäuerin irgendwas zu tun hatten, die haben sich dann gesagt, das und das steht an. Dann machen wir das so. Da wurde nicht viel kommuniziert. Das wurde einfach auch gemacht. Hands on, Ärmel hochgekrempelt und das war eigentlich nur so eine Absprache, wer macht was? Ging meistens auch relativ schnell. Oder man hat auch wirklich seine Rollen gekannt. Dass der eine wusste, okay, der hat halt Stärkenden im einen Bereich und der andere, fährt halt mit dem Traktor aufs Feld und pflügt das um und der andere bleibt halt zu Hause und ist für dass Melken verantwortlich, oder wie auch immer.
Steffi Schwarzack: Das heißt, die Frauen auf dem Land sind auch eher direkt und wortkarg?
Silvia Schäfer: Ja, so ein bisschen schon. Also die wissen zumindest gut damit umzugehen und man kann sich ein bisschen vorstellen. Ich weiß nicht ob deine Zuhörer auch einige in der Gastronomie arbeiten, da ist auch ein relativ rauer Ton. Da wird gesagt Sauce drauf, Salat muss raus. Vorspeise ist in so und so vielen Minuten fällig und das wird auch gar nicht persönlich genommen von den Leuten. Da geht es wirklich hart auf hart und wenn eben, sage ich mal der Tag vorbei ist, die Schicht, je nachdem wie man Arbeit, dann geht das auch wieder eine ganz normalen Bahnen. Also ich sage jetzt mal so ein militärischer Unterton. Das ist einfach ganz normal und das nimmt man auch nicht persönlich. Das ist ein Unterschied einfach in der Kommunikation. Genau dieses Verhalten ist mir dann halt auch aufgefallen, als ich so eher, ich sage jetzt mal, Männerumfeld gearbeitet habe. Ich habe auch promoviert in einem technischen Institut. Da man zwar auch ein paar Mädels, aber gut wir haben uns alle super verstanden, aber denen ist natürlich auch aufgefallen, dass da einfach eine andere Art und Weise ist. Aber, wenn das jeder akzeptiert und auch weiß wie es gemeint ist, ist das überhaupt kein Problem. Ist eher vorteilhaft.
Steffi Schwarzack: Also erst mal fühle ich mich selber schön ertappt, mal wieder. Ich kann einfach erzählen. Heute früh habe ich einen, für die gemeinsame Gruppe, die ich mit meinem Kollegen zusammen habe, einen Blog-Post, keinen Blog-Post, einen Facebook-Post verfasst. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich fast schreiben wollte wir. Du hast es auch vorhin, gerade gesagt. Das man so ein bisschen dieses Umschreiben und gemeinsame betont als Frau. Nein, der hat doch letztens auch einen geschrieben und hat nur ich geschrieben. Werde ich jetzt auch mal mit ich schreiben. Aber ich merke, wie das offensichtlich aus mir heraus, das andere Muster natürlicher ist, um es mal so zu sagen. In dieses wir hineinzugehen und ich frage mich jetzt gerade, das würde ich gern mit dir diskutieren. Wenn wir als Frau diesem Natürlichen nachgeben, dass wir eben dieses gemeinsame Umschreibende, nicht unbedingt direkt und dann gibt es unterschiedliche Facetten. Wir reden jetzt ein bisschen pauschaler. Wenn wir dem nachgeben, haben wir die Chance in dem Business eine Karriere zu machen, zu bestehen, uns durchzusetzen?
Silvia Schäfer: Ja, das haben wir. Und zwar ist das im Business sehr stark, zumindest nach meiner Erfahrung, ich spreche auch nicht für alle, aber es kommt sehr stark immer noch auf die Hierarchien an. Also ich sage jetzt mal, ich glaube, die Deborah Tannen war das, die hat schon mit Kindergartenkinder Untersuchungen gemacht, dass die Mädels eher so Netzwerkerin sind, gemeinschaftlich und auch versuchen, die anderen nicht bloß zu stellen, sondern mit ins Boot zu holen. Die Jungs natürlich eher so eine ihrer Führerrolle übernehmen, die sagen, wo es langgeht und sagen, was ich schon erwähnt habe, was zu tun ist. Was auch gut ist. Ich finde das sehr spannend. Ich habe das nämlich bei meinen Mädels auch immer beobachtet und habe natürlich auch im Kindergarten mal mir den Spaß gemacht, wirklich darauf zu achten. Normalerweise ist da wenig Zeit, aber ich nehme mir dann einfach die Zeit. Um auf deine frage zurückzukommen, wenn jetzt sozusagen eine Person die eher im Netzwerk-Gedanken orientiert ist, also von den Mädels und Jungs eher so auf Hierarchien, ja, ich will nicht sagen abfahren, aber das ist wirklich scheint es auch biologisch irgendwie so ein bisschen verankert zu sein. Als die einfach okay, der hat den Hut auf. Der ist Chef und das sind die Mitarbeiter. Die orientieren sich auch meistens an diesen Hierarchien und wenn die Frau sozusagen in der Hierarchie von allen akzeptiert wird, sowohl von Männern als auch Frauen, dann kann sie natürlich auch auf die Art und Weise kommunizieren. Dann fühlen sich die Männer natürlich auch direkt angesprochen. Das ist halt eine Frage der Wertschätzung. Aber natürlich auch wirklich ein persönliches Ding, weil es gibt immer mehr sozusagen die Tendenz, dass man nicht diese Hierarchien mehr abbauen will, sondern eher so kooperativen Führungsstil hat. Aber da findet sich die Kommunikation auch. Das ist was zwischen zwei Menschen passiert und ich bin schon der Meinung, dass eine Frau die sich jetzt nicht militärisch an Kommunikationsstrategien orientiert, dass sie einfach sagt, was zu tun ist, sondern vielleicht auch so im Netzwerk-Gedanken kommuniziert, dass sie natürlich auch ihre Ziele erreichen kann. Vorausgesetzt der Empfänger, der das Ganze empfängt, hat dafür auch Antennen. Da muss ich sagen, bin ich sehr beeindruckt von den Kollegen und von den Männern, mit denen ich zusammenarbeite. Das funktioniert wirklich auch sehr gut. Die können auch auf dieser Wellenlänge empfangen.
Steffi Schwarzack: Das ist ein schönes Bild, auf dieser Wellenlänge empfangen. Das heißt, vielleicht kommt es genau darauf an, dass ich mich einerseits anpassen kann, an manchen Stellen und die sozusagen. Wir nehmen wieder das Bild des Übersetzens. In der anderen Sprache kommunizieren und gleichzeitig auch in meiner eigenen und bei dem Anderen kommt es trotzdem an. Das finde ich ein sehr schönes Bild dafür.
Silvia Schäfer: Ja.
Steffi Schwarzack: Dass man beides. Beide Sprachen sprechen kann. Das ist wahrscheinlich eine wunderbare Idee.
Silvia Schäfer: Genau. Also ich denke, ich bin auch ein bisschen jetzt mehr tiefer eingetaucht in diese ganze Sprechbildung, Rhetorik und so weiter. Ich denke einfach, wenn man weiß, wie man empfänger-orientiert kommuniziert, das. Ist natürlich das Ideale. Weil man dann so kommuniziert, dass es natürlich angepasst ist auf den Empfänger. Ich sage jetzt mal einfach, wenn ich in Langweile was sende und ich weiß, aber mein Empfänger kann nur UKW empfangen. Dann kann ich senden so viel ich will, der empfängt das einfach nicht. Wenn ich möchte, dass der das empfängt, muss ich natürlich UKW senden. Wenn man eben diese Ganze. Man kann es sich vorstellen wie auf einer Klaviatur, die Kommunikation. Wenn man immer nur in einer Oktave spielt oder immer nur laut oder immer nur leise oder schnell oder langsam, erreicht man bestimmte Personen. Wenn man es aber schafft, diesen Facettenreichtum, also die ganze Klaviatur auszunutzen und auch Varianten reinzubringen so, dass man halt den Empfänger bestmöglich erreicht, dann hat man natürlich in der Kommunikation viele Vorteile.
Steffi Schwarzack: Dann nehmen wir doch mal gleich so ein Beispiel raus und guckt mal ein bisschen auf die Körpersprache. Zwei Fragen vorher und dann reden über Körpersprache und gucken mal, wie man da dieses Facettenreichtum leben kann. Erzähle doch mal ganz kurz, du hast nämlich da irgendwelche Zusatzausbildungen. Du machst Sprechbildung. Wie kommst du denn als Lebensmittel-Chemikerin zu Sprechbildung?
Silvia Schäfer: Das fragen sich ganz viel. Aber das ist relativ einfach. Ich habe schon als Kind immer total gern gesungen und bin super musikalisch. Habe dann irgendwann gemerkt, ich singe eigentlich Tenor. Also ich habe im Schulchor Tenor gesungen, zwischendurch auch immer Elvis, Frank Sinatra und solche alten, sage ich mal, alte Lieder einfach oder Swing sozusagen. Bin dann zum Kammerchor gegangen, weil ich sagte, hey ich möchte gern mal mit euch mitsingen. Ich finde das schön, was ihr macht. Dann sagte mir der Chorleiter, du singst sehr tief mit Bauchstimme. Benutze doch mal die Kopfstimme. Da habe ich den angeguckt und habe gesagt, was ist das denn? Er hat mir das dann auch erklärt. Wir haben das da ein bisschen probiert und dann dachte ich, okay das ist so spannend, da muss ich mehr darüber wissen. Habe dann auch mittlerweile, wie gesagt, Gesangsunterricht genommen und mittlerweile ist meine Kopfstimme auch sehr gut ausgebildet. Ich kann jetzt mal bis zum hohen G auch problemlos singen. Ich hatte mich halt wirklich damit beschäftigt, auch mit Bauchatmung und Stimmbildung und so weiter und habe dann gedacht, wenn ich das wissen habe. Die VHS Frankfurt hat mich dann angefragt, ob ich da auch Kurse übernehmen kann. Dann habe ich gesagt, ja, das mache ich gerne. Weil ich bin auch schon drin im Thema und ich merke immer wieder in meinen Kursen, das sind dann zwei Tage am Wochenende, dass viele gar nicht zum Beispiel Bauchatmung haben und sich auch gar nicht über ihren Facettenreichtum bewusst sind. Man sagt ja, so eine tiefe Stimme, die ist sehr kompetent und weiß was sie will und man gibt so (unv.)
Steffi Schwarzack: Die ist gerade (unv.)
Silvia Schäfer: (unv.) Ja, genau. Das steht, aber vielen Frauen einfach nicht. Also ich glaube, einige haben sich die Stimme auch tiefer liegen lassen. Das sagt man so, um kompetenter zu wirken. Aber ich finde auch gerade, wenn man so die Höhen ausnutzt und da kann man genauso viel erreichen, wenn man einfach ein bisschen höher spricht. Da ist die Klangfarbe vielleicht ein bisschen fröhlicher. Rein inhaltlich kann man da genauso viel rüberbringen. Ich sehe auch immer an meinen Teilnehmern, was die in zwei Tagen für eine Entwicklung durchmachen. Wenn man sie einfach mal dafür sensibilisiert, was denn ihre eigene Stimme, also ihr sprecht Organ, ihr eigenes Instrument, für was das alles geeignet ist. Das freut mich immer, wenn ich dann in glückliche Gesichter blicke und ihr auch immer sagen, ja das muss ich alles mal ausprobieren. Einige melden mir auch zurück, es funktioniert halt wirklich.
Steffi Schwarzack: Super. Ja, interessant, dass du eben das auch noch mit integrierst, in dein Potpourri an Optionen, die du anbietet. Jetzt nehmen wir mal diesen doppelten Blick, denn du sozusagen hast, als jemand der eben in einem Unternehmen arbeitet und selbst betroffen ist und gleichzeitig jemand, der sich ganz viel mit Sprache und Sprechen und Sprechbildung beschäftigt hat. Wir haben ja schon mal über Körpersprache zusammen uns unterhalten und welche die Rolle spielt, eben in dem Business für Leute, wenn man sich durchsetzen will. Lasse uns doch ein bisschen darauf eingehen.
Silvia Schäfer: Ja, das können wir machen. Sozusagen als Naturwissenschaftler, der wissenschaftlich orientiert. Kann ich da zum Beispiel auch mal (unv.)-Studie zitieren. Die werden einige von den Hörern bestimmt kennen.
Steffi Schwarzack: Die werden wahrscheinlich einfach die Zahlen kennen, anstatt die Studien.
Silvia Schäfer: Genau. Ja, aber ich fand das sehr spannend. Also da geht es darum, wie wirkt man im Gespräch und wie bekommt man seine Botschaft halt rüber? Das Ergebnis von der Studie, das sind einfach die Zahlen. Du hast es angesprochen: 55 Prozent kommt auf die Körpersprache, sieben Prozent ist nur der Inhalt, also das wirklich, was man inhaltlich rüberbringt und der Rest ist natürlich noch die Stimme und die Sprechweise und die Intonation, ob schnell oder langsam hoch oder tief. Das sage ich jetzt mal, die Pausen sind auch da sehr wichtig. Wenn man verschiedene Botschaften rüberbringt, wo setzt sich denn Pausen? Es gibt zum Beispiel Gedanken-Pausen, dass man den Zuhörern auch mal eine Pause gönnt. Er muss das verdauen, was er gerade gehört hat und deswegen bin ich jetzt sozusagen auch auf die VHS proaktiv zugegangen und es gibt seit letztem Semester auch Körpersprache-Kurse, wo wir genau das Trainieren. Nämlich, dass die Körpersprache mit der Stimme und auch mit dem Gesagten übereinstimmen. Da machen wir verschiedene Übungen, auch die Haltung ist extrem wichtig, weil die Haltung ist in dem Sinne doppelt wichtig, weil zum einen hat sie eben eine Haltung gegenüber dem anderen. Also ist man im Hoch- oder Tief-Status zum Beispiel? Das kann man über eine Körperhaltung auch ausdrücken. Zum anderen hat die Haltung, aber auch einen Einfluss auf die Sprache, also wenn man die Schultern zurücknimmt und auch den Brustkorb öffnet, kann man auch viel leichter atmen und wenn man einen guten Stand hat ist auch Bauch Atmung; geht einfach leichter. Wenn man steht zum Beispiel. Wenn man sitzt kann man auch Bauchatmen, aber da ist allein schon von der Haltung der Bauch; hat der weniger Platz. Da ist es zwar nicht, nicht machbar, also es ist möglich, aber es kostet halt ein bisschen mehr Energie. Nicht umsonst stehen viele Redner einfach vor einer Gruppe, weil es ihnen an vieles erleichtert. Dieses Zusammenspiel finde ich persönlich sehr spannend, weil man dann eben auch, wie du schon gesagt hast, nicht nur auf der Wellenlänge Sprache kommuniziert, sondern auch praktisch visuell über die Haltung, natürlich über Mimik und Gestik. Das macht es einfach spannend und wenn ich das dann mit den Teilnehmern durchsprechen, dann sagen die: „Menschen ey, ich habe so viele Möglichkeiten, welche soll ich denn jetzt nehmen, von den vielen?“ Aber da sage ich immer, probiert es einfach aus. Geht gerne in den Smalltalk mit anderen Leuten. Guckt wie ihr wirkt. Überlegt euch eine Wirkung, die ihr erzielen wollt. Nehmt euch eine Methode von den Wissenschaftlern und Körpersprache-Gurus. Übernehmt das einfach und guckt, ob ihr so wirkt. Weil das Allerwichtigste bei Sprache und Körpersprache, man muss authentisch bleiben. Wenn ich mich jetzt verstelle, das merkt der andere meistens sofort.
Steffi Schwarzack: Okay, jetzt hast du mir da ganz viel gesagt. Jetzt würde ich gerne mal ein paar Sachen aufgreifen, und zwar nehmen wir das Letzte jetzt, das mit dem authentisch sein. Ich meine in dem Moment, wo ich was Neues ausprobiere, bin nicht authentisch?
Silvia Schäfer: Ja, also ich würde sagen, schon.
Steffi Schwarzack: (unv.) vertrat an.
Sivlia: Ich würde sagen, auf alle Fälle schon, weil das Ausprobieren ist auch sozusagen ein Charakterzug von selbst. Wenn man das nicht ausprobieren würde, würde man jetzt Neuem gar nicht offen gegenüberstehen und einfach diese verschiedenen Facetten mal zu zeigen. Das finde ich halt superspannend. Ich habe zum Beispiel bei einer meiner Schwägerin, die hatte einen runden Geburtstag, da habe ich einfach mal ein Ständchen gesungen. Ein paar Lieder habe mir ein iPad mitgenommen, was dort an die Anlage angeschlossen und es kamen viel auf mich zu: „Ach, Silvia, du kannst ja singen!“ Und da habe ich gesagt: „Ja kann ich.“ „Das wussten wir alle gar nicht.“ Ich habe es aber einfach gezeigt und da gehört auch ein bisschen Mut dazu. Zeigt einfach mal das, was ihr wollt. Überlegt auch mal was zu zeigen, was ihr vielleicht noch nie gezeigt habt. Man kann später entscheiden, war das für mich gut? Wie hat es sich für mich selbst angefühlt? Oder passt das nicht, habe ich irgendein Bauchgrummel? Also da auch wirklich auf den eigenen Bauch ein bisschen hören. Wenn jetzt einer gesagt kriegt, du musst, sage ich mal, bei der Präsentation die Hände immer in einem bestimmten Winkel halten und man merkt, man hält und man fühlt sich komisch, dann sage ich, lasse einfach weg. Mache so, wie du möchtest. Aber das auszuprobieren und Erfahrungen zu machen, das finde ich persönlich superwichtig.
Steffi Schwarzack: Okay. Sage mal, jetzt hast du diese Studie zitiert, die ich übrigens ganz persönlich sehr kritisch sehe. Wenn man dann mal ein bisschen guckt, wo di herkommt, aus welchem Jahr und so. Aber wenn wir das einfach jetzt mal auf den Kontext, eben Unternehmenskultur beziehen oder auch jemand der selbstständig agiert, was heißt denn das irgendwie konkreter im Tief- und Hoch-Status zu agieren? Welche Beispiele vielleicht aus deinem eigenen Arbeitskontext und wie kann man das nutzen?
Silvia Schäfer: Man kann das nutzen, indem man eben bewusst in den Hoch- oder Tief-Status geht. Wenn man zum Beispiel /
Steffi Schwarzack: Okay, wie geht ich / Das ist für viele nicht klar. Wie gehe jetzt, als Frau in dem Business mit meiner Business-Kleidung, vielleicht Absatzschuhen in den Hoch-Status?
Silvia Schäfer: Genau. Das ist jetzt ein bisschen schwierig, im Podcast das vorzuführen. Vielleicht fange ich mal, ganz grob, nochmal vorne an. Es hat nichts damit zu tun, ob man sitzt oder steht oder welche Blickrichtung man, sondern es hat was mit dem Mindset zu tun und auch welchen Raum man dem anderen gewährt. Es ist quasi ein Zweier-Spiel zwischen zwei Personen oder auch mehreren. Man muss natürlich den Hoch- oder Tief-Status auch an die Körpersprache des anderen anpassen. Also, wenn man jetzt zum Beispiel ein Mitarbeiter eine Aufgabe delegiert, also auch im Projektmanagement. Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass einer sozusagen Mitarbeiter und Chef ist, sondern man delegiert das einfach. Dann ist das natürlich sinnvoll mit dieser Botschaft in den Hoch-Status zu gehen. Zu sagen, okay das muss getan werden und das ist sozusagen die Aufgabe. Dann würde man nichts sagen, könntest du bitte mal das machen? Wir bräuchten das bis nächste Woche. Wenn ich einfach sage, das muss gemacht werden. Dann geht man einfach mit einem Mindset rein und auch mit der Körpersprache. Also man nimmt schon die Schultern zurück, natürlich jetzt nicht übertrieben. Aber das merkt man relativ gut, wie der andere auch drauf ist. Man sagt einfach, das und das ist zu tun. Man sieht auch wieder andere reagiert und das funktioniert sehr gut. Man kann, aber auch sich einfach das so vorstellen und kann sagen, okay, ich weiß, die Personen findet Hierarchien total blöd. Die fährt nicht auf Hierarchien ab. Dann kann man natürlich in den Tief-Status gehen und zu der Person hingehen und sagen, hier guck mal. Wir haben eine neue Herausforderung. Ist total wichtig, die Aufgabe. Ich habe mir gedacht, du könntest die übernehmen. Du bist super geeigneter dafür. Ich möchte dich gerne bitten, das zu übernehmen. Was hältst du davon? Wenn man halt weiß, die andere Person ist vielleicht so im Netzwerker-Gedanken und findet das gut, dass sie so behandelt wird, dann kommt man mit so einem Status natürlich viel weiter als, wenn man so von oben herab das delegiert. Das hat, aber wirklich immer noch so ein Charakter, wie ist die Beziehung zwischen den beiden? Aber, wenn man im Beruf steht, man weiß das ja, wenn man ein bisschen mit denen natürlich auch zu tun hat. Wenn man es gar nicht weiß und eine unbekannte Person das ist, das kommt auch vor. Da muss man einfach mal ausprobieren. Man merkt es schon, wie der andere dann auch reagiert. Was für eine für eine Rückmeldung gibt es? Wie er drauf ist und vielleicht noch eine Ergänzung dazu: Man hat auch oft Telefon-Konferenzen oder irgendwelche Sky-Meetings, wo man eben dieses Bio-Feedback nicht hat, von der Körpersprache. Das ist meistens extrem schwierig, da auch eine Kommunikation aufzubauen, weil man eben diese Rückwirkung nicht hat. Also das ganze Bio-Feedback fällt weg. Man muss sich dann sozusagen auf die zwischen, so „hm“ und „ja“ und diese Grunz-Laute beschränken, weil das machen viele im Telefonat, die nicken mal oder sagen, mhm und dann der andere, aha der hat es verstanden. So könnte man zumindest diese Hoch- und Tief-Status, also nicht übertrieben. Aber das kann man sehr einsetzen, um dann natürlich auch sich / Also mein Beispiel von vorhin steht immer noch, sich auf dem Empfänger auch einzustellen und ihm die Botschaft auch so rüberzubringen, dass er es auch gut aufnehmen kann.
Steffi Schwarzack: Jetzt hast du mir wieder so viel Stoff gegeben.
Silvia Schäfer: Entschuldigung.
Steffi Schwarzack: Welchen Faden nehme ich auf? Ich hänge immer noch am Anfang, und zwar, wenn wir jetzt noch einmal in die Situation. Weil du gesagt, wenn eben jemand ebenso Hierarchie-orientiert ist. Wenn jemand Hierarchie-orientiert ist, zum Beispiel, du gehst da rein. Du hast bestimmt auch einen Chef in deiner Firma.
Silvia Schäfer: Ja, genau.
Steffi Schwarzack: Du bist irgendwo zwischen den Stühlen, nach oben und nach unten zu und oben hast so einen Chef und du gehst da rein als Frau und der steht auf Hierarchie. Ist es denn dann ratsam, dass sich in Hoch-Status da reingehe, wenn der eh schon über mir ist? Oder gehe ich da nicht einen Machtkampf ein?
Silvia Schäfer: Ich sage mal, es kommt auch ein bisschen auf den Inhalt an. Also ich würde jetzt nicht sagen, immer da im Hoch-Status rein, auch wenn man was erreichen will. Ich glaube, großer Punkt ist einfach Vertrauen. Ein großer Punkt ist auch, dass man weiß wer hat welche Verantwortung. Also wenn ich jetzt von meinem Chef Projekte übernehme, die ich dann auch entsprechend leite und ich habe ein Gespräch, was ich mit ihm führe, dann sage ich vielleicht den Status-Update zu ihm. Dann kann ich schon im Hoch-Status sein, weil ich bin die Verantwortliche für das Projekt. Ich erzähle ihm darüber. Das empfindet er wahrscheinlich auch jetzt nicht als aufmüpfend oder wie auch immer, sozu sagen, dass ich jetzt seine Hierarchie boykottiere. Ich bin natürlich schon so, dass ich sage, okay ich weiß es ist mein Chef, aber es ist in dem Fall mein Projekt und da kann ich auch einfach sozusagen vom Hoch-Status agieren. Es ist ja nicht so, dass man den anderen, wenn man im Hoch-Status ist, schlecht macht. Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Man kann gleiche Botschaft so rüberbringen und die Hierarchie ist auch außen vor. Da gibt es ganz viele, die stehen in der Hierarchie unten laufen, aber den ganzen Tag mit Hoch-Status durch die Gegend und es gibt auch welche, die erreichen da sehr viel. Wenn zum Beispiel eine hierarchisch höhergestellte Personen das akzeptiert, mit dem Hoch-Status ist alles in Ordnung. Das hat, wie gesagt, nichts mit Hierarchie zu tun. Aber es hat was damit zu tun, wie ist die Beziehung, also das Vertrauen zwischen den beiden? Wie ist auch der Verantwortungsbereich? Also, wenn es jetzt zum Beispiel geht darum Urlaub zu entscheiden. Ich würde jetzt sagen, ich gehe da mit einem Hoch-Status rein und entscheide über die Urlaube, das wäre, denke ich mal, nicht so gut, weil das natürlich der Hoheitsbereich des Chefs. Den sollte man dann auch nicht tangieren. Beantwortet das so deine Frage?
Steffi Schwarzack: Ja, genau. In Anbetracht der Zeit, um das hier nicht ewig lang sind. Lass uns doch noch mal einen anderen Aspekt anschauen, und zwar du ist jemand, die eben nicht nur in einem Unternehmen unterwegs ist, sondern du hast auch noch eine Selbstständigkeit, über die wir uns vor allem kennen. Bei dir geht es um Zufriedenheit für Leute die Privatleben und Berufsleben unter einen Hut bekommen wollen. Frauen mehrheitlich. Vielleicht hast du ja noch mal so einen Zeitmanagement-Tipp für uns.
Silvia Schäfer: Ein Zeitmanagement-Tipp, die habe ich natürlich immer auf Lager.
Steffi Schwarzack: Hast du immer auf Lager.
Silvia Schäfer: Also, ich finde, gerade, wenn man / Also ich arbeite auch sehr viel im Home-Office. Gerade da kann man auch sozusagen Familie und Beruf sehr gut kombinieren. Wenn man genau weiß, wie man das auch trennen. Ich würde vielleicht gerne die Pomodoro-Technik mitgeben, weil mit der habe ich super gute Erfahrungen und zwar, also Pomodoro kommt sozusagen aus dem Italienischen und heißt Tomate. Man teilt sich Aufgaben in verschiedene Tomaten ein, also in verschiedene kleine Stücke. Sind so ungefähr eine halbe Stunde, 25 Minuten und das Wichtigste ist, dass man eben dazwischen mal eine kurze Pause macht, vielleicht so fünf Minuten einfach mal was anderes macht. Also, ich mache das total gerne. Ich arbeite dann wirklich 25 Minuten an einem Stück oder manchmal auch je nach dem, wie groß die Aufgabe ist, manchmal vierzig Minuten und macht dann zehn Minuten Pause. Das kann jeder für sich selber festlegen. Dann weiß ich, aber, wenn ich da jetzt arbeite, ich lass mich nicht ablenken. Ich bin fokussiert auf dieses Arbeitsthema, was ich dann auch wirklich radikal durchziehe. Es sei denn, es ruft jemand an unser Haus brennt. Das ist natürlich eine Ausnahme, aber ich ziehe das dann wirklich durch. Meistens stelle ich mir einen Wecker, weil ich dann so in den Flow bin, dass ich überhaupt nicht merke, dass die Zeit rum ist. Aber nach diesem Zeitabschnitt klingelt bei mir der Wecker und da weiß ich, jetzt ist eine kurze Pause angesagt. Und in der Pause mache ich da wirklich bewusst mal was anderes, also ich schaue aus dem Fenster oder ich hängen mal sozusagen im Keller für fünf Minuten Wäsche auf. Oder machen wir mal putzen Tee. Ist es wirklich eine kurze Unterbrechung. Diese Pause hilft, aber für die nächste Tomate, also für die nächste Pomodoro wieder fit zu sein. Dann hat man sich so ein bisschen / Also hat man Mini-Pause gemacht und dann macht man eben wieder eine Pomodoro und wieder eine Pause. Auf diese Weise schaffe ich es auch, dass ich von einem Arbeitstag nicht wirklich müde werde. Also ich klappe meistens meinen Laptop zu und sagt dann, jetzt mache mir noch was Neu. Jetzt gehen wir in das Schwimmbad oder einkaufen oder sonst was weil ich mir diese kleinen Pausen gönne. Okay. Der Zuhörer denkt jetzt vielleicht, wenn ich ständig Pause mache, werde ich gar nicht fertig. Aber kann ich euch nur animieren, versucht einfach das mal auszuprobieren. Man kommt gedanklich nicht wirklich ganz raus, wenn man nur so fünf Minuten, zehn Minuten Pause macht, aber man hat sich quasi schon den ganzen Tag ein bisschen erholt und man schlaucht sich dadurch auch. Das wäre zumindest so ein Zeitspar-Tipp, den ich persönlich sehr gut finde.
Steffi Schwarzack: Schön denn neige ist dir am Schluss gerne noch eine / Ich habe hier, in den letzten Interviews das immer schon aufgegriffen, dass ich eine von diesen 36 Fragen von der Studie eines Amerikaners aufgreife und für dich habe ich jetzt eine mitgebracht. Und zwar, gibt es etwas von dem schon lange träumst, es zu tun? Und wenn ja, was ist das? Und warum ist das noch nicht getan?
Silvia Schäfer: Das ist eine coole Frage. Vor allen Dingen ist dies schwierig, weil ich meistens, wenn ich mir etwas vornehme, das auch irgendwann mal sozusagen schaffe. Genau, aber ich habe trotzdem eine Antwort. Also nach dem Studium war ich mal ein halbes Jahr in Kanada für ein Auslandsaufenthalt und war super-geflasht, wie die Spanier mit ihren Pausen umgehen. Also die machen wirklich Siesta. Die fangen auch erst um zehn Uhr an zu arbeiten, natürlich sitzen sie auch bis um neun oder zehn zusammen am Arbeiten. Also von der Zeit her, gibt sich das Nichts, aber es ist einfach eine andere Kultur. Ich hatte mir damals schon gesagt, ich möchte gern mal einem anderen Land wirklich auch länger arbeiten, um auch mal eine andere Kultur kennenzulernen. Weil ich bin da relativ offen. Möchte meinen Kindern natürlich auch diesen Spirit mitgeben, dass sie nicht nur die deutsche Art und Weise, the one and only ist, sondern dass es viele verschiedene Arten gibt die auch alle ihre Vor- und Nachteile haben. Ich hatte immer mal vor mal, mal so ein zwei Jahre im Ausland, wirklich mit der gesamten Familie zu wohnen und zu leben und dann vielleicht woanders hin oder wieder zurück nach Deutschland. Also, ich finde es nicht so schlecht in Deutschland, aber ich möchte einfach mal so eine Erfahrung machen. Das habe ich noch nicht geschafft. Wir sind zwar sehr viel auf Reisen und ich muss sagen, ich schicke meine Kinder auch regelmäßig alleine ins Ausland. Sie fahren dann mit der Organisation / Also meine mittlere Tochter, die war jetzt mal vier Wochen auf den Philippinen, in den Ferien und die kam natürlich zurück mit ganz vielen Eindrücken und ich freue mich immer, dass sie so viel Erfahrung machen können. Das würde ich mir halt, sage ich mal mit der gesamten Familie wünschen. Auch mal einen anderen Arbeitskontext zu haben. Vielleicht nach Skandinavien. Da ist sozusagen, glaube ich, wird das Familienleben nochmal ganz anders / Hat es eine andere Gewichtung im Vergleich zum Arbeitsleben. Oder was natürlich mein Lieblingsland ist, nach Australien, weil da bin ich / Da wollte ich schon immer mal hin. Ich war mal kurz da, von daher ist der erste Impuls gesättigt, aber da kann ich noch länger Zeit verbringen. Da bin ich noch dran an dieser Aufgabe.
Steffi Schwarzack: Okay. Dann wünsche ich dir, dass du das umsetzt, mit oder ohne Kinder.
Silvia Schäfer: Ich schaue mal. Ich werde dich informieren, wenn es soweit ist.
Steffi Schwarzack: Ich kriege das mit. Genau.
Silvia Schäfer: Ja.
Steffi Schwarzack: Das Business, was du aufbaust, das würde auch gut funktionieren, wenn du unterwegs bist.
Silvia Schäfer: Genau, das ist schon sozusagen im digitalen Nomadentum aufgebaut. Das, wenn es mal soweit ist, dann nehme ich das einfach mit.
Steffi Schwarzack: Wo findet man mehr von dir, Silvia? Wenn ich kennenlernen möchte. Kontakt mit dir aufnehmen. Was auch immer.
Silvia Schäfer: Genau, das kann man gern machen über meine Webseite: Silvia Schäfer.de. Da habe ich zum einen meine ganzen Workshops drin. Da gibt es auch sozusagen einen Blog über Arbeitstechniken, wie man sozusagen Familienleben, Berufsleben; ich will nicht sagen miteinander vereint aber, dass man jedem Teil den entsprechenden Raum gibt, in seinem eigenen Leben. Also das man sich so organisiert, dass man auch zufrieden ist. Ich freue mich auch gerne über LinkedIn-Bekanntschaften, da bin ich auch sehr aktiv, weil ich sage ich mal, bin zwar kein Digital-Nativ, da bin ich echt zu alt, aber ich bin immer sehr digital-affin. Ich bin schon in der Schule mit kleinen Computer rumgelaufen. Das hat eine 24 Kilobyte-Karte gehabt. Die konnte man dann rausnehmen und in den Computer stecken, das ist heute echt der Hammer, was geht. Also gern auch vernetzten über LinkedIn, Xing oder Facebook. Aber ich denke, die Webseite ist der erste Ansprechort. Dort findet man alles über mich.
Steffi Schwarzack: Okay. Schön. Dann sage ich dir, herzlichen Dank, dass du hier deine Erfahrung mit uns geteilt hast und wir sehen uns bald.
Silvia Schäfer: Ja, dir auch lieben Dank für die herausfordernden Fragen. Ich hoffe, die Zuhörer können einiges mitnehmen. Falls was offen ist, gerne einfach noch mal nachfragen.
Steffi Schwarzack: Genau. Also ihr könnt gern mit uns in die Diskussion noch hier rüberkommen, über das Kommentarfeld, unter diesen Beitrag dann oder schreibt uns eine E-Mail oder es gibt auch Facebook-Post dazu und da werden wir bestimmt noch mal ein paar Sachen vielleicht erklären. Bisschen über den Hoch-Status oder Tief-Status und so nochmal im Detail. Okay. Dann vielen Dank Silvia. Mach es gut.
Silvia Schäfer: Danke.
]]>Viel Spaß beim Hören!
Hier geht es zur Website von Riccarda Larcher
Riccardas Meditation „Vorhang auf für deinen perfekten Auftritt“
Link zu Robin Sharma, kanadischer Speaker und Motivationsguru, über den Riccarda selbst im Interview spricht. Sie sagte mir im Nachhinein: "Ich mag ihn unter anderem deshalb so sehr, weil seine Themen Commitment & HighPerformance sind. Klar, der Grad zwischen lähmendem Perfektionismus und HighPerformance mag ein schmaler sein, aber tolle Leistung ist doch das beste Ziel."
Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen bei „zeig dich & sprich“, heute wieder mit einem Interviewgast. Ich freue mich sehr, dass sie da ist. Hallo Riccarda Larcher.
Riccarda Larcher: Hallo Steffi.
Steffi Schwarzack: Manche meiner Hörer mögen dich kennen, manche vielleicht nicht, deswegen ist natürlich die erste Frage an dich: Wer bist du und was machst du denn beruflich?
Riccarda Larcher: Mein ist Riccarda Larcher, ich lebe in Wien, wie man vielleicht hört. Ich führe Männer und Frauen und Unternehmer und Unternehmerinnen in ihre eigene Klarheit. In den Kontakt zu ihrer eigenen Stimme, nämlich ganz, ganz tief in ihre eigene Essenz. Und wenn sie dort angekommen sind, dann können sie auch Entscheidungen, Entscheidungen besser und leichter treffen, weil sie wissen, die Wahrheit kommt aus ihnen direkt raus. Das heißt, mir ist einfach sehr wichtig, dass keine Entscheidungen von außen kommen, sondern jeder aus sich selber seine Entscheidungen trifft. Und wenn das dann möglich ist, dann kann man auch Veränderungen wirklich erfolgreich umsetzen und seine Ziele leichter treffen, leichter erreichen.
Steffi Schwarzack: Das das klingt total spannend und du hast mir schon die richtigen Stichworte jetzt vor die Füße geworfen. Weil, ich hatte das auch nochmal auf deiner Webseite gerade gelesen, dachte, da musst du unbedingt was zu fragen, zu dieser eigenen inneren Stimme.
Riccarda Larcher: Ja.
Steffi Schwarzack: Weil, also das ist was, wo ich selber gemerkt habe, in diesem einen Jahr Podcasten, was jetzt hinter mir liegt, habe ich ganz viel durch das Außensprechen von meiner eigenen Stimme, begriffen, gehört und gelernt. Und mich interessierst aber, wie gehst du daran? Wie schafft man es denn, eben Kontakt zu dieser eigenen Stimme zu bekommen, damit man die später auch, um das geht es ja, nach außen tragen kann?
Riccarda Larcher: Ich glaube, das Allerallerwichtigste ist, sich keinen Druck zu machen. Und ich weiß, das ist wesentlich leichter, als gesagt. Wie heißt das? Wesentlich schwerer. Aber du siehst, für mich ist es schon leichter. Es ist an und für sich wesentlich schwerer, als alles gesagt. Ich glaube, die Nummer eins ist das Vertrauen, das Vertrauen in sich selbst zu haben. Wenn man es nicht hat, in sich selbst, ja, dann gibt es Menschen wie mich, die zum eigenen Vertrauen führen. Und weißt du, also mein Haupt-Tool sind innere Bilder, Visualisierungen, geführte Meditationen. Und wenn man dann diesen Punkt erreicht hat, wo man wirklich ganz tief in sich selber angekommen ist, wenn man diesen Punkt erreicht hat, dann macht es irgendwie so klick und dann weißt du, das ist meine eigene innere Stimme.
Steffi Schwarzack: Ja, ist spannend.
Riccarda Larcher: Es ist ein Gefühl, es ist ein Gefühl. Und, wenn du hast, dann weißt du, das ist es. (hustet stark)
Steffi Schwarzack: Du kannst ja mal was trinken und ich übernehmen mal ganz kurz.
Riccarda Larcher: Ja.
Steffi Schwarzack: Ich hatte das letztens auch in einem Interview. Manchmal passiert das einfach. Ich finde es interessant, weil du offensichtlich ganz von innen arbeitest, um genau dieses Vertrauen und dieses innere Erkennen von sich selber und diese innere Stimme, zu finden. Und lustiger weise habe ich das Gefühl, ich arbeite im Grunde genau an den gleichen Dingen, aber im Außen, also über das Außen, über dieses, ich spreche, ich zeige mich, ich gehe raus in die Welt und trage meine echte Stimme nach draußen. Passieren all diese Prozesse interessanterweise auch, ne?
Riccarda Larcher: Ich glaube, es ist das Gleiche. Es ist das, was außen ist, die Stimme im Außen, ist auch die Stimme im Inneren. Und in meiner Erfahrung her ist es so, ich kann jetzt schon ein paar Jahre zurückschauen, ist es so dass, je mehr da in dir ankommt und je klarer du selber in dir bist, desto klarer ist auch die Stimme im Außen. Weißt du, nicht umsonst verändern sich Stimmen im Laufe des Lebens. Am Anfang, wenn man vielleicht jung ist, ist man ein bisschen unsicher, dann sind oft auch die Stimmen unsicher. Aber je mehr und mehr man weiß, wer man ist, wofür man brennt, welche Leidenschaft man hat, desto klarer wird auch die Stimme. Ich muss sagen, ich habe es auch bei mir selber gesehen am Anfang, als ich begonnen habe mit meinen Meditationen, war das schon gut. Weil, es war irgendwie, es war mein Sohn. Ich höre auch oft, deine Stimme ist gemacht für Meditationen. Ich war von Anfang an, habe ich, sage ich einmal, meine Bestimmung gefunden. Aber über die Jahre hat sich die Stimme noch einmal verändert und sie ist noch stärker, bestimmter geworden. Deswegen ist meine Überzeugung, dass deine Arbeit, Steffi, ich bin überzeugt, deine, wie nennst du sie, Kunden, Klienten, die Menschen, mit denen du arbeitest?
Steffi Schwarzack: Beides, genau.
Riccarda Larcher: Die Menschen mit denen du arbeitest, die sind sicherlich erfolgreicher in ihrem Außen, wenn sie auch in sich selber ruhen. Und daher glaube ich, dass wir beide das Gleiche machen. In einem anderen Fokus, aber beides fängt innen an und geht dann nach außen.
Steffi Schwarzack: Wie kann man das denn jetzt machen? Ich kenne es von mir, es gibt Situationen, da habe ich einfach in einem gewissen Kontext noch nicht das totale Vertrauen in mich selber. Also einfach ein Beispiel: Es gibt Leute, die kommen zu mir und sagen: Ich habe schon ganz viele Vorträge gehalten, aber jetzt muss ich vor die Videokamera. Man vertraut sich in dieser Situation noch nicht, oder es kann auch umgekehrt sein, es ist total egal, welcher Kontext das ist. Jetzt sagst du, das ist so dieser erste Schritt, den man machen muss. Da bin ich so ein bisschen im Konflikt. Weil, was habe ich jetzt zuerst, fange ich damit an und das Vertrauen wächst dann durch die Erfahrung oder muss ich jetzt irgendwie dieses Vertrauen bekommen und wie mache ich das?
Riccarda Larcher: Wenn du wartest, bis das Vertrauen da ist, könnte es sein, dass du wartest und wartest und nochmal wartest. Also im Ernstfall, wenn die Menschen zu dir kommen und sich auf einen Videoauftritt vorbereiten, dann gibt es meistens auch einen Termin. Das heißt, sie können dann nicht in Ruhe warten, bis sie dann die Erleuchtung von oben haben, sondern es ist zielführend, gleich einmal zu üben. Und man sagt auch, Übung macht den Meister. Und gleichzeitig würde ich mit der Mentalarbeit beginnen. Weil, das bringt schnell und bessere Ergebnisse. Das heißt, wenn Menschen zu mir kommen und sagen, sie müssen sich auf einen Vortrag vorbereiten, dann führe ich sie in ihrer Essenz, in ihr tieftest Innere und wir vorerleben diesen Vortrag. Ich führe sie wirklich durch. Ich sage, wir nehmen Kontakt auf zu dem Raum, wir reinigen energetisch gesehen den Raum. Wir gehen in Kontakt mit den Vortragenden, mit den Zuhörern. Das heißt, je mehr man von seinen Zuhörern weiß, umso besser. Ist das jetzt ein allgemeiner Vortrag oder ist das ein Vortrag innerhalb der Firma oder weiß ich, es sitzen mir dann 100 Juristen gegenüber oder sind es 100 Sportler, das ist ein Unterschied. Das heißt, ich mache geführte Meditationen zur Vorbereitung für die Auftritte. Genau gleichzeitig braucht man auch das Üben vor der Kamera.
Steffi Schwarzack: Dann, es ist jetzt etwas, was du für die anderen anleitest. Was könnte denn der Hörer, was könnte ich selber tun?
Riccarda Larcher: Erstens einmal habe ich diese Meditation aufgenommen, ich habe ein MP3 von dieser Meditation. Ich stelle sie gerne zur Verfügung. Das ist das eine, was man tun kann.
Steffi Schwarzack: Ja.
Riccarda Larcher: Mein bester Tipp, den ich geben kann, ist atmen. Jetzt klingt es vielleicht komisch und du denkst dir, Jesses nein, ich atme sowieso den ganzen Tag schon. Aber bewusstes Atmen. Ich empfehle da gerne die holistische Atmung. Ich nenne das auch Herzensatmung. Und zwar, du atmest, vorher möchte ich vielleicht noch sagen, wir atmend, die meisten von uns, wir atmen viel zu flach. Wenn wir am Schreibtisch sitzen und atmen, dann atmen wir zirka so flach wie in 2.000 Meter Berghöhe.
Steffi Schwarzack: Das wusste ich noch nicht, das ist spannend.
Riccarda Larcher: Das heißt, Atmen ist sowieso immer ein guter Tipp, Und wenn wir jetzt diese Herzatmung machen, du stellst dir vor, du atmest ein durch das Herz, ganz tief einatmen durch das Herz und durch den Bauch wieder aus. Das heißt, Herz 1 und Bauch aus. Das machst du zirka zehn Mal. du wirst sehen, es ist so beruhigend, du kommst sehr, sehr schnell in deine eigene Stärke. Die Fortgeschrittenen unter uns, die atmend zum Beispiel, die denken sich beim Einatmen, Ruhe ein und Aufregung au. Und das zirka zehn Mal oder gerne auch öfters. Der große Vorteil von dieser Herzensatmung ist, du kannst es wirklich immer und überall machen. Egal, ob Du stehst an einer roten Ampel oder ob du sagst in der Firma: Es reicht mir jetzt, ich geh kurz auf das Klo und mache eine kleine Pause. Überall kannst du das machen, unauffällig oder auch, wenn man in der U-Bahn sitzt. Und je regelmäßiger man das macht, desto schneller kommt dein Energiesystem zur Ruhe. Das heißt, wenn du zum Beispiel in der Früh, bevor du deinen Computer einschaltest, erst einmal zehn Atemzüge machst, dann weiß dein Gehirn, okay, wir beruhigen uns jetzt. Und wenn du dann kurz vor einem Auftritt auch zehn Atemzügen machst, weiß dein Gehirn, ach ja, jetzt kommt die Ruhe. Also das ist wirklich mein größter Tipp und mein wichtigster Tipp, Atmen und das auch wirklich tun.
Steffi Schwarzack: Es sind immer die einfachsten Sachen, wo die größte Herausforderung ist, sie anzuwenden. Nicht sie zu wissen, sondern sie anzuwenden.
Riccarda Larcher: Genau-Weil, ich meine, Wissen finde ich ganz toll, aber ehrlicherweise, wenn du es nicht anwendest, dann bräuchte man es eigentlich nicht einmal wissen.
Steffi Schwarzack: Genau, könnte man dann loslassen, den Kopf frei machen. Dein Wissen übertitelst du ja mit dem Slogan, Wege zu Klarheit.
Riccarda Larcher: Ja.
Steffi Schwarzack: Ich habe letztens, als ich mir das nochmal angeschaut habe, habe ich gedacht, es gibt immer wieder Kunden, die zu mir kommen und sagen als ein Auftrag an mich: Ich möchte gern klar und fokussiert sprechen. Und da würde ich gerne noch ein bisschen mit dir drüber reden. Nämlich, wie schafft man denn diese Klarheit, in sein Sprechen zu bekommen? Du hast schon von der inneren Stimme geredet, aber auch, wenn es jetzt um, nehmen wir wirklich nochmal den Auftritt und die Vorbereitung auf die Inhalte, die ich da rüberbringen will. Wie schaffe ich es, immer klar zu sein in diesen Inhalten? Ich spreche möglicherweise, wenn ich jetzt als Angestellter in einer Firma bin, nicht immer hundert Prozent über mein innerstes Herzensthema.
Riccarda Larcher: Du meinst zum Beispiel über die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres oder so?
Steffi Schwarzack: Das könnte sein, dass jemand darüber spricht.
Riccarda Larcher: Ja, okay.
Steffi Schwarzack: Also über irgendwas, was ihn vielleicht von der inneren Weisheit, von dieser inneren Stimme her nicht ganz so berührt und trotzdem möchte er diese Klarheit haben.
Riccarda Larcher: Ja, eine lebendige Sprache, lebendige Sprache. Weißt du, in den Firmen wird einfach sehr viel steif gesprochen. Das spiegelt dann oft einmal auch die Firmenkultur wieder. Lebendige, aktive Sprache. Also statt, die Planung für das nächste Quartal sieht vor, dass, und die Zuhörer schlafen ein. Wenn du aber sagst: Für die nächsten drei Monate planen wir, dann ist da ist schon, aha, mhm, da tut sich etwas. Also aktive Sprache. Oder nicht, die Ergebnisse der Studie legen den Schluss nahe unter der Prämisse, das. Sondern, man könnte sagen: Die Forschungen zeigen uns einen großen, ich weiß nicht, einen großen Fortschritt und zwar.
Steffi Schwarzack: Okay. Was ich da jetzt raus höre, ist definitiv eine aktive Formulierung, wo ein klares menschliches Subjekt irgendwie da ist?
Riccarda Larcher: Genau, also Verben verwenden, Verben und keine Substantive.
Steffi Schwarzack: Genau und keine Nummeralisierungen von Geschichten.
Riccarda Larcher: Genau, eine aktive Sprache und auch eine / ja, Entschuldige?
Steffi Schwarzack: Nee, das weiß es. Ich halt nur nochmal übersetzen und zusammenfassen.
Riccarda Larcher: Ja. Eine bildhafte Sprache. Also wenn du zum Beispiel, in der Firma hältst einen Vortrag über die Umweltverschmutzung durch Plastikflaschen. Großes Thema im Moment. Man könnte natürlich sagen: In Deutschland werden pro Jahr 46 Millionen Plastikflaschen verbraucht. 46 Millionen ist viel, keine Frage, aber du könntest auch dieses Thema noch intensiver entwickeln, du könntest sagen: Jeder Deutsche verbraucht im Jahr 207 Plastikflaschen. Wenn man diese der Länge nach aneinanderreihen würde, haben wir 6,2 Kilometer Plastikflaschen. Und für ganz Deutschland pro Jahr bedeutet das, dass wir eine Strecke, von der Erde bis zur Sonne, mit Plastikflaschen legen könnten, und das nicht nur einmal, sondern viermal. Das klingt schon anders, nämlich, ist zwar auch viel, aber viermal von der Erde bis zur Sonne Plastikflaschen, da erkennt man, das Problem.
Steffi Schwarzack: Ja, definitiv. Also ich übersetze auch nochmal wieder in meine Sprachen. Das heißt, du setzt die Zahl in Relation, in Beziehung zu etwas, um sich sozusagen das vorstellen kann und brichst es auch nochmal runter auf den Lebenskontext von jedem Einzelnen, eben wie diese 207.
Riccarda Larcher: Genau. Weil, wenn ich das nächste Mal im Supermarkt stehe und nach einer Plastikflasche greife, dann sage ich: Verdammt, das ist eine von 207 Plastikflaschen, die ich im Durchschnitt verbrauche.
Steffi Schwarzack: Das heißt, man verbraucht alle 1,5 Tage eine?
Riccarda Larcher: Genau.
Steffi Schwarzack: Im Durchschnitt, ja, okay.
Riccarda Larcher: Das heißt, wirklich in das Leben der Zuhörer einsteigen und ihre Sprache sprechen.
Steffi Schwarzack: Das heißt, aber auch, solche Sachen zum Beispiel, die schüttele ich nicht aus dem Ärmel.
Riccarda Larcher: Ja, man muss sich vorbereiten.
Steffi Schwarzack: Das ist definitiv nichts für die, die sagen: Ich stelle mich jetzt mal kurz vor die Kamera und quatsche mal drauflos.
Riccarda Larcher: Nein.
Steffi Schwarzack: Sondern, das entspricht tatsächlich den Leuten, die wie wir beide, auch eher so vorbereitet auf die Sachen zu gehen.
Riccarda Larcher: Ja. Schau, ich meine, es wird immer Leute geben, die sich einfach hinstellen und drauflos quatschen. Die haben ein Selbstvertrauen und auch eine mentale Stärke, Gottgegeben als Geschenk und das ist hübsch, und die werden ihre Vorträge immer anders aufbauen als jene, die sich intensiver vorbereiten. Und eine mentale Stärke, wenn man nicht, wie gesagt, intensiv damit geboren wurde, ist nichts, was über Nacht entsteht, sondern es ist ein Prozess. Es ist ein permanentes Üben und es ist ein permanentes Dranbleiben. Und wenn du überlegst, dass die größte Angst der Menschheit, da gibt es eine Untersuchung darüber, die größte Angst der Menschheit ist, vor anderen Menschen zu sprechen.
Steffi Schwarzack: Ich weiß, ja.
Riccarda Larcher: Ja, genau. Dann, glaube ich, dass die meisten Menschen sich auf ihre Rede vorbereiten.
Steffi Schwarzack: Ja, ich glaube das auch. Und gerade diejenigen, die uns jetzt hier zuhören, also meine Podcast-Hörer, meine Kunden, die zählen natürlich definitiv zu denen, die sagen: Es ist eben nicht naturgegeben, sondern ich möchte etwas dafür tun und ich tue etwas dafür.
Riccarda Larcher: Genau. Und dann kann ich mich auch vorbereiten, dann kann ich mir Zahlenspielereien sozusagen einfangen lassen, da kann ich sagen: Okay, ich habe eine Zahl, mit der möchte ich, will ich arbeiten. Und wie mache ich das plastisch und wie kann ich das bildhaft machen? Ja und egal, ob ich jetzt Strecken mache von der Erde bis zur Sonne oder fünfmal so hoch wie, ich weiß es nicht, der Berliner Funkturm, alles was mir hilft, eine Zahl lebendiger zu machen wird bei den Zuhörern besser haften bleiben.
Steffi Schwarzack: Okay. Riccarda, jetzt hast du schon wunderbar viele tolle Tipps gegeben, jetzt interessiert mich nochmal, jetzt wird es vielleicht einen Tick persönlicher. Gibt es denn oder gab es denn in deinem sprechenden Berufsleben, so nenne ich es, auch eine persönliche Herausforderung? Und wenn ja, wie bist du denn selber darüber hinweggekommen?
Riccarda Larcher: Herausforderung?
Steffi Schwarzack: Also irgendwas, wo du selber sagst: Das war nicht einfach für mich. Also es geht mir darum, so eine Erfahrung zu teilen.
Riccarda Larcher: Ich habe ursprünglich Marketing und Werbung studiert und ich habe zirka zehn Jahre in Werbeagenturen gearbeitet. Und in Werbeagenturen ist es sehr wichtig, dass du gut sprechen kannst, viele, viele Worte. Sie müssen jetzt nicht immer sinnbehaftet sein, aber es muss gut klingen. Und das kann ich nicht so gut. Ich habe immer jene bewundert, die sich hingestellt haben und gesprochen haben, eine Stunde. Es gibt solche Leute. Die auch immer sehr gute, super Argumente hatten und es war alles immer sehr, teilweise auch, je mehr es in das Marketing ging, desto abgehobener wurde das auch. Und ich habe gedacht, verdammt, ich kann das nicht. Ich kann so nicht sprechen. Dann habe ich mich bemüht, hat aber nicht funktioniert, weil es einfach keinen Herzenswunsch war, sondern mein Kopf hat mir gesagt: Okay, pass auf, Werbeagentur und die sprechen alles und du musst auch so sprechen.
Steffi Schwarzack: Da war der Druck da?
Riccarda Larcher: Ja, der Druck war da und ich dachte, es muss einfach so sein. Dann, nach zehn Jahren Werbeagentur, muss ich sagen, hat sich auch mein inneres Verständnis geändert. Ich habe wirklich so eine Sehnsucht entwickelt nach etwas seelisch nahrhafteren. Ich habe mir gedacht, ach verdammt nochmal, lass die Leute doch den Kaffee trinken, den sie wollen und lass sie doch bitte, ich weiß es nicht, die Süßigkeiten kaufen, die sie wollen. Und ich habe mich von dieser Werbung zurückgezogen, also es war einfach nicht mehr meins. Und habe in der Werbung zurückgelassen, auch diese Vorstellung, dass ich so sprechen können muss. Ich habe auch zurückgelassen, die Idee, dass ich mich hinstelle, eine Stunde und aus dem Stehgreif spreche. Ich habe losgelassen. Ich habe es einfach akzeptiert, wie es ist. Ich bin auch heute noch keine, die ewig dahin plappert, also ich spreche eher weniger und ich stehe dazu. Ich sage: Ich bin ich. Ich spreche weniger, Wenn man jemand haben möchte, ich weiß es nicht, in einer Talkshow oder so, der die Zuhörer mit vielen Anekdoten unterhält und das auf lange Zeit, dann bin das nicht ich. Also ich habe es eigentlich überwunden sozusagen durch Selbstbewusstsein und einfach durch das Akzeptieren dieser eigenen Persönlichkeit, die jeder ist. Und das ist eigentlich meine große Mission, die mein Tun auch bestimmt, das ich sage: Okay, wer bist du? Und wenn man sich selber anerkennt, dann kann man auch weiterarbeiten.
Steffi Schwarzack: Das heißt, die Botschaft in deiner Geschichte, wenn ich die nochmal zusammenfasse, da ist tatsächlich so, lass die Glaubenssätze los, wenn es sein muss.
Riccarda Larcher: Genau.
Steffi Schwarzack: Ja.
Riccarda Larcher: Und sonst, muss ich sagen, bin ich dann schon eine, die auch Hurra, einmal in Herausforderungen rein hüpft. Ich glaube, es war vor zwei Jahren, hat mich hat mich jemand angerufen von der WKO. Das ist bei uns die Wirtschaftskammer Österreich, und hat gefragt, ob ich einen Vortrag halten möchte vor 400 Personen? Ich habe gesagt: Ja, gerne. Ich hatte keine Spreche- Ausbildung, gar nichts. Aber, selbstverständlich zu all diesen Herausforderungen sage ich: Ja.
Steffi Schwarzack: Das ist toll, dass du das so kannst. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren auch für ein riesen Event angefragt worden war, wo ich zwar äußerlich ja gesagt. Also da haben mehrere ihre Bewerbungen abgegeben, und wo ich äußerlich zwar ja gesagt habe. Ich habe das dann nicht bekommen und habe aber begriffen, innerlich habe ich noch nicht ja gesagt. Ich finde das toll, wenn man das sofort kann und außen und innen ja sagen kann. Ich habe da ein bisschen gebraucht, um dahin zu wachsen.
Riccarda Larcher: Weißt du, das ist dann meine Einstellung. Ich meine nicht, dass du sie nicht hast, aber ich sage immer, wenn /
Steffi Schwarzack: Wir reden hier von der Vergangenheit.
Riccarda Larcher: Wenn mir das Leben eine Chance bietet, dann sage ich: Ja. Und ich gehe jetzt schlicht und einfach einmal wirklich mit einem Gottvertrauen davon aus, dass, wenn ich es nicht könnte, ich dieses Angebot nicht bekommen hätte.
Steffi Schwarzack: Da schließt sich wunderbar unser Kreis zu dem Vertrauen, von dem wir schon am Anfang geredet haben.
Riccarda Larcher: Ja.
Steffi Schwarzack: Ich glaube, das ist auch wieder eine Vorstellungs- und eine Haltungsfrage, einfach zu sagen: Anstatt irgend so ein Glaubenssatz zu haben, ich muss das und das haben, kann ich auch einfach den Satz in mir drin habe, ich vertraue jetzt. Ich vertraue mir, ich vertraue dem Rest.
Riccarda Larcher: Ich vertraue, ja. Und, was ich wirklich für sehr wichtig halte ist, den Kontakt zu deinen Zuhörern zu haben. Ich bin damals gestanden vor diesen 400 Leuten, das war mein erster Vortrag vor so vielen Leuten. Ich bin jetzt auch keine geborene Rednerin, aber dann habe ich mir gedacht, okay, die kommen alle zu diesem Vortrag, also nicht nur wegen des Büfetts, sondern hoffentlich auch zum Vortrag. Sie wollen etwas von mir wissen. Das Thema, über das ich spreche, interessiert sie. Ich bin da und ich bin fachlich top. Und ich weiß, es gibt professionelle Redner, die sind sicherlich um vieles besser, klar, weil, das ist ja deren Beruf, aber um das geht es nicht. Es geht darum, dass ich mit meiner fachlichen Expertise vor diesen 400 Leuten spreche und ihnen diese Informationen gebe, die ihnen helfen. Ich mache es so gut, wie ich es kann und es wird gut genug sein. Ich habe mir gedacht, wenn ich mir anschaue, diese einzelnen Menschen, jeder hat vielleicht irgendwo einen Punkt, wo er ein bisschen unsicher ist und jeder hat irgendwo etwas, was er vielleicht für andere nicht zeigen möchte. Es sind schlussendlich alles Menschen, also was soll es. Das war damals eben vor diesen 400 Leuten mein Zugang. Ich meine, es war für mich wirklich eine schöne Erfahrung, es hat mir gut gefallen. Und es war am Ende des Vortrages, wenn sozusagen abgeliefert ist und wenn die Leistung gegeben ist und wenn diese ganze Spannung loslässt und die Leute applaudieren, sie schauen, das ist so ein heiliger Moment. Und es ist so, diese ganze Energie kommt so von den Zuhörern auf die Bühne. Und das ist so ein tolles Gefühl, wirklich so ein tolles Gefühl, das sich jedem, der die Möglichkeit hat empfehle, das zu tun. Schon allein für dieses tolle Gefühl zahlt es sich aus.
Steffi Schwarzack: Wunderbar. Damit möchte ich im Grunde inhaltlich so jetzt mal unseren Bogen hier abschließen. Und habe aber, ich bringe immer gerne noch so ein paar Fragen mit, die jetzt vielleicht nicht wirklich mit dem Hauptthema zu tun haben, aus so einer Studie von einem Amerikaner, der eben den Leuten in Experimenten 36 Fragen hat stellen lassen. Und ich habe mir heute eine ausgepackt für dich. Und zwar, wenn du unter allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest du denn gerne mal zum Essen einladen?
Riccarda Larcher: Diese Frage kenne ich schon. Könnten wir auch ein Restaurant mieten?
Steffi Schwarzack: Ja, natürlich darfst du das.
Riccarda Larcher: Also dann darf ich mehrere einladen?
Steffi Schwarzack: Du darfst aus der Frage machen, was du willst.
Riccarda Larcher: Wenn würde ich denn einladen? Ich würde mal meinen Mann einladen, weil, der arbeitet so viel, dass wir einander gar nicht so oft sehen. Ja, also einmal. Dann, ich bin ein großer Fan zum Beispiel von Robin Sharma. Das ist ein kanadischer Motivations-Guru. Nein, Guru ist doof, Motivationssprecher. Den schätze ich zum Beispiel sehr. Ich glaube, ich würde viele einladen.
Steffi Schwarzack: Okay.
Riccarda Larcher: Tut mir leid, das ist so meine Eigenart. Manchmal mache ich aus den Fragen etwas, was vielleicht nicht vorgesehen ist. Also mit Robin Sharma, mit dem würde ich gerne, ja, genau.
Steffi Schwarzack: Das einzige, was mit dieser Frage vorgesehen ist, dir einen Gesprächsimpuls zu geben und den Rest darfst du draus machen.
Riccarda Larcher: Ich würde ein Ganzes, ja, weißt du, was ich machen würde? Ich würde, glaube ich, ein Speed-Dating entwickeln. Ich würde mir viele Leute einladen und dann würde ich mit jedem gerne zehn Minuten sprechen wollen. Und dann würde ich gerne alle an einem runden Tisch haben und dann sprechen, alle kreuz und quer durcheinander.
Steffi Schwarzack: Das klingt gut.
Riccarda Larcher: Oder Elon Musk zum Beispiel, Elon Musk finde ich gut. Ich bin ein großer Fan von Elektroautos und ich kann es schon kaum mehr erwarten, dass es dann endlich einmal Elektroautos, sage ich mal, für den Normalverbraucher gibt.
Steffi Schwarzack: Hier in München werden definitiv schon viele Ladestationen aufgebaut.
Riccarda Larcher: Wirklich? Ah, toll, super
Steffi Schwarzack: Immer mehr. Wo ich so denke, das ist noch kein Parkplatz offiziell davor, aber die Station ist schon da. Da parken jetzt noch normale Benziner- und Diesel-Autos davor, aber das wird sich dann sicherlich bald ändern.
Riccarda Larcher: Ja, toll.
Steffi Schwarzack: Die Großstädte, die legen schon los.
Riccarda Larcher: Gut so.
Steffi Schwarzack: Riccarda, wo finden denn die Hörer jetzt noch mehr von dir? Wo finden Sie auch diese MP3 und wo kann man mehr von dir erfahren?
Riccarda Larcher: Mehr kann man erfahren auf meiner Webseite, die heißt, Wege zur Klarheit.com.
Steffi Schwarzack: Die ich natürlich verlinke.
Riccarda Larcher: Genau, die verlinkst du. Dieses MP3, diese Meditation, da schicke ich dir einen Link und verlinkst das unter den Shownotes. Wie wäre das?
Steffi Schwarzack: Ja, das ist perfekt.
Riccarda Larcher: Das, glaube ich, ist gut. Sonst, wenn man Fragen hat, kann man mir natürlich immer eine E-Mail schicken. Larcher@WegezurKlarheit.com.
Steffi Schwarzack: Gut.
Riccarda Larcher: Genau.
Steffi Schwarzack: Okay, super. Dann möchte ich mich ganz herzlich bedanken für dieses, wie ich finde, sehr gehaltvolles Interview. Also ich finde, du bist ganz geschickt diesen Weg zwischen einerseits Vorbereitung gegangen und andererseits doch total frei und viel auch sprechen. Von wegen hier, ich kann nicht viel am Stück reden, ich glaube, das hast du lange schon losgelassen. Es war sehr interessant und ich glaube, aus meiner Sicht können die Hörer hier eine ganze Menge mit rausnehmen. Jeder das, was für ihn gut ist.
Riccarda Larcher: Ja, fein, dann freue ich mich.
Steffi Schwarzack: Herzlichen Dank.
Riccarda Larcher: Ich danke dir für die Einladung, Steffi.
Steffi Schwarzack: Ja. Dann mach es gut, tschüss.
Riccarda Larcher: Danke, ciao, Bye Bye.
]]>Eine kleine Empfehlung, die mächtig Druck machen kann. Soviel, dass Leute denken: "oh, ich habe doch gar nichts zu sagen."
Das ist natürlich Bullshit! Auch du hast was zu sagen. Wie du an die Quelle deiner Geschichten kommst und dich vom Druck des Storytelling befreist, darum geht es hier!
... was Storytelling mit einem trojanischen Pferd zu tun hat
... was das Gefährliche am Konzept "Storytelling" ist
... wie du den Druck, einzigartige Geschichten zu (er)finden, loslässt
... wie du deinen Geschichtenfundus erweiterst
... warum "besonders sein wollen" Gift ist und dir im Weg steht
Meine zwei aktuellen Lieblingsbücher zum Thema Storytelling, falls du doch tiefer ins Thema einsteigen willst:
2. Margot Leitman: Long Story Short.
Komm in unsre Facebook Gruppe und sei bei der Rejection Crusher Week dabei! Hier geht es zu den Public Speaking People.
Buchtipp zum Thema Geschichten fürs Storytelling: Detlev Blenk: Inhalte auf den Punkt gebracht
Hier geht's zum Terminkalender für meine Kennenlerngespräche, wenn du mit mir zusammenarbeiten magst!
Hallo und willkommen. Schön, dass du da bist nochmal. Als ich das Jahr begann mit den Raunächten, da habe ich sehr viel geschrieben, da war
ich extrem inspiriert.
Ich hatte Lust. Ich hatte Energie. Und ich hatte Ideen.
Unter anderem für diesen Podcast und generell für mein Business.
Irgendwie kam dann alles anders.
Meine Familie wurde ganz schön durchgerüttelt mit extrem vielen Krankheitsgeschichten. Keine wirklich schlimm, also keine Sorge, aber einfach nur viel. Es hat mich extrem gebremst, wenn ständig einer von vier Leuten und dann noch die ganze Familie drumherum, die jetzt nicht extrem nah ist, aber trotzdem auch mit Krankheit gebeutelt ist, dann macht das was mit mir zumindest.
Gleichzeitig war der Umzug meines Podcast, was du vielleicht mitbekommen hast, der Feed hatte sich geändert und es war eine kleine Katastrophe.
Es ging nämlich gar nichts mehr.
Auch das hat mich total abgebremst.
Dann war noch Winter und so ein Winter ist nicht meine Jahreszeit.
Wenn du mich mit einem Tier vergleichen möchtest, nimm einen Zugvogel. Ich würde wegfliegen.
Zumindest wäre ich einen Winterschlaf haltendes Tier, aber wahrscheinlich eher der Zugvogel, der weggeht und gar nicht hier ist.
Ich bin hier, weil ich ein Schulkind habe, aber meine Lust und meine Laune sind nicht unbedingt hier anwesend im Winter.
Das kann ich einmal für einen Tag oder für eine Woche machen, nicht für drei Monate.
Alles in allem, ich war wirklich gebremst und irgendwann habe ich dem nachgegeben, habe gesagt, okay, so ist es gerade und habe den Podcast erst mal Podcast sein lassen und mich nach innen begeben, besonnen meine innere Stimme wahrgenommen und auf mich gehört, was gerade los ist.
Ja, deswegen gibt es in der nächsten Woche die wunderbar passende Folge über innere Stimme, die zu einer äußeren Stimme führt. Aus einem Interview, was ich schon vor einer längeren Zeit aufgenommen habe.
Diesmal habe ich mir aber dann etwas anderes ausgesucht. Aber bevor ich darüber erzähle, das einfach zur Erklärung, warum war es hier ruhig.
Ich möchte mich dafür bedanken, dass du jetzt reinhörst, dass du ausgehalten hast, gewartet hast, vielleicht dich gefragt hast, wo ich bin, wo der Podcast ist. Danke dafür.
Ich weiß, so ein Podcast wird gerne mit einer Beziehung verglichen. Ich habe sozusagen gerade nichts für die Beziehung gemacht. Nun hoffe ich, dass bei guten Beziehungen tatsächlich, dass die so stabil sind, dass auch mal von einer Seite mal nicht so viel Energie kommen kann.
Okay, ich bin hier in einer besonderen Rolle, aber trotzdem, das ist einfach ein bisschen das, was ich generell über Beziehungen immer hoffe, dass es ein Geben und Nehmen ist und dass es manchmal auch Zeiten gibt, wo man mehr nimmt, weniger gibt und umgekehrt. Jetzt bin ich da. Ich bin zumindest für die nächsten vier Wochen unglaublich klar und ich bin motiviert.
Das heißt du wirst in den nächsten vier Wochen tatsächlich jede Woche mal eine Folge bekommen. Ich habe das Gefühl, ich muss einiges nachholen, es gibt einiges zu senden, zu sagen, in die Welt raus zu schicken.
Zwei Interviews, die fertig sind, diese Einzelfolge, eine andere Folge noch und dann schaue ich mal, ob ich zu meinem 14-tägigen Rhythmus zurückkehre oder ob es tatsächlich wöchentlich bleibt. Keine Ahnung. Das erzähle ich dir dann in vier Wochen. Jetzt schaue ich einfach erst mal, wie es ist wieder in den Flow rein zu kommen, was ich gerne mit dem Frühling hier möchte.
Jetzt habe ich überlegt, worüber spreche ich in dieser Folge? Schieße ich gleich ein Interview raus oder rede ich erst mal?
Ich habe mir gedacht, ich möchte erst mal ganz allein und persönlich mit dir reden, zu dir reden.
Das Thema, was am naheliegendsten war, war tatsächlich das, dass ich nämlich in diesen zwei Monaten, wo ich gar nichts raus gesandt habe, irgendwann an den Punkt kam, wo ich sogar das Gefühl hatte, "oh Gott, ich habe gerade gar nichts zu sagen."
Das ist der Aufhänger für das, was heute hier kommt.
Es ist nämlich kein Satz, den ich nur von mir kenne, sondern einen Satz, den ich auch von Kunden zu hören bekomme, wenn wir sehr tief arbeiten und wenn die sehr ehrlich in dem Moment sind.
Die reden natürlich nicht davon, dass sie gar nichts zu sagen haben, das stimmt so nicht, sondern die reden über einen inneren Zweifel, eine innere Stimme, die ausgesprochen wird.
Vielleicht kennst du auch diese innere Stimme, die sagt: "ach, ganz ehrlich? Ich habe das Gefühl, ich habe nichts zu sagen."
Wenn es dir so geht, ist es deine Folge. Genau genommen möchte ich mit dir über Storytelling reden.
Storytelling habe ich angekündigt als einen Fluch.
Aber es ist natürlich beides, es ist ein absoluter Segen und es ist auch ein Fluch.
Was meine ich mit Segen?
Nun Storytelling ist eine unglaublich effektive Variante und Methode, Menschen nahezukommen, mit deinem Sprechen, mit deinen Worten.
Ich habe mal den Vergleich gelesen - und den finde ich unglaublich passend - es sei wie ein trojanisches Pferd.
Du merkst, wenn ich solche Worte, Begriffe benutze, es kann aus dir selbst herauskommen und es kann etwas sein, was du unglaublich strategisch verwendest. Es kann beides sein.
Ein trojanisches Pferd für Ideen, für Zahlen, für Fakten, die du rüberbringen möchtest.
Was heißt das?
Nun, wenn du die Geschichte vom trojanischen Pferd kennst, diese Geschichte geht folgendermaßen:
Man erzählt, dass die Griechen und die Trojaner seit zehn Jahren im Krieg lagen und die Griechen, die bei Troja diesen Kampf führten, waren schon lange von zu Hause weg, waren müde und hatten nicht mehr so viel Kraft und Lust zu kämpfen.
Deswegen haben sie sich nochmal versammelt und überlegt, was können wir jetzt tun und hatten dann die Idee und die wird manchmal auf Odysseus zurückgeführt, zu sagen:
Wir bauen ein Pferd, was in den Farben und Flaggen von Troja ist. Wir kleiden uns auch so und stellen das vor das Tor. Das wurde auch gemacht und dann haben die Trojaner gedacht, das gehörte zu ihrer Artillerie, wir lassen das rein, dieses große hölzerne Pferd, wo Griechen drinnen versteckt waren. Haben das aufgemacht das Tor, haben das Pferd reingezogen und als dann das Pferd mit den Griechen drinnen war, sind sie rausgekommen aus dem Pferd und haben sozusagen von innen die Schlacht gewonnen.
Das ist das Bild dahinter.
Es muss nicht ganz so kriegerisch sein, aber die Idee ist tatsächlich so, dass du mit dem Vehikel der Geschichte eine Idee, einen Gedanken in das Ohr, in das Gehirn und auch in das Herz des Menschen hineinbekommst, der da hört und dass diese Idee viel mehr Anklang findet, als wenn du die Idee, die Daten, die Fakten einfach so nennen würdest.
Wenn du sie in eine Geschichte verpackst oder mit Geschichten zusammen erzählst, dann ist es halt leichter annehmbar tatsächlich für unser Gehirn auf einer ganz unbewussten Ebene.
Das heißt du kannst sozusagen mit Geschichten einen Samen legen, eine Idee pflanzen, die aufgeht im anderen. Das finde ich einen unglaublichen Segen und unglaublich schön als Idee.
Aber es ist in aller Munde und ich erlebe es gerade selbst ein bisschen als Fluch.
Als Fluch deswegen, weil es solche Aussagen gibt wie: "du musst unbedingt Storytelling machen"
Oder auch Leute, die zu mir kommen und sagen: "ich bin nicht so ein guter Storyteller, aber ich muss das jetzt machen."
Huh! Da kriege immer gleich eine Enge. Bei mir gehen dann richtig alle Zellen zu.
Ich merke dann: Puh, da entsteht ganz schön Druck.
Wo Druck ist, fließt keine Kreativität, da fließen keine neuen Gedanken, da fließen auch keine Geschichten im Kopf durch und da kommen dann solche Gedanken auf wie: "ich habe gar nichts zu sagen."
Meines Erachtens eine Form von Resignation.
Das meine ich mit dem Fluch, dem Fluch, wenn da so viel Druck drin ist.
Ich möchte dir ein bisschen den Druck rausnehmen aus dem Storytelling, auch vielleicht noch ein Stückchen mit dir gemeinsam hier aufdecken, wo sitzt denn der Druck genau? Wenn wir den dann wegnehmen, wie kannst du mehr Lust gewinnen das zu machen, wie kannst du in dir und wo in dir kannst du auch die Kraft finden für deine eigenen Geschichten, damit du ein bisschen damit rausgeht auf deine persönliche Art und Weise.
Gehen wir jetzt davon aus, du hast diesen Satz mal in deinem Kopf gehabt, ich habe nichts zu sagen beziehungsweise ich habe keine tollen Geschichten für ein Storytelling zu erzählen. Woran kann das liegen und was kannst du dagegen tun? Lass es uns anschauen.
Nun, das allererste, was tatsächlich passieren kann, dass du in so einer Situation bist wie ich, wo du eigentlich erschöpft bist und wo es einen Teil von dir gibt, der dich schützen will. Das lasse ich ein bisschen außen vor. Aber ich erwähne es dennoch der Vollständigkeit halber.
Das ist jetzt nichts wirklich, was mit Storytelling zu tun hat, sondern generell was mit deinem Leben.
Ich glaube immer mehr:
Es gibt eine Zeit des Hörens und es gibt eine Zeit des Redens.
Des Mitteilens, was im Wort Kommunikation ja drinnen steckt. Manchmal braucht es etwas mehr Zeit, um nach innen zu hören in sich selbst, um die Geschichten in dir wiederzufinden, die eigentlich alle schon da sind. Möglicherweise ist das dann gerade dran.
Ich finde, diesen Raum sollte man sich auch nehmen, ganz unabhängig von Jahreszeiten oder dem, was da gerade draußen passiert.
Je lauter es um einen drum rum ist, egal ob in Social Media oder real im Leben, desto mehr ist es vielleicht sogar gerade Zeit, sich die Zeit des nach Innenhörens zu nehmen.
Das einfach als ein Gedanke am Rande.
Wirklich interessant jetzt für dieses, ich habe keine besonderen Storys zu erzählen, ist tatsächlich die Haltung. Das ist der erste Punkt, den ich dir nennen will.
Ich erlebe bei manchen Menschen die Haltung: "naja ich habe einfach nicht so spannende Dinge erlebt."
Das sind oft sehr reflektierte Leute, die ohne es zu merken ein Understatement machen.
Letztens hat mich doch tatsächlich auch ein Kollege darauf hingewiesen, dass ich offensichtlich auch da mal wieder reingetappt bin, weil ich in einem Gespräch irgendwann erwähnte von einer Reise, die ich in Tansania hatte und was mir da passiert ist.
Der so: Was? Du was dort? Aha, das wusste ich gar nicht.
Ich so: Warum sollst du das auch wissen?
Der so: Naja, das musst du erzählen, das ist spannend.
So nach und nach im Gespräch erzählte ich dann. Er entdeckte so nach und nach, dass da noch mehr Geschichten und auch noch mehr Reisen dran hingen.
Er meinte: wow, du hast richtig viele Storys zu erzählen.
Ich so: Wie? Ich habe viele Storys zu erzählen? Ich habe einfach nur ein bisschen gelebt.
Da meinte er: Eben.
Genau das ist das Spannende, dass wir oft selber gar nicht die Dinge, die wir erlebt haben, als interessant bewerten, um weitererzählt zu werden in diesem beruflichen Kontext und dass wir einfach lernen müssen die Erlebnisse aus einem Kontext zu übersetzen für einen anderen Zusammenhang und Kontext, um dort diese Geschichte weiter zu erzählen und eine Botschaft darüber zu geben.
Das ist das erste, was ich dir sagen will: verändere deine Haltung von „ich habe nicht so spannende Dinge zu erzählen“ zu „ich habe da eine ganze Menge an interessanten Dingen erlebt“.
Egal, was dein Kontext ist, du musst kein digitaler Nomade sein, der jede Woche woanders ist, um interessante und spannende Dinge zu erzählen. Es können Dinge sein, die dir im Zug passieren, die du beim Wickeln mit einem Kind erlebt hast oder, oder, oder, was auch immer dein Kontext ist, mit dem du gerade viel zu tun hast.
Der zweite Punkt, den ich hier erwähnen möchte, ist tatsächlich, vielleicht hat er auch eher was mit dem ersten Punkt noch zu tun, aber ich habe ihn als zweiten Punkt aufgenommen, weil manche Leute mir auch sagen, ich habe nicht so schöne Sachen erlebt.
Aus Storytelling-Sicht kann man da nur sagen, wunderbar. Es gibt so einen englischsprachigen Spruch, der heißt
„A man without his story, is a man without a story."
Ein Mann ohne seine Geschichte ist ein Mann ohne eine Geschichte.
Das heißt du brauchst tatsächlich deine persönliche Geschichte, die du erlebt hast. Das Interessante ist tatsächlich nicht unbedingt die Erfahrung von Glück, sondern die Erfahrung von Leiden und wie du darüber hinweg gegangen bist.
Weil klassisches Storytelling baut auf einer Heldengeschichte auf.
Es gibt einen Helden, der erlebt ein Problem und er findet eine Lösung, um das mal ganz kurz zusammenzufassen und zu sagen, und dieses Problem gehabt haben und eine Lösung gefunden haben. Das ist das eigentlich Interessante.
Also erzähle nicht unbedingt von Problemen, die gerade noch aktuell sind, es sei denn, du kannst einfach mit sowas auch gut umgehen. Aber aus Storytelling-Sicht interessanter sind einfach die Sachen, die du erzählst, die die sozusagen schon gelöst sind in dir und die du deswegen weitergeben kannst. Weil du erzählst aus der Sicht deines Mentors, wie es so schön im Storytelling heißt, als derjenigen, der einen Rat weitergeben kann an den Helden, der da hört und der noch eine Lösung braucht.
Das als die zweite Idee, also nicht unbedingt die perfekten Glücksgeschichten, sondern die, wo du weiser und reifer hervorgegangen bist.
3. Einzigartigkeit loslassen:
Jetzt komme ich zu dem eigentlichen und wichtigsten Punkt für mich an dieser Stelle. Ich habe nämlich gemerkt, es gibt eine große Hürde und das ist der eigentliche Fluch des Storytellings. Der Kern.
Im Grunde haben wir oft das Gefühl und den Druck und die Aussage, dass wir nicht das gut können, weil da ein Satz ist, nämlich meine Story, meine Geschichte, die muss was Besonderes sein.
Ich muss was Besonderes sein, ich muss einzigartig sein. Das ist der Fluch.
Diese Einzigartigkeit in der Geschichte, die wir reinnehmen wollen, die kann so viel Druck machen. Dieses Besonders-Sein-Wollen, dieses Gefallen-Wollen und Hervorstechen-Wollen, was da drinsteckt, das ist eine richtig böse Falle.
Eine böse Falle, weil es steht nicht in deiner Macht, ob du für die anderen einzigartig bist.
Du wirst es nicht hundertprozentig erfahren können und wahrscheinlich wirst du für manche einzigartig sein und für andere nicht.
Was du dagegen tun kannst und was die Lösung für mich an der Stelle ist, ist tatsächlich: sei du selbst, erzähl von dir, erzähl deine Geschichten.
Dann hast du nämlich einen Nebeneffekt. Dann ist es einzigartig. Aber das ist nicht das Ziel, das Einzigartig-Sein, sondern das ist einfach der Nebeneffekt.
Dieser Fluch, den auch diese Suche nach dem USP, nach der Unique Selling Proposition mit sich bringt oder auch ganze Programme, die sagen, finde deine Einzigartigkeit, um hervorzustechen aus vielen anderen Mitbewerbern, das ist ein unglaublicher Druckaufbau.
Den Weg, den du nehmen kannst, ist, im Grunde dich abzuwenden von dieser Idee und dem Druck. Wende dich dir zu und sage dir; das ist meine Geschichte, was habe ich erlebt, was habe ich zu erzählen?
Dann teilst du das auf deine Art und Weise, mit deinem Storytelling-Konzept, was dahinter ist. Weil selbst diese ganzen Regeln, die es dafür gibt, kannst du auch verändern. Das heißt du musst nichts Tolleres erfinden, du musst nicht irgendwas repräsentieren und irgendwas Großes machen.
Ich weiß, es gibt diese Art von Leute, die Storytelling auf diese Art und Weise erzählen und die das fast schauspielerisch ausschmücken. Das braucht es aber gar nicht, um Leute zu berühren. Einfach indem du deine Werte lebst, indem du das aussprichst, was dir wichtig ist, was du erlebt hast, was du daraus gelernt hast, da wird es spannend. Das kannst du heute schon nutzen ohne irgendeinen Workshop gemacht zu haben, ohne eine tolle Riesentechnik dahinter zu haben.
Erzähl einfach, was dich bewegt hat, was du erlebt hast und was du daraus gelernt hast. Und schon hast du deine ganz einzigartige Storytelling-Geschichte ohne, dass die Einzigartigkeit dir Druck macht, einfach weil du auf dich gehört hast.
Das finde ich total wichtig.
Dann gibt es immer nochmal den Punkt, wo man denkt, jetzt habe ich irgendwie gar nichts Neues zu erzählen.
Erstens du darfst deine Geschichte so oft erzählen wie du willst, weil es wird deine persönliche Story werden. Irgendwann ist, vielleicht nach ein paar Jahren, mal eine andere Story dran, weil du dich weiterentwickelt hast. Aber das, was wir im Grunde wollen, ist eine super Signature-Story, also eine persönliche auf dich zugeschnittene Geschichte, die du immer wieder und wieder erzählst.
Wenn du dir ein paar große Redner anguckst, die wiederholen ihre Geschichten auch.
Du brauchst nicht 20 Geschichten, eine genügt zum Beispiel.
Wenn du nebenbei noch ein paar andere Geschichten erzählen willst, die jetzt nicht deine große Hauptgeschichte ausmachen, dann empfehle ich folgendes.
Das ist der zweite Punkt, den ich dir noch nennen wollte. So mache ich es nämlich. Ich habe einen Geschichtenfundus. Das ist bei mir tatsächlich ein echter Ordner, Storytelling steht da drauf.
Da gibt es drei Abteilungen.
In der ersten Abteilung sammle ich seit vielen Jahren schon, weil mich das immer begeistert hat und damit habe ich angefangen, kleine kurze Geschichten, Fabeln, Gleichnisse, Märchen, Dinge, die man mal schnell als Beispiel für etwas erzählen kann, um eine Moral vielleicht in einem Training, in einem Workshop dann zusammenzufassen. Mit solchen Dingen habe ich begonnen mich diesem Thema zu nähern.
Die waren erstmal so schön sicher, weil die konnte ich theoretisch auswendig lernen. Ist einfach erstmal was, was mir den Halt gegeben hat mich an dieses Thema heran zu nähern.
Ich liebe die, es gibt ganz tolle Bücher, die einfach eine ganze Sammlung von Geschichten haben. Ich werde mal schauen, welche ich da zusammentrage und werde dir ein paar verlinken. Das ist eine super Sache, um einfach ein paar Bilder, Gleichnisse für Vorträge mit rein zu nehmen, die jetzt nicht unbedingt einen persönlich ganz stark betreffen.
Das nächste ist, dass ich auch die Geschichten, die ich von anderen höre, sammle und mir Notizen dazu mache. Weil ich denke, ich muss nicht meine eigenen erzählen, ich kann auch erzählen: "ein Kollege erzählt mir eines Tages ..." und dann erzähle ich seine Geschichte oder ihre Geschichte, je nachdem.
Der Effekt ist der gleiche auf den Hörer. Es ist in eine Geschichte verpackt, eine Information, eine Botschaft, die ich rüber bringe. Auch das berührt.
Dann gibt es noch die eigenen, die du sammeln kannst. Das ist die dritte Abteilung in dem Ordner.
Da kannst du welche sammeln, die du nebenbei einfach mal erzählst, kleine Erlebnisse. Du kannst natürlich deine groß ausgearbeitete Signature-Story da mitreinpacken, die du dann jedes Mal für einen Vortrag nutzen magst zum Beispiel. Für die eigenen Geschichten braucht es meines Erachtens ein bisschen Reflexionszeit und was unglaublich hilfreich an der Stelle ist, ist tatsächlich schreiben in meinen Augen.
Wenn du sowas wie Morgenseiten liebst, am Morgen zu schreiben, Tagebuch zu schreiben, Erfolgstagebuch zu schreiben oder irgend sowas, kannst du das damit einbauen, das du mal reflektierst:
Dann sammelst du dir das und schreibst dir das auf. So wirst du merken, nach einem Jahr, wenn du das ein Jahr durchziehst, hast du einen wirklich wunderbaren Fundus.
Du brauchst hier keine 20 und auch keine 100 Geschichten. Wenn du in jede Kategorie 3 hast, die gut für dich passen, dann ist das perfekt.
Das ist das, was ich dir heute mitgeben wollte.
Ich will es auch gar nicht mehr in die Länge ziehen.
Meiner Meinung nach haben wir alle Geschichten zu erzählen. Wenn du vielleicht gerade nicht so viel zu erzählen hast und meinst, nicht so viel zu erzählen zu haben, dann mache dein Leben spannender, damit dir wieder mehr Sachen passieren, mache mehr Risiken.
Wenn du mehr Risiko haben willst, komme in unsere Facebook-Gruppe. Dort wird es ab dem 19. März ziemlich risikohafte Aufgaben geben. Kündige ich jetzt mal so an, wir machen eine Rejection Crusher Week mit euch und ich freue mich, wenn du dabei willst.
Die Facebook-Gruppe heißt „Public Speaking People“.
Die verlinke ich natürlich auch in den Shownotes.
Ansonsten vergiss die Techniken rund ums Storytelling, sondern komme einfach erst mal in deine Wahrnehmung deiner eigenen Geschichten, der Geschichten von anderen und beginne zu reden, beginne über die Erlebnisse, die du hattest, zu reden, um dich da heranzutasten.
Es muss nicht immer gleich die perfekte Storytelling-Technik sein.
Wenn du das doch tun möchtest, gebe ich dir eine Übung mit. Schreib doch mal, mache kreatives Schreiben 10 Minuten lang am Tag, eine Woche lang über „I remember“, also ich erinnere mich an. Dann schreibe alles, was dir einfällt und wenn dir nichts mehr einfällt, fängst du wieder an mit "ich erinnere mich daran, dass …" und schreibst weiter.
Ich erinnere mich, dass …
also ich erinnere mich daran, dass ich in Tansania im Krankenhaus in Moshi lag und auf den Kilimandscharo schauen durfte und extra das Bett am Fenster bekommen hatte.
Ich erinnere mich daran, dass alle dachten, ich wäre auf diesen Berg hochgeklettert, auf den Kilimandscharo und dass ich dann immer leider enttäuschen musste, nein, habe ich nicht.
Ich erinnere mich daran, dass ich stattdessen in einem Projekt gelebt und gearbeitet habe, wo überhaupt keine Touristen waren ...usw.
So könntest du einfach deine Erinnerung schreiben und weitererzählen.
Wenn du jetzt sagst, ich will meine eigene Geschichte aber wirklich jetzt endlich mal auf die Bühne bringen, ich will darüber reden können, ich möchte genau meine Business Geschichte finden, das, was mein Motiv ist, was meine Mission ist und irgendwie gut einbinden in meinen Vortrag, in meine Rede, dann kannst du gerne mit mir an deiner Signature-Story, an deiner Signature-Speech, wie ich es auch nenne, arbeiten, wo wir deine persönliche Business-Geschichte entwickeln, mit der du ab sofort dann rausgehen kannst.
Ich arbeite da gerade schon mit zwei Leuten daran. Ich möchte da selber für mich einen Weg, einen Prozess, eine Methode entwickeln mit Leuten zu arbeiten. Und ich suche noch 8 weitere Leute, die Lust haben daran mit mir zu arbeiten. Wenn du Lust hast, melde dich bei mir: info@steffischwarzack.de.
Ansonsten freue ich mich einfach auf deine Rückmeldung, auf das Teilen von diesem Podcast hier und natürlich, dass du so lange wieder dabei warst und durchgehalten hast, als du nichts von mir gehört hast.
Ab jetzt gibt's wieder was zu sagen, ich hoffe bei uns beiden. ;)
Zeig dich und sprich!
Mach's gut.
Tschüss!
]]>Sie wollen sich gar nicht sehen. Vermeiden deswegen die Bühne.
Schade.
Oft liegt es daran, dass sie sich nicht schön (genug) finden. Aber hey, das Bild der Medien, was uns da so vorgegaukelt wird, dass hat doch nichts mit Business, nichts mit Schönheit, nichts mit dem, was du leisten kannst, zu tun. Es wäre so schade, wenn du deswegen das Rampenlicht scheust.
Finde ich.
Findet Alex Broll.
Deswegen habe ich sie mir ins Interview geladen! Wir reden über ihr Motto "Natürlich bist du schön!" und was das für deinen Auftritt heißt!
Alex' Website: www.alexbroll.com
Arthur Arons 36 Fragen, um sich zu verlieben (schon in Deutsch übersetzt): https://www.focus.de/reisen/zeit-fuer-uns/liebe-als-experiment-die-uebersetzten-36-fragen-aus-dr-arthur-arons-studie_id_4406469.html
Steffi Schwarzack: Schön willkommen bei „Zeig dich und sprich!“, diesmal wieder mit einem Interview und diesmal mit einem Interview Gast. Ich habe die wunderbare Alex Brol hier. Hallo Alex.
Alex Broll: Hallo liebe Steffi. Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.
Steffi Schwarzack: Ach du bringst schon wieder total gute Laune mit. Das ist wunderbar. Ich habe dir gerade im Vorgespräch schon gesagt, ich bin noch ein bisschen erkältet, noch nicht ganz so fit und du steckst mich hier schon an. Das ist wunderschön. Vielen Dank schon mal dafür.
Alex Broll: Sehr gerne. Ich habe dir erzählt, dass ich schon so ein bisschen in Sprechlaune gerade bin, weil ich gerade eigenen Podcast-Folgen angesprochen habe. Also ist das schon so ein gutes Feeling und das gebe ich gerne weiter.
Steffi Schwarzack: Du hast mich schon beeindruckt, weil du schon sechs Folgen heute eingesprochen hast. Da habe ich gedacht, oh Mann, Hut ab.
Alex Broll: Ich hatte einfach nur einen guten Lauf.
Steffi Schwarzack: Sehr gut. Aber das ist inspirierend. Dann lassen wir das weiter gut laufen hier. Sag doch mal den Hörern, die dich nicht kennen oder die dich nur ein bisschen kennen, wer bist du? Was machst du und vor allem, welche Rolle spielt Sprechen in deinem Business?
Alex Broll: Ja gerne. Also mein Name ist Alex Brol. Seit neuestem sagt hier gefühlt jeder Alexandra. Warum auch immer. Das ist ganz witzig. Ich bin Heilpraktikerin und Coach für ein gesundes Körper-Feeling. Das heißt ich unterstütze Frauen dabei, dass sie in ihr positives Körpergefühl zurückfinden und dabei auch ihr Selbstvertrauen und diese eigene Kraft in sich wiederentdecken. Das ist so das, womit ich arbeite. Wobei ich die Frauen unterstütze. Das ist also das, wer ich bin. Was mache ich? Ich arbeite mit den Frauen bewegungstechnisch. Das heißt ich zeige ihnen, wie sie ihren Körper mit Bewegung unterstützen können. Dass es dem Körper gutgeht und ihrem Geist gutgeht und ihnen daraus natürlich auch komplett gut geht. Was dann möglicherweise auch ernährungstechnisch gut sein kann, damit der Körper sich energievoll fühlt. Ich arbeite ganz viel am Mindset. Denn ein gesundes Körpergefühl entsteht natürlich vor allem im Geist. Dann daraus entwickelt sich das durch den ganzen Körper. Das mit dem Sprechen, das brauche ich für meinen Podcast. Denn ich habe damals vor jetzt zweieinhalb Jahren angefangen mit einem Podcast, ohne dass ich einen Blog wollte oder kannte, habe ich nur gewusst, ich will raus mit einem Podcast. Ich hatte auch gar keine Ahnung, was das dann für mich bedeutet. Habe dann angefangen einfach Folgen einzusprechen in das Mikrofon. Inzwischen sind ich glaube 170 Folgen entstanden. Also es ist schon eine Menge. Den gibt es immer noch. Das ist tatsächlich das Kernstück dessen, womit ich Frauen erreiche.
Steffi Schwarzack: Total spannend, dass du dir das Medium Podcast ausgewählt hast für etwas, was man eigentlich sieht, nämlich den Körper?
Alex Broll: Ja, das stimmt. Damals war noch viel krasser der Unterschied, weil ich am Anfang erst sehr viel mehr auch im Körper und im Sport war. Jetzt ist es ganz viel Mindset, da kann man natürlich viel über die Sprache erreichen. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass es was anderes braucht als zum Beispiel diese Videos. Es gibt ganz viele Videos rund um Bewegung oder so auf YouTube. Aber da fühlte ich mich einfach nicht zu Hause. Ich hatte aber ganz am Anfang, als ich angefangen habe Podcast zu hören das Gefühl, das ist was, das macht mir Spaß und diese Energie und die Freude, die kann ich auch weitergeben durch meinen eigenen Podcast.
Steffi Schwarzack: Ja schön. Finde ich total interessant. Jetzt greife ich mal zu einer Frage vor und dann springen wir nochmal zum Sprechen. Nämlich du arbeitest ähnlich wie ich in dem Bereich, wo Leute eigentlich wahrscheinlich erstmal sagen würden, naja das geht irgendwie nur offline, das geht nur, wenn man sich in echt trifft. Du arbeitest da ganz viel auch online mit Körper, aber auch mit all dem, was wir jetzt gehört haben, dem Geist, dem Mindset. Wie schätzt du das denn ein? Was ist denn so die Qualität diese Arbeit online anzubieten und was ist der Unterschied vielleicht zu einer Offline-Arbeit? Wenn du überhaupt noch machst, das weiß ich gar nicht?
Alex Broll: Ich arbeite tatsächlich jetzt wieder auch mehr offline. Dadurch, dass ich das ganzheitliche Prinzip in meiner Arbeit fokussiere. Als Heilpraktikerin habe ich auch den Blick immer auf die Gesundheit, auf das ganzheitliche im Körper und im Geist und in der Seele. Habe ganz lange offline gearbeitet und gemerkt, irgendwie fehlt mir was, einfach auch, um Menschen anderswo zu erreichen als nur in meiner direkten Umgebung. Ich habe dann tatsächlich mehr als Testballon das Ganze online gestartet und habe festgestellt, boah, das ist richtig kraftvoll einfach auch zum Beispiel nur über Skype Training, also Sport und Bewegung anzubieten, aber auch Mindset-Fragen, weil die Frauen ganz anders reagieren, wenn sie zuhören müssen. Wenn sie auf das, was ich praktisch ihnen erzähle, ihren Körper einrichten müssen, wenn es um Bewegungsübungen zum Beispiel geht. Andersherum, wenn sie sich auf sich konzentrieren können, weil nichts anderes stört, weil sie sich zum Beispiel auch den Bildschirm schwarzgemacht haben und nur meiner Stimme lauschen müssen. Das heißt es hat noch nochmal einen ganz intensiven Zugang gewonnen zum Arbeiten mit den Frauen. Das empfinde ich als sehr hilfreich, weil sie sich da nicht so abgehängt fühlen zum Teil. Dann ist es aber wiederum schön auch den Offline-Bereich zu haben, indem ich auch mal Hände auf den Körper legen kann, wenn es um Verspannungen oder um andere Dinge geht, dass ich als Heilpraktikerin auch wirklich arbeiten kann. Kann ich beides inzwischen sehr schön miteinander verbinden. Das ist natürlich abhängig, wie weit meine Kundin von mir weg ist. Wenn sie jetzt 600, 700 Kilometer weit weg wohnt, dann ist es natürlich schwer auch offline in Kontakt zu kommen. Dann ist das das online für sie natürlich die bestmögliche Variante, um mit mir zu arbeiten.
Steffi Schwarzack: Das ist schon das mal so von dir zu hören, weil ich beide Qualitäten auch schätze. Ich könnte gar nicht selber sagen, was ist besser oder schlechter? Es ist einfach ein Tick anders und ich habe sogar Kunden, die nutzen beides in der Zwischenzeit. Also die Kombination aus dem ist für die ganz wertvoll. Ich möchte nochmal ein bisschen inhaltlich auf deine Arbeit eingehen, weil ich das auch so spannend finde. Du hast vorhin gesagt, du bist Coach für Leute, die in ihr gesundes Körper-Feeling zurückfinden wollen und dieses Zurückfinden finde ich interessant. Das möchte ich mal aufgreifen. Das heißt im Grunde, wir haben es alle irgendwann mal gehabt und dann geht es weg. Bei manchen zumindest vielleicht. Erzähl mal!
Alex Broll: Meine Erfahrung ist tatsächlich, dass das bei vielen Menschen abhandengekommen ist, so dieses ganz positive Körpergefühl. Ich habe heute für eine Podcast-Folge zum Beispiel ein bisschen recherchiert. Da ging es um die Lovenote. Das ist gerade so ein bisschen mein Fokus. Da geht es um Liebesbotschaften oder um Bestärkungen für Körper, Geist und Seele. Eine dieser Lovenotes hieß heute: Ich liebe meinen Bauch, denn er schenkt mir meine Intuition. Als allererstes habe ich diesen ersten Halbsatz aufgegriffen, ich liebe meinen Bauch. Darauf habe ich ein bisschen recherchiert, weil ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen kann bis vor ein paar Jahren, hätte mir das jemand gesagt, hätte ich gesagt, du spinnst ja wohl hallo? Entschuldigung? Aber wie kommst du dazu sowas zu sagen? Es ist tatsächlich so, dass 71 Prozent der Frauen, das muss man sich einfach mal vor Augen führen, mit ihrem Bauch Probleme haben. Die finden den nicht schön und die würden am liebsten daran was verändern.
Steffi Schwarzack: Ich hätte gedacht, das wäre noch höher.
Alex Broll: 71 Prozent der Frauen, ich finde das ist … Aber das muss man sich mal überlegen. Also ist da definitiv was verschwunden und so sage ich das auch immer. Denn als wir Kinder waren, haben wir uns um unseren Bauch überhaupt gar keine Sorgen gemacht. Das standen wir als kleine Wesen vorm Spiegel, haben uns vielleicht noch hier unseren Bauch irgendwie so ein bisschen größer gemacht und haben uns einfach daran gefreut, was wir können. Und nicht uns umgeschaut, was wir vielleicht nicht haben, weil unser Bauch ist vielleicht um zwei Zentimeter größer als der von der Nachbarin oder so. Deswegen erzähle ich auch immer, das ist dieses sich zurückholen, dieses positive Körpergefühl. So wie wir es damals hatten, als wir Kinder waren, als wir auch mit Leichtigkeit mit unserem Körper umgegangen sind. Da ging es nicht darum uns zu vergleichen. Tatsächlich zu sagen, das und das und das ist schlecht, sondern wir haben uns nur darauf konzentriert, was wir alles können. Klettern, Krabbeln, Laufen, Hüpfen und Springen, das waren alles Dinge, die waren uns völlig selbstverständlich und das hat uns zu den Menschen gemacht, dass wir uns wohlgefühlt haben noch als Kinder. Dann geht es aber im Verlaufe des Heranwachsens einfach verloren. Da musst du funktionieren. Dann kommt die Gesellschaft dazu. Dann kommen alte Glaubenssätze von Eltern, von Lehrern oder von Mitschülern mit dazu. Dann verschwindet dieses positive Gefühl für meinen Körper.
Steffi Schwarzack: Ich finde es schön, dass du gerade das Thema Bauch aufgreifst. Weil es ist für Sprech- und vor allem für die Stimmarbeit auch total entscheidend. Es ist nämlich leider so, dass ich meinen Kunden immer sagen muss, du musst dich entscheiden, willst du einen flachen Bauch haben und immer angespannt und angezogen mit dem rumrennen oder eine schöne Stimme tatsächlich? Weil es geht darum für eine schöne Stimme dieses Spiel, was die Eingeweide hat, mal auch zuzulassen beim Atmen. Da wirst du wahrscheinlich auch mit ähnlichen Dingen arbeiten. Das heißt einfach zu akzeptieren, was alles da ist an Bewegung.
Alex Broll: Ja genau. Das ist so schön. Ich wusste das zum Beispiel gar nicht, dass das beim Sprechen so wichtig ist. Ich merke aber, ich glaube auch bei mir die Stimme im Verlaufe des ersten Podcast, also der ersten Podcast-Folge zu jetzt 100 weiß ich nicht wievielten Folge auch verändert hat, weil ich ein anderes Körpergefühl auch entwickelt habe. Dass es nicht darauf ankommt, ob ich jetzt hier mit schönen flachen Bauch vor meinem Mikrofon stehe oder sitze, sondern einfach ganz präsent auch in meinem Körper bin und aus dieser Präsenz heraus.
Steffi Schwarzack: Das ist total gut, dass du das auch sagst. Weil für mich ist das voll der Ansatz. Mein Stimmarbeit ist immer eine Körperarbeit und es geht ganz viel um diese Präsenz im Körper. Weil dann kann die Stimme damit arbeiten. Wir arbeiten beide auch mit dem Thema Faszien und haben wir im Vorgespräch auch festgestellt. Das ist für mich auch so ein Thema, das ist einfach ein Gewebe, was in der Gegenwart lebt und deswegen braucht es diese Präsenz, dieses Bewusstsein für die Gegenwart mit dem Körper, um stimmlich auch gut zu agieren für mich. Du kannst ein bisschen erzählen wie Faszienarbeit deine Arbeit rund macht?
Alex Broll: Faszien, die sind mir ganz oft immer so auf dem Weg begegnet, ohne dass ich aber mich damit beschäftigt habe. Ich habe Medizin studiert und ich weiß, damals ist es mir im Studium begegnet als Bindegewebe. Ich weiß noch, meine Professoren haben ganz viel gesagt, das braucht man nicht, weg damit. So die Funktion des Bindegewebes war denen nicht wichtig. Die haben sich darauf konzentriert, wie funktionieren die Muskeln? Wie funktioniert die Physiologie, Biochemie? Also schön klassisch wie wir das kennen. Dann hat sich das ein bisschen verflüchtigt und dann kam es wieder in Form von Massage. Dass ich in meiner Heilpraktiker-Ausbildung und dann selber auch in den Fortbildungen, die ich besucht habe, immer wieder das Thema gefallen ist, naja, Bindegewebe, Massage und was bewirkt das? Dann wurde ich ganz aufmerksam. Oh, Bindegewebe, habe ich schon mal gehört. Die Forschung hat sich in den letzten zehn Jahren dahin sehr deutlich entwickelt. Ich wurde neugierig, was denn die Faszie zusätzlich noch zum Körper ergänzt, was man noch rausholen kann aus der Faszie. Habe gemerkt, oh, das ist ein ganz breites und schönes Feld, womit ich tatsächlich in meiner Körperwahrnehmung einfach auch nochmal mich festigen kann. Was mich ganz krass beeindruckt hat, war folgendes, dass wir im Bindegewebe nicht nur diese feinen Kollagenfasern haben und das Gitter, das sich da entwickelt. Wenn man sich das vorstellt, dann haben wir im Prinzip so ein bisschen ein vergittertes Fasern-Netz und je nachdem wie vergittert das ist, ist es mal ein bisschen fester oder ein bisschen lockerer. Aber in diesem Bindegewebe haben wir auch Rezeptoren, also Empfangsstationen für die Körperwahrnehmung. Ich mache das bei meinen Klientinnen immer so, dass ich denen eine Aufgabe mit nach Hause gebe und zwar. Wenn die viel Rückenschmerzen haben, dann sage ich zu denen, dann setze dich mal Zuhause gerade auf deinen Stuhl und dein Partner oder deine Tochter, dein Sohn soll mal mit verschiedenen Fingern in den unteren Rücken einfach mal so ein bisschen hinein piksen. Mit mal zwei Fingern, mit drei Fingern, mit fünf Fingern. Du weißt, worauf ich hinauswill, liebe Steffi? Denn die Menschen oder diese Frauen, die glauben, sie könnten das ohne Probleme natürlich erkennen, wie viele Finger dann im unteren Rücken praktisch entgegen drücken. Das krasse ist, dass es nicht der Fall ist, weil die Faszie da so verklebt ist und die Rezeptoren dann nicht so gut funktionieren können, dass damit die Körperwahrnehmung nicht so gut möglich ist. Alleine diese Erfahrung zu machen, ist für die Frauen ganz wichtig, um zu erleben, oh okay, ich muss tatsächlich vielleicht einfach nur mich ein bisschen mehr mit meiner Faszie beschäftigen, um auch eine andere Körperwahrnehmung zu bekommen. Also nutze ich ganz viel einfach auch die Rolle oder schwingende Lockerungsübungen um diese Faszie wieder so ein bisschen elastisch in Bewegung zu bringen.
Steffi Schwarzack: Ja sehr schön. Was würdest du denn jetzt jemandem, ich arbeite mit Leuten, die auf die Bühne wollen. Jemand, der vielleicht jetzt so auf eine echte Bühne gehen möchte in einem echten Raum, was gibst du dem jetzt so als Übung, als Idee, als Tipp mit, wie man sozusagen mit mehr Körperpräsenz, mehr Körperbewusstsein da hinausgehen kann, wenn du was hast?
Alex Broll: Eine spannende Frage. Ja. Also ich habe tatsächlich eine sehr schöne Übung, die mich erdet. Die empfinde ich als sehr gut, weil sie mich so praktisch auf dem Boden wieder ankommen lässt und mich so verwurzelt. Du kennst sie bestimmt auch. Und zwar ist unsere Fuß-Faszie, also die Plantar-Faszie unten nach der Fußsohle, die ist sehr stabil und trägt uns auch. Um sich aber ein bisschen mehr zu erden und da anzukommen, finde ich es ganz hilfreich mit einem Tennisball einfach diese Fußsohle einfach mal durch zu kneten. In kleinen Schritten im Prinzip diesen Tennisball so ein bisschen klein zu treten und dann wieder loszulassen und immer so in kleinen Bewegungen vor und zurück auf dem Tennisball das Gewicht zu verlagern, um so diese Faszie zu entspannen. Denn der gesamte Körper kann sich so lockern. Ich habe ganz viele Kundinnen bei mir, die sagen, oh, jetzt merke ich es nicht nur am Fuß, sondern ich merke es auch links oben in der Schulter. Das ist kein Wunder, das erzähle ich ihnen auch immer gerne. Denn die Faszie ist überall miteinander verbunden, das ist wie so ein Tauchanzug, den wir tragen oder der uns ausmacht. Wenn ich die Faszien einer bestimmten Stelle lockere, bedeutet das, dass gleichzeitig an anderer Stelle sich auch die Faszie lockern kann. Das empfinde ich als ganz tolle Möglichkeit, um auch Präsenz und so Erdung zu haben. Gerade vor einem Auftritt nochmal bei sich so ein bisschen anzukommen, könnte ich mir gut vorstellen, dass das nochmal eine schöne Ergänzung ist.
Steffi Schwarzack: Ich bin total bei dir. Weil es ist auch eine meiner Lieblingsübungen tatsächlich. Wir haben in meiner Ausführung, meiner Körpertherapie-Ausbildung haben wir die tatsächlich auch mal eine halbe Stunde pro Fuß gemacht.
Alex Broll: Eine halbe Stunde? Wow!
Steffi Schwarzack: Die haben uns unglaubliche Zeit geschenkt in dieser Ausbildung für solche Selbsterfahrungsübungen. Es ist unglaublich, wie man danach steht. Also vor allem auch, wenn du es erstmal auf einem Fuß machst und dann stellst du dich hin und du merkst die Seitenunterschiede.
Alex Broll: Aber absolut.
Steffi Schwarzack: Das finde ich ganz spannend. Ich nutze die selber total gerne für meine eigenen Auftritte und auch für die Kunden, gerade auch, wenn das Thema Lampenfieber, Aufregung eine Rolle spielt.
Alex Broll: Ja, sehr schön.
Steffi Schwarzack: Das finde ich auch total toll. Weil ich ja dann, wenn ich mit denen arbeite, gerne auch, das machst du vielleicht auch, wenn du Massagen hast, auch wirklich mit Berührung nochmal rangehst. Also ich berühre auch selber, den Fuß oder auch andere Ebenen. Gerade, wenn es darum geht Spannung aus dem Rücken, aus dem Körper rauszuholen.
Alex Broll: Ja natürlich. Klar. Also durch die Berührung löst sich natürlich auch ganz viel an Anspannung. Jetzt habe ich aber natürlich auch manchmal Frauen, die sagen, Ich komme da aber gar nicht so genau hin, nicht so gut. Die sind einfach noch ein bisschen unbeweglich oder sie trauen sich das auch einfach nicht, weil sie es nicht gewohnt sind. Dann ist dieses Hilfsmittel Ball einfach ein schönes, damit sie überhaupt in dieses Gefühl reinkommen. Und je häufiger die das machen, desto beweglicher werden sie auch. Plötzlich merken sie, oh ich komme da doch hin. Damit ist auch der Fortschritt so schön zu sehen, dass sie für sich auch immer in diesen kleinen Schritten merken, dass sich auch was am Körper verändern. Es geht nicht in erster Linie darum, hier 15, 20 Kilo abzunehmen, sondern einfach auch nur über die Körperhaltung und die Wahrnehmung sein eigenes Körperempfinden zu verändern.
Steffi Schwarzack: Schön. Jetzt wissen wir ganz viel über dieses ganze Thema Körperlichkeit. Jetzt möchte ich gerne nochmal ein bisschen zurück auf das Thema Sprechen. Und war auch dein eigenes nämlich. Du hast es schon beschrieben, dass du selber diese vielen Folgen hast, auf die du zurückguckst. Du hast auch schon erwähnt, dass sich da was verändert hat. Deine Stimme, dass deine Stimme sich verändert hat. Mich interessiert es aber nochmal, wie war denn dieser ganze Prozess sozusagen deine ich nenne es jetzt mal deine innere, aber auch deine äußere Stimme zu finden?
Alex Broll: Das ist eine ganz spannende Geschichte, denn ich glaube wir haben es im Vorgespräch auch schon ein bisschen angerissen. Ich bin keine ausgebildete Sprecherin. Das Schlimmste war für mich in den Schulzeiten und auch später dann in Uni und Ausbildung oder grundsätzlich, ich bin im Boden versunken. Man hätte das sich nicht vorstellen können. Ich war rot wie eine Tomate. Mir standen die Schweißperlen auf der Stirn. Nein, ich habe nicht gestottert, aber ich war extrem angespannt. Sprechen gehörte einfach nicht zu meinen bevorzugten Tätigkeiten. Dann hatte ich tatsächlich diese verrückte Idee, ich hätte auch gerne einen Podcast. Dann habe ich ganz lange mit dem Podcast so vor mich hin gespielt so. Aber immer so als Begründung, dass ich es nicht mache, gesagt, naja dazu muss man doch sprechen können. Nein, die Technik steht mir im Weg. Ich habe immer neue Ausreden gefunden bis zu dem Moment, wo ich tatsächlich über einen Kollegen, den Gordon Schönwälder gestolpert bin, der gesagt hat, hey es kommt gar nicht darauf an, dass du hier eine Sprecherausbildung hast, sondern es kommt darauf an, dass du einfach das zeigst, was du in dir trägst, dass du es nach außen trägst. Irgendwie schwang das mit mir. Da dachte ich, okay gut. Dann mache ich jetzt zehn Folgen und wenn es doof ist, dann lass ich es sein. Dann habe ich in sechs Wochen glaube ich die Technik gemeistert und mir dann überlegt, was will ich denn überhaupt in meinem Podcast erzählen? Habe dann angefangen. Ich kann dir sagen, also die erste Folge war fürchterlich für mich, weil ich natürlich wieder in dieses erste Gedankenkonstrukt reingerutscht bin. Ich habe tatsächlich drei oder viermal die Folge aufgenommen und habe den Text vorgeschrieben. Ich habe den vorgeschrieben und dann habe ich ihn abgelesen. Habe aber jedes Mal beim Ablesen gemerkt, das ist total dämlich. Das hört sich gar nicht so an wie ich. Das ist halt vorgelesen, das kann man total hören. Also habe ich sie dann am Ende doch frei gesprochen mit ein paar Stichworten und habe (unv.) rausgeschnitten.
Steffi Schwarzack: So macht man das am Anfang ne?
Alex Broll: Genau. Richtig. Das habe ich dann glaube ich noch achtmal wiederholt und dann beim neunten Mal habe ich gesagt, so jetzt reicht's mir. Jetzt habe ich keine Lust mehr. Weil das sind nämlich viele erst am Anfang gewesen. Ich rede jetzt einfach und wenn es keiner hören mag, dann ist es auch okay. Dann spreche ich nur für mich. Das hat mich immens befreit. Diesen Druck mir zu nehmen, dass es für andere Menschen perfekt sein muss. Ich habe in dem Moment realisiert, dass jeder Podcast, jede Podcast-Folge, die ich mache, das bin ich und ich mich daraus auch entwickeln darf. Die ersten Folgen war ich sehr streng. Das kann man noch hören. Da war ich von der Stimme sehr viel höher. Im Verlaufe der Zeit, habe ich jetzt auch erst vor kurzem als Rückmeldung bekommen, wurde meine Stimme viel weicher. Vielleicht auch einfach durch die Übung oder auch durch diese Körperwahrnehmung, die sich natürlich auch bei mir verändert hat in den letzten zweieinhalb Jahren.
Steffi Schwarzack: Das ist total schön, das jetzt von dir gespiegelt zu bekommen. Aber auch, dass du das selber gemerkt hast wie du dich einfach entwickeln darfst auf deinem Weg. Weil ich glaube ganz viele, die denken, wenn wir losgehen auf unsere Bühne, wir müssen einfach fertig sein, wir müssen perfekt sein. Das stimmt so nicht. Sondern es darf währenddessen einfach noch ganz viel passieren. So ist es glaube ich bei allen, die da draußen sind, das hört nicht auf mit dem Lernen. Egal, ob es auf einer stimmlichen Ebene ist oder oft, wie koordiniere ich meine Gedanken, dass vielleicht ein paar weniger Ähms rauskommen oder oder oder.
Alex Broll: Ja definitiv. Du sagst das so schön: Wir hören nie auf zu lernen. Das war auch so ein A-ha Effekt, den ich dann hatte, als ich angefangen habe in die Bewegung selber hineinzufinden, als ich mich anders entwickelt habe. Dass ich gemerkt habe, ich bin noch lange nicht fertig mit Lernen. Das ist total genial, dass ich das immer noch tun darf, weil es mir so viele Möglichkeiten bietet die Welt aus ganz anderen Perspektiven zu betrachten. Das ist wundervoll und so schön. Das heißt ich bin so glücklich und so immer noch dankbar, dass ich diesem Impuls auch gefolgt bin den Podcast zu beginnen. Weil das hat tatsächlich mein Leben komplett nochmal verändert.
Steffi Schwarzack: Finde ich total schön, dass du das hier nochmal so rüberbringst. Vielleicht für die Hörer, das heißt nicht unbedingt, dass ihr da draußen jetzt einen Podcast beginnen müsst, sondern das heißt einfach, dass ihr mit eurer Idee in die Welt rausgeht. Was auch immer die Bühne dann ist. Podcast oder Video oder was auch immer.
Alex Broll: Ganz genau. Das Schöne ist auch, das hast du auch so schön formuliert, dass ich nicht beim ersten Mal schon perfekt bin. Das erzähle ich meinen Kundinnen auch immer, unsere Kinder haben oder wir selber haben auch nicht in dem Moment, wo wir rausgeschlüpft sind, schon laufen können. Sondern wir haben uns auch dahin entwickelt. Das ist genau das Wichtige, dass wir diese verschiedenen Entwicklungsschritte machen dürfen und unsere eigenen Erfahrungen rausziehen.
Steffi Schwarzack: Ja. Mich berührt das total, dass du das jetzt gerade so sagst mit dem Blick auf deine zwei Jahre Podcast. Wenn wir das jetzt hier aufnehmen, steht für mich auf jeden Fall ein Blick auf mein ein Jahr Podcast bald zu richten. Tatsächlich merke ich bei mir ähnliche Dinge. Da will ich jetzt nicht zu viel vorgreifen, aber ich merke auch, dass das eine Entwicklung war, die weitergehen wird. Ich bin gespannt, was ich in zwei Jahren sage.
Alex Broll: Oh ja. Da bin ich auch gespannt. Das ist Schöne ist, du machst einen Rückblick.
Steffi Schwarzack: Genau. Ich werde die wahrscheinlich, deine kommt wahrscheinlich erst danach. Es wird dann sozusagen Rückblicksfolgen-Sammlung werden. Wenn du vielleicht nochmal einen Tipp jemandem mitgeben könntest, der jetzt so zögert und sagt, ich traue mich noch nicht so richtig. Was wäre es?
Alex Broll: Machen. Ich weiß, das ist immer so, was für ein doofer Tipp. Aber das ist es. Ich kann mich ganz gut daran erinnern. Ich habe auch mit Sport ewig jahrzehntelang nichts am Hut gehabt und habe dann den einen Moment gehabt, wo ich gesagt habe, so und jetzt fange ich an. Ich bin wenigstens die nächsten sechs Wochen konsequent. Da war ein Ende in Sicht. Es war nicht so ein Riesenberg, wo ich gesagt habe, oh ja und jetzt muss ich in den nächsten sechs Monaten 20 Kilo abnehmen, sondern für mich war damals nur wichtig, ich fange jetzt an. Jetzt beginnt der Tag. Ich bin jetzt selber für mich konsequent für die nächsten sechs Wochen. Das hat mir erstmal einen Riesenbatzen genommen, dass es so ein Riesenweg war und zum anderen war es einfach so ein Commitment. Jetzt fange ich an. Ich habe einfach jeden Tag geschaut, was kann ich heute neu machen? Das war für mich ganz hilfreich, immer diese kleinen Schritte zu machen.
Steffi Schwarzack: Ist es eigentlich mehr als einfach nur machen. Nämlich du sagst, man startet jetzt, man setzt sich aber auch erstmal eine Grenze. Dass das Commitment begrenzt ist und dass man sich nicht ausgelaugt. Das heißt in dieser Zeit gibt man das dafür, was man gerade geben kann und will mit dem eigenen Commitment.
Alex Broll: Genau. Ja stimmt. Wenn du es so zusammenfasst, klingt das natürlich … ich habe damals tatsächlich nur, jetzt mache ich es einfach, aber das waren tatsächlich dann die Hintergründe, die ist mir leichtgemacht haben und die ich auch meinen Kundinnen immer weitergebe. Also fange jetzt an und dann sind es die kleinen Schritte und du machst das bis zu dem Zeitpunkt und dann schaust du, evaluierst du das neu. Wenn es nicht passt, hey, dann kannst du immer wieder zurück oder du kannst es nochmal ein bisschen umwandeln. Das ist das Schöne da dran.
Steffi Schwarzack: Das ist sozusagen der Tipp, den wir den Hörern noch mitgeben können. Tun, aber in einem definierten und begrenzten Rahmen und nicht alles auf einmal.
Alex Broll: Genau. Bloß nicht alles auf einmal. Da kommt der Perfektionismus wieder hoch und den wollen wir nicht. Wer hat das gesagt? Salvador Dalí hat gesagt: „Habe keine Angst vor Perfektionismus …“
Steffi Schwarzack: Sehr gut. Das ist ein Spruch, den können wir hier über die ganze Folge und über unser Tun stellen. Am Ende, habe ich neu aufgenommen im letzten Interview, stelle ich immer gerne noch so ein paar Fragen, die habe ich von dieser Studie, von einem Arthur Aaron übernommen. Der hatte die 36 Fragen mal gestellt, um Leute verliebt zu machen. Ich weiß nicht, ob du die kennst. Ich verlinke das mal. Der hat festgestellt, wenn sich fremde Menschen diese 36 Fragen stellen und ins Gespräch miteinander kommen, danach enden sie ineinander verliebt. Weil es einfach persönliche Fragen sind, weil sich die Leute sozusagen ein Stück öffnen müssen. Ich finde das ganz anregend und habe mir mal ein paar Mal ausgeguckt, die ich dir jetzt am Ende noch stellen möchte.
Alex Broll: Das ist eine tolle Idee. Wie heißt der?
Steffi Schwarzack: Also auf Deutsch, Arthur Aaron. Aber ich glaube, der ist Amerikaner gewesen. Also Arthur Aaron. Ich verlinke das und ich schick dir das auch.
Alex Broll: Danke schön. Das ist nämlich eine tolle Sache finde ich. Sehr schön. Her damit.
Steffi Schwarzack: Ein bisschen hattest du es vorhin gesagt, dass du das am Anfang gemacht hast. Ich frag dich, wenn du jemanden anrufst, legst du dir jemals Worte zurecht?
Alex Broll: Nein.
Steffi Schwarzack: Du bist eine ganz spontane ne?
Alex Broll: Ich bin eine ganz spontane und ich versuche immer so mich an dem anderen zu interessieren. Ich stelle selber ganz viele Fragen, weil ich mich dafür interessiere, wie geht’s dem da drüben auf der anderen Seite?
Steffi Schwarzack: Schön. Das wars auch schon mit der ersten Frage. Die zweite ist, würdest du gerne mal berühmt sein?
Alex Broll: Jain, weil die Frage ist: Was ist denn berühmt? Dieses Berühmtsein nach Hollywood-Standard, bloß nicht, nein, geh mir weg damit. Weil ich diese Präsenz in den Medien auch immer als Schwierigkeit empfinde, denn wenn du in den Medien präsent bist, dann wirst du natürlich auch zerrissen aufgrund der Standards, die es da rund um Schönheit gibt. Berühmtsein im Sinne von, hey, ich nehme andere mit auf meinen Weg und wir gehen gemeinsam. Das ist ein gemeinsamer Wegweiser wie in einem Kreis. Wir gehören alle zusammen, dann würde ich sagen: Ja. Wenn sie mich so praktisch kennen, dass ich sie so inspirieren kann, dass sie sagen, hey, ich komm richtig in meine eigene Kraft.
Steffi Schwarzack: Jetzt muss ich mich gerade entscheiden. Ich will nur noch eine einstellen, ich habe zwei hier. Du hast mir im Vorgespräch auch erzählt, dass du eigentlich so eine ganz witzige bist in dir. Dass du den Clown schon immer in dir hattest und den nicht so richtig gelebt hast, dieses Humorvolle. Deswegen frage ich dich jetzt diese Frage: Gab’s denn, wenn du an dein Sprechen und an deine Auftritte denkst, was war denn so ein richtig peinlicher Moment, den du mal erlebt hast?
Alex Broll: Oh ja. Das kann ich dir total gut erzählen. Ich hatte letztes Jahr einen großen Auftritt vor 350 Leuten. Da ging es darum, dass ich bei einer Betriebsratsversammlung zum Thema Gesundheit und wie kann ich denn Bewegung in meinen busy Alltag hineinbringen, dass ich referiert habe über die vier verschiedenen Typen, nämlich den Adler, den Affen, den Elefanten und den Tiger. Einfach weil die unterschiedliche Charakterbeispiele und Merkmale haben. Dabei ist mir blöderweise der Gürtel leider runtergefallen.
Steffi Schwarzack: Okay und die Hose, die mit?
Alex Broll: Nein, es war gottseidank ein Kleid. Das Kleid hing dann so ein bisschen lockerer, nur flockig und dann habe ich halt einfach mit dem lockeren Kleider das dadurch geformt war, dass der Gürtel dran war, habe ich dann einfach weitergemacht und die Leute fanden es genial, weil ich mich da nicht aus der Ruhe habe bringen lassen und danach dachte ich nur, oh nein, das muss nicht sein. Ich habe es überstanden. Es war schon so dieser kurze Moment so, diese Millisekunde so, was ist denn jetzt? Egal. Die Leute fanden es köstlich.
Steffi Schwarzack: Haben wahrscheinlich viele, die vor Leuten stehen, schon erlebt. Ich habe auch schon mal den Knopf einer Bluse nicht mehr gehabt und so. Es sind so pikante Momente.
Alex Broll: Ich glaube für einen selber ist es glaube ich der schlimmste Moment für einen kurzen Augenblick. Aber die Erde dreht sich weiter.
Steffi Schwarzack: Definitiv. Was ich gemerkt habe, man muss es dann auch loslassen. Man muss sich selber verzeihen oder der Situation verzeihen, dass sie nicht perfekt war.
Alex Broll: Ich glaube, die Leute erinnern sich heute noch an den verloren gegangen Gürtel. Weil das hat nämlich auch ordentlich geknallt, so klong klong klong. Weil das ist auch eine schwere Schnalle gewesen und plötzlich war dieses Ding einfach locker und schwuppdiwupp plumps.
Steffi Schwarzack: Danke, dass du das mit uns geteilt hast.
Alex Broll: Sehr gerne.
Steffi Schwarzack: Ich hoffe und ich denke einfach, dass wir den Hörern hier jetzt ich glaube Lust mitgegeben haben zu wagen nicht perfekt rauszugehen und auch mit dem eigenen Körper in Liebe wieder rein zu treten. Weil ich glaube, das ist deine Botschaft, so in diese Liebe mit sich selber reinzugehen.
Alex Broll: Auf jeden Fall. Das ist das schönste Geschenk, das wir haben. Das sage ich auch immer meinen Kundinnen und Zuhörern im Podcast. Der Körper, der bleibt uns bis ans Ende unseres Lebens. Wir können uns nicht irgendwo anders hinein transferieren. Es wäre schon schön, wenn wir dann viel Zeit in Liebe mit ihm verbringen würden oder?
Steffi Schwarzack: Definitiv. Das lasse ich jetzt als letztes Wort hier so stehen. Nein, du darfst aber noch, das ist inhaltlich das letzte, du darfst noch sagen, wo man was mehr von dir findet, wo man deine Lovenotes findet, dich.
Alex Broll: Sehr gerne. Man findet mich auf www.alexbroll.com, alles in einem Wort. Die Lovenotes, die kann man auch finden und zwar auf wie www.alexbroll.com/lovenote. Dann kann man bei den 33 Tagen dabei sein und die Lovenotes on Air auf die Ohren bekommen. Die gibt es aber auch, muss man sich nicht anmelden, sondern kann man auch einfach nur anhören, bei mir im Podcast. Der heißt „Natürlich bist du schön!“.
Steffi Schwarzack: „Natürlich bist du schön!“ Sehr gut. Dann nehmen wir das als Slogan für den Schluss. Natürlich seid ihr schön. Vielen herzlichen Dank, Alex, für dieses lebhafte und herzliche Interview mit dir. Es war sehr schön.
Alex Broll: Sehr, sehr, sehr gerne. Ich sge, herzlichen Dank für dich, an dich, für die Einladung. Ein ganz herzliches Dankeschön an deine Zuhörer. Bis ganz bald und dir viel Spaß jetzt bei deinem Einjährigem.
Steffi Schwarzack: Genau. Vielen Dank! Ich denke an dich, wenn ich aufnehme.
Alex Broll: Ja bitte.
Steffi Schwarzack: Mach’s gut. Tschüss!
Alex Broll: Tschüss!
]]>Naja, ich bin, ehrlich gesagt, ein Fan der Praxis. Nun liegt bereits ein Jahr Praxis hinter mir. Ein guter Moment also um Revue passieren zu lassen und meine Learnings festzuhalten.
Diese Erfahrungen habe ich für dich übersetzt, wenn du zum Ziel hast, auf deiner Bühne sichtbarer zu werden.
Hier kannst du sie hören: meine Learnings für deine Sichtbarkeit!
mein Podcast-"lehrer" Gordon Schönwälder mit seinen Angeboten
eine tolle Geschichtenerzählerin, die mich an die Geschichte vom Stiefmütterchen erinnert hat Nicole Viviane Chuard
Transkriptionsservice von Helmut Naber
Hier ist sie, meine 30. Folge, meine Jubiläums-Folge. ;)
Es geht um die große Frage: Was habe ich aus einem Jahr Podcasting eigentlich über die Sichtbarkeit gelernt und was kannst du dir daraus mitnehmen? Hör rein! Ich freue mich ganz besonders dir diese Folge heute zu präsentieren.
Hallo und willkommen zur aktuellen Folge von „Zeig dich und sprich“. Es ist Adventszeit, es ist eine Zeit - idealerweise zumindest - der Besinnlichkeit. Für mich fällt eben diese Jahreszeit, dieser Moment auch zusammen mit einem Jahr Podcast. Ich freue mich sehr darüber und ich möchte diesen Moment auch nutzen, was irgendwie auch zur Jahreszeit passt, ein Stückchen innezuhalten, um mal zurück zu schauen und zu reflektieren:
was war gut? Was war vielleicht weniger gut? Wo kann ich etwas lernen, wo habe ich etwas gelernt?
Ich möchte das sehr gerne auch für dich übersetzen, nämlich da, wo ist es denn für dich interessant? Wo geht es zum Beispiel um das Thema sichtbar werden, sichtbar sein und nicht unbedingt im Podcast, sondern eben auch auf deiner Bühne, was auch immer die Bühne deiner Wahl ist.
Also wo kannst du ein bisschen was daraus mitnehmen über diesen Podcast-Gedanken hinausgedacht für dein Sprechen, für deinen Auftritt.
Es gibt ja diesen Spruch, kluge Leute lernen aus den Fehlern anderer.
Ich bin zwar der Meinung, dass es toll ist selber Erfahrungen zu machen und auch selber Fehler zu machen. Aber wenn du die eine oder andere Abkürzung gehen kannst und das bei mir gelernt hast, dann freue ich mich total.
Also mein großes Ziel heute hier. Ich reflektiere ein bisschen meinen Rückblick, zelebriere das, feiere damit ein Stückchen, klopfe mir selber auf die Schulter und sage Danke an mich selbst und natürlich auch an euch. Schauen wir einfach mal, was in dieser Folge passiert. Ich habe ein paar Stichpunkte mit von den Dingen, die ich dir auf jeden Fall mitgeben möchte.
Die 1. Sache, die ich dir mitgeben möchte, habe ich mal übertitelt mit dem Thema Start.
Das eine ist, dass man Ideen hat und das Zweite ist, dass man die Ideen umsetzt und das liegt eben nicht unbedingt beieinander. Ich zum Beispiel ich bin jemand, ich habe sehr viele Ideen, ich habe tausende Ideen könnte man sagen. Aber die wirklich umzusetzen und zwar auch bis zum Ende umzusetzen, dass es konkrete Resultate gibt, da bin ich noch nicht so gut, ich werde besser.
Das heißt wirklich anzufangen umzusetzen, zu beginnen und dann auch weiterzumachen übrigens, das ist natürlich das, was es tatsächlich braucht mit jeder Sichtbarkeit, egal ob das jetzt einen Podcast betrifft oder was anderes.
Ich habe mir gedacht, es ist im Grunde ein bisschen so wie mit dem Kinderkriegen. Es gibt ihn halt leider nicht - den idealen Zeitpunkt. Es heißt entweder ist man eben ganz erfahren und dann ist man schon alt und dann sind vielleicht schon 20.000 andere Leute mit dem Thema draußen. Sowas könnte passieren.
Oder man ist eben noch ein bisschen frühreif und ein bisschen jung und geht damit raus und hat deswegen nicht so viele Erfahrungen gemacht beim Gehen.
Es ist einfach immer dabei, dass man etwas riskiert.
Die Frage ist:
Was bist du eher bereit zu riskieren?
Ich denke, es ist gut sich vorzubereiten. Das hast du auch gehört in der Folge, wenn du sie gehört hast, wo es um Einfach Machen ging, in der Podcast-Parade von Kerstin Wemheuer.
Ich glaube, es ist gut nicht immer sofort loszulegen und rauszugehen, sondern auch ein gutes Fundament für sich zu haben.
Aber zu fest und starr sollte es auch nicht sein.
Deswegen vielleicht noch ein Spruch, ein Gedanke von Paulo Coelho, der mir in den letzten Tagen auch über den Weg lief. Ich lese mal ab, er sagte, er schreibt:
Manchmal zeigt sich der Weg erst, wenn man anfängt ihn zu gehen.
Genau das trifft es. Wenn du irgendeine Art von Bühne bespielen möchtest, musst du anfangen diese Bühne auch zu betreten, du musst da hingehen, du musst diesen Weg gehen wie ich eben beim Podcasten. Das ist das allererste, was du tun können solltest und tun müsstest für deine Sichtbarkeit.
Deswegen mein Fazit an dieser Stelle, mein Tipp:
Starte, gehe los, bevor du fertig bist. Warte nicht darauf, dass du fertig bist.
Der 2. Punkt, den habe ich übertitelt mit dem großen Thema Zeit.
Ich bin von Natur aus jetzt nicht so die Labertasche. Das heißt ich kann schon reden, ich kann auch frei zu einem Thema reden, aber ich bin niemand, den das erstens totalen Spaß macht unvorbereitet vor ein Mikro gesetzt zu werden und zu sagen, hier ich rede mal los.
Da bin ich nicht in meiner Komfortzone, was ja nicht immer schlecht ist, was auch gut sein kann.
Aber vor allem befriedigt es einen gewissen Punkt nicht. Ich bin nämlich unzufrieden dann mit der Tiefe des Gesprächs oder meiner Gedanken, wenn es so eine monologisierende Geschichte wie der Podcast ist.
Ich möchte einfach gerne das Gefühl haben, ich habe ein Thema rundum begriffen.
Ich möchte das Gefühl haben, ich habe das verstanden. Wenn das der Fall ist, dann rede ich gerne drüber, dann rede ich auch gerne frei darüber und dann rede ich auch gerne nicht unbedingt kurz darüber, aber einfach loslabern ohne wirklich das durchdrungen zu haben in einer gewissen Tiefe, das liegt mir nicht.
Das meine ich mit Labertasche, die, die das können. Im wohlwollenden Sinne ganz herzlich gemeint.
Vor Jahren hat mir mal jemand gesagt: "Du Steffi, du willst Tiefe und ich will lieber Menge."
Vielen Dank! Vielen Dank, Oliver, dass du das gesagt hast. Damals fand ich das richtig doof.
Heute sehe ich das als sehr wertvoll an, weil es den Kern trifft. Ich bin jemand, habe ich gerade schon gesagt, ich mag nicht unbedingt die Masse. Ich mag auch nicht unbedingt die Quantität. Das merkst du auch an meinem Podcast. Ich könnte ja auch sagen, ich mache zweimal die Woche 5 Minuten oder 10 Minuten. Was marketingtechnisch wahrscheinlich viel klüger wäre, aber ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht mich inhaltlich so runter zu brechen. Es ist eine Kunst. Irgendwann, das wäre vielleicht auch noch mein Ziel, im Moment ist es mir nicht wichtig genug, dass ich dahin käme. Aber es ist eine andere Art, eine andere Herangehensweise.
Ich erlebe das, dass es gerade unter, ich nenne sie jetzt mal so, unter den Introvertierten dieses Phänomen gibt, dass es ein gewisses Bedürfnis, einen gewissen Hang nach Durchdringen und Tiefe da ist.
Ich habe das und ich erlebe es auch bei vielen anderen. Ich glaube, wenn das so ist, dann sollte man das anerkennen und einfach damit leben und damit arbeiten und entsprechend sein eigenes Marketing daraufhin abstimmen. Bei mir heißt das ganz konkret, ich brauche Zeit bis meine Ideen gereift sind. Warum? Dann habe ich erst das Gefühl, es gibt eben dieses, was ich gerade vorhin schon nannte, so ein gewisses Fundament. Es gibt so eine gewisse Tiefe, die ich okay finde. Ein deep dive eben, wie es im Marketing gern heißt.
Es gibt eine große Falle dabei, die große Falle heißt Perfektion. In die darf man nicht tappen. Sondern es geht ein Stück weit darum, wirklich eine Balance zu finden zwischen tief genug für einen selber und trotzdem noch leicht genug für all das, was eben noch getan werden sollte. Also da Vorsicht.
Aber auch für diese Folge jetzt zum Beispiel kann ich dir sagen, ich habe die Idee gehabt, worüber möchte ich sprechen, und dann bin ich tatsächlich jetzt relativ viele Tage damit, in Anführungsstrichen, so nenne ich es jetzt, „schwanger gegangen“. Ich habe mir einfach so nebenbei, immer mal wieder diese Frage in mir gestellt.
Jetzt habe ich mich im Vorfeld hingesetzt, habe meine Gedanken notiert. Das sind Stichpunkte, die jetzt vor mir liegen und aufgrund derer spreche ich jetzt hier vor dir und mit dir. Das ist meine Art von Vorbereitung.
Und das meine ich ein Stück weit mit der Tiefe. Also ich bin halt niemand, der jetzt sagt, ach, heute mache ich das Thema, da rede ich jetzt einfach mal los, sondern ich will halt schon mal drüber nachgedacht haben und vielleicht schon mal drüber geschlafen haben.
Da geht es wirklich darum und das ist meine Botschaft an dieser Stelle, für diesen 2. Punkt:
Wähle den für dich passenden Weg, der, der stimmig ist und dann akzeptiere ihn und lebe ihn so.
Das heißt, es kann sich irgendwann mal ändern und dann ändere das auch, aber lebe erst mal eine Weile, probiere das aus.
Der 3. Punkt, über den ich sprechen möchte, ist der Workflow. Wie habe ich begonnen? Wie habe ich meinen Arbeitsprozess gestaltet am Anfang? Das war relativ komplex und das hat auch sehr viel länger gedauert als jetzt noch. Also ich habe tatsächlich mal angefangen aus dem Schreiben herauszukommen.
Einfach deswegen, weil ich vorher schon einen Blog hatte, nicht besonders lange, aber es gab ihn einige Monate und ich habe also tatsächlich dann weitergemacht und habe diese Blog-Artikel geschrieben.
Dann habe ich den weggelegt, habe mir ein paar Stichworte notiert, habe das Ganze gesprochen und daraus eine Podcast Folge gemacht.
Über einen perfekten Blog-Artikel, also mit gut ausformulierten Sätzen zu gehen, habe ich gemerkt, ist schon komplex.
Ich habe das Ganze auch mal andersherum gestaltet. Ich habe mir Stichworte notiert, habe das Ganze gesprochen und habe erst in einem späteren Schritt mich nochmal hingesetzt und den Blog-Artikel dazu geschrieben. Dann gemerkt, dass das nochmal eine ganz andere Richtung jetzt genommen hat. Es war auch sehr zeitaufwendig.
Dann habe ich gemerkt, im Sommer war das, jetzt reicht‘s mir!!!
Ich muss jetzt unbedingt was delegieren!
Was war am einfachsten? Ich spreche das Zeug nur noch ein - mit Stichworten und dann gebe ich das weiter und lasse mir das Transkript machen.
Bis auf ein einziges Mal, wo ich glaube ich im Urlaub einfach geschrieben habe und daraufhin dann die Podcast-Folge gesprochen habe, habe ich das jetzt immer raus gegeben. Das spart mir schon eine ganze Menge Zeit.
Der ideale Workflow wäre natürlich, so wie du das vielleicht selber gelehrt bekommst, wenn du es tust, schreibe dir deine Ideen auf, mach ein Live-Video in Facebook, trenne die Audio-Spur davon, mache eine Podcast-Episode draus, stelle das ganze Video dann nochmal auf YouTube und so hast du ganz schnell viele Kanäle bespielt.
Ich finde das in der Theorie total gut. Und ich merke in der Praxis funktioniert es für mich im Moment noch gar nicht.
Es funktioniert zum einen nicht, weil ich die Podcast-Aufnahmen gerne in einem anderen Raum mache, den ich akustisch für viel besser halte als dort, wo ich drinnen bin, wenn ich Live-Videos mache. Irgendwie fühlt sich das für mich noch nicht stimmig an, das so zu tun, obwohl der Kopf sagt, tue es so, das ist viel besser.
Ich mach‘s eben, wie gesagt, anders.
Ich hänge dann manchmal ein Live-Video dran, manchmal auch nicht. Es lebt sich auch damit.
Das heißt bei mir ist auf jeden Fall dran, den Workflow noch zu vereinfachen, vielleicht nicht unbedingt so mit diesem Ideal, was ich dir gerade genannt habe, sondern eher, dass ich mir noch Leute suche, an die ich delegieren kann. Also Leute, die mir die Artikel in den Webspace einpflegen oder Leute, die für mich den Schnitt machen. Also all die Dinge, die ich gar nicht gerne mache. Ich würde am liebsten nur noch damit was zu tun haben, meine Gedanken zu ordnen in mir drinnen, die auszusprechen und fertig. Das ist mein idealer Workflow, aus dem ich ja komme. Ich komme aus dem, ich stelle mich vor eine Gruppe und rede mit den Leuten. Aus den Präsentationen, aus den Trainings, aus den Seminaren, aus den Workshops. Das ist einfach dort, wo so ein bisschen mein Wohlfühlgebiet ist und alles andere, die Arbeit drumherum, die ist einfach immer noch anstrengend.
Da bin ich auf der Suche nach dem Ideal. Also wenn du jemand kennst, der für mich gerne den Podcast schneiden möchte, wenn du jemand kennst, der die fertigen Transkripte schön in meine Webseite einpflegen möchte, melde dich doch bei mir.
Ansonsten meine Botschaft selbst, wenn es ein ideales Design für einen Workflow gibt, heißt das nicht, dass er für dich passen muss.
Deswegen finde, probiere deinen eigenen Workflow und dann verändere ihn, wenn es noch nicht passt.
Das kannst du auch anwenden, wenn es darum geht Vorträge vorzubereiten, das kannst du anwenden, wenn es darum geht, Videos zu erstellen und so weiter.
Jetzt kommen wir zum Kernstück dessen, was mir unglaublich wichtig ist.
Das war das größte Learning für mich in diesem Jahr.
Ich habe das übertitelt mit dem großen Namen Identität oder ich hätte es auch übertiteln können mit dem Namen Stimme.
Ich habe einfach nochmal ganz deutlich gemerkt, jedes öffentliche Sprechen, jedes Public Speaking, jedes vor anderen sich Hinstellen oder Hinsetzen und Los-Reden ist eine unglaubliche Identitätsfindung.
Wenn du auf der Suche nach deiner inneren Stimme bist und sie noch nicht gefunden hast, dann höre auf da drinnen weiter zu suchen, sondern gehe raus und sprich.
Sprich über die Dinge, die dich bewegen, sprich über die Themen, die du bisher gefunden hast. Gehe mit dieser These von dir selber raus, mit dieser Idee von, was möglicherweise deine Mission ist. Gehe damit raus!
Warum?
Wir denken oft, wir müssen unglaublich klar haben, wofür wir stehen.
Wir denken, wir müssen klar haben, was wir sagen wollen, dass wir etwas zu sagen haben.
Ich habe gemerkt, wenn du trotzdem rausgehst, auch wenn es noch ein bisschen schwammig ist, auch wenn es noch ein bisschen neblig um dich drum rum ist, dann hast du trotzdem was zu geben, du hast trotzdem was zu sagen und vor allem, du findest zu deiner inneren Stimme.
Ich habe meine Positionierung selber in diesem Jahr schärfen können, weil ich nicht mehr überlegt habe, was sie ist, also nicht grübelnd in meinem Kämmerlein, sondern weil ich mit dem Feedback von anderen da draußen, auch im Podcast, einfach im Gespräch war.
Weil ich Dinge benannt habe, weil ich sie aussprechen musste, weil ich meine eigenen Worte gehört habe und gemerkt habe, huch! das passt ja gar nicht. Auch das gab es.
Oder dass ich dachte, wow! genau das ist es, das ist mir wichtig. Dieses Aussprechen, diese sich Selber Hören, das trägt unglaublich viel für deine eigene Identitätsbildung bei und auch für dein Selbstbewusstsein, deinen Selbstwert.
Es gibt diesen schönen Spruch von dem französischen Philosophen Déscartes. Ich denke, also bin ich. Ich habe gemerkt, wenn du das abänderst in: Ich spreche, also bin ich, ist es für mich total stimmig, macht das totalen Sinn.
Wenn du deine innere Stimme finden willst, gehe raus und sprich mit deiner äußeren Stimme. Das löst einen inneren Prozess aus und du kommst sehr viel weiter, als wenn du nur für dich überlegst.
Das ist wirklich das, was ich dir mitgeben möchte. Vergiss das Perfekt Sein.
Wenn du eine Ahnung hast, gehe mit dieser Ahnung los.
Wenn du 3 Ahnungen hast, gehe mit einer Ahnung los und prüfe das für dich. An die Vielfältigen unter uns: gehe damit los, gehe raus, sprich, zeig dich und sprich sozusagen.
Das passt hier voll.
Du merkst, ich hatte diesen Slogan, den hatte ich schon 2013, da ist er zu mir gekommen. Aber für mich diese Klarheit in mir selber, die habe ich erst jetzt bekommen.
Ich verrate dir auch noch was. Mein Podcast ist ein Nikolaus-Podcast, der ist am 6. Dezember 2016 gestartet. Dieses Jahr am 7. Dezember habe ich etwas begriffen, was ein ganz wichtiges Kernstück für meine Mission ist. Es war einfach plötzlich da. Ich habe eine E-Mail gelesen, habe mich über etwas aufgeregt und plötzlich wusste ich, genau deswegen will ich das und das tun.
Ich spreche jetzt noch nicht darüber, weil ich jemand bin, der unbedingt noch mal darüber schlafen muss und zwar ein paar Nächte länger, um wirklich zu wissen: ist es das wirklich?
Aber die Idee ist plötzlich da und sieh mal, die ist jetzt ein Jahr später gekommen.
Ich habe in diesem Jahr trotzdem eine Grundmission rausgeben können, die ist jetzt bloß jetzt nochmal schärfer geworden.
Wenn sich jetzt über diese Einkehr, die ich jetzt auch am Jahresende mache, wenn sich das für mich bewahrheitet das, was ich da gerade entdeckt habe, dann wirst du Anfang Januar davon erfahren, weil ich damit explizite rausgehen werde. Aber jetzt kann ich das nur anteasern und dich einladen, dass du einfach nächstes Jahr wieder rein hörst und hier dabei bist. ;)
Einen 4. Punkt, den ich nennen möchte. Ist es der vierte, ich weiß gar nicht, ist es der dritte? Es ist sogar schon der fünfte, sehe ich gerade. Schlecht, wenn man das nicht gut nummeriert auf seinem Stichwortzettel.
Der 5. Punkt, den ich dir nennen möchte, ist Podcast als Marketinginstrument.
Wenn du jetzt denkst, ich mache einen Podcast oder auch ich mache Video oder ich gehe auf eine Bühne und halt meinen Vortrag, dann brauchst du nicht davon ausgehen, dass das jetzt irgendwie einen Riesenboom auslösen wird.
Ein Podcast ist nicht an sich irgendwie das Marketing-Instrument, sondern du musst auch für deinen Podcast etwas tun, damit du sozusagen die Leute dahinführst. Der Podcast selber bringt den Wert an sich in der Menge noch nicht, sondern du könntest sagen, ich führe die Leute über verschiedene Kanäle auf diesen Podcast und aus dem Podcast heraus bilden sich dann vielleicht Kontakte für die Zusammenarbeit.
Das heißt ohne Promotion, ohne Marketing geht es nicht.
An der Stelle ist es sicherlich sinnvoll, wenn du ein Stückchen Masse betreibst, das, was mir nicht liegt, auf Masse zu gehen, aber viel Promotion, viel Marketing, lauter sein an dieser Stelle ist ideal. Das habe ich auf jeden Fall gemerkt. Das sehe ich an Podcasts, an Podcastern, die das tun und die super Erfolg damit haben.
Ich sehe auch die, die Tiefe und tolle Inhalte bringen und die das noch nicht so tun.
Aber wir sind auf dem Weg, mich eingeschlossen.
Aber das ist wirklich sinnvoll an dieser Stelle. Es ist auch sinnvoll, wenn du dich mit SEO beschäftigst, mit Suchmaschinenoptimierung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass tatsächlich nicht alle, aber einige Leute auf mich zugekommen sind und gesagt haben: hey, ich habe dich beim Googeln gefunden mit den und den Schlagwörtern, weil das mich gerade interessiert hat.
Ich war nicht auf der Suche nach Podcast oder so, aber ich habe diesen Blog-Artikel gefunden, das fand ich spannend. Und jetzt sind sie zu mir gekommen und arbeiten mit mir zusammen. Das ist was, wo ich gemerkt, huch! das ist überhaupt nicht zu unterschätzen. Ich habe da wenig Wert draufgelegt, habe auch ab und an mal ein paar Keywords mit reingenommen, aber nicht so explizit.
Ich glaube, da lohnt es sich ein bisschen mehr noch reinzugehen.
Du hast gerade gehört, es kommen Leute auf mich zu mit dem Podcast. Ich kriege Kundenanfragen darüber. Das ist super. Aber das Ganze braucht einen langen Atem. Bei mir hat das jetzt etwa ein halbes Jahr gedauert bis die Leute wirklich aktiv über den Podcast zu mir gekommen sind.
Ich weiß nicht, ob das lange oder kurz ist. Aber in dem Moment, wo ich einen Kunden haben will und noch keinen habe, fühlt sich ein halbes Jahr, was ich dann warten muss, extrem lange an. ;)
Also deswegen, ich finde schon, dass es einen gewissen langen Atem braucht, möglicherweise mit mehr Marketing, mit mehr Promotion geht es schneller. Aber der andere Aspekt, der da drinnen steckt, ist, dass es auf jeden Fall funktioniert.
Dass es funktioniert, dass die Leute dich kennenlernen, dir vertrauen, indem du auf deiner Bühne sprichst, zum Beispiel im Podcast.
Das heißt - großes Fazit an der Stelle:
Plane auf jeden Fall Zeit für dein Marketing, für deine Promotion ein. Podcast-Entwicklung und schöne Folgen entwickeln alleine hilft gar nichts.
Lass mich das noch mal zusammenfassen, was ich dir also mitgeben wollte, von diesen Learnings, die ich hatte.
1. Starte bevor du fertig bist, gehe einfach los.
2. Wähle für dich einen stimmigen Weg das Ganze zu erarbeiten und dann verändere das für dich.
3. Entdecke für dich auch, willst du lieber Tiefe oder willst du lieber Masse? Handle danach, egal was andere Marketing-Gurus sagen.
4. Sprich im Außen, wenn du deine innere Stimme finden willst.
5. Plane ausreichend Zeit fürs Marketing ein.
Ich habe ein paar Punkte, die schon ein bisschen durchgedrungen sind.
Wahrscheinlich, wo ich merke, da möchte ich ein bisschen mehr Fokus hingeben. Im Großen und Ganzen kann ich dir aber sagen, ich habe mit dem Podcast auf jeden Fall ein Stück Bühne gefunden, eine Heimatbühne, so nenne ich es jetzt mal, einen Ort, mit dem ich mich sehr wohlfühle, als Podcast oder Audio.
Das ist beides was, was mir sehr liegt, vielmehr als Video.
Ich mag dieses Audio sehr gerne und es ist mir sehr wichtig und passt natürlich auch wunderbar zu dem, was ich tue und ist neben dem, ich stehe vor einer Gruppe von Menschen und arbeite mit denen so bis zu einer Gruppengröße, wo man auch wirklich noch einzeln mit den Leuten arbeiten kann. Das sind die beiden Sachen, wo ich zu Hause bin.
Das andere tue ich auch, aber das sind eher so Besuche, Gastaufenthalte, Inselhüpfen, wie auch immer du das dann nennen möchtest.
Das ist vielleicht schon mal das Wichtigste, das heißt es ist kein Medium, was ich jetzt aufgeben möchte, sondern eins, was ich beibehalten mag.
Woran ich weiter ein Stückchen arbeiten möchte, ist die Qualität meiner Interviews, die möchte ich verbessern. Ich habe jetzt gerade letztens ein Interview geführt, wo ich so gemerkt habe, das ist in eine Richtung gelaufen, die mich gar nicht so zufrieden und glücklich macht.
Mein großes Fazit daraus ist, dass ich von der Gesprächsführung her, von der Technik noch nicht die Fäden so in der Hand habe, dass ich das Gespräch wirklich gut immer dahinlenke, wo ich denke, dass es spannend ist.
Es kann auch toll sein, die Fäden loszulassen und dann entstehen wunderbare Dinge. Aber manchmal hätte ich sie auch gerne so in der Hand, dass das Interview einen ganz tollen Verlauf nimmt. Da ist er, der Perfektionist. ;)
Also das wäre so was, wo ich was verbessern möchte.
Ich möchte wie gesagt meine Zeitersparnis, meinen Workflow noch mehr verbessern. Ich fände es toll, wenn ich es schaffen würde, die Episoden kürzer zu halten. 10 bis 15 Minuten ist nach wie vor mein Ideal. Vielleicht schaffe ich es im neuen Jahr. Wie du siehst, schaffe ich es heute nicht und ich werde noch länger, weil ich dir noch ein paar Sachen hier erzähle.
Ich möchte das Marketing um den Podcast auf jeden Fall wieder ein bisschen ankurbeln. Ich habe es sehr vernachlässigt, weil viele andere Sachen eine Rolle gespielt haben.
Das heißt auch SEO wird weiterhin eine Rolle spielen.
Jetzt möchte ich dir aber vor allem auch erstmal hier danken.
Ich möchte dir dafür danken, dass du als Hörer da bist, weil ohne dich hätte das Ganze hier wenig Sinn.
Ich möchte dir danken, wenn du mir Rückmeldung gegeben hast, wenn du mir geschrieben hast, wenn du vielleicht Kunde geworden bist. Wenn du zumindest überlegt hast, Kunde zu werden, wenn du mein Freebie abonniert hast.
Also überall, wo du von dir aus auf mich zugegangen bist und es eine Art von Interaktion gab. Weil das ist natürlich besonders schön.
Ich danke meinen Interviewgästen jetzt nicht im Einzelnen, aber euch allen gemeinsam.
Einzeln möchte ich dem Helmut Naber dafür danken, dass er meine Transkripte so zuverlässig und schnell immer erledigt. Ich bin immer so kurzfristig dran. Vielen Dank dafür!
Ich möchte dem Gordon, dem Gordon Schönwälder danken, dass er auch in diesem Jahr, obwohl mein Podcast-Lernkurs schon lange vorbei ist, immer mal wieder als Ansprechpartner fungiert hat, wenn doch die eine oder andere Frage aufgekommen ist.
Ich möchte all den Sparring-Partnern danken, die ich habe. Das ist eine ganze Menge, meine Masterminds, meine alten Mastermind, die es jetzt nicht mehr gibt in der Form. Meinen einzelnen Sparring-Partnern, die es gab. Die, die es jetzt gibt, da ist ganz schön Wandel auch drinnen gewesen.
Und natürlich meiner Familie, ganz besonders meinen Kindern, dass sie abends immer geschlafen haben, wenn ich diesen Podcast aufgenommen habe und durchgeschlafen haben an den Stellen. Weil ich bin tatsächlich ein „Ich nehme den Podcast abends auf Typ“ geworden, obwohl ich das so nicht wollte. Das ist oft die Zeit, wo die meiste Ruhe dann dafür da war.
Also ein allerherzliches Dankeschön für euch alle, weil ohne euch gäbe es das in dieser Form hier nicht.
Jetzt möchte ich dir ganz gerne als Hörer noch ein Geschenk mitgeben und zwar eine Geschichte, in Form einer Geschichte das Geschenk.
Die Geschichte heißt das Stiefmütterchen.
Ich erzählte sie dir, weil sie mir letztens selber erzählt worden ist bei einem Selbstständigen-Treff in der Mittagspause und die Nicole, die uns das erzählt hat, ich verlinke sie, weil sie auch ganz tolle Arbeit macht.
Die hat mich da sehr berührt damit. Ich gebe sie jetzt in meinen Worten wieder.
Es war also mal ein König. Ein König, der in einem wunderschönen Königreich regierte und einen wunderbaren Garten hatte und pflegte. Er war nämlich ein großer Liebhaber und hatte für diesen Garten von jeder Pflanze mindestens ein Exemplar angelegt.
Es war also ein großer Garten, ein blühender Garten, ein ganz besonderer Garten.
Es gab in diesem Garten zum Beispiel Rosen, es gab Weintrauben, es gab Eichen, es gab Palmen und so weiter. Jegliche Pflanze, die du dir vorstellen kannst. Und jeden Tag ging der König in diesen Garten hinein, pflegte seine Pflanzen und erfreute sich ihrer.
Und eines Tages ging er wieder in den Garten. Und an diesem Tag war alles anders. Der Garten blühte nämlich gerade nicht, sondern alle Blumen ließen ihre Köpfe hängen und die Rosen waren verwelkt und die Weintrauben vertrockneten und die Eiche ließ die Blätter fallen und die Palme wurde auch immer gelber und trockener.
Und der König war ganz verzweifelt und fragte die Pflanzen: Was ist los?
Was ist los, Rose, warum bist du welk? Und da sagte die Rose: Ach, weil ich so gerne so süße Früchte hätte wie die Weintraube, wie der Rebstock.
Und der König ging zum Rebstock und fragte: Was ist los mit dir? Warum werden all deine Weintrauben plötzlich trocken, warum verdorren sie? Und da sagte der Rebstock: Ja, ich wäre gerne wie die Eiche, so groß und mächtig und imposant.
Und der König ging zur Eiche und auch die Eiche sagte: Ich wäre lieber leicht und spielerisch im Wind wie die Palme. Und so weiter.
Jede der Pflanzen fand einen anderen Grund, warum sie welk werden konnte.
Doch plötzlich fielen die Augen des Königs auf eine kleine Pflanze, die da mitten zwischen den verwelkten wuchs und im besten Saft da war. Sie blühte, sie strahlte in ihrer vollen Schönheit. Und er ging hin und fragte: Hey, Stiefmütterchen, warum blühst du weiterhin und alle anderen sind welk?
Und da sagte das Stiefmütterchen: Weißt du mein König, für mich war klar, als du mich gepflanzt hast, dass du mich wolltest. Und deswegen dachte ich mir, ich kann ja ohnehin nichts anderes sein als ich selbst. Dann versuche ich das auch, dann tue ich das auch nach vollsten und besten Kräften.
Ja, ich wünsche dir auch, dass du es schaffst nicht unbedingt immer wieder in diese Falle des Vergleichens zu tappen.
Was ganz leicht passieren kann, wenn es darum geht, dass wir rausgehen auf eine Bühne, dass wir auftreten.
Dass es einfach schon viele andere Menschen da draußen gibt, die gibt es, die gibt es immer und ganz ehrlich, das ist ja auch gut so. Es ist nämlich wirklich wie ein Gift dieses Vergleichen und ich kann dir von mir selber sagen, auch ich trinke dieses Gift ab und an. Aber zum Glück immer seltener.
Ich wünsch dir auch, dass wenn du jetzt in deine Sichtbarkeit kommst oder deine Sichtbarkeit weiter ausbaust, dass du es schaffst eben dieses Gift stehen zu lassen und einfach wirklich bei dir bleibst und deine Kraft findest und deine Form von Sichtbarkeit findest.
Manchmal muss man einen Umweg gehen über diese giftigen Gedanken, aber schöner ist es, wenn du es wirklich wie das Stiefmütterchen machst, in deiner Kraft.
Das ist das, was ich dir mitgeben möchte für deine Sichtbarkeit. Das ist das, was ich dir wünsche.
Mach's gut! Zeig dich und sprich! Tschüss!
.
]]>Wenn man sich auf deutschen Rednerbühnen umschaut, so könnte man diesen Eindruck bekommen. Selten gibt es einen Speakerinnenanteil über 20 %!
Woran um Himmels willen liegt das? An mehr Talent? An Vorurteilen? Am Mindset?
In dieser Folge finden wir es raus und schauen gemeinsam auf mögliche Lösungen:
Netzwerke und Plattformen, um Sprechinnen zu finden oder sich selbst eintragen zu lassen:
http://www.women-speaker-foundation.de/
Der Anteil von Frauen auf Konferenzen
wird hier schön dokumentiert: http://50prozent.speakerinnen.org/
wurde in dieser Studie untersucht:
im Originalartikel http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0049682
im der deutschen Variante: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/studie-entlarvt-geschlechter-vorurteile-bei-primatenforschern-a-868545.html
Gender oder Sex? Was ist angeboren oder anerzogen im Verhalten von Mann und Frau? Der norwegische Soziologe und Komiker Harald Eia zeigt es in seiner Dokumentarfilmreihe Brainwash. Hier findest du den Überblick über alle Filme und die Links zu ihnen.
Berühmte Reden dieser Welt im Überblick und nur eine Frau unter ihnen - das darf sich ändern!
Willkommen bei „Zeigt dich und sprich“. Die erste Folge in diesem neuen Jahr.
Das Jahr ist jetzt schon ein paar Tage, ein paar Wochen alt. Ich habe es nicht auf die Reihe gekriegt diese Folge zu produzieren. Das hatte viele Gründe.
Einer, der hier jetzt wirklich relevant ist, ist der, dass ich tatsächlich über diesem Thema innerlich noch gebrütet habe.
Ich hatte im Dezember vergangenen Jahres ein paar Newsletter bekommen. Newsletter, die mich eingeladen haben zu einer großen Rednernacht.
Als ich diesen Newsletter las, war ich einfach nur schockiert.
Ich weiß nicht, warum es mich so erwischt hat, weil es gar nichts Neues ist, aber ich war dennoch richtig schockiert.
Ich las nämlich die Rednerliste durch, weil ich das aus beruflichem Interesse mache.
Plötzlich dachte ich: "Mist, da läuft irgendwas richtig schief."
In der ersten E-Mail waren von den zehn Rednern, die da angekündigt waren: tata - eine Frau. EINE!
In der zweiten E-Mail sprach man dann schon von 11 Leuten. Da war sogar eine zweite Frau dabei. Aber den Prozentsatz hat es irgendwie nicht richtig gravierend nach oben geschoben.
Ich habe zum ersten Mal wirklich ganz bewusst in diesem Moment begriffen, da gibt es ein riesiges Ungleichgewicht. Weil, wenn wir uns mal umgucken, wer sind denn die Speaker, die auf Bühnen gehen auf so Rednernächten? Das sind alles Leute, die sich Trainer, Berater, Coach in irgendeiner Form nennen.
Wenn du dich bei den Verbänden umschaust, die Training und Coaching anbieten oder bei solchen Plattformen. Dann hast du immer ein Ungleichgewicht zugunsten der Frauen. Es gibt da mehr weibliche Mitglieder. Also z.B. beim DVCT, dem Deutschen Verband für Coaching und Training, sind 58 Prozent der Mitglieder Frauen und 42 Prozent sind dann Männer.
Oder auch in der Coach-Datenbank bei Christopher Rauen, da findest du mehr Einträge für Frauen und weniger Einträge für männliche Coaches.
Okay, das kann man jetzt nicht eins und eins gleichsetzen. Aber dennoch reden wir hier von Zahlen, die sich irgendwie zwischen 40 bis 60 Prozent bewegen und nicht bei Zahlen, die sich genau andersherum bewegen, 80 bis 90 Prozent Männer und 10 bis 20 Prozent, wenn überhaupt Frauen.
Mich hat das alles sehr bewegt, zum Nachdenken gebracht und ich möchte dir meine Gedanken hier in dieser Folge teilen.
Als allererstes tatsächlich die Frage teilen: Sind denn Männer wirklich die besseren Redner?
Vielleicht gibt es einen Grund, dass das so alles so ist, wie oben beschrieben.
Fangen wir mal Teil 1 an. Ich möchte nämlich hier ein bisschen mit dir reden, was sind die Fakten? Was stelle ich mir vor? Was ist mein Wunsch, mein Szenario, mein Ziel, meine Vision? Als drittes dann, was können wir denn tun? Was wäre eine Lösung?
Ich freue mich, wenn du hier zuhörst, auch wenn du ein Mann bist. Was ich überhaupt nicht will und es ist eine Rolle, in der ich mich überhaupt nicht sehe, ist tatsächlich so ein Spiel, Männer gegen Frauen und Frauen gegen Männer. Darum geht's überhaupt nicht für mich. Also dieses moderne Thema "Mädchen gegen Jungs", was du in manchem Kinofilm oder so findest, das ist nicht, worum es hier geht.
Hier geht es um andere Dinge.
Lass uns die mal gemeinsam anschauen.
Also schön, wenn du eine Frau bist, wenn du ein Mann bist, wenn du hier zuhörst.
Vielleicht kennst du noch die Teamauswahl für Spiele im Sportunterricht? Kennst du das, dass man so auf den Bänken sitzt? Zwei dürfen ihre Teams auswählen und da wird man so nach und nach aufgerufen.
Wenn du zu den beliebtesten gehört hast, dann wurdest du ganz schnell ausgesucht und dann vielleicht, wenn du zu den sportlichen zähltest.
Dann danach und wenn du ein bisschen weniger sportlich warst und ein bisschen weniger beliebt, wurdest du ein bisschen später ausgesucht. Am Ende werden dann die Außenseiter noch verteilt.
Hm, vielleicht kennst du diese Situation?
Vielleicht kennst du die sogar von der Außenseiterposition?
Ich habe das ausgesucht als Beispiel, weil genau das der Fall ist, was auf deutschen Rednerbühnen, auf großen Rednerbühnen (teilweise) abgeht.
Bist du männlich, weiß, heterosexuell, dann wirst du auf die Bühne geladen.
Das ist sicherlich total übertrieben.
Aber das ist ein Mechanismus, der nach wie vor noch funktioniert, in dem wir nach wie vor noch denken und ich schließe mich damit ein.
Es gibt nämlich ein Schema, wonach Redner ausgewählt werden.
Wie gesagt, das gilt sicher nicht überall, aber es gibt eins, was oft wirkt. Ich möchte das hier darstellen. Es gibt andere Beispiele, es gibt ganz tolle Beispiele.
Aber lass mich dieses Schema mal mit einer Forschung erklären. Diese Forschung, die wurde gemacht in der University of California Davids und das Team, was aus Frauen und Männern besteht (!), hat sich mit Konferenzen beschäftigt, die im Bereich der Primatenforschung gehalten werden.
Normalerweise gibt es in wissenschaftlichen Fächern mehr Männer. Also gibt es logischerweise auch bei den Konferenzen mehr Männer, die dann dort ihre Vorträge halten.
Bei der Primatenforschung gibt es aber sehr viel mehr weibliche Forscherinnen. Das äußert sich auch darin dass unter den 11 Präsidenten der Amerikanischen Gesellschaft für Primatenforschung 6 Frauen sind. Wunderbar.
ABER: Die Forscher haben sich die Jahrestreffen des Verbandes angeschaut und beobachtet: wer hält denn da die Vorträge?
Sie haben das eingeteilt in lange und kurze Vorträge und einfache, kurze Portfolio-Präsentationen, die man sich einfach nur visuell anschauen kann. Und sie haben geschaut, wie hoch ist der Anteil der Frauen?
Ergebnis:
Wenn Männer- und Frauen-Teams die Konferenz organisieren, dann waren bei diesen langen Vorträgen 58 Prozent Frauen, die diese großen Vorträge gehalten haben.
Über die Hälfte, was das Verhältnis von Männer und Frauen in diesem Forschungszweig widerspiegelt.
Wenn aber nur Männer die Konferenz organisiert haben, haben sie festgestellt, huch, plötzlich waren es nur noch 29 Prozent Frauen, die da die wichtigen langen Vorträge gehalten haben.
Also nur noch die Hälfte!!!
Wenn nur Frauen das Event organisiert haben, das muss man fairerweise dazu sagen, waren es etwas mehr Frauen, die die langen Vorträge gehalten haben, also 64 Prozent. Aber sie sind wie gesagt in diesem Fachbereich sowieso in der Mehrheit, auch das ist noch repräsentativ.
Was heißt das?
Das heißt Männer laden eher Männer zu Vorträgen ein.
Frauen tendenziell sicherlich auch ein paar mehr Frauen.
Wir laden immer Leute ein, die uns ähnlich sind.
Das hat was mit dem Rapport zu tun, wenn du dieses Konzept kennst.
Männer werden vermutlich als kompetenter eingeschätzt, haben die Forscher dann geschlussfolgert. Aber das ist eine These, die Fakten zeigen nicht die Gründe, nur dass es so ist.
Wenn ich mich auf den deutschen Rednerbühnen teilweise umgucke und schaue, was sind denn da für Teams dahinter?, dann muss ich feststellen, ja, das stimmt in vielen Fällen.
Es stimmt nicht in allen Fällen. Da bin ich total froh darüber.
Wenn du gerade eine Konferenz organisierst und du machst es anders, dann freue ich mich, dann schreib das in die Kommentare.
Lass uns diese tollen Beispiele sammeln.
Es gibt auch andere Fälle.
Es gibt natürlich TED. TED ist sehr politisch korrekt und achtet da auf ein ausgewogenes Verhältnis. Man findet da unter den 25 beliebtesten Talks, 10 Rednerinnen. Ich habe leider keine Statistik gefunden, die mir die tatsächlichen Daten widerspiegelt. Wer beliebt ist, das kann natürlich beeinflusst werden der politischen Korrektheit wegen. Das müsste man tatsächlich wirklich mal erforschen wie das ist.
Wenn du bei TEDx Deutschland guckst, z.B. bei TEDx Stuttgart voriges Jahr, 2017, findest du von 9 Sprechern 3 Frauen. Das ist schon mal ein anderes Verhältnis.
Du findest in München bei einem TEDx Meeting, was jetzt hier auch im Herbst war, 10 männliche Sprecher, 2 Sprecherinnen und zwei gemischte Teams. Also ein leicht anderes Verhältnis.
Aber das Verhältnis ist so gut wie nie andersherum. Nie 6 Frauen, 3 Männer oder so. Und wäre das besser?
Das mal so als das, was von den Daten her jetzt für mich erstmal ersichtlich war.
Die Frage ist jetzt auch noch: Gibt es vielleicht einen Grund? Sind Männer vielleicht die besseren Redner?
Es gibt jetzt nicht die eine Studie, die mir auf jeglicher Ebene genau das beantwortet, aber es gibt eine Studie, die das versucht hat zu beantworten.
Die hat auch diese Frage aufgenommen gehabt.
Es ist eine Studie am Queen Margarete University College. Die habe sich gefragt: Sind Männer die besseren Redner?
Nun, ihre Antwort: nein!
Aus folgendem Grund: Männer machen mehr Redeflussunterbrechungen mit dem sogenannten Ähm. Männer haben weit häufiger Ähm gesagt als die Frauen.
Das hat man dann gleichgesetzt mit "ein guter Sprecher Sein". Gut sprechen ist natürlich sehr viel mehr als ein Ähm zu machen oder nicht. Das einfach so am Rande fairerweise gesagt.
Aber wenn du es jetzt mal darauf beziehen möchtest, dann sind Männer laut dieser Studie schon mal nicht die besseren Redner. Sondern Frauen.
Das sind sie auch nicht, wenn du dir anguckst wie die Redefähigkeit von Jungen und Mädchen bis zu einem gewissen Alter ist. Da sind sie nicht besser.
Das dreht sich erst ab der Pubertät oder noch ein bisschen später um.
Da ist die große Frage: Warum?
Sind es angeborene oder sind es anerzogene Sachen?
Es gibt auch da für mich keine richtige Antwort und keine alles umfassende Antwort.
Es gibt aber diese spannende Dokumentation von dem norwegischen Komiker und Soziologen Harald Eia, der eine Dokumentarfilmreihe im Jahr 2011 gemacht hat. Ich verlinke mal einen Link.
Gefunden habe ich das vor einiger Zeit auf Reddit. Sehr spannend.
Und Eia hat das Ganze genannt „Brainwash“, Gehirnwäsche. Auf Norwegisch, das kann ich nicht aussprechen. Ich schreibe es dir in die Shownotes rein.
Der hat gefragt: Sind viele der Dinge, die wir annehmen, dass sie anerzogen sind und durch die Kultur oder Gesellschaft beeinflusst seien, nun, sind die wirklich beeinflusst oder nicht doch angeborene Präferenzen?
Dabei hat er solche Sachen erforscht wie Homosexualität, Gewalt, Rasse, Sex und andere Dinge. Einer der Filme aus der Reihe handelt von Sex und Gender. Männer- und Frauenbilder, die wir in der Gesellschaft haben. Rollen, die wir einnehmen.
Es ist ganz spannend da mal rein zu gucken. Das möchte ich dir einfach an dieser Stelle sagen.
Das Frauen teilweise andere sprachliche Ausdrücke verwenden, dies wissen wir schon seit den 70er Jahren. Da gab es diesen Riesenzweig an Gender-spezifischer Sprachforschung und man hat unter anderem festgestellt, dass Frauen sehr viel mehr Verniedlichungs- und Verkleinerungsformen benutzen.
Aber auch das ist kulturell abhängig. Für mich war das sehr befreiend, in der spanischsprachigen Kultur zu Hause und unterwegs zu sein, denn da darf man auch solche Verkleinerungsformen benutzen, egal ob Mann oder Frau. -ito oder -illo, was alles kleiner macht. Das entspricht den -chen oder -lein im Deutschen.
Also so was wie "Mädchen" oder "ach, was für ein süßen Pulloverchen hast du da an" oder sowas. Das wäre eine typische Frauensprache.
Auch dass man mehr "vielleicht" und "eigentlich" und solche Füllwörter einbaut. Das weiß man in der Zwischenzeit. Und auch das ist vermutlich eher nichts Angeborenes in dem Fall.
Gut, das ist einfach so am Rande, aber das begründet nicht, warum man nicht auf einer Bühne oder warum Frau nicht auf einer Bühne stehen kann genauso wie ein Mann.
Die große Frage ist jetzt nochmal: Was ist jetzt noch? Was sind die Fakten?
Ich möchte aber auch ein bisschen gucken, was war denn eigentlich?
Wenn du mal eingibst - und da danke ich den Anregungen bei uns in der Facebook-Gruppe - was gibt es denn für legendäre Reden weltweit, findest du unter einer ganzen Horde von Männern auch nur eine Frau, die da genannt wird.
Nur eine Frau!
Die große Frage ist natürlich: Warum?
Ich habe für mich 3 Sachen herausgefunden, warum?
Das eine ist tatsächlich, dass Männer im Durchschnitt mehr Zeit haben sich um diese Art von Karriere zu kümmern. Es braucht Zeit, ziemlich viel Arbeit und ziemlich viel zu ackern, um eine Speaker-Karriere an den Tag zu legen.
Wenn man als Frau auch Kinder hat und den klassischen Rollen auch nur zu einem gewissen Prozentsatz verfallen ist, dann hat man weniger Zeit.
Das erklärt ein bisschen meine Beobachtung.
Von all den Frauen, die auf der Bühne stehen, gibt es sehr wenige, die gerade kleine Kinder haben - meine Beobachtung.
Es gibt einige von denen, die die Rampensau in sich entdeckt haben, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, nachdem die Kinder groß waren.
Es gibt ein paar wenige Paradebeispiele, die noch keine Kinder haben.
Natürlich wird es auch Frauen geben, die Kinder haben und es freut mich sehr.
Aber diese klassische Rollenverteilung ist in der Praxis eben (noch) aktiv.
Stell dir vor du bereitest eine Rede vor und irgendwie ist auch der Hausputz dran?
Irgendwann muss man den machen ok, man kann es auch an jemanden abgeben, aber wer organisiert zum Beispiel die Putzfrau? Ist es die Frau oder ist es der Mann in der Partnerschaft?
Das sind so Sachen, die da auf jeden Fall schon mal mit reinspielen.
Weniger Zeit.
Wie sieht es mit Geld aus? Männer wählen eine andere berufliche Karriere als Frauen immer noch. Und zwar Berufsfelder, wo man von Natur aus oder von der Gegebenheit der Gesellschaft her mehr Geld verdienen kann. Wenn sie einmal mehr Geld verdient haben, ist es leichter wieder zu investieren in Ausbildungen, in Weiterbildungen, in Präsentationstrainings zum Beispiel oder auch in Reden.
Um auf manchen Bühnen zu stehen, muss man auch einen Beitrag bezahlen. Man steht nicht dort und bekommt das Geld. Man zahlt dafür, um dort zu sein. Das ist ein Geschäftsmodell.
Oder um in Speaker-Verbänden aufzutauchen oder so.
Männer haben möglicherweise mehr Geld, dies zu tun und möglicherweise sind sie aber auch eher bereit da in diesem Feld in sich zu investieren.
Der 3. Punkt, der mir da eingefallen ist, was auch noch ein Stück wirklich wichtig ist, ist glaube ich tatsächlich, dass Männer mehr Vorbilder haben. In den 70er Jahren durfte die Frau, erstmals 1977, wie ich jetzt nachgeschlagen habe, ohne die Erlaubnis eines Mannes arbeiten.
Da war noch lange nicht die Rede von: ich bin Vorstandsvorsitzende und leite die Meetings immer oder stehe immer auf der Bühne vor den anderen. Sondern da ging‘s erstmal um Arbeiten.
Das ist also 40 - 50 Jahre her, dass die Frauen angefangen haben damit.
Damals haben auch dann noch nicht alle gearbeitet. Das heißt unsere Elterngeneration hat möglicherweise noch nicht, die Frauen, die Mütter noch nicht gearbeitet.
Das Problem ist, bei mir zum Beispiel, meine Mutter hat gearbeitet, aber die meines Mannes nicht. Der hat auch Rollenbilder im Kopf und die trägt er mit in unsere Beziehung rein. Das macht was mit der ganzen Interaktion von Rollen, die einfach auch eine Rolle spielen.
Das macht was mit den Männern, die die Frauen nicht auf die Bühne einladen, obwohl sie das organisieren und sagen, ich habe zwar da irgendwie eine tolle Astronautin an der Hand, aber da nehme ich lieber meinen Kumpel um die Ecke, weil der irgendwie mir vertrauter ist oder weil ich dem mehr Kompetenz zuschreibe, weil ich das gewohnt bin.
Das sind ganz unbewusste Mechanismen.
Das heißt diese Vorbilder, das ist so wichtig und das gibt es aber erst seit kurzem, könnte man vielleicht sagen. Erst im Jahre 2004, das ist um die Ecke greifbar, gab es die erste Frau in einem Vorstand in einem DAX-Unternehmen unter den Top 30 DAX-Unternehmen. Karin Dorrepaal, eine Niederländerin, die auch wenige kennen.
Ich musste erst dafür recherchieren, um wirklich ihren Namen zum ersten Mal bewusst zu hören.
Das sind einfach so Sachen, die einfach ein Fall sind.
Das heißt wir sehen wenige Frauen auf der Bühne und deswegen gehen auch weniger Frauen auf die Bühne.
Eine Sache, die bestimmt auch noch mit da reinspielt, sind Verhaltensmuster, die teilweise auch angeboren, teilweise anerzogen sind. Das ist wahrscheinlich wieder eine Mischung aus beidem.
Männer sprechen einfach mal mit einer tieferen Stimme als Frauen. Da gibt es viele Forschungen dazu, die festgestellt haben, tiefere Stimmen wirken kompetenter, selbstsicherer, wirken vertrauenseinflößender für andere.
Das heißt diese unbewusste Komponente des Stimmklanges kann Einfluss nehmen.
Inzwischen ist es so, dass die Stimmen von Frauen in den letzten 10, 20 Jahren extrem gesunken sind. Vielleicht um dem Ganzen eine Antwort zu geben, vielleicht durch die veränderten Rollenbilder. Man ist sich nicht ganz sicher. Man weiß nur, dass es so ist.
Aber sie sind immer noch höher. Wenn ein bisschen Nervosität und Aufregung dazukommt, neigen Frauenstimmen tendenziell mehr dazu über eine Höhe zu gehen als über eine Tiefe.
Das kann mit reinspielen.
Auch das Verhalten in der Körpersprache. Wie groß sitzt ein Mann irgendwo in der Besprechung und Frauen mit Kleidung, mit Rollenverhalten auch, um weiblich zu wirken, haben eine andere Körpersprache, die was anderes signalisiert.
Das ist ein großes Thema für sich. Da werde ich eine extra Folge dazu machen, eine extra Podcast-Folge, weil es auch so spannend ist wie wir Status, also Macht, symbolisieren, zeigen, mit Körpersprache oder auch nicht.
Wenn du einfach mal die Fakten anguckst, dann ist es so, dass eigentlich mehr Frauen die Grundvoraussetzung von der Bildung her mitbringen. Mehr Frauen haben einen Hochschulabschluss, haben die Hochschulreife. Also die liegen zwar in den Ausbildungen nicht hinten, sondern eher vorne. Aber ich glaube, wir alle haben eine gewisse Erwartung an eine Art von Bühnen-Performance und erwarten da auch ein bisschen männliches Verhalten, ein Stück Dominanz, Selbstsicherheit, Autorität, Ausstrahlung und so weiter.
Das ist leichter mit einem gewissen körpersprachlichen Verhalten bzw. es geht damit Hand in Hand von unseren Erwartungen her.
Zusammengefasst: Es ist wahrscheinlich so aufgrund der Daten, die ich gesehen habe, dass es mehr Männer auf den Bühnen gibt, egal jetzt, ob bei Konferenzen oder bei eher Marketing-mäßigen Verkaufsveranstaltungen.
Das hat möglicherweise Ursachen darin, dass Männer mehr Geld, mehr Zeit, mehr Vorbilder haben.
Das liegt an unseren gemeinsamen Erwartungshaltungen. An ganz vielen unbewussten Prozessen auch.
Die Frage, die für mich daraus sich ableitet, ist tatsächlich, was ist jetzt das Beste, was ist die Alternative oder was ist die Lösung? Was ist das Ziel?
Da möchte ich mit mir ein bisschen über meinen Traum reden.
Ist es eine Quoteneinführung auf Rednerbühnen?
Braucht man eine Frauenquote auf der Rednerbühne? Braucht man eine Art Antidiskriminierungsgesetz für die Rednerbühne?
Definitiv nicht.
Soviel kann ich schon mal sagen.
Ich bin kein Fan von solchen Maßnahmen. Weder in Vorstandsetagen noch auf Bühnen.
Wie man dahin kommt, das gucken wir im nächsten Schritt an. Ich kann dir nur sagen, mein großer Traum ist tatsächlich, auch nicht mehr Frauen als Männer auf die Bühne zu holen, sondern:
Diversity. Vielfalt.
Ich möchte gerne mehr Vielfalt auf Rednerbühnen erleben.
Vielfalt bezieht sich auf das Geschlecht, auf die Rasse, auf den kulturellen Hintergrund. Gerne auch auf das Bildungsniveau. Vor allem aber auch auf die Art und Weise. Immer wieder die gleichen geleckten, gegelten Motivationstrainer zu erleben, das ist langweilig.
Es ist vor allem langweilig, weil es spürbar wird, dass fast jede dieser vermeintlichen Emotionserzeugungen eigentlich eine Rolle ist. Weil so wenig irgendwie echt ist.
Das macht es für mich langweilig.
Ich möchte mehr echte Einzigartigkeit erleben in ihrer Vielfalt, in der Art und Weise, wie man eine Präsentation hält. Da gibt es so unterschiedliche Sachen, die möglich sind.
Ich glaube es geht darum, dass jeder seinen eigenen Ausdruck findet und es aber auch tut.
Nicht aufgrund von irgendwelchen Situationen, die uns beschränken, wie ich im ersten Teil erläutert habe, es eben nicht tut.
Deswegen komme ich jetzt zum 3. Teil, nämlich zu der Frage: Wie kann es denn gehen?
Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie es gehen kann. Ich weiß es nicht.
Ich glaube, es gibt ganz viele Wege und die Mischung, die macht's wahrscheinlich.
Aber ich kann dir leider kein Rezept geben.
Ich möchte gerne dahin. Also ich möchte das gerne selber alles durchlaufen, um dir sagen zu können, wie es geht.
Ich kann es heute noch nicht.
Ich habe aber gesehen, es gibt mehrere Dinge, die wir beachten müssen.
1. Das erste ist, ein Weg kann sein, nämlich die Fakten wirklich auf den Tisch zu legen und zwar Männer und Frauen darauf aufmerksam zu machen, was die Situation gerade ist. Und zwar ohne diesen schimpfenden erhobenen Zeigefinger, sondern einfach sagen: So ist es Leute. Seid wachsam, was ihr da tut.
2. Das Zweite ist, dass man dann selbst sensibel und wachsam ist, wenn man in solchen Bereichen arbeitet., wenn man Rednernächte oder Konferenzen organisiert. Und zwar wachsam gegenüber den eigenen Urteilen und Vorurteilen zu sein, die da ganz unbewusst ablaufen, ganz unbewusste Programme.
3. Und als drittes glaube ich tatsächlich, dass man als Frau nicht darauf warten darf, dass uns ein Plätzchen angeboten wird am Tisch. Sondern das ist in unserer Verantwortung zu sagen: Ich nehme mir diesen Platz selber. Es gelingt der ein oder anderen besser, weil sie vielleicht extrovertiert sind oder weil sie die Nase so voll haben, dass die Wut ein guter Antreiber ist oder weil sie sich irgendwann nicht mehr darum scheren, was andere von ihnen denken und so weiter. Ich glaube aber, wenn du die Frage hast, ist es eine Hol- oder eine Bringschuld, es wird uns niemals serviert werden. Keiner, der jemals etwas hatte, das ist ein psychologisches Phänomen, ist bereit es wegzugeben. Wenn du bisher die Rechte, die alleinigen Nutzungsrechte eines Autos hattest, dann wirst du es nicht teilen wollen. Wenn du die alleinigen Nutzungsrechte einer Bühne hattest, wirst du es auch nicht teilen wollen. Es geht darum einfach hinzugehen und zu sagen: Ich möchte ein Stück. An diesem Tisch möchte ich Platz nehmen. Ich will auch Kuchen essen. Kennen wir aus anderen Kontexten. Es ist in unserer Verantwortung.
Wenn du mich fragst, was ist das wichtigste davon?, hast du vielleicht schon an meiner Betontheit gemerkt, es ist immer das, wo man selber handeln kann.
Wenn du Wissenschaftlerin bist, dann bitte forsche und teile diese Erkenntnisse mit der Welt. Total wichtig.
Wenn du ein Mann bist, der Events organisiert, dann sei sensibel für deine unbewusste Bevorzugung. Wenn du Frau bist, übrigens auch, denn die haben wir in anderen Domains genauso.
Wenn du Frau bist, dann kann ich nur sagen: Los geht's! Lass uns auf die Bühne gehen!
Jetzt wirst du vielleicht sagen, wenn du Frau bist: Ganz ehrlich, Steffi, das will ich gar nicht.
Ha! Da wirds total interessant, finde ich. Weil die Möglichkeit, die kommt in unseren Köpfen einfach oft noch nicht vor.
Der 1. Schritt ist tatsächlich, diese Möglichkeit in meinem eigenen Kopf zuzulassen und zu sagen: Hey, ich kann mir das theoretisch vorstellen, dass meine Freundin oder Bekannte oder die Kollegin oder ich selber mal auf so einer Bühne steht. Einfach diese Vorstellung überhaupt in den Kopf reinzubekommen, macht das für unser Gehirn schon mal reell. Dieses „Ich will das gar nicht“ erlebe ich oft, ist ein Ausdruck, diese Möglichkeit war noch nie in meinem Kopf da.
Ich glaube, darum geht’s, dass man diese Möglichkeiten vorlebt.
Ich kann dir dieses Rezept von erstens, zweitens, drittens nicht geben. Ich weiß aber, was auch helfen kann, nämlich nicht darauf zu warten, dass man gut genug ist, um dahin zu gehen.
Ich bin es nicht, vermute ich und ich gehe da jetzt trotzdem los. Es geht schon gar nicht darum perfekt zu sein. Das ist sicherlich ein Riesenhinderungsgrund für uns Frauen noch auf der eigenen Seite. Dieser Wunsch, dass alles schön zu machen, harmonisch zu machen etc.
Sondern es geht vielmehr darum mit dem eigenen Thema, mit der eigenen Vision, mit dem, was mir wichtig ist, rauszugehen, loszugehen, sichtbar zu werden, darüber zu reden und zwar immer wieder darüber zu reden.
Was mir bei all dem noch wichtig ist, ich glaube nicht, dass die Lösung ist, eins zu eins das zu kopieren, was bisher für 70 Prozent der Männer funktioniert hat, sondern es geht darum einen ganz eigenen und manchmal auch einen ganz eigenen weiblichen Weg zu finden, wie man so eine Bühne bespielen kann, wie man so eine Bühne betreten kann.
Eine Möglichkeit davon ist, was ganz viel natürlich schon genutzt wird, dass man auf Plattformen geht, die nur für Frauen gemacht sind. TED Women zum Beispiel oder solche regionalen Verbände, die sich nur an Frauen richten und wo man dort redet. Digital Media Women oder sowas. Das sind einfach Möglichkeiten.
Ich verlinke dir ein paar in den Shownotes, wo du einfach nochmal gucken kannst, was gibt es denn schon? Wo wäre eine Bühne für mich?
Ich glaube, dass auf so eine Bühne zu gehen, das Sicherheitsbedürfnis für uns Frauen teilweise befriedigt. Auch dort sollten wir nicht stehenbleiben denke ich. Als Übungsbühne ist das ideal. Mir, in meiner Vision, schwebt aber was anderes vor. Ich will keine Exklusivität von Frauen. Ich will keine Männerbühnen, ich will keine reinen Frauenbühnen.
Ich will Vielfalt, Diversity auf jeglicher Ebene. Es gibt für mich einen Grund, das ist ein Motiv von mir in meinem Leben, warum ich mit dem Mann verheiratet bin und mit dem Mann Kinder habe, mit dem ich das gerade habe.
Eins, was noch tiefer geht von Anziehung und Liebe und so. Da habe ich für mich entdeckt, da geht es um mehr, da geht es um Vereinigung von Gegensätzen, von Dinge zusammenbringen, die für viele Jahrhunderte getrennt waren. Wir sind ein binationales oder interkulturelles Team könnte man fast sagen.
Mein Mann kommt aus Kuba. Er ist dunkelhäutig, hat ganz andere Haare und ganz andere Haarbeschaffenheit auch. Bei uns in der Familie mit den Kindern sieht jeder anders aus, jeder hat einen anderen Hautton, jeder hat eine andere Haarfarbe, jeder hat eine andere Haarbeschaffenheit.
Ich merke, das ist auch ein Stück Ausdruck von dem, was ich gerne möchte, von dieser Vielfalt in ganz unterschiedlichsten Kontexten des Lebens. Das ist mein Motiv, warum ich heute mit dir darüber rede.
Ich habe leider noch keine Lösung. Ich weiß nur, es ist Zeit, dass dieses Mythos von männlich, weiß und heterosexuell auf den Bühnen aufhören darf. Dazu zählt auch, womit ich jetzt beginne, rauszugehen, zu sagen:
Es braucht mehr Frauen auf den großen Bühnen.
Wir brauchen nicht darauf warten, dass wir da aufgerufen werden im Sinne von einem Sportunterricht, wo uns mal jemand ruft. Sondern wir müssen einfach selber auf diese Bühne draufgehen und sagen: Hier bin ich, wir müssen den Mund aufmachen.
Ich weiß nicht, was der Weg ist.
Ich weiß nicht, was der kürzeste Weg ist.
Noch nicht. Vielleicht willst du es mit mir gemeinsam herausfinden, vielleicht willst du hier selber dranbleiben. Vielleicht hast du Ideen.
Wir können uns dazu austauschen. Das würde mich total freuen.
Vielleicht heißt die Lösung: selber Rednernächte aufziehen. Was mir jetzt im Kopf schwebt, ich will keine Rednerinnennächte, ich möchte gemischte Diversity-, Vielfaltsnächte haben.
Aber es ist ein Prozess.
Was ich gemacht habe? Ich habe mich jetzt einfach mal getraut mit diesem Thema, wo ich noch nicht das Nonplusultra oder die super Lösung gefunden habe, rauszugehen.
Ich freue mich total über dein Feedback. Was denkst du? Wie siehst du das? Lass uns darüber reden, lass uns darüber auch gerne diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein.
Habe vielen Dank, dass du hier reingehört hast.
Ich wünsche dir, dass du, egal ob du Mann oder Frau bist, ob du groß oder klein bist, introvertiert oder extrovertiert, egal welche Haarfarbe du hast, egal welche Hautfarbe du hast, egal wie du präsentieren magst, dass du es tust.
Also zeig dich und sprich!
Tschüss!
Public Speaking People
- so heißt die neue Gruppe, die ich zusammen mit Sebastian Weber auf Facebook ins Leben gerufen habe.
Wir wollen eine Community, einen Ort schaffen, wo es Austausch rund ums Öffentliche Sprechen gibt. Und wir laden alle dazu ein, die der Welt etwas zu sagen haben, auch mit leisen Tönen. Wir wollen die Ruhigen in voller Kraft auf den Bühnen dieser Welt sehen!
Und damit du weißt, mit wem ich das zusammen mache, habe ich Sebastian ins Interview gebeten.
Hier erfährst du seinen Weg vom diplomierten Schauspieler zum Auftrittscoach und allerlei mehr!
… wer Sebastian Weber ist
… wie viel Sprache und Sprechweise mit der eigenen Identität zu tun haben und wie man sich dennoch verändern kann
… Wie sich Sebastian auf einen Auftritt vorbereitet und was die letzten 15 Minuten vor deinem Auftritt essentiell ist
… was der Unterschied zwischen Bedeutsamkeit und Berühmtheit ist
… welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede wir haben
Folgt noch!
Soll ich oder soll ich nicht?
Soll ich den Mund aufmachen und sagen, was ich zu sagen habe – oder lieber schweigen? Was hab ich schon zu sagen?
Falls du diese inneren Dialoge kennst, dann ist dies deine Folge!
Hier geht es um den inneren Konflikt zwischen dem im Mittelpunkt stehen wollen und es Ablehnen. Es geht auch um die Angst vor Ablehnung vor Anderen und wie du sie ablegen kannst.
Und du erfährst ein paar ganz persönliche Erlebnisse von mir.
Diese Folge ist ein Appell an deine Selbstverantwortung!
… weswegen ich Vorträge oder meine Rolle als Trainerin so liebe
… welches Modell ich viel besser finde, als das von Introversion vs. Extroversion
… wie du selbst über den Konflikt „im Mittelpunkt zu stehen“ hinweg kommen kannst
… wie dir eine Ablehnungs-Challenge dabei helfen kann
… warum ich dich in deine Selbstverantwortung bringen will
Das Modell von reaktiv vs. proaktiv kurz erklärt
Monika Birkners Artikel über Ablehnung
Jia Jings TedX Talk Nummer 1 über seine Rejection Challenge „Surprising Lessons from 100 Days of Rejection“
Jia Jings TedXTalk Nummer 2 über „The hidden oportunity behind every rejection“
Jia Jings Ted Talk über „What I learned from 100 days of rejection“
Jia Jings Website mit Buchlink
Cam Adairs TedX Talk über „The surprising truth about rejection“
Meine Podcastepisode über Energiemanagment als Introvertierter
Hallo und willkommen bei „Zeig dich und sprich“. Diese Folge ist noch experimenteller als manch andere, weil ich normalerweise schon am Dienstagabend die Aufnahme mache, damit sie Mittwoch on air gehen kann. Jetzt ist es Mittwochabend, ich habe noch ein Elternabend gleich vor mir. Das heißt wahrscheinlich musst du auf diese Folge ein bisschen warten.
Und da ist auch gleich meine erste Frage. Ich habe mir selber mal vorgenommen, dass ich alle 2 Wochen ganz regelmäßig diesen Podcast rausbringe. Und das gelingt mir grad nicht, sondern da gibt es ganz schöne Schwankungen im Rahmen von 1 bis 3 Wochen. Ich wollte einfach gerne dich fragen und eine Rückmeldung von dir bekommen:
Ist das in Ordnung?
Kannst du damit leben oder scharrst du schon mit den Hufen, wenn jetzt nicht am Mittwochnachmittag die Folge on air ist?
Also das würde mir wahrscheinlich selber ein bisschen Druck wegnehmen, wenn ich weiß, du wartest nicht so doll drauf und es würde mich andererseits natürlich total freuen zu wissen, dass du drauf wartest.
Also in beiden Fällen bin ich der Gewinner.
Deswegen schreib mir doch einfach mal, wie geht es dir damit?
Das so als mein kleines Vorgeplänkel heute.
Heute soll es also um diesen wunderschönen Ausdruck im Englischen gehen: Speak-Up!
Was bedeutet das?
Nun, es bedeutet zum einen lauter sprechen, es bedeutet seine Meinung äußern, aber es bedeutet eben auch sowas wie kein Blatt vor dem Mund nehmen, frei von der Leber weg sprechen.
Und ich finde, das trifft es ziemlich gut bzw. im weitesten Sinne handelt diese Folge heute davon. Zunächst erzähle ich dir aber eine kleine Begebenheit.
Ich saß nämlich vor zirka einer Woche mit einem Bekannten in einem Café. Wir hatten uns nach längerer Zeit mal wieder getroffen, wir haben vor ein paar Jahren mal zusammen in einer Impro-Theatergruppe gespielt, nicht so professionell im Sinne, dass wir wirklich damit Aufführung hatten, sondern einfach erstmal für uns des Spaßes wegen und des Lernens wegen.
Das heißt, dass ist also jemand, der auch im weitesten Sinne was mit Sprechen zu tun haben mag.
Wir haben einfach mal über das gesprochen, was ich tue, über öffentliches Sprechen und sind an einen Punkt gekommen, der sehr interessant war.
Nämlich er erzählte mir, letztens war er in seiner Arbeit und es gab eine Situation, wo sie mit einer Delegation von Personen in einem Bus saßen bzw. dann auch bei der Veranstaltung und im Grunde brauchte es jemanden, der eine Ansage machte vor dieser Gruppe von 50-60 Personen.
Eigentlich wäre es die Rolle des Chefs gewesen. Andererseits hat der Chef diese Rolle nicht erfüllt, es nicht gemacht.
Mein Bekannter hatte das Gefühl „es wäre cool, wenn ich das tue“. Gleichzeitig war da diese innere Stimme da, die sagte „das macht der doch viel besser als ich“. „Außerdem ist das ja nicht meine Rolle“ und plötzlich war das Gefühl da, „ich habe auch gar nichts zu sagen“.
Das fand ich einen sehr spannenden Moment, ein Moment, den viele vielleicht kennen, den ich auch kannte und immer mal wieder kenne.
Vielleicht kennst du diese Situation der Vorstellungsrunden.
Das ist ja sehr unbeliebt. Aber es hat genau einen ähnlichen Effekt, nämlich in der Vorstellungsrunde stehst du vor einer Gruppe von Leuten oder du sitzt vor einer Gruppe von Leuten, je nach Rahmen, und plötzlich ist die ganze Aufmerksamkeit auf dir.
Das ist der Punkt, auf den ich heute hinaus möchte, auf diesen Moment, wo du die ganze Aufmerksamkeit hast.
Ich weiß nicht, wie es dir bei diesem Gedanken geht. Wenn ich mir die Szene vorstelle und da innerlich reingehe, da merke ich schon, da passiert eine andere Spannung in meinem Körper, da merke ich Gefühle im Bauch und meinen Atem. Da muss ich bewusst darauf achten, dass der weiterfließt.
Vielleicht kennst du das?
Ich kenne das.
Genau aus diesem Grund oder das ist genau der Grund, warum ich zum Beispiel Vorträge so liebe. Da ist nämlich klar, was meine Rolle ist. Da ist klar, ich bin da von Anfang an da als jemand, der dort sprechen wird.
Ich kann mich inhaltlich unglaublich gut drauf einstellen.
Deswegen liebe ich auch meine Trainer-Tätigkeit, weil einfach klar ist: das ist meine Rolle, in der bin ich dort.
Ich liebe sogar auch Videos, weil auch dort ist klar, wenn das Video an, also wenn ich auf den Anschaltknopf drücke, dann geht’s los, ich bin dran und wenn ich wieder draufdrücke, ist es vorbei.
Wunderbar klare Rollenzuteilungen, damit kann ich ziemlich gut umgehen und damit kann ich ziemlich gut sprechen, meine Meinung äußern im Sinne von Speak-Up.
Aber was ist da mit solchen Gruppensituationen?
Gruppensituation, wo die Rolle nicht hundertprozentig klar ist.
Muss ich diesen Ball zugespielt bekommen, dass ich jetzt dran bin? Oder muss ich mir diesen Ball holen?
Ist es eine Holschuld oder eine Bringschuld?
Das ist schon mal eine spannende Frage und viele Leute, mit denen ich zu tun habe, die eben nicht so die Rampensau sind, die sagen, das ist mir nicht in die Wiege gelegt worden vor Anderen zu sprechen und die trotzdem die Sehnsucht danach haben, diese Leute, bei denen ist es tatsächlich so, dass sie oder so kenne ich es von denen, mit denen ich arbeite, dass das ein Stück weit eine innere, gar keine bewusste Erwartungshaltung gibt, ich muss diesen Ball zugespielt bekommen von jemanden.
Es ist nicht diese Proaktivität da zu sagen, ich hole mir diesen einfach selber!
Ich glaube manchmal gar nicht an dieses Modell Introversion – Extroversion, sondern ich habe ein anderes Modell, was genau dieser Situation viel gerechter wird! Und auch das ist wieder nur ein MODELL (nur ein Abbild, keine Wirklichkeit).
Es gibt Leute, die sind sehr proaktiv in einer Situation, andere sind sehr reaktiv und wenn ich zum Beispiel mal klar habe, ich bin der Trainer oder ich bin die Vortragende, bin ich unglaublich proaktiv.
Ich weiß einfach, jetzt bin ich dran.
Wenn ich aber als normaler Teilnehmer mit vielen anderen in einer Runde bin, dann ist das für mich nicht so klar und dann habe ich meine ganzen gelernten und manchmal hinderlichen Höflichkeitsregeln im Kopf und lass die anderen lieber erstmal kommen. D
amit bin ich eben reaktiv, ich reagiere eher anstatt, dass ich selber sofort ins Handeln komme. Das betrifft auch das Sprechen.
Das ist das Verhalten, was wir ganz oft mit Introversion und Extroversion verbinden, was ich aber gar nicht unbedingt so sehe.
Ich finde dieses Modell für diese Situation fast noch spannender.
Proaktivität versus Reaktivität.
Also wie agiere ich in einer Situation?
Ich habe es dir schon angedeutet, es ist so unterschiedlich in verschiedenen Situationen. Wenn ich zum Zahnarzt gehe, bin ich sehr reaktiv und warte doch lieber erstmal ab, prüfe das für mich, schlafe darüber und dann lege ich los.
Das ist das Tolle an Vorträgen oder auch in Videos, dass ich zumindest diesen Hauch von Moment habe für mich, in mich zu gehen, mir das zu überlegen, dann geht es los.
Aber, wenn ich in irgendeiner Situation, einer Gesprächsrunde mit vielen Menschen bin und es von vornherein nicht klar ist, dass ich vielleicht den Gesprächsball bekomme oder mir hole, dann ist das nochmal anders, das ist nochmal aufregender.
Der zweite spannende Punkt an dieser Stelle: wenn ich die Situation von meinem Bekannten da nochmal nehme, ist, dass es ja auch so asymmetrische Situationen sind.
Wenn du einen Chef hast und du bist sozusagen in der Hierarchie etwas weiter unten, dann ist es noch mal komplexer.
Da spielen sehr viel mehr Dinge da nochmal rein in dein Gesprächsverhalten. Aber trotzdem, auch, wenn du offiziell in der sozialen Hierarchie vielleicht nicht diese Rolle hast, könntest du auf kommunikativer Ebene dir sehr wohl diesen Status holen und führen.
Das bei Führungskräften immer eine Rolle spielt, das Führen, kannst du eben auf einer kommunikativen Ebene machen.
Du kannst deinen Gesprächspartner zu einem gewissen Punkt hinführen. Aber was ich dir ganz besonders mitgeben möchte, ist im Grunde dieser Konflikt.
Weil ich habe dann weitergeredet mit dem Bekannten und da kamen dann so spannende Ideen, was ist denn da in der Situation mit dem Chef?
Dann kamen dann so Aussagen wie „naja ich nehme mich schon zurück. Es ist für mich irgendwie problematisch, weil ich eben nicht darüber vorher nachgedacht habe. Ich traue mich nicht so richtig das zu machen, genau genommen diese Ansage zu machen. Ich muss mich dazu überwinden.“
Dann habe ich noch ein bisschen nachgeforscht und habe festgestellt, das sind zwei innere Stimmen da. Die eine Stimme, die sagt: Ich liebe das. Ich will gerne sprechen. Ich will agieren und ich möchte auch im Mittelpunkt stehen. Ja, ich habe Lust auf diese Aufmerksamkeit.
Kennst du das? Gibt es in dir vielleicht diesen Hauch von der Lust?
Das ist total gut, weil darauf können wir aufbauen, damit können wir weiterarbeiten.
Auf der anderen Seite gibt es aber eben auch bei ihm und bei dir vielleicht auch, wenn du die Situation kennst, da gibt es diese andere Seite, die innerlich diese Situation ablehnt, die selber innerlich vielleicht diese Situation hasst und sagt, „oh, ich hasse Vorstellungsrunden“.
Also es gibt diese innere Ablehnung einfach und den Teil, der nicht im Mittelpunkt stehen will.
Der Konflikt aus beiden, dieses eigentliche Paradox, diese Diskrepanz, das ist das Spannende.
Das hat eben nicht jeder.
Es gibt eine ganze Menge Menschen, die wir gemeinhin wahrscheinlich als extrovertierter bezeichnen und die proaktiv in so einer Situation sind, die eben nicht diese Bremse mit haben, sondern die treten nur aufs Gas.
Wenn du beides in dir hast, das Gaspedal und die Bremse und du drückst gleichzeitig, dann ist das total unangenehm für dich.
Ich möchte dir einfach mit dieser Podcast-Folge eine Idee mit an die Hand geben, dass du dich bewusst entscheiden kannst:
Will ich jetzt bremsen? – und das ist völlig in Ordnung, wenn du das tust – oder will ich jetzt Gas geben?
Mit den Leuten, mit denen ich arbeite, passiert manchmal was ganz Spannendes, weil plötzlich geben sie extrem Gas, übertreiben vielleicht so ein bisschen. Das ist auch, das erlebt man manchmal bei denen, die plötzlich für sich eben die Bühne entdecken.
Erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn diese Seite, die vorher sehr unterdrückt war, ein bisschen ausgelebt werden konnte, dann können sie wieder ein Stück vom Gas runtergehen, langsamer fahren oder auch mal bremsen, wenn es passt.
Ich finde es jedenfalls sehr spannend ein bisschen zu hinterfragen, was ist denn da eigentlich los in mir?
Dieses, ich will ja gar nicht auf die Bühne, weil das andere ist ja auch da.
Wenn man da so ein bisschen hinterfragt, dieses Warum, was im Coaching nicht oft gerne verwendet wird, aber was ich an der Stelle total sinnvoll finde, mal so ein bisschen wirklich die Ursachen zu erforschen und genau diesen inneren Glaubenssatz rauszufinden, der dich da bremst an der Stelle.
Manche sagen, das ist anstrengend und klar ist es energetisch anstrengender im Mittelpunkt zu sein als nicht.
Das ist das eine, klar, das kostet ein Stück Energie und da brauchst du ein gutes Energiemanagement für sowas.
Gleichzeitig ist da und das ist wahrscheinlich der große entscheidende Punkt, es ist oft so eine Angst vor Ablehnung da diese Verletzlichkeit.
Was tue ich, wenn ich abgelehnt werde?
Das ist, das haben Forscher herausgefunden, das ist ein sehr schmerzhafter Prozess im Gehirn, wenn wir Ablehnung erfahren.
Darüber rede ich dann gleich noch ein bisschen.
Es gibt viele tausend andere Gründe, einen dritten will ich noch nehmen.
Nämlich so eine gewisse, ich nehme den Begriff Verbundenheit gegenüber den Menschen, wo du herkommst, gegenüber deiner Herkunftsfamilie, deinem Herkunftskreis, die das möglicherweise abgelehnt haben.
Also sowas wie „das macht man nicht“.
Ich erinnere mich an eine Situation, wo mir meine eigene Mutter mal gesagt hat, offensichtlich, weil ich als Kind, ich habe keine Ahnung mehr wie alt ich war, aber ich werde nicht so alt gewesen sein, also wahrscheinlich noch als Vorschulkind.
Ich war relativ laut in einer Umgebung, die öffentlich war. Ich habe einen Satz noch im Ohr, den sie mir da gesagt hat, nämlich: Das war mit einem Stimmklang gesagt, der mir gezeigt hat: das ist nicht gut, wenn die Leute uns anschauen.
Im Mittelpunkt sein war etwas Negatives.
Das ist so ein spannender Moment und es gibt bestimmt auch in deinem Leben irgend so einen Moment, (wenn das für dich ein Thema ist, nur dann), wo du vielleicht merkst, huch, da ist irgendwas passiert, wo du gelernt hast: das ist nicht gut!
Diese Loyalität, das ist nicht gut, das steckt halt noch als Erbe ein Stück weit in uns drinnen.
Ich bin deswegen eben ein Stück leise geworden. Das war gut, das war akzeptiert. Dafür wurde ich belohnt.
Das ist so ein spannender Moment, ja, angeboren sind gewisse Präferenzen, aber sie sind immer auch mit von der Umgebung gefördert oder unterdrückt, eines von beiden.
Und ich bin laut und leise.
Das weiß ich heutzutage. Ich habe beides in mir und vermutlich hast du auch beides in dir.
Jetzt verrate ich dir noch was über mich.
Und zwar genau vor einer Woche saß ich mit einem sehr lieben Kollegen, den ich sehr schätze, auf seinem Sofa und habe ein Video gemeinsam mit ihm gedreht. Das war gut, wir haben Spaß gehabt, das war total spannend.
Und dann haben wir es uns angeschaut und was ich da gesehen habe, war für mich nochmal erstens ein Stück erschreckend, zweitens augenöffnend und drittens ein wichtiger Lernmoment.
Das möchte ich heute mit dir hier schon mal teilen.
Nämlich, ganz rational beschrieben, was habe ich festgestellt? Ich habe festgestellt, dass meine Aussagen kürzer sind als seine. Dass ich insgesamt also weniger rede als er und dass meine Gesten kleiner sind.
Wenn du dir den Rahmen anguckst, ich war in einer Umgebung, die ich nicht kannte. Er war eine Umgebung, die er kannte. Ich bin eine Frau, er ist ein Mann. Da spielen natürlich Muster, die uns einfach erlernt, aber auch von der Natur vielleicht ein Stück weit vorgegeben sind, mit rein und nichts desto trotz die Menge und die Anzahl meiner Redebeiträge, die ist nicht unbedingt von Mutter Natur sozusagen vorgegeben.
Das war für mich total spannend, weil was passiert, wenn wir weniger reden, wenn wir kürzere Redebeiträge haben?
Es wirkt einfach, wenn du das analytisch anguckst und das fällt wahrscheinlich nur uns beiden auf und gar nicht so jemanden, der gar nicht mit diesem Fachblick drauf schaut, es wirkt einfach nicht ganz so stark.
Und wer ist jetzt schuld?
Das war dann die spannende Frage, die ich so nicht gestellt habe, aber die ich jetzt mal hier so stelle.
Wer ist denn schuld?
Das ist ein doofer Begriff. ok.
Aber wer ist dafür verantwortlich?
Das ist nicht mein Kollege, das bin ich selber.
Das ist das, weswegen ich das hier mit dir teile. Jetzt werden ein paar Leute sagen, boah, du kannst doch nicht mit so einer Story rausgehen, die dich so unperfekt zeigt. Ich tue es einfach, weil ich dir eine ganz wichtige Lernlektion, die mir nochmal bewusst geworden ist, zeigen möchte.
Nämlich: ich habe die volle Verantwortung für mein Handeln, für das, wie ich da gerade agiere. Nicht der andere.
Wenn ich in Gesprächsrunden bin und ich kriege meinen Mund nicht auf, dann bin ich verdammt nochmal dafür verantwortlich und nicht die anderen, die da im Raum sitzen.
Ich rede jetzt hier von Erwachsenen. Ich rede jetzt von uns, die wir als Erwachsene hier agieren und sprechen oder auch nicht sprechen.
Wir haben alle ein Erbe und wir haben alle in uns dieses kleine Kind, was eben noch die ein oder andere Verletzung mit sich herum trägt.
Bei manchen mehr, bei manchen weniger.
Aber wir sind eben auch die Erwachsenen, die heutzutage andere Entscheidungen treffen dürfen als früher.
Das heißt, ich darf in Zukunft noch mal mehr. Da ist ja schon unglaublich viel passiert, aber ich darf nochmal mehr, nochmal darauf achten, wie will ich rüberkommen und das heißt, wie viel will ich reden?
Will ich doch mal wieder ein bisschen mehr auf das Gas treten oder an einer Stelle dann sagen, „hey, völlig in Ordnung für mich, ich gehe auf die Bremse, das passt gerade“.
Aber dann aus dem Großmut und aus einer Bewusstheit heraus und nicht durch Zufall oder nicht, indem ich in einem alten Muster agiere.
Ich erzähle dir das alles hier, weil ich eben nicht will, dass man, dass du so Opfer der Umstände bist, sondern weil ich will, dass du in deine volle Verantwortung gehst und dass du weißt, was du tun kannst.
Deswegen habe ich mir überlegt, was kann denn jeder jetzt hier tun? Da verrate ich dir, jetzt muss ich mal kurz auf meinen Spickzettel hier schauen, wenn du diesen Konflikt kennst in dir zwischen „ich will auf diese Bühne, ich will diese Aufmerksamkeit“ und „ich hasse diese Situation, ich will das nicht“, dann habe ich einfach 4 Schritte, was du jetzt tun könntest.
Wie kommst du in diese Selbstverantwortung rein?
Schritt 1:
Das erste ist, dass du diesen Konflikt, der in dir ist, wahrnimmst und akzeptierst. Im Grunde sind es 2 Schritte. Also sozusagen Teil 1 und Teil 2 von Schritt 1.
Wahrnehmen, was da passiert, dieser innere Konflikt, dieses Paradox, ich will und ich will nicht.
Und akzeptieren, dazu innerlich ja sagen, ja so ist es. Ich habe beides in mir, das Gas und die Bremse.
Schritt 2:
Das zweite ist, dass du wirklich in dein Erwachsenen-Ich gehst, dass du wirklich als Erwachsener ganz bewusst nochmal fragst, was willst du jetzt?
Der erwachsene Teil in dir, was will er? Will er jetzt auf diese Bühne gehen und einfach erzählen vom eigenen Business, von dem, was du tun wirst, willst du die Delegation begrüßen?
Oder willst du es auch mal nicht? Auch das ist in Ordnung. Aber an der Stelle bist du selbst verantwortlich.
Schritt 3:
Dann, das ist der 3. Schritt, wenn du dich entschieden hast, dazu ja zu sagen und zu sagen „ja, ich will das tun“, dann tue es, mache den Mund auf und sprich.
Mehr nicht. Fertig.
Schritt 4:
Der 4. Schritt, das ist eigentlich nur „ein Klammer auf“.
Mache das Ganze mit Spaß.
Siehe es als eine Spielwiese. Habe Spaß dabei.
Du wirst Fehler machen, du wirst dich versprechen, vielleicht wirst du auch rot. So what?
Gehört dazu.
Mach also weiter. Mit Freude.
Das ist das, wo ich sage, das will ich dir auf jeden Fall schon mal mitgeben.
Damit es hier nicht so theoretisch bleibt, lade ich dich jetzt ein zu einem Experiment bzw. zu einer kleinen realen Challenge. Ich weiß nicht, ob es diesen Begriff bekommen darf, weil ich habe gerade nicht den Drive jetzt heute hier Mitte November eine ganz Riesen-Challenge wie du das vielleicht aus Facebook oder so kennst, aufzuziehen, aber die Idee gefällt mir.
Ich begebe mich jetzt selber mal mit dir, wenn du magst, auf dieses Experiment.
Wovon rede ich eigentlich?
Also ich möchte gerne, dass du 100 Mal diese unliebsame Situation suchst und den Mund aufmachst und lossprichst. Wie komme ich da drauf?
Ich komm da drauf, weil ich mich erinnert habe, vor längerer Zeit mal von dieser Rejection Therapy gehört zu haben, also der Ablehnungstherapie und habe da ein bisschen mal dazu recherchiert und erzählt dir mal ein bisschen.
Also es gibt den Jason Comely, der eben diese Rejection Therapy als ein Spiel aufgezogen hatte. Was hat der gesagt? 30 Tage lang gehst du immer raus und holst dir Ablehnungen, weil das wehtut im Gehirn, damit du so ein bisschen immun dagegen wirst, eine kleine Immunisierung sozusagen gegen die Ablehnung.
Du provozierst mit Absicht eine Ablehnung. Das war die Idee.
Und die hatte ein Amerikaner chinesischer Herkunft Jia Jiang, die hat er aufgegriffen und hat zunächst mit einem Video-Blog einfach das gefilmt, was er an Ablehnungen erlebte. Der hat gesagt, ich hole mir jetzt jeden Tag ein Nein ab.
Was hat er genau gemacht? Er wollte zuerst mal von einem Unbekannten 100 Dollar bekommen und dann wollte er eine Pflanze im Garten bei jemanden einpflanzen oder eine extra Bestellung für Donuts, also irgendwelche Sonderwünsche. Und so weiter.
Er hat zwei TEDx-Talks dazu gehalten, sowie einen TED-Talk, die ich dir auch verlinkte, die total spannend sind. Einer davon ist für mich mit einer meiner Top 10 Talks bei TED, die ich jemals gesehen habe. Den mag ich besonders gerne.
Jia Jing hat auch ein Buch und alle möglichen anderen Sachen auf seiner Website zum Thema.
Das Spannende ist einfach, dass er irgendwann gemerkt hat, ich entwickle mich dabei ich. Es passieren Dinge mit mir, ich gehe anders auf Leute zu. Ich geh anders ins Gespräch mit den Menschen und irgendwann wurde es schwierig, weil er plötzlich JAs bekommen hat.
Er hat gar nicht nur Neins bekommen. Es gab weniger Ablehnung in seiner Welt als Annahme. Verrückt oder?
Das ist, wo diese Idee herkommt und ich möchte das aber jetzt, also du kannst das in diesem allgemeinen Kontext lassen, aber ich würde das gerne auf unseren Kontext hier beziehen, aufs Sprechen, dass du dir Situationen suchst, wo du merkst, sprechen ist für mich nicht so angenehm und da tust du es.
Für jedes Mal häng dir ein Blatt über deinen Schreibtisch, wenn du es getan hast, klebe dir einen Punkt auf oder mache dir ein Smiley.
So würde ich das jetzt wahrscheinlich mit meinen Kunden machen. Du kannst dir natürlich auch ein Arbeitsblatt mit lauter hübschen Gesichtern machen und jedes Mal, wenn du eins, also das getan hast, dann malst du ein lachendes Gesicht für dich aus.
Damit du siehst, wie du vorankommst. Ich sag wirklich 100 Mal, im Idealfall machst du das dreimal am Tag, weil sprechen tun wir ein bisschen öfter, sodass du vielleicht in 30 Tagen schon durch bist. Ich werde das auch angehen.
Ich weiß nicht, ob das jeden Tag in meinem Arbeitskontext passt, weil ich eben manchmal auch einfach im Home-Office bin, online mit Einzelpersonen und nicht diese Situation habe. Aber, wenn ich sie habe, dann werde ich das tun und weiter testen und mehr damit spielen.
Das Spielelement ist für mich extrem wichtig. Ich lade dich ein, dass du mitmachst und ich lade dich ein, dass du mir und uns doch mal in 2, 3, 4, 5 Wochen, also nach 30 Tagen, schon mal ein bisschen schreibst, einen Kommentar schreibst, mir eine E-Mail schreibst oder in Facebook, auf der Facebook-Seite einen Kommentar machst, wie es dir damit ergangen ist. Das finde ich total spannend.
Ich weiß jetzt, wahrscheinlich hörst du die Folge erst, wenn ich schon dort bin, bis die hier bearbeitet ist, aber ich weiß, ich fahre jetzt 2 Tage lang zu einem Treffen von Solopreneuren in Frankfurt und dort wird es wieder einen Rahmen geben, wo einfach viele Leute zusammensitzen, wo meine Rolle nicht festgelegt ist, weil ich nicht die Veranstalterin bin.
Das heißt, das ist für mich auch da wieder eine spannende Situation und ich werde einfach mal ein bisschen weiter mit der Situation spielen und testen wie es mir damit geht.
Ich berichte dir natürlich auch gerne im Gegenzug, wenn das dann hier passt.
Was ich dir noch mitgeben möchte?
Ich verlinke dir mehrere TED-Talks über das Thema Rejection, über die Ablehnung. Der ein Sprecher, Cam Adair, der hat gesagt, „Rejection Is Not You“. Also du bist nicht die Ablehnung. Das definiert dich nicht. Er sagt einfach, du definierst dich selbst. Du definierst, wer bist du und dann kriegst du eben ab und an mal eine Ablehnung. Aber du definierst dich.
Das fand ich auch nochmal einen schönen Satz. Auch diesen Satz „Be Brave“, sei mutig. Das ist das, was ich dir mitgeben möchte.
Wenn du das machst, stellst du vielleicht fest, dass du eben nicht nur der leise Teil bist, nicht nur der bremsende Teil, nicht nur der introvertierte Teil, sondern du bist so viel mehr. Das ist mein Anliegen.
Ich möchte die Handlungsmöglichkeiten, die du hast, die möchte ich gerne, dass du sie und wir hier gemeinsam, dass die erweitert werden.
Dass du, wenn du mal vor der Frage stehst, sprechen oder nicht sprechen, dass Sprechen dann für dich eine leichte und angenehme Option ist. Das wäre mir total wichtig.
In diesem Sinne sage ich dir einfach noch „Zeig dich und sprich“. Tschüss! Bis zum nächsten Mal.
Was sagt die Traditionelle Chinesische Medizin über deine Art zu sprechen? Über Schnellsprecher? Über Menschen, die leise reden. Über Räuspern?
In diesem Interview mit TCM Ernährungsberaterin Katharina Ziegelbauer wage ich einen Blick über den Tellerrand der traditionellen Sprech- und Stimmarbeit. Du bekommst Anregungen für deine Ernährung und deinen Lebensstil und wie beides sich auf dein Auftreten und Sprechen positiv auswirkt.
Probier es aus – und höre gerne rein!
… welchen Blick die Traditionelle Chinesische Medizin auf unsere Art zu Sprechen hat
… was du aus TCM Sicht tun kannst, wenn du immer zu schnell redest
… was du aus TCM Sicht tun kannst, wenn du zu leise sprichst
… wie du dein Räuspern langfristig los wirst
… wie wichtig auch Ernährung für deinen gelungen Auftritt ist
Steffi Schwarzack: Hallo und herzlich willkommen zur aktuellen Folge von „Zeig dich und sprich“. Ich freue mich sehr, dass ich heute hier einen Gast habe und zwar einen ganz interdisziplinären Gast. So würde ich das vielleicht ausdrücken, weil diejenige jetzt erstmal nichts hauptberuflich mit Sprechen macht. Aber ich finde das Thema, was sie selber den anderen Leuten beibringt und in die Welt bringt, so spannend, dass ich lange schon überlegt habe, wo könnte eine Schnittmenge sein? Eines Tages bekam ich einen Newsletter von ihr, von der Katharina und da wusste ich, wir haben ein Thema gefunden und ich habe sie gefragt und sie hat zum Glück ja gesagt und ist jetzt hier im Interview. Also herzlich willkommen Katharina.
Katharina Ziegelbauer: Danke Steffi. Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf und bin gespannt auf unser Interview.
Steffi Schwarzack: Ja schön. Katharina, von meinem Hören vermute ich mal, kennen dich vielleicht noch gar nicht so viele. Deswegen wäre es jetzt erstmal total spannend zu wissen, wer bist du, auch nochmal mit Vor- und Nachname und was machst du?
Katharina Ziegelbauer: Also ich bin Katharina Ziegelbauer, ich bin in Wien zuhause und helfe Menschen ihre optimale Ernährung zu finden und zwar nach der Traditionellen Chinesischen Medizin, also der TCM. Ich bin dazu gekommen über meine persönliche Geschichte mit der Neurodermitis. Ich hatte früher sehr stark Neurodermitis seit Kindheit an und habe vieles probiert und erst die Ernährung nach der TCM hat mir wirklich dauerhaft eine Verbesserung gebracht. Jetzt bin ich schon seit einigen Jahren symptomfrei, sehr glücklich damit und habe dann deshalb die Ausbildung im zweiten Bildungsweg gemacht zur diplomierten Ernährungsberaterin nach TCM und gebe das jetzt vor allem online weiter. Ich mache Online-Kurse, bin viel auf Facebook mit Tipps unterwegs, mache Webinare, habe einen inzwischen schon sehr ausführlichen Blog mit vielen Artikeln und schreibe E-Books.
Steffi Schwarzack: Sehr spannend. Viele wissen vielleicht noch nicht so richtig was mit dieser traditionellen chinesischen Medizin anzufangen. Vielleicht magst du auch noch kurz erzählen, was das ist?
Katharina Ziegelbauer: Die traditionelle chinesische Medizin ist eine ganzheitliche Medizin, das heißt man sieht den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist. Es gibt nicht wie bei uns im Westen für jeden Teil quasi einen eigenen Arzt, also einen Augenarzt, einen Internisten, einen Hautarzt, sondern es gibt einen Arzt für alles, weil in der TCM alles zusammenhängt und das finde ich sehr spannend. Zum Beispiel bei der Haut ist es so, dass die Haut nach der TCM zur Lunge gehört. Das heißt der Zustand der Haut zum Beispiel zeigt auch an, in welchem energetischen Zustand sich die Lunge befindet. Das heißt eine strahlende schöne Haut zeigt auch eine gute Lungenenergie an. Natürlich gehört auch die Stimme, unser heutiges Thema, auch zu Lungenenergie dazu, aber auch zum Herzen. Das Herz zum Beispiel öffnet sich nach TCM in die Zunge. Das heißt auch die Art, wie jemand spricht, zeigt, ob es da im Körper Hitze gibt oder Kälte etc. Dieses Spannende finde ich, dass alles zusammenhängt und dass es sozusagen nicht darauf ankommt, welche Diagnose man hat, sondern die Symptome. Was zeigt der Körper aktuell? Das ist oft ganz naheliegend für den gesunden Menschenverstand. Zum Beispiel, dass rote Hauterscheinungen eine innere Hitze zeigen und eine Blässe, zum Beispiel ein blasses Gesicht, zeigt eher eine Kälte. Rote Wangen zeigt eher eine Hitze. Oder wenn wir Ödeme haben, also Wasseransammlungen im Körper, dann zeigt das innere Feuchtigkeit. Also es ist vieles ganz gut verständlich. Aber natürlich bin ich auch schon sehr lange jetzt damit beschäftigt und mir kommt das alles schon ganz normal vor. Wahrscheinlich ist es von außen doch nicht so normal, aber …
Steffi Schwarzack: Ich finde das auch total interessant und ich habe dich ja auch eingeladen, weil das sozusagen mein persönliches Hobby, so könnte man es vielleicht sagen, ist. Ich beschäftige mich als Hobby schon sehr viele Jahre auch damit und findet das auch total spannend. Aber gekriegt hast du mich tatsächlich, als du diesen Blogartikel schriebst im Sommer oder Newsletter, weiß ich gar nicht mehr genau, wo du genau über den Zusammenhang geredet hast. Ich glaube der Zusammenhang von Herz und Sprechweise war das. Und das ist nochmal das Spannende. Vielleicht kannst du ein bisschen über diese Zusammenhänge erzählen? Was sagt denn uns die Sprechweise? Je nachdem wie wir reden über, also aus Sicht der TCM, über uns selber und wo können wir da ansetzen? Weil ich arbeite natürlich mit Techniken und mit Gedankenvorstellungen, aber du hast nochmal einen ganz anderen Ansatz an die Sprechweisen ran zu gehen.
Katharina Ziegelbauer: Ja, also da kann man wirklich auch mit der Ernährung etwas tun, um sozusagen die Sprechweise zu verbessern oder um bestimmte Phänomene, die einen an sich selber stören, wegzubekommen oder einfach besser zu verstehen vielleicht. Als Beispiel, was ich auch von mir selber kenne, ist einfach, wenn man sehr schnell spricht, dass das ein Zeichen von Herz, Hitze ist. Das heißt, dass das Herz da zu heiß ist. Deswegen spricht man sehr schnell. Da kann ich eine Anekdote dazu erzählen, dass ich meine Schwiegermutter, die ist nämlich im Vorarlberg, als ich die kennengelernt habe und die ersten Male mit ihr gesprochen habe, hat sie zu mir gesagt, Katharina, ich verstehe dich nicht, kannst du bitte langsamer sprechen? Das war lustig, weil sie ja voralbergisch redet, aber sie hat mich nicht verstanden, weil ich einfach dazu neige auch zu schnell zu sprechen. Ich habe auf jeden Fall eine Neigung zu Herz, Hitze. Das passt auch übrigens zum Neurodermitis-Typ dazu, dass es auch eine innere Hitze ist, auch wenn es schon viel besser ist. Das wäre zum Beispiel etwas, wo man dann einfach schauen kann, okay, wenn ich dazu neige, immer so viel zu sprechen oder auch so dieses Sprudeln, also immer auch Menschen, die, das kennst du sicher auch, Steffi, es gibt Menschen, die hören auch nicht auf zu reden, die reden und reden und reden.
Steffi Schwarzack: Ich denke gerade an eine ganz aktuelle Kundin, die sich glaube ich total über ein paar Tipps auch freuen würde von dir. Was kann die denn machen?
Katharina Ziegelbauer: Also da würde ich einfach vorwiegend schauen, wie man sich fühlt, also wie man diese Hitze kühlt. Und am wichtigsten dabei ist, gar nicht das, was man dazu nimmt in der Ernährung, sondern das, was man weglässt, was oft fast schwerer ist. Nehmen wir ein Beispiel, der Kaffee, genauso aber auch die Gewürztees, also Ingwertee zum Beispiel. Die wirken einfach erhitzend und regen diese Herzfeuer nur noch mehr an. Gleichzeitig auch alle scharfen Gewürze, von Pfeffer über Chili, aber auch Zimt ist erhitzend zum Beispiel. Gewürznelken, also die typischen Weihnachtsgewürze zum Beispiel. Das kennt man vielleicht aus eigener Erfahrung, wenn man ein Chili ist, dass einem nachher heiß wird. Das wirkt einfach direkt erhitzend und verstärkt dann diese innere Hitze, dieses Herzfeuer auch, also dass man da mal schaut, diese erhitzenden Zutaten einzuschränken. Dazu zählt zum Beispiel auch Fleisch im Übermaß, vor allem gegrilltes, scharf angebratenes, frittiertes Fleisch macht auch Hitze und verstärkt die Herzhitze.
Steffi Schwarzack: Spannend. Das heißt, ich werde ihr das mal vorschlagen. Mal sehen, ob es auf diese Art vielleicht auch leichter für sie ist, ein bisschen ruhiger an manchen Stellen zu sprechen.
Katharina Ziegelbauer: Genau. Es gibt natürlich auch spezifische Getränke und Nahrungsmittel, die empfohlen werden, um zum Beispiel Herzfeuer zu kühlen. Da kann ich vielleicht dir und deinen Hörerinnen und Hörern auch noch zwei, drei mitgeben. Ein Beispiel für ein wirkliches medizinisches Getränk ist der Weizentee, indem man aus Weizen, aus ganzen Weizenkörnern einfach eine Abkochung macht und das dann als Tee trinkt. Also man nimmt zwei Esslöffel Weizenkörner und kocht sie dann in einem halben Liter Wasser zirka 20 Minuten oder länger aus und das trinkt man dann am Nachmittag idealerweise. Das kühlt dann direkt unser Herzfeuer. Das ist so eine Medizin zum Beispiel. Von den Nahrungsmitteln her ist es zum Beispiel grüner bitterer Salat sowie Endiviensalat, der direkt auch Herzfeuer kühlt. Das heißt, dass man zu seinem gekochten Essen einen grünen Endiviensalat dazu isst oder andere bittere grüne Blattsalate. Die wirken auch Herzfeuer kühlend zum Beispiel. Und im Sommer ist auch gut zum Beispiel Wassermelone.
Steffi Schwarzack: Aber jetzt ist es, also ich frage mich jetzt gerade, es könnten vielleicht auch Leute sagen, na ja, aber ich will mich gar nicht in dem Sinne so runter kühlen, denn ich möchte vielleicht sogar diese Leidenschaft schon noch in mir drinhaben. Also bleibt die einem dann erhalten, dieses Feuer für Ideen und Gedanken?
Katharina Ziegelbauer: Ja, also normalerweise, wenn man Herzfeuer hat, ist es schon ein ziemlich hitziger Zustand und da geht nicht so schnell das Feuer weg, wenn man ein bisschen mehr kühlt. Aber du hast schon Recht, man sollte schon schauen, dass man trotzdem noch in seiner Mitte bleibt, um sich zu stabilisieren. In der TCM geht es immer ganz viel um Maßhalten, um Mäßigung und um regelmäßiges gekochtes Essen als Grundlage von allem. Ein gekochtes Frühstück ist eine der Grundsäulen der TCM-Ernährung, die einfach die Verdauungskraft stärkt, unser Verdauungsfeuer anregt uns insgesamt gut versorgt und die Grundlage bildet auch für alles andere. Dann kann man diese kühlenden Nahrungsmittel oder Getränke dazugeben, um sich noch extra sozusagen da zu stärken. Aber du hast schon Recht. Ich würde es nicht empfehlen, nur noch Rohkost zu essen oder kalte Getränke zu trinken. Das ist dann oft für die Verdauung zu kalt und schwächt uns im Endeffekt dann.
Steffi Schwarzack: Jetzt haben wir so ein bisschen was gemacht für die Leute, die zu schnell sprechen. Was ich auch oft noch erlebe bei meinen Kunden, ist, dass Leute sehr leise sprechen. Also was sagt denn das über die Menschen aus und was kann man da tun?
Katharina Ziegelbauer: Ja, das ist auch ein interessantes Thema und zwar geht’s da um Fülle oder um Mangel. Das heißt in der TCM gibt es so verschiedene Kriterien, nach denen man eine Diagnose von demjenigen Menschen machen kann. Eines der Kriterien ist, ob das jeweilige Symptom eine Fülle oder einen Mangel zeigt. Leise zu sprechen oder auch eine eher schwache Stimme zu haben, bedeutet einen Mangel an Qi, einen Mangel an der Lebensenergie, die uns versorgt. Laut zu sprechen ist eher ein Fülle-Hinweis hingegen, also die so extrem laut sprechen.
Steffi Schwarzack: Ja, ich kenne auch so Leute, die so extrem laut und gar nicht anders können.
Katharina Ziegelbauer: Genau. Das ist dann eine Fülle-Zeichen und oft ist es eben auch ein Fülle-Hitze-Zeichen, sodass diese Leute auch zu viel Hitze haben. Und bei den Leisen, bei der zu leisen Stimme wäre es wichtig sich eher zu wärmen und eben durch regelmäßiges nährstoffreiches Essen, das wir gut verdauen können, das Qi aufzubauen und damit sich insgesamt zu stärken und aus dem Mangel rauszukommen. Oft ist eben der Qi-Mangel auch mit einer Kälte eher verbunden. Das ist jetzt ziemlich komplex oder?
Steffi Schwarzack: Also ich kann dir gut folgen. Ich weiß nicht, ob jeder Hörer hier folgen kann. Aber vielleicht machen wir auch einfach Lust. Manchmal hat man auch den Effekt, wenn man noch nicht alles sofort versteht, einfach Lust, sich mit der Materie mehr zu beschäftigen. Ich erlebe es selber als was sehr, als eine wichtige Ressource, meine eigenen Zustände ein Stück weit selber zu beeinflussen. Wenn ich viel Stress habe oder wenn ich gerade eine Zeit habe, wo ich selber viel vorne sichtbar auf einer Bühne stehe oder auch wenn ich eine lange Zeit nicht wieder mal auf einer Bühne stand. Das fällt mir oft sehr schwer da wieder reinzukommen. Da gucke ich auch immer, was kann ich denn machen? Nicht nur über Ernährung, aber auch über Ernährung. Was gibt es noch so für typische Sprechweisen, worauf in der TCM als Diagnoseinstrument geachtet wird?
Katharina Ziegelbauer: Na ja es gibt einfach noch die Merkmale der Stimme. Dass sie zum Beispiel heiser ist, so eine eher heisere, raue Stimme würde nach TCM auf eine Lungentrockenheit hindeuten, also auf einen Säftemangel in der Lunge. Was natürlich speziell in der Heizungsperiode noch verstärkt wird durch trockene Raumluft oder auch durch Klimaanlagen. Es gibt auch Menschen, die haben das einfach von Haus aus, die sind einfach so ein Typ. In der TCM heißt das Lungen-Yin-Mangel. Da kann man einfach auch bewusst versuchen die guten Körpersäfte zu stärken. Ganz effektiv ist da zum Beispiel die Birne als Birnenkompott als Birnenmus, um so eine raue Stimme zu befeuchten. Ich meine, du als Stimmexpertin, du kennst sowieso sicher auch die Kräutertees so wie Eibischwurze. Ich denke, das kennen alle, die mit der Stimme professionell zu tun haben. Und von der Ernährung gibt es dann zum Beispiel noch die Mandeln. Die Mandeln haben auch einen Lungenbezug und stärken speziell das Lungen-Yin. Da möchte ich zum Beispiel das Mandelmus empfehlen. Das ist sehr lecker. Das ist einfach Mandeln als Mus eben, also das reine Mandelfett sozusagen. Aber ist ja auch sehr empfehlenswert von den Inhaltsstoffen und das befeuchtet ganz gezielt eine trockene Lunge. Wenn man so ein Löffelchen Mandelmus nimmt oder man es in einen Porridge mischt zum Beispiel oder auch in akuten Fällen einfach ein bisschen Marzipan essen.
Steffi Schwarzack: Das kann ich mir natürlich auch bei Aufregung total gut vorstellen, dass man im Vorfeld als kleines Ritual anstatt, also im Theater kenne ich, dass Leute früher gesagt haben, mach mir mal ein Schlückchen irgendwie Sekt oder so, aber viel besser ist doch dann ein Löffelchen Mandelmus oder Marzipan.
Katharina Ziegelbauer: Genau.
Steffi Schwarzack: Um die Stimme zu ölen.
Katharina Ziegelbauer: Und dann gibt’s natürlich auch ein bisschen das Gegenteil sozusagen, wenn wir viel verscheimt sind, wenn wir chronisch verschnupft sind, Bronchitis haben oder einfach wirklich Schleim raufhusten in der Früh, dann kann man versuchen diese Feuchtigkeit, wie das in der TCM heißt, also pathogene Feuchtigkeit wieder zu trocknen. Also dann wäre Mandelmus und Marzipan nicht das Wahre, sondern da würde ich dann eher schauen einen Reis zu essen, eine Linsensuppe, also Hülsenfrüchte, gekochtes Getreide, Polenta, mit gekochtem Gemüse, im Idealfall Wurzelgemüse zum Beispiel, das wirkt auch eher trocknend und vor allem die stark befeuchtenden Nahrungsmittel wieder mal wegzulassen. Das betrifft zuallererst die Kuhmilch, die nach TCM sehr verschleimend ist, aber auch de Zucker, Weißmehl und allgemein auch zu üppiges Essen. Also dieses typische Hausmannskost-Essen in Österreich, Schnitzel mit Pommes oder Schweinebraten überbacken mit Schinkenfleckerl. Das würde diesen Schleim sozusagen vermehren.
Steffi Schwarzack: Ich frage dich das jetzt nochmal, weil das für manche bestimmt nach wie vor spannend ist. Wenn ich jetzt diese raue Stimme habe, kann ich denn dann Milch trinken, Milch mit Honig als der Klassiker oder soll ich das generell weglassen?
Katharina Ziegelbauer: Doch ja, so als Medizin kann man das durchaus machen. Mann muss halt nur schauen, dass man nicht möglicherweise vorhandenen Schleim damit vermehrt. Das Problem ist nämlich, da wo es ein bisschen komplexer wird, ist, …
Steffi Schwarzack: Das wollte ich dich gerade fragen. Kann ich beides haben schon?
Katharina Ziegelbauer: Man kann leider auch beides haben beziehungsweise kann man in einem Körperteil Trockenheit haben und dann in einem anderen Körperteil Feuchtigkeit. Man könnte zum Beispiel eine heisere Stimme haben, man könnte aber durchaus Ödeme in den Knöcheln haben oder zu schweren Beinen neigen oder zu geschwollenen Knöcheln neigen. Das ist auch ein Zeichen für Feuchtigkeit zum Beispiel. Oder man könnte zu Verdauungsprobleme neigen wie Blähungen oder breiten Stuhl, was auch ein Feuchtigkeitszeichen ist. Dann kann man natürlich bei einer heiseren Stimme die warme Milch, also warm ist wichtig auch, warme Milch mit Honig trinken als einmaliges Medikament sozusagen. Aber ich würde es nicht dauerhaft machen, weil damit vermehrt man dann sozusagen den Rest, die Feuchtigkeit in den anderen Körperstellen auch.
Steffi Schwarzack: Du hattest sie kurz erwähnt, weil ich bin da bisher eher sehr zurückhaltend. In der Einzelarbeit nenne ich Leuten schon so Kräuter, aber du bist jetzt die Fachfrau dafür. Es würde mich schon noch mal interessieren, welche Kräuter du empfiehlst für die Stimme, bei Heiserkeit, jetzt ist der Herbst da. Das wird für einige Leute ein Thema sein.
Katharina Ziegelbauer: Also ich bin da auch nicht so die Fachfrau. Deshalb, es ist kein Teil von der traditionellen chinesischen Medizin, weil die haben ihre eigenen Kräuter, die TCM-Kräuter, die wiederum ich als Ernährungsberaterin gar nicht empfehlen darf oder zumindest nicht verschreiben darf, weil das nur die Ärzte dürfen, also (unv.) Medizin. Da gibt es sehr, das ist so wie bei uns die Pharmakologie, gibt es in der TCM eine Jahrtausende alte Kräuterheilkunde mit wirklich tollen Wirkungen. Aber da muss man zum TCM-Arzt oder -Ärztin gehen. Und das heißt, ich beschäftige mich einfach ein bisschen mit westlichen Kräutern, habe aber keine Ausbildung dafür. Also ich habe Bücher zu Hause und eines möchte ich empfehlen, das ist von Florian Ploberger, „Das große Buch der westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin“. Das ist sehr interessant, weil der geht die Kräuter durch nach ihrer Wirkung sozusagen in Bezug auf die TCM. Daher habe ich sozusagen mein Wissen, zum Beispiel eben der Eibischwurzel-Tee für eine heisere Stimme, weil der eben so einen pflanzlichen Schleim bildet, der sich schön, schön die Lunge befeuchtet ohne da Schaden anzurichten oder auch das Lungenkraut, das nährt das Lungen-Yin. Natürlich kann man auch Salbei-Tee nehmen, Pfefferminze hat einen Bezug zur Lunge, Spitzwegerich, also diese üblichen, das ist dann eher schon bei Verschleimung. Diese üblichen Hustentees, die man sonst kennt.
Steffi Schwarzack: Was ist mit Thymian, welche Wirkung hat der?
Katharina Ziegelbauer: Thymian ist wärmend, im Unterschied zu den bisher aufgezählten, die eher kühlend sind. Thymian wirkt gut entschleimend auch und vor allem ist es gut, wenn man so krampfartigen Husten hat, was auch so eine entkrampfende Wirkung hat. Ich würde mit Thymian aber aufpassen, wenn es viel Hitze gibt.
Steffi Schwarzack: Spannend. Ich frage da auch für meine Kinder. Da spielen ja so Themen auch immer eine Rolle. Sehr interessant. So eine fachliche Frage hätte ich jetzt auf jeden Fall noch und zwar: Wenn jemand viel räuspert, ist es schon auch wie ich das gelernt habe ein Zeichen dafür Verschleimungen oder?
Katharina Ziegelbauer: Ja, das ist eine interessante Frage, weil da gibt’s zwei Möglichkeiten. Einerseits kann es natürlich ein Zeichen sein von Verschleimung, dass man immer diesen Schleim spürt, den man auf rauf räuspern will. Andererseits kann es auch ein Zeichen sein für ein Stagnieren des Leber-Qi. Also die sogenannte Leber-Qi-Stagnation, so heißt das in der TCM. Das heißt, dass das Qi nicht frei durch den Körper fließt und durch unsere Kehle geht eben auch der Leber-Meridian und wenn wir so das Gefühl haben, wir haben so einen Kloß im Hals oder so und müssen uns immer räuspern, dann kann das auch ein Zeichen dafür sein, dass unser Qi nicht frei fließ. Vor allem, wenn kein Schleim eigentlich da ist. Das heißt, wenn wir uns räuspern, aber es ist gar kein Schleim da. Andere Zeichen für Leber-Qi-Stagnation, also für nicht frei fließendes Qi, sind einfach Schmerzen oder Spannungsgefühle an den verschiedenen Stellen im Körper von Kopfschmerzen über Menstruationsbeschwerden bis zu in den Rippenbögen so ein Spannungsgefühl, aber auch natürlich Verdauungsprobleme kann da dazu. Allgemein sind bei der Leber-Qi-Stagnation einfach die Emotionen auch stark beteiligt, das heißt es gibt ja bei uns auch das Sprichwort „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“. Das heißt so, Ärgernisse, Frustration, dann das Gefühl es steht irgendwie alles, kann das auch verstärken beziehungsweise auslösen.
Steffi Schwarzack: Spannend, weil ich habe immer wieder mit Leuten auch zu tun, die sagen, ich muss so viel räuspern und ist nochmal eine ganz andere Sicht auf die Sache als das, was eben sonst so beibringe und erzähle.
Katharina Ziegelbauer: Wobei das, was du machst, ich meine, das habe ich mir vorher schon gedacht mit dem Herz, mit der Herzhitze zum Beispiel, wenn du zum Beispiel körperliche Entspannungsübungen oder Atemübungen mit den Menschen machst, das ist auch etwas, was den Körper kühlt. Das finde ich auch sehr interessant in der TCM, es hat alles seine Wirkung. Emotionen haben eine Wirkung, zum Beispiel ob es heiße Emotionen sind wie Zorn oder Ärger oder eher kalte absenkende Emotionen wie Angst, so hat es auch eine kühlende beruhigende Wirkung auf uns, wenn wir Atemübungen machen., wenn wir uns körperlich entspannen, wenn wir früh schlafen gehen, also wenn wir ausreichend schlafen zum Beispiel auch. Das ist etwas, was man in der TCM auch empfiehlt, um zum Beispiel das Herz zu beruhigen. Nur dass man einfach früher schlafen geht auch.
Steffi Schwarzack: Ja, ein sehr guter Tipp. Schön. Was mich jetzt auch noch interessiert: Gibt es irgendwas, womit man so seine Selbstsicherheit also langfristig aufbauen kann, irgendetwas, was man so kontinuierlich gegen Lampenfieber tun kann? Weil das ist oft noch, womit meine Leute auch zu tun haben. Die sagen, oh, ich bin so aufgeregt vor diesem Auftritt oder vor diesem Video. Wie kann ich denn mich da vielleicht innerlich stärken?
Katharina Ziegelbauer: Also das ist definitiv ein Langzeitprojekt von der Ernährung her. Ich glaube schon, dass man mit der Ernährung da ein bisschen was machen kann. Möchte allerdings nicht die Erwartungen sozusagen zu hochschrauben. Prinzipiell ist es so, dass man die Nerven insgesamt stärken kann, indem man das Blut stärkt. Weil in der TCM stellt man sich vor, dass unsere Nerven in ausreichend Blut ruhen müssen, um gut gepolstert und fest und stark zu sein. Um Blut zu stärken, ist es wiederum wichtig unsere Verdauungskraft zu unterstützen, weil wir können nur Blut aus dem bilden, was wir auch gut verdauen können. Das heißt, es geht wieder um dieses regelmäßige gekochte Essen, natürlich auch mit Rohkost dazu, aber die Hauptmahlzeiten sollten vorwiegend gekocht sein, weil das am besten die Verdauungskraft stärkt unter Rücksichtnahme natürlich auf persönliche Unverträglichkeiten oder sonstige Verdauungsbeschwerden, die man bei sich selber bemerkt. Dann kann man bestimmte Nahrungsmittel integrieren, die das Blut noch speziell stärken wie zum Beispiel rote Beeren Rote Rübe, grüne Blattgemüse, aber auch die grünen Kohlarten sind da sehr gut, Brokkoli, Rosenkohl, Linsen. Schwarzes Sesam ist auch sehr gut zum Beispiel fürs Leberblut und auch fürs Herz, na fürs Herz weniger, aber fürs Blut auf jeden Fall. Eigelb, auch die Hühnersuppe ist sehr gut Blut stärkendes Nahrungsmittel. Wirklich so über eine längere Zeit einfach sich da sowohl vom Qi her als auch vom Blut her stärken, um einfach die Nerven insgesamt zu stärken und eine bessere innere Uhr, sozusagen eine stärkere Verwurzelung, sage ich mal so erreichen.
Steffi Schwarzack: Spannend.
Katharina Ziegelbauer: Apropos Verwurzelung, die Wurzelgemüse habe ich noch vergessen, also besonders Karotten sind auch super für das Blut und auch das Qi. Gekochte Karotten.
Steffi Schwarzack: Super. Dann weiß ich jetzt schon vor einem Auftritt, Wurzelgemüse und Mandelpaste.
Katharina Ziegelbauer: Ja genau.
Steffi Schwarzack: Nein, das ist natürlich zu pauschal. Aber als Anregung finde ich das eine total gute Sache. Katharina, was mich jetzt vielleicht ein bisschen von deinem Fachthema jetzt noch wegführt, aber was bestimmt total spannend ist für andere. Du bist ja eine finde ich aus meiner Sicht schon eine sehr erfolgreiche Online-Unternehmerin, aber du machst das auf, ich sage mal auf leisen Sohlen. Du bist jetzt nicht so ein Lautschreier, hey, seht mal her, wie ich das mache oder so, sondern es ist so ganz integer. Was mich schon interessiert, welche Rolle spielt denn öffentliches Sprechen bei dir im Business und was war so dein eigener Weg, dass du da hingekommen bist, dich vor andere zu stellen und zu sprechen in deinen Webinaren?
Katharina Ziegelbauer: Ja, Steffi. Das Witzige ist, dass ich selber nicht so gerne vor anderen Leuten spreche und ich habe früher schon auch versucht mehr Vorträge zu machen und so weiter, habe aber gemerkt, dass mich das von wegen Lampenfieber, also da bin ich voll deine Kandidatin, dass mich das immer sehr angestrengt hat. Ich habe natürlich schon dann meine Methoden entwickelt, um mich vorher sozusagen zu beruhigen etc. und die Vorträge selber haben mir dann auch immer Spaß gemacht. Aber es war einfach oder ich mache es, natürlich ich mache immer noch Vorträge, aber eher selten. Dann habe ich bemerkt, dass wenn ich das online mache, ich mache eben oft Webinare, dann sind oft mehrere hundert Zuschauer und Zuschauerinnen dabei, dass ich online, dass mir das viel leichter fällt, wenn ich die anderen nicht sehe. Aber es ist ganz viel Routine. Ich bin prinzipiell ein introvertierter Mensch, würde ich mal sagen, habe mich aber über die Jahre einfach damit auseinandergesetzt, meine eigenen Schwerpunkte für mich gefunden, wie ich das gut integrieren kann. Was mir wichtig ist, dass ich nicht sozusagen in meiner Komfortzone verharre und gar nicht mehr vor anderen Leuten Vorträge mache, sondern dass ich das schon regelmäßig mache, weil ich ja merke, es bringt mich weiter. Es macht auch Spaß.
Steffi Schwarzack: Bringt es dich beruflich weiter oder auch innerlich so als Mensch?
Katharina Ziegelbauer: Innerlich. Ich glaube, beruflich müsste ich es gar nicht machen. Nur wegen dem beruflichen Erfolg müsste ich es nicht machen, aber innerlich bringt es mich weiter. Weil ich einfach merke, ich kann mit dem umgehen, es stärkt mich.
Steffi Schwarzack: Ja, das ist eine schöne Aussage. Es stärkt mich. Das finde ich irgendwie nochmal gut so. Ein bisschen über die Komfortzone gehen, aber dann gestärkt da rausgehen. Was ist vielleicht so das Wichtigste, was du vielleicht sogar anderen introvertierten Unternehmern mitgeben kannst, was so ein wichtiger Tipp ist, außer dass du es immer wieder tust, auch wenn du es nicht brauchst oder wenn es nicht die Komfortzone ist. Aber was hast du noch so, wie machst du es, dass du dann gut in deine Energie kommst, wie steckst du dich selbst?
Katharina Ziegelbauer: Steffi, also da habe ich ganz viel mit der Achtsamkeit für mich erreicht und einfach mit dem nicht nur Wissen, sondern auch erleben, dass die eigenen Gedanken nicht unbedingt die Wahrheit sein müssen und dass ich sehr wohl meine Angstgedanken oder was es dann sonst so sind, wahrnehmen kann. Aber dass ich dann sage, okay, danke dass ihr da seid, aber ich mache das jetzt trotzdem. Dass man sich nicht so von seinen, wie du schon gesagt hast, einfach trotzdem tun. Das ist vielleicht das Wichtigste. Dass man sich bewusstmacht, ich bin nicht meine Gedanken. Ich kann trotzdem, auch wenn ich jetzt mir in Gedanken, keine Ahnung, die ärgsten Katastrophen ausmale, ich kann das jetzt trotzdem machen und je öfter man das tut, desto mehr Beweise sammelt man ja auch, dass es funktioniert und dass eben keine Katastrophen passieren. Einfach wirklich dieses Tun und sich selber einfach immer wieder bestärken, also ich empfehle die Achtsamkeit als Methode oder als Weltanschauung auch einfach.
Steffi Schwarzack: Ja, schön. Sehr interessant. Dann war es das im Grunde von mir, was ich auf jeden Fall ganz wichtig von dir wissen wollte. Vielen Dank!